6«v Ereignisse für die Zukunft 6er sozial Wichen Jniernationale und ganz Europas van großer Bedeutung iverden.
Das Seegefecht in der Adria.
Im Anschluß an die Mitteilungen des Wiener Corr.-Bur. über de» Kreuzer „Zentlia" wird der korvesp. Wilhelm priemt mitge- tcilt: Vom Geiste Tegetthoss beseelt, wagte cs diese Nußschale, sich im offenen Meere mit vielleicht sllnfzigfacher Ucbermacht in einen Kampf einzulasic», bestrebt, dem Feind, auch den sicheren Untergang vor Auge», möglichst viel Schaden zuzufügen. Ties scheint dem Keinen Kreuzer und seiner hcldenhastcn Besatzung gelungen zu sei». Tie französischen Schisse erlitten durch die wackere „Zentha" Schaden, wenn sich auch dessen Größe nicht einmal annähernd bestimmen läßt. Etwa 150 Mann, welche sich an die montenegrinische Kiiste retteten, werden wohl in Montenegro kricgSgesangen sein. Auch die französischen Schlachtschiffe werden wohl eine» Teil der Bemannung der „Zentha" gerettet haben. Nach internationalem Ucbercinkommcn müsicn die Namen der Geretteten unserer Marine bald bckanntgcgcbcn werden. Diese in der Geschichte unserer Flotte unvergängliche Tat zeigt, von welchem Geiste die Marine beseelt ist.
Unmotivierte Fro«ltverä»deru«»g.
„Die Stimme des Rechts hat zu schweigen, wenn die Waffen sprechen!" Diesen blendenden Blödsinn verzapfte in diesen Tagen ein „patriotisches" deutsches Blatt. Mögen die Chauvinisten aller Länder sich zu solchen Grundsätzen bekennen. Das Volk, das sein Vaterland liebt, will, daß die Handlungen seiner Regierung ihre Wurzel ini Rechte haben. Die Regierungen tragen diesem tiefen sittlichen Rcchtsver- langen des Volkes Rechnung dadurch, daß sie ihre Handlungen völkerrechtlich oder mit sonstigen Rcchtsgründen zu rechtfertigen suchen. Der Reichskanzler gab in der Reichstagssitzung vom 4. August unumwunden zu, dah Deutschland durch seinen Einmarsch in Belgien die Neutralität dieses Landes verletzt habe, und er nahm für Deutschland, den allerdings nicht von der Justiz, wohl aber vom moralischen Rechts- öewußtsein des Volkes anerkannten Rechtsgrundsatz: Not
kennt kein Gebot, in Anspruch.
Als die Kricgswirren entstanden, galt allgemein als Frtedensbrecher der r u s s i s ch e Z a r und die kriegshetzerische russische Grobfürstenpartei. Blätter, deren Bauch- rutschen vor dem Zaren und der Grobfürstcnpartci früher das widerlichste Schauspiel deutscher Erniedrigung bot, nannten jetzt den Zaren einen Lumpen, einen Bluthund, den Zarismus den HortallerBarbarei, aller Unkultur — Aeußerungen, die ohne weiteres die sozialdemokratische Presse unterschreiben konnte. Aber in dieser chauvinistischen Presse von der konservativen Krcuzzeitung bis zur demokratischen Volkszeitung ist es nach und nach stiller und stiller geworden, bis endlich hcrausgefundcn wurde, daß nicht der Zarismus der Verantwortliche für diesen furchtbaren Krieg sei, sondern Frankreich, England und sogar Belgien.
Die Front ist vollkommen gewechselt worden. Mit der Parole gegen den reaktionären, brutalen, sriedenstörenden, völkerunterdrllckenden Zarismus begonnen, eine Parole, in welche auch das deutsche Volk im Interesse seiner Kultur einstimmte, ist der Krieg nach und nach zu einem Krieg gegen die immerhin kulturellen We st möchte geworden. Und das rasche Vordringen der deutschen Truppen in Belgien hat be- wirkt, daß sich schon A n n e k t i o n s g e l ü st e in der bürgcr- lichen Presse an das Tageslicht wagen. Dieser Frontvcr- schiebung soll und muß von vornherein energisch entgegen getreten iverden. Der Friedensstörer und der Störer aller kulturellen und politischen Fortschritte i st und bleibt Rußland, der russische Zarismus. Ihn gilt es vor allem niederzuwerfcn. Und wenn jetzt die Notwendigkeit eingetreten ist, auch gegen die Weststaaten die Waffen zu kehren, so sollte uns doch der Haß nicht verblenden und uns nicht vergessen lassen, daß die geistigen und wirtschaftlichen Lebcnsintercsscn des deutschen Volkes uns nicht nach Osten, sondern nach Westen weisen.
Mißhandlung der Deutschen in Rußland.
Polnischen Blättern zufolge holten die Russe» in der letzten Woche noch zahlreiche Lodzcr Teutschc nachts um 2 und 3 Uhr aus ihren Betten und sührte» sie in die Gefängnisse. Es wurde den Verhafteten nicht einmal erlaubt, sich von ihren Familien zu verabschieden. In den Gefängnissen müssen die Teutschen tatsächlich hungern. Frauen und Mädchen, die ihren Männern, Vätern und Brüdern Nahrungsmittel in die Gefängnisse tragen wollten, wur-
Afraja.
Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 43
Marstrand konnte sich einer Vergleichung dieses stattlichen Burschen mit den Gestalten der Umstehenden nicht erwehren, die sehr zu Mortunos Vorteil aussiel. — Ter riesenhafte Olaf in seiner Knopfjacke und gewaltigen Fischerstiefcln so wenig wie Björnarne oder Paul Petersen im friesgefüttcrten Rock waren imstande, sich mit ihm zu messen, und schon in den nächsten Minuten zeigte es sich auch, daß dieser verspottete Sohn der Wildnis vor den geistigen Fähigkeiten seiner Widersacher sich nicht zu fürchten brauchte. Ohne Verlegenheit gab er seine Antworten in norwegischer Sprache und vergalt Scherz mit Scherz in einer Weise, die Marstrands Beifall erhielt.
„Meine es mit deinem Lobe wie du willst," sagte er zu Veterscn, „ich werde cs annchmcn, wie cs gegeben wurde. Du nennst mich einen Dichter und Sänger und sagst die Wahr- heit. Besuche mich in meiner Gamme, und ich will ein Lied zu deinem Empfange machen, das dich befriedigen soll."
„Würdiger Skalde," erwiderte der Schreiber, „ich lade dich nach Tromsö ein, Ko du, wie ich hoffe, eines Tages mir deine poetischen Ergüsse weit besser in einem festen Hause, als in dem luftigen Zelte widmen kannst."
„In euren Häusern und Städten", antwortete Mortuno. „habt ihr es verlernt, Skalden zu sein. Ihr fangt Fische und preßt deren fette Lebern aus, dabei vergeht euch die Dichtkunst. Lebtet ihr wie wir auf den Bergen, jagtet ihr den gelben Wolf, folgtet euren Tieren durch die Birkenwälder und lagertet mit ihnen an kühlen Quellen, so würdet ihr vielleicht weniger Geld, aber mehr lustigere Gesichter und frohe Lieder haben."
„Wenn du so viel Freude und Genuß in deinen Sümpfen hast," fiel Björnarne ein, „warum bist du bis zu uns herunter gestiegen?"
den nicht durchgclasscn und vo» den Gefängnisbcamlen mißhandelt. Mehrer Deutsche, die russische Staatsangehörige sind, wurden in das Innere Rußlands geschickt.
Die Haltnng Italiens.
Aus Rom tvird der Franks. Ztg. telegraphiert: Heute produzierte die Presse, welche die öffentliche Meinung Italiens erregen und die Regierung zwingen möchte, von der Richtung der neutralen Politik abzuweichen, zwei falsche Nachrichten. Nach der ersten soll Kaiser Franz Josef im Sterben liegen. Ta es eine Art populären Aberglaubens in Italien ist, daß Oesterreichs Untergang mit dem Tode des alten Kaisers katastrophcnartig cintrctcn müsse, so war die Tendenz offenbar für die, welche die Anstrengungen der mit Frankreich sympathisierenden Kreise kennen. Ein osfiziclles Dementi wird die letzten Zweifel beseitigen. Tie andere unwahre Nachricht sagt, der Fürst von Wied habe mit seiner Familie slucht- artig Albanien verlassen, sei in Bari angckomincn und reise über Ala weiter nach Teutschland: auch hier ist beabsichtigt, die albanische Frage als Komplikation in die italienische Politik zu werfen. Das Gerücht ist aber nicht wahr. Ter Fürst ist immer noch in Albanien, allerdings weiß man nicht, wie lange. Tie italienische Regierung erklärte jedoch wiederholt ihren Standpunkt, auch für den Fall der Abdankung des Fürsten halte Italien an seiner alten Politik: rin neu
trales autonomes Albanien, fest, so lange nicht italienische Interessen unmittelbar bedroht sind. Keinesfalls hat cs die Absicht, aus Oesterreichs Verlegenheiten Nutzen zu ziehen und ans eigene Faust albanische Politik zu treiben. Tie öftere Betonung der unverrückbaren Linie in der italienischen Politik hatte den interessanten Erfolg, daß das ansäng- liche Mißtrauen der Verbündeten wegen der Neutralitäts- sragc im Schwinden begriffen ist.
Oesterreichische Hilfe filv Kiautschou.
Der österreichisch-ungarische Botschafter hat dem Auswärtigen Amt folgende Mitteilung gemacht: „Im Aller
höchsten Aufträge ergeht an das Kommando von Seiner Majestät Schiff „Kaiserin Elisabeth" in Tsingtau sowie an den k. u. k. Botschafter der telegraphische Befehl, daß die „Kaiserin Elisabeth" in Tsingtau mitzukämpfen habe." Unsere Toten ans dem Schlachtfelde.
In der Straßburger Bürgcrzeitung wird über die Beerdigung der auf dem Schlachtfelde Gefallenen folgendes mitgetellt:
Was die Beerdigung der Toten anbelangt, jo ist sic derart organisiert, daß in jedem Orte ein Vertrauensmann für die Bestattung der in der Gemarkung! Gefallenen, und zwar in Massengräbern, verantwortlich gemacht wird. Während es noch im Kriege von 1870 vielfach der Brauch war, den Gefallenen die Stiefel aus- zuziehcn, um sie weiterhin dem Vaterlande dienstbar zu machen, wurde in diesen schweren Tagen der deutsche Soldat in seinem vollen Ehrenkleide der Erde übergeben, lieber Wertsachen und Barmittel, die sich bei ihm vorfanden, welch letztere tm Brustbeutel abgcschnitten wurden, führt die Lazarettkommisston genaue Listen und läßt unter Deponierung der Gegenstände beim Bürgermeister des Orts von diesem die Quittungen ausstellcn. Später gehen diese letzten Andenken der teuren Gefallenen in den Besitz der Familienangehörigen Uber. Die Bestattung der deutschen Toten erfolgt tu der Weise, daß man sie in die Zeltbahnen hüllt, die sic ins Feld mitgenommen haben, und daß man in eigens vorgeschricbcncr Weise Freund und Feind nebeneinander bettet.
120 Millionen Mark Darlehnskafle,«scheine im Umlauf.
Eine Korrespondenz meldet: Der Mangel an Zahlungsmitteln in kleinen Beträgen ist durch die Ausgabe der Dar- lehnskassenscheine im Werte von 5 Mark erheblich vermindert worden. Gegenwärtig hat die Rcichsbank für rund 120 Millionen Mark Darlehnskassenscheine ausgcgeben. Dieser Betrag wird in nächster Zeit noch eine erhebliche Steigerung erfahren. Inzwischen ist auch der Mangel an Silbcrgeld, besonders in den Großstädten, etwas zurückgegangen. Es hat dies vor allem seinen Grund in der andauernden Ausprägung der Silbermünzen in allen deutschen Münzstädtcn. Gegenwärtig werden nur Einmarkstücke und Halbcmarkstiicke geprägt, um der besonders starken Nachfrage nach kleinen Zahlungsmitteln zu genügen. Beim Ausbruch des Krieges verfügte die Reichsbank über Zahlungsmittel, und zwar Noten und Hartgeld zusammen, im Betrage von 7 Milliarden Mark. Dieser außerordentlich hohe Betrag hätte unzweifel-
„Weil ich Sehnsucht nach dir hatte," sagte der junge Lappe lächelnd, „und weil ich weiß, daß der alte Vater Helgcstad es gern sieht, wenn ich komme", fügte er hinzu, als er merkte, daß bei dem Gelächter der anderen Björnarnes Stirne finster wurde.
Es war nicht zu bcstinimen, ob sich der kecke Halbwilde wirklich herausnahm, die stolzen Normänncr zu verspotten, aber Olaf legte seine markige Hand auf Mortunos Schulter, schüttelte ihn ein paarmal hin und her und drehte ihn dann zur großen Belustigung der Zuschauer im Kreise herum.
„Laß mich sehen, wie du aussiehst", rief er ihm zu. „Du bist ein Possenreißer, wie ich merke. Wir hatten einen Lappen in Bodöen, der Nachtwächter war upd in die possierlichste Wut geraten konnte, wenn er gehörig bearbeitet wurde. Jetzt ist er tot; ich könnte dich in sein Amt einsetzen und dir damit einen anständigen Rock und eine Mütze von Otterfell verschaffen". — Er drückte zugleich die spitze Federmütze auf Mortunos Kopf so unbarmherzig zusammen, daß sie diesem bis über Augen und Nase hinabfuhr, und erst nach einiger Mühe konnte sich der Angegriffene davon befreien. — Die rohe Gewalt dieses Spaßes regte Marstrand auf, ehe er jedoch ein Wort der Mißbilligung sagen konnte, das schwerlich wohl ausgenommen worden wäre, sah er den Lappen in das Gelächter mit einstinunen, das auf seine Kosten sich erhob. — „Danke dir für deine Güte. Ich will für dich wachen spät und früh, und meine Augen sollen nicht müde werden, dir alle Dienste zu leisten, die der Zwerg Bugo dem Riesen Jul- pus geleistet hat."
„Was ist das für eine Geschichte, du Narr?" fragte Olaf.
„Eine lange Geschichte, Herr", rief Mortuno, „eine lustige Geschichte, ich erzähle sie dir ein andermal. Sieh hier, da kommen meine Freunde und bringen die Füßchen mit Essig und Branntwein, samt andern guten Dingen."
Zwei Lappen brachten aus dem Kramladen des Kauf- nianns wirklich jetzt allerlei Vorräte in Fäßchen und Körben, die unter Mortunos Aufsicht und Beistand auf die Packsättel
hast ausgcrercht. Kenn nicht die zwecklose Ansammlung Lost Hartgeld in weit höherem Umfang stattgefunden hätte, alÄ nian anzunehmen berechtigt war.
Die Arbeitslosigkeit in Berlin.
Auf Veranlassung dev Vevbanbrs märkischer Arbeitsnachweis^ traten die Vertreter der Großbcrliiier Arbeitsnachweis«, der Arbeit. Heber- und Arbeitnehmerverbünde, der Handelskammer, der Ältesten' der Kaufmannschaft und der Handwerkskammer, zu einer Beratung, über di« Lage des Grobberliner Arbeitsmarites zusammen. Auch t-as Landwirtsck>astSministermm sowie das Oberkommando hattest Vertreter entsandt. In den letzten Tagen sind seitens des Zentral- arbeitsnachwesses 7000 Arboiter nach auswärts gefahren, in den! nächsten Tagen werden 2000 weiter« Arbeiter folgen. Es soll eina Zcntralauskunftstell« eingerichtet werden-. Di« Zahl der ArbÄ-ts-s losen in Berlin wird mrf etwa 10 Prozent der Arbeiterbcvölkeruriigl geschätzt, Nack, einem Beschluß der städtischen Deputation zur Fürsorge für Arbeitslose sollen während der Dauer des Krieges unter-! stützt werden: Arbeiter mid Angestellte, die trotz ArbettSsährgckcit eine Bcsckßistigung nicht finden können, sowie selbständige kleine Gewerbetreibende und Angehörige solcher Berus«, di« wegen der gogoir- ,»artigen Wirtschaftslage außerstande sind, sich und ihr« Santi I iw JU ernähren.
Unter dem Belageruugszustaud.
Ein furchtbar hartes Urteil verhängte das Koblenzers Kriegsgericht. Der Arbeiter Richter, der auf der Straß« lärmte und von einem Schutzniann zur Ruhe aufgefordert! wurde, hatte diesen zu Boden geworfen, getreten und den Säbel aus der Scheide gezogen. Der Vertreter der Anklage bcanttagte zwei Jahre Gefängnis: das Kriegsgericht der- urteile Richter auf Grund des 8 8 des Gesetzes über den Belagerungszustand zu zehn Jahren Zuchthaws.
Standreckst.
In Aachen wurden neuerdings vier Belgier, darimter citui Frau, vom Standgericht zum Tobe verurteilt und tx4 schossen. Am Montag kam wieder ein größerer Zug belgischer Zivilisten herein, bonen vorgeworfen wird, sich an bom FranktiveMrs krieg gegen betttsche Soldaten beteiligt zu haben. Unter den Gest fangenen befinden sich verschiedene Geistliche und Ovdeusleute. 1 Die französischen Gefangenen.
Auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück bei Dresden iottcit 5000 französische Gefangene untergebracht werden. Die beka-nn-te, Bergfest« Königskin an der Elbe soll 300 französische Offizieve aus-, nehmen. I
Geschlossene Feldpostbriefe.
Eine Korrespondenz hatte mitgeteilt, daß die Feldpost keine geschlossenen Briefe befördere. Diese Behauptung isö vollkommen unbegründet. Nach den amtlichen Bekannt^ machungen können Feldpostbriefe geschlossen abgesandt Eer-' den. Die Feldpost hat jetzt ihren Betrieb eröffnet.
Brüssel.
Der Korrespondent der Times in Brüssel meldet nach öcr Franks. Ztg., daß der deutsche General v. Arnim mit demj Bürgermeister Max folgendes vereinbarte: Freien Durchzug der deutschen Truppen. 3000 Mann deutsche Besatzung bleiben' in Brüssel. Die Requisitionen werden bar bezahlt, privates und öffentliches Eigentum geschont. Die Gemeindeverwaltung bleibt ohne deutsche Kontrolle. Der Bürgermeister behält diö Oberleitung der Brüsseler Polizei. 7
Die Deutschen stellten den Dienst der Straßenbahn, dev Post und des Telephons wieder her, ebenso den Eisenbahn- dicnst mit Lüttich und die telegraphische Verbindung mi^ Deutschland. Sie ließen die belgischen Fahnen ruhig am^ Rathaus und den Privatbanken. Das Erscheinen dev Zeitungen wurde eingestellt. Die Kaffeehäuser werden uny 9 Uhr geschlossen.
Zahlreiche Deutsche fragen an, ob sie nach Brüssel zürüÄ kehren können, wovon aber anläßlich der stattfindenden Kriegs-? operattonen vorläufig ab zu raten ist.
Freude in Antwerpen.
In Antwerpen herrschte, nach einen, Telegramm der Franks!! Ztg., -gestern nach tagelanger snrchtbavcr Gedrücktheit große Freuds da man glaubt, baß die deutschen Truppen von einer Belagerung, absehon werben. In den Hauptstraßen war ein Trubel wie bei den größten Festtagen. Die in Brügge internterben deutschen Militär- und Zivibgefangencn würden in Eile nach Dünkirchen gebracht^
Eine Probe amtlicher Berichterstattung in Frankreich.
Ei» Kommunique vom 23. August, 11 Uhr abends besagt: Ist den Vogesen hat uns die allgemeine Lage bestimmt, bi« Truppest vorn D o n o n und von dem Hiigcl bei Saalcs zuriickzuneh-,
seiner Rcnntiere geschnallt wurden. Zugleich ttat Helgestad aus dem Hause mit Jlda, der Afiajas Tochter folgte.
Der Kaufmann sprach in freundlicher Weise mit seinem! Kunden aus den Bergen, erlaubt ihm, seine Hand zu schüttelnd machte ein paar Bemerkungen über Mortunos gutes Auss >ehen und ließ sich von ihm Neuigkeiten erzählen. Der junge Lappe berichtete, daß er mit einer Herde von mehr als tausend! Rcnntieren aus dem Innern des Landes sich der Küste geck nähert habe, weil bei der ungewöhnlichen zeittgen Wärm« des Jahres seine Tiere unruhig wurden. Marstrand erfuhy dabei, dah das wanderlustige Renntier auf seinen Herrn einest tyrannischen Einfluß übt, denn sobald der Frühling kommt!! verlangt das wanderlustige Geschöpf, um vor Hitze und Steche fliegen geschützter zu sein, nach der kühlen Seeküste und läuft! davon, wenn sein Wille nicht befolgt wird. Dieselbe Sehn«! sucht aber treibt es beim Nahen des Winters vom Meere ist die eisigen Alpen zurück, wohin es entflieht, sollte sein Ges bieter zu lange verweilen. Mortuno erzählte, datz der Schnee größtenteils geschmolzen sei, daß der Winter mild gewesen, daß die Birken junge Reiser trieben, und daß seine Herde fett: und froh über frisches Gras springe.
„Und dieweil deine Renntiere sich lustig die neue Haut anziehen", sagte Hclgostad, „hast du selbst die neuen Komager an deine Beine gesteckt und den Festtagsgllrtel umgeschnallt."
„Recht, mein alter Vater!" rief Mortuno, der sich wohl, gefällig beschaute. „Warum soll der Mensch nicht froh seist und sich schmücken, wenn die Natur sich schmückt und seine! Tiere ihm anzeigen, daß ein gutes Jahr ihn erwartet?"
„Bist ein Bursche, der einen Gran Verstand mehr ist seinem platten Schädel hat, wie viele, habe es immer gesagt/ erwiderte Helgcstad. „Müßt wissen, Herr Marstrand, Mor. tuno kommt jeden Soinmer mit seinen Tieren hier herunter! und läßt sich dann und wann bei uns sehen. Ist ein flinker! Schelm, der seine Gaben besitzt und den Dirnen in de» Ganinien zu schaffen macht, wenn er auf Besuch auSgeht unst seine Mütze aufs rechte Ohr seht." (Forts, folgt.)


