Ausgabe 
26.8.1914
 
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Organ für die Interessen der Provinz Oberheffcn

des werktätigen Volkes und der Nachbargebicte.

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Nr. 196

Gicßcu, Mittwoch ocil 26. August 1914

9. Jahrgang

Unsere Kriegsgesangenekt.

Noch immer nicht kann sich die Presse darüber beruhigen, dass irgendwo irgendwelche Frauen den durchkommenden Gefangenen Liebesgaben gereicht und allerlei Freundlichkeiten geboten haben sollen.

Wir haben bereits mit Nachdruck hervorgehoben, dass auch wir sene Frcmdenverhimmclung, di« ans.ganz egoistischen Motiven lnrauskonimt, aus dem Sensationöbrtzel vonrehmer Dämlein und der Pubertätshystcrie unreifer Backfische, die mit Mitgefühl nicht das geringste z» tun hat aufs schärfste verurteile» und zu brandmarken bereit sind.

Aber wir müssen uns wenden gegen allerlei llebertreibniige» in den Urteilen und gegen falsckie Schliissfolgcriingc», die aus der Hebe gegen alle Freundlichkeiten Gefangenen gegenüber gezogen werben können.

Sichere Nachrichten besagen, dass die Vorkommnisse bei denen grauen sich an die Gefangenen herangcdrängt haben sollen, vielfach ganz gewaltig ausgcbaujcht worden sind: dass es nicht gercchtferdigl erscheinen kann, hier von einerWürdelosigkeit" der dciltschen grauen zu sprechen und mit keifenden WortenAn den Pranger! An den Pranger!" zu rufen. In Kaiserslautern hat sich der Bürger- nicister selbst veranlasst gesehen, in einer amtlichen Erklärung gegen die Ucbcrtreibungen Stellung zu nehme». Tort kamen am 12. Aug. fl-17 EZcfangene mit etwa ölt Soldaten als Begleitmannschaft durch. Tabei sind nach den FesfstelliMigen dos Bürgermeisters von dem zahl­reich versammelten Publikum drei Bockwürste und etwa 50 Zigaret­ten gereicht worden. Tie ans dem Bahnhof eingerichtete Verpsle- gungsstation desNoten Kreuzes" hat Speise imd Trank überhaupt nur oir die Bcglettin mm schäften abgegeben: und nur von diesen ivurden Heer und da ein paar Tasseit Kaffee, etwas Brot, vielleicht auch einige Zigarren an di« Gefangenen ausgeteilt. Das zeigt doch tvahrbastig ein Bild, das nicht de» gcringstcn Alllass zu den Angrissen gibt, die auch der Kaifersiauterner Bevölkerung in jo überreichem Maße zuteil geworden sind.

Ganz ähnlich der Fall Stuttgart! Auch hier hat her Oberbürger- meister anitlich den Sachverhalt seststellen kaffen und veröffentlich! das Ergebnis in einer Kiliidmachnng, tn her mitgeteikt wird, dass sich bei Ankunft der framzösisckien Gefangenen auf dem dortigen Haupt­bahnhof ssberhailpt keine Szenen abgespielt hätten. Wie hat man aber gerade gegen Stuttgart mit wilden Beschuldigungen gewütet! Es drängt sich hier geradezu die Frag« alif, wie jene fälscht» Gerüchte über Stuttgart entstehen konnten.

Wohin die Gcfangenenhctzc führt, zeigt ein« Zuschrift an die Presse, die angeblich im Aufträge einer Versammlung von Leipzig aus versandt ivird. Hier begnügt man sich schon nicht niehr damit, sich über Liebesgaben und freundliche Zurufe zu entrüsten; da wird rin langes und breites darüber gescholten, dass einem Bilde in einer illustrierten Zeitschrift zufolge gefangene Nüssen in ihrem Lager Karten spielen dürften (es handelt sich, nebenbei, auf dem Bilde um die in Töberitz internierten russischen Zivilisten, die nie­mals gegen Deutschland irgendeine Feindseligkeit unternommen haben): und dann ivird dagegen gewettert, dass belgischen Offizieren gegen ihr ehrenwortliches Versprechen, nicht zu entfliehen,grössere Freiheiten" geivährt würden.

Man muss sich fragen, was- unsere Behörden veranlasst, solches Ehrenwort noch zu achteil, wo wir doch wahrlich zur Genüg« erfahren haben, wie man uns mit derlei Redereien zll täuschen vcrsuchie."

Wenn die Leute, die das zusammengeichrieben haben, ihren Blick ein wenig ül>er den heimischen Kirchlnrm hinaus zu richten vermöchten, so würden sie wissen, daß cs sich bei der Gewährung ge­wisser Freiheiten an gefangen« Offiziere gegen Verpsändung ihres Ehrenwortes um eine internationale Einrichtnug handelt: und was das Bildchen in der Illustrierten Zeitung betrifft, so können wir deil Beschmerbefiihrrrn aus englischen Zeitungen, die dieser Tage über Schweben an uns gclangien, Aufnahmen zeigen, die brrstelle», wie belgische Soldaten mit gefangenengcnommencn deutschen Sol­daten in ersrnilichcr Kameradschaft zusammen abkochell und sich gegenseitig unterhalten. Vielleicht darf auch an den Bericht erinnert werden, den das Berliner Tageblatt tn seiner Nummer vom Ton­nerstag abend über eine Sitzung des Noten Kreuzes in Karlsruhe verösseiltlicht: Tort wurde unter anderem auch geschildert, wie

französische Soldaten in rühmlicher Aufopferung deutsch» Verwun­deten die erste Hilfe allgedeihen lechen und sic geradezu vom Tode erretteten.

Wer gegen eine anständig« und freundliche Behandlung der nach Deutschland gebrachten Gefangenen hetzt, der tut das Seinige dazu, auch das Los derer, die von unseren Soldaten in feindliche Gefangen­schaft fielen, »ach Kräften zu erschweren. I« besser wir unsere Ge­fangenen behandeln, um so mehr dürfen wir hoffen, dass auch unsere Söhne im Auslände eine ansfäiidige Behandlung erfahren.

Dock» auch davon abgesehen, ist cs eine einsachc Pflicht der Menschlichkeit, den bsefangenen ihr Schicksal nach Möglichkeit zu er­leichtern, weim sie auch natürlich Gefangen« bleiben müssen und nicht zur Befriedigung gewisser Damenlauncn nach Deutschland gebracht wurden. Man sagt: Es sind bvch unsere Feinde, sic schossen auf iin- fere Brüder, Stanz rocht: Aber wissen wir, mit welchen Gefühlen sie es taten? Wurdest sie nicht in den Kanrps getrieben, so sicher vielleicht gegen seinen Willen? Ihre Gefangennahme war. weirn man cs schliesslich so will, Sühne genug. Wäre es nicht ein« unwürdige Barbarei, nun nachträglich noch, ivo die Leute ivehrlos min Milchen an ihnen zu kühlen, sic fühlen zu lassen, was es ^^^"^hrlos und gefangen zu sein?

- ®. ir wollen und sollen sic nicht verhätscheln. Aber wir wollen l»e amtkn alz ehrliche Känrpfer und als unsere Mitmenschen, und wollen sw hjjs,jch, sekundlich behandeln und so pflegen, dass sie In keiner atije Not zu leiden brauchen. Das muß denjenigen gegen­über getagt iverden, die durch eine unvcrgntworiliche Zcitungshetze eine Stinimuim gegen die Kriegsgefangenen erzerigeu, welch die Gefahr unwürdiger und gefährlicher Exzesse in sich schließt. sBorw.)

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Der Frankfurter Zeitung wird zur Lage tm Ostcii geschrieben:

Es ist keine Ucberrafchuaig, mau hat es erwarten müssen, und MjvNigen, die sich UNI den beoorjtc Herr den Krieg geflimmert haben.

Der Krieg.

I haben es erwartet, dass wir ausängkich im Osten in O st p r c u ss c n . wo kein« natürliche» Grenzen uns von den Russei, scheiden, damit rechnen müssen, dass df« Feinde auf deutschen Boden kommen und dort vorstossen, bis sic an natürlichen und künstlichen Hindernisse» ein Halt finden. Es erregt berechtigtes Bedauern und niag aus nianchc Gemüter nioderdrückend wirken, dass diese Eventualität, mit der man gercchnet hat, ei »getreten ist. Die ltcutige Er­klärung des G c nc ra I q i, a r t i« r m c i st c r S über die Lage in Ostpreußen gibt darüber offene und ehrliche Auskunft: Di« bei Guni- binnen und an anderen Orten siegreich» deutschen Truppen, die n. a. ROOO Ge so ii gen« gemacht und mehrere Batterien genommen halben, sind zurückgezogen worden und habeii sick>, ohne Schwierigkeit und ohne verfolgt zu iverden, zurückgezogen, offenbar, um einer Ueberflügelung von Südivcstcn Izcr vorzubougeii. Das hat auf den E n dausg a n g ke i u« n wesentlichen Einfluss. Dass die Russen zunächst mit nnmerisch überlegenen Kräften dort auf- trvten würden, ivar vorauszusehenl oder ebenso ist vorauszusehen, daß unsere Kräfte dort in gegebener Zeit wachsen. Der Gcneval- guartiermeister hat nistgeteilt, daß eineneue Entscheidung" dort ftn Ostenunmittelbar bevorstehc". Atan kcmit allmählich den Stil dieser wohlüberlegten Kundgebungen: man kann also überzeugt sein, dass diese Entscheidung ganz nahe ist und man kann mit Ruhe ab- warten. wie sie gefallen ist. Wir glauben fest an das, was mit guter Autorität verkündet wird: Wir können ans beiden Fronten, im Westen wie im Osten, ans den e n d g Ü l t i g e u S ie a hoffen.! Was dort ritt Osten die Russen während ihres vorübergehende» Aufenthaltes in Dörfern und kleinen Städten zerstören und schädi­gen, das ivird ihnen alles ausgerechnet werden: sie werden es zu er­setzen haben, und unsere Landsleute dort, die die Leiden des Krieges jetzt vorübergehend kcnnenlerne», werden entschädigt werden!

Die Oesterreicher im Osten.

Die Russe» versasicn geFeu Galizien.

Aus dem österreichischen Kriegspresse-Onarticr wird der Franks. Ztg. telegraphiert:

Es ist den russischen Armeen bekanntlich nirgends ge­lungen, mit ihren nicht ost sehr starken, immer aber bedeutend überlegenen, vorgeschobenen Kräften längs der ausgedehnten, völlig offenen galizischcn Nord- und Ostgrenze auch nur geringe Erfolge zu erzielen. Zu Liebe dieser, von Rußland seit vielen Jahren geplanten Unternehmungen zur Störung des aus geographischen Gründen sehr schwierigen und empfindlichen österreichischen Aufmarsches, wurden schon im Frieden von russischer Seite Kavallcriemasscn in der Nähe der Grenze bereit gestellt, die allein etwa die Stärke der ge­samten österrcichisch-nngarischen Kavallerie besaßen und durch zahlreiche Schühcnrcgimentcr, die eine Elite-Jnfantcrie sein sollten, festen Rückhalt bekamen. Der Einbruch dieser stets nahezu auf Kriegsstärke befindtichen nnb' - nur ein bis zwei Tagemärsche von der galizischcn Grenze garnisonicrcnden Kavallerickörpcr, konnte und mußte daher auf österreichischer Seite schon in den ersten Mobilisiernngstagen erwartet wer­den. Nichts dergleichen geschah: nur schwächere

Kavallerie- und Infanterie-Abteilungen vcrsucbtcn Ucber- fälle auf die vordersten kleinen, österreichischen Grenzposten, die aus Gendarmen, Landstnrnunännern und Finanzwächtcrn der allernächsten Umgebung gebildet waren. Fast zwei Wochen verstrichen, bis sich endlich der allgemeine Vor­stoß der russischen Kavallerie-Division und Schützen- Brigaden, durch Artillerie verstärkt, deutlich aussprach. Auch jetzt mißlangen diese Versuche geradezu kläglich, ob­wohl sic nur dort unternommen wurden, wo sic auf weit geringere Kräfte stießen. Blo^ der Ritt einer Kavallerie- Division über Stojanow brachte diese etwa 30 Kilometer weit ans österreichisches Gebiet, um dort zunächst von der Be­deckungsmannschaft einer Trainkolonne einen halben Tag auf- gehalten zu werden und nach Eintreffen von österreichischer Kavallerie gänzlich zu scheitern und mit der V e r - nichtungcinerga uzen Brigade zu enden. Anderer- seits ist es den österreichisch-ungarischen Kavallerie-Divisionen längst gelungen, weit in russische Gebiete einzudringen und dort die zahlreichen Meldungen der Flieger im Detail zu ergänzen und große Verwirrung unter den russischen Truppen hervorzurusen. Namentlich die ungarischen Husaren- Rcgimcnter hatten Gelegenheit, geradezu tollkühne Streifungen mit glänzendem Erfolg zu unternehmen. Die Gefangennahme von 4000 Kosaken, die sich in sicherer Entfernung dünkend, sorglos zum Essen anschickten und dann nicht mehr zu ihren Pferden gelangen konnten, dann eine gegen russische Schützen, die aus Verschanzungcn feuerten, gerittene erfolgreiche Attacke, sind bisher bekannt gewordene Beispiele. Aus allem erhellt aber deutlich, daß sich die österreichisch-ungarischen Truppen bis zum letzten Landsturmmanne nie vor der fast zum Popanz ge­wordenen ru s s i s ch e n U e b e r m a ch t scheuten und daß sie damit glänzend recht behielten.

Ter Schütteballon flog 6 Uhr früh ab und stieg in eine Turchschnittshöhe von 2000 Metern. Er hat heftigesJnfanterie-

ilnd Artilleriefeucr erhalten, in der Nähe von Jwangorod- Lublin Schußlöchcr, die während der Fahrt repariert wur­den. Er hatte nur geringen Gasverlust und machte treffliche Beobachtungen auf seiner dreizchnstündigen Fahrt. Die Rück­kehr erfolgte sodann ani Sonntag abend. Alles ist wohl.

Ter Beginn des Gefechtes bei K a in i o n ka - S t r u m a- lowa erfolgte durch den Angriff eines Kosakenregimentes auf eine Trainkolonne von Verwundeten. Es wurde von einem Hauptmann und seiner Begleitmannschaft sechs Stun­den abgewehrt. Als Berstärkungen herankamen, wurde, schließlich ein Sieg über eine Kosaken-Brigade und eine Dragoner-Brigade erfochten. Beide russische Gene- r ä I e sind gefallen, einer davon ist der General Wannovski, ein Sohn des früheren russischen Kriegsministcrs.

Die Stimmung des Auslands.

Ein Meer des- Hasses tost von allen Seiten an Deutschland heran. Was wir vön den Vorgängen in, Ausland ivissen, ist mir wenig, denn der Postvcrkehr ist unterbunden, ausländische Zei­tungen sind gesuchte Seltenheiten: aber das wenige genügt, um »ns erkciiiien zu lassen, dass nicht nur dte kriegführenden Staaten von der leidenschaftlichen Stimmung gegen Deutschland erfüllt sind, sondern dass auch in den noch neutral gebliebenen Staaten Strö­mungen am Werke sind, die in der gleichen Richtung arbeiten.

Ei» sehr bemerkenswertes Anzeichen dieser Stimmungen liegt in der letzten Nummer der englischen fabisch-sozialistifchcn Zeit- fchrist New Statesman vor. Das Berliner Tageblatt und die Vossische Zeitung veröffentlichten ausführliche Auszüge aus ihr. mid cs zeugt von der Einsicht der obersten deutschen Regierungs­stellen, baß sie diese gegen Deutschland gerichteten Auslassungen unbeanstandet passieren liehen, denn das deutsche Volk hat ein Recht in dieser gefährlichen Situation vollkommen klar zu sehen.

Tic vom Ehepaar Wcbbs und dem Dichter Bcrnard Shaw be­gründete Zeitschrift schließt sich der arbeiterparteilichen Opposition gegen die Kriegspolitik der englischen Regierung nicht an. Nic- mals, so erklärt sic. habe es ein schimpflicheres ?!ngcbot gegeben, als das der deutschen Regierung, England solle Belgiens Neutrali­tät und die französischen Kolonie» daran geben, um sich selbst die Kosten des Krieges zu sparen. Sic wünscht England den Sieg und will, dass der Krieg mit kaltem Blut aber ohne Hass geführt werde. Tie Ucbcrzcugung von der Notwendigkeit der Abwehr dürfe nicht in den Wunsch Umschlägen die schärfste Rache an Deutschland zu nehme». Tenn eine vollständige uiiü niederschmetternde Vernich­tung Deutschlands und Oesterreichs könnte zur Vorherrschaft Russ­lands führe», die vom britischen Standpunkt aus ebenso beklagens­wert sei wie ein deutscher Sieg.

Im gleichen Sinne äußert sich ein weiterer Artikel von Robert Dell. Er nennt den Krieg der Wcstmächtc gegen Tentschland einen Krieg für Zivilisation und Demokratie gegen Gewaltherrschaft und Militarismus und fährt fort:

Freilich ist der Irrtum der Auffassung, dass wir uns um die inneren Zustände eines Volkes, welches wir nnterskützen oder be- lämpfen, iiia>t zu kümmern brauchen, durch das französisch-russische Bündnis dargetan. Dieses ist die indirekte Ursache des gegeinvär- ftgen Krieges, denn olinc dies Ijött-e Deutschland sein Sviel nicht spiele» können. Das Bündnis mit einer despotisch» Macht ist der Fluch Frankreichs gewesen. Ich verstehe die Rbneigniig vieler Engländer, auch »ur indirekt ans Russlands Trite ?,» seihten, ich suhle diese Abneigung selbst. Ich gebe auch zu. daß Russland eine GcfahrsllrEuropa iverden kann. Aber ivährend wir die Zukunft verständig rns Auge sasscu müssen, dürfen wir die Gegenwart nicht vc r noch iss gen und nicht verkennen, dass heute dcr ungezügelte Ehrgeiz der Herrscher Preußens die eigentliche Gefahr für Europa ist.

Sollen ivir?ke!gien unter den Hufen dcr Hohenzollernpferbe zertreten lassen, sollen wir es unter dte Alach des preußischen Unteroffiziers kommen lassen wie Elsass-Lothrftigen? Sollen wir Msehen. wie die Demokratie in Europa durch einen Sieg des auto- kraftschen Militär is-imis 50 Jahre zurückgeworfcn wird? Das ist die Frage. Wir Engländer begingen ein Verbrechen, das ausser­dem ein« gross« Dunimheit war, als wir die Annexion von El saß - Loihringen erlaubten. Wenn wir etwas Gleiches ivieder ge­schehen lassen, dann begehen wir eine» nationalen Selbstmord uizd bedecke» uns mit Sckmnde. Da nun einmat dcr Krieg ausge­brochen ist, so ist es das beste, ihn bald zu enden, und das geschieht durch eine rasche Vernichtung des deutschen HanldclS. Nur durch ein Zufginmengcheii mit Frankreich bann England dcr Sache des Friedens dienen, denn eine Niederlage Deutschlands würde eine rterminderung dcr Rüstungen hcrbeisichren, uns von der Angst befreien, die jabrelang Über Europa hing und endlich eine Ver­ständigung zwischen Frankreich, England und einem demokratischen Dculschland erleichtern. Es kommt.vielleicht für uns der Ailgeublick. wo wir Deutschland gegen Russland verteidige» müsse». Heute aber ist es unsere Pslicht, den »iiprovoziertcn Uebersoll Deutsch­lands ans Frankreich abz»n»ehrcil. und zioar nicht siir Franlreich allein, sondern nm der Sache der Demokratie in Europa willen. Ich kann nicht glauben, dass England anders handeln wird. Täte eS das, dann wiftde ich auf meine ?!ationalität verzichien und mich so bald wie möglich ftr Frankreich naturalisieren lassen."

Man sieht, dass Robert Dell den wundesten Punkt dcr gegen Teutschlmid gerichteten Koalition, das Bündnis m i t R u ss I a n d, sehr genau kennt. Und man wird begiaisen, dass wir als Deutsche uns lieber selbst erfolgreich gegen die llmklaininerung des- Zarismus wehren als aus die Rettung durch die Wcstmächtc ftn Falle einer Niederlage rechnen wollen. Immerhin zeigt die Halftmg des ?tew StateSman, dass die ausländischen S o z i a l i st e n eine Zer» ichmettrr»»g Deutschlands el»enso loenig witnschen, wie die deutsche Sozialdemokratsc eine Zerschmetterung dcr Wesftnächte ivüiilckst. Dieser Rest von Ilebereinstimmuug kaim bei allen sonstigen Desserenzcn der ?lnssassrnigen in eftiem späteren Stadftnn