Ausgabe 
25.8.1914
 
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deutschen Bestände rasch reduzieren wind«, entgegcnmirke» wollen. Sehr Ivrli* werden diese Vorräte aber sich in jedem ftaltc vermindern, sodaß mit Sicherheit mit Preisstetgermige» und schliesslich, wenn der Krieg bis in delt Winter dauert, mit empftndlichcm Petroleuni- inanyel zu rechnen ist. Demgegenüber stoben Li« deutschen Gasivcrke von jeher für den Kriegsfall sich mit «rohe» Kohlenvorrälen rrer schen. die zudem säst iisterwwgeud miS dom Jnlandc stammen und also auch aus dem Inland im Bedarfsfälle ergänzt werden können. Jedermann, der noch Petroleum zur Vclcnchtun« verbraucht, tut fliit, die Petroleumlampe bei Zeiten in die Ecke zu stellen und sich siir anderes Licht und zwar insbesondere für die billigste Lichtquelle, daS Gaslicht, cinzurichten, das bei den gewöhnlichen Gasprcisen siir die gleiche Helligkeit imr etiva ein Sechstel dcö Pc troloum lichtes schon in den bisherigem KriedenSzeitm kostete.

Opfcrivilligkcit. Die Firma Gebr. Stollwerck in K v l n, die Schokoladen- und Zuckerwarensabriken im In- und ?lus- iande unterhält, meistens schlechtbczahlie Arbeiterinnen beschäftigt und mit ihnen Millionen gewinne heraiiSwirtschaftet, erläßt große Inserate, worin sie Proviant-Schokolade und Pscsscrminzpastillen für den Krieg anpreist. Die Firma hat eine besondere K.-Abteiinng eingerichtet, und mau braucht ihr nur einepeinliche" Adresseu- bczcichuung mitzuteilen, damit dicseErsrischuiigen regelmäßig an die Angehörigen im Felde gelangen. Freilich muß der Betrag dafür vorher eingezahlt werden, sonst wird nichts verschickt. Tic Firma ist als patriotisch weit bekannt, einer ihrer Inhaber hat sick, sogar an, Rhein ein B-iSmorckhanS erbaut. Uni so erfreulicher ist cS, daß ihr Patriotismus in diesen bösen Zeitläuften scdue Belohnung durch erhöhten Ilmsaß in gutbezahlten Kriegserfrischnngen sindei.

Der freiwilligen Wohltätigkeit verdanken wir bereits die Dar- bringimg von vielen Millionen Mark. Wo aber bleibt in diesem Zeilen die Kirche? Wo bleibt die Opferwillig kcii der Ricsenver- mögen dertotem Hand", sowohl in der evangelischen als auch der katholischen Kirche? Tie Kirchen, die evangelische sowohl wie die katholische, haben cs trefflich verstanden, von doni Wehrbeitrage ver­schont zu werden. Die katholische Kirche hat cS sogar durch die Ver­treter ihrer Interessen im Reichstage durchgesctzi, daß die katholischen Geistlichen, unter denen sich Tausende von körperlich kräftigen, wehr­pflichtigen Leuten befinden, vom Militärdienst beiveit bleiben. Welche Opfer bringen jcßi ans freien Stücken di« Kirchen ans ihrem sich aus Hundert« vom Millionen belaufenden Vermögen? Bleibt die tote Hand" auch seht, in diesen schweren Zeiten toi, in denen selbst der Aermsbe freudig dom Vakerlandc Opfer brimgt? In welchem Umsaug« wird dasSchersloin der armen Witwe", von dem uns die Diener der Kirche ohne Unterschied der Konfession so oft erzählen, jetzt vorbildlich sein für die kirchlichen Riescnvcrmögen??

24 Millionen Mark Tantiemen. Rach den Einnahmen der Reichskasse ans der Taniiemensteucr ergibt sich, daß den Aufsichis- ratSmiiglicdern der Aktiengesellschaften allein nach den Regu- lierungen im 2. Vierteljahr Itzt 4 rund 24 Millionen Mgrk Tantienien zugesioffen sind. Wie ivärs, wenn die Herren diese» Nebenverdienst auf dem Altar des Vaterlandes opferten? Zwar hat der Krieg erst begonnen, aber schon ist in Hiinberttauscndcn von Fgmilicn bis Not groß. In allen naiionglcn Blättern liest man nun, das deittschc Volk sei «in einig Volk von Brüdern! Dann soll mans auch beweisen und nicht einen Teil in bitterster Not leidem lassen, ivährend einige Wenige im Ucbcrfluß leben. Her mit den Tantiemen zum Brot für die Armen!

Patriotismus der Besitzenden. In einem auswärtigen Partei- blattc wird berichtet: Eine in Ostcrbnrg ansässige reiche Fra» schrieb einem jungen Landwirt, der zur Fahne cinbcrufcn ist und auf dessen Grundstück sic eine Hypothek stehen hat, einen Tag vor Abmarsch in den Krieg folgende Karte:Leiber sehe ich mich durch die Kriegsnnruhcn gezwungen, Ihnen das Kapital zu dem im Hypothekenbriefe festgesetzten Termin zu kundigen, wenn Sic nicht für die laufende Zeit bis zum Eintritt geordneter Verhältnisse 5% Prozent Zinsen zahlen." Das ist ein erbärmliches Vorhaben, Es zeigt das aber wieder, wie die Besitzenden die Notlage anderer, sogar des Kriegers, der zur Verteidigung des Vaterlandes aus- zichi, benutzen, um sich noch mehr zu bereichern.

i. Die Arbeitslosigkeit der Tabakarbcitcr und die Stellung­nahme des Deutschen Tabakarbeitcrverbandes. Bor einigen Tagen gaben wir eine Schilderung von der großen Arbeitslosigkeit der Tabakarbeitcr im Gicßcncr Bezirk, welche infolge des Kriegszu­standes eingetreten ist. Die Möglichkeit, daß die Arbeitslosen kmrch Erniearbcit, sich einen Ausgleich ihres Verlustes an Verdienst schaffen können, ist in hiesiger Gegend so gut wie ausgeschlossen und somit sehen viele Tabaiarbciter bangen Zeiten entgegen. Besonders sind cs diejenigen, die keiner Organisation angeboren und nun von keiner Seite irgendwelche Unterstützung erhalten. Die organisicrien Tabakarbeitcr empfinden jetzt, wie wertvoll der Tabakarbeiicrver- band für sie ist, daß dieser in der äußerst schweren Zeit seine Mit­glieder nicht im Stich läßt, sondern alles aufbictei, um die Not einigermaßen zu lindern. Zu diesem Zweck ist eine ?! o t st a n d S - Unterstützung eingeführt, welche allen arbeitslosen Mitglic- dcrn, die 52 Beiträge cittrichiet haben, gewährt wird. Wie sehr diese Unterstützung in Anspruch genommen wird, geht daraus her­vor, daß bis fetzt schon in dieser kurzen Zeit 18 8 0 ArbeitSloseniage für BerbandSmitgliedcr in Betracht kommen. Hoffe» wir, daß es bald eine andere Wendung gibt, daß sich die Tabakfabrikanien ein­mal als wahre Patrioten zeigen. Gebt den brotlosen Tabak- arbciicrn Beschäftigung, auch damit erweist Ihr dem Vaterland einen großen Dienst.

Landsturm-Koittrollvcrsammlungcn. Das Bezirkskommando Gießen gibt folgendes bekannt: Es haben ohne weiteren Befehl zu erscheinen: Sämtliche Unicrossizicrc und Mannschaften, die dem Landsturm 2. Aufgebots angchören; das sind alle diejenigen, die militärisch ausgcbildei sind und im Kalenderjahr 4514 bas 38. Lebensjahr überschritten haben oder noch überschreiten, sowie ältere Mannschaften, soweit sic das 45. Lebensjahr noch nicht vollendet habe»: ferner diejenigen, die vor erreichtem Rililärpflichtaller ein-

gctrcie» sind und 18 Jahre dem Heere angehört haben, auch wenn sie noch nicht 38 Jahre alt sind.

Bezirk des Haupimcldeantts Gießen am 26. August 1914, vor­mittags 3 Uhr, anf den, Hofe der Zenghauskasernc am Landgraf- Philipp-Platz in Gießen: für die Bewohner der Siadi Gießen,

Iahresklasse» 1896, 1881, 1882 und ältere, deren Angehörige das 45. Lebensjahr »och nicht überschritten haben;

am 27. August 1914, vormittags 8 Uhr: Iahresklasse» 1893, 1894, 1895 und Angehörige jüngerer Iahresklasse», die älter als 39 Jahre sind;

an, 28. August 1914, vormittags 8 Uhr, für die Bewohner fol­gender Gemeinden: Albach, Avendorf a. Lahn, Allcndorf a. Lumda, Allertshausen, Alien-Buscck, Annerod, Bellersheim, Beltershain, Bersrod, Bettenhausen, Beuern, Birklar, Burkhardsfelden, Clim­bach, Taubringen, Torfgill, Eberstadi mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenicich, Geilshausen, Göbelnrod, Großcn-Buscck, Großcn-Lin- dcn, Grünbcrg, Grnningen. Harbach, Hattenrod, Hansen, Hcuchcl- hcim, Holzheim, Hungen.

am 29. August 1914, vormittags 8 Uhr, für die Bewohner fol­gender Gemeinden: Inheiden, Kessclbach, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Lauter, Leihgestern, Lich mit Hof Albach, Evlnhauscn und Mühlsachscn, Linbcnstruth, Lollar, Londorf, Lumda, Mainzlar, Münster, Mnschcnhcim mit Hof-Güll, Nicdcr-Bcssingen, Nonncnroih, Obbvrnhvsen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Oüen- hausen mit Appenborn, Oppenrod, Oneckborn, Rabertshausen mit Ringclshausen, Rcinhardshain, Rciskirchcn, Rodhciin mit Hof- Graß, Rödgen, Röthges, Rüddingshausen, Ruttershausen mit Kilch­berg, Saasen mit Bvllnbach, Vcitsberg und Wirbcrg, Stangenrod, Staufenberg m. Friedelshansen, Sicinbach, Steinhcin,, Stockhauscn, Trais-Horloff, Treis a. Lumda, Trohe, Utphe, Villingen, Watzen­born mit Steinberg, Weickartshain, Weitershain, Wicseck, Winnerod.

Die Wirkung der Maschincngcivehre. Die Alten haben den Tob oft als Sensenmann abgebildct. Längst überholt. Auch der Tob arbeitet heut«: mit B!a f cf)i neu. Ein« der furchtbarsten ist boS Maschinengewehr:Gießkanne des Teufels" iianittens die Russen tat russisch-japaiirfchcir Kriege. Wie diese furchtbaren Mord- invjchmen arbeiten, zeigt der Anszug ans einem Feldpostbriefe der Hamhuvgcr Nachrichten, der über bas Gefecht bei Soidan folgendes berichtet:

. . . Höre denn, was uns Dragoner von S o I ü a u erzählten: An der Grenze anf eenem langgestreckten Hügel eine preußische Neilerablicikm«, wenige Schwadronen, dicht hinter ihnen, durch den Hügel eben gedeckt, einige Maschinengewehre, der Kaval­lerie zu,geteilt. Da kommen zwei russische Kavallerie- brigaden an, sehen die paar feldgrauen Reiterchen^ und reiten gleich vergnügt auf sic ein, «ine Brigade vorn, die andere als Rück­halt hinterher. Unsere Dragoner ihnen entgegen, vor dem Fein,de aber, im rasendsten Galopp teilen sie sich rechts und links, den Ma- schincngcwehrcn ftci Schußfeld lassend. D a t a t s i ch d e » Russen die Hölle auf. Was da geschah, soll unibeschreiblich gewesen sein: in zwei Minuten war die erste Brigade ein Knäuel von Menschen- und P f erd e I e i bc r n (etwa 6688 Men­schen!) die zweite, erschüttert, ans,gelöst, iagt zurück, ober rechts und links die deutschen Reiter holten aus, schwenkten ein» preßten die Linie zu einem Haufen zusammen, wo sich keiner rücken und rühren konnte, geschweige denn Lanze und Schwert gebrauchen. So wurde,, zwei Brigaden vernichtet mit einen, Opfer von 3 Toten und 18 Ver­wundeten auf unserer Seite."

KreiS Alsfeld-Sauier-ach.

X Ein Kind verbrannt. In Vockenrod« bet Alsfeld ereignete sich am Samstag ein schrecklicher Unfall. Dort kam ein zehnjähriges Akädchen ans Sindlingen, das sich zu Besuch bei Verwandten auf­hielt, dem Herds,euer zu nahe, fo daß seine Kleider in Brand gerieten. Ehe ihm noch Hiksc gebracht werden konnte, hatte cs furchtbare Brandwunden erlitten. Es wurde tn das AlSfelder Kreiskranlkeit- haus gebracht: aber kurze Zeit nach seiner Einkieferung starb es unter gräßlichen Schmerzen.

Kreis ffriedberg-Birdinaen.

Vom Pferde erschlagen. Einen entsetzlichen Tob hat am

Samstag der Fahrburschc der Filiale der Brauerei Bin,ding in Friedberg, PH. Schneider, erlitten. Wie sich der Unfall ereignet hat, konnte man mit Sicherheit nicht scststclle,,. Sicher ist, daß der Verunglückte vornüber vom Wagen gestürzt ist und daß ihm von Hufivittcn des schon« cworde neu Pferdes oder a,ts anderer Ursache der Schädel buchstäblich gespalten wurde. Schneider war gewerk­schaftlich und politisch organisiert: er gehörte zu jenen Genossen, die, selbst nicht in der Lage, aktiv in den Tageskampf cingreison zu kön­nen. in treuer und pünktlicher Erledigumg ihrer Verpflichtungen ihre Aufgabe erblicken und im übrigen sich darauf verlassen, daß auch ohne ihre tätige Mithilfe Partei und Gewerkschaft ihren Ausgaben gerecht werden. Tie Friedbcrger Partei,ge,losseit werden ihm ein ehrendesAndenken bewahren.

Bereinskalsrider.

Donnerstag, 27. Anguss.

Gießen. Tabakarbeitcr. Nachmittags 3 Uhr Mitglieder­versammlung im Gcwerkschaftshwuse. Vortrag von Kollegen Kiel. , Alle Arbeitslosen wollen erscheinen-.

Frertag, 2 8. ?! u 9 u ft.

Gießen. Gewerkschaftskartell. Abends %9 Uhr i Sitzung. ?llle Delegierten wollen erscheinen.

Bekanntmachung.

Der als Fcl-dschütz geioähttc Ludwig H o f m a n u ist am 28. vor. Dkts. als solcher vci-pslichtet ivorden.

Gießen, den 24, ?bugnst 1814.

Der Oberbürgermeister.

Keller.

Butter her Pfd Milch Hühnereier Gäiisccicr Käse

Käsematle

Woche,tmarttpreise m «ietze»

am 22. August 1914

1.10-1.20 Mk. Liter 22 Pfg. Stück 810 Pfg Stück Psg. Stück 68 Pfg. Stück 56 Pfg.

Tauben per Paar 0.801.20 Mk Hühner per Stück 1.201.80 Mk. Hähne per Stück 1.502.50 Mk. Gänse per Pfund 0.00000 Pfg. Enten per Stück 0.000,00 Mk. Ochsenffeisch per Pfd. 0.860.92Mk. Kalbfleisch per Pfd. 8690 Psg. Kuh-u.Rindff. per Pfd. 8084 Pfg. Schweinefleisch per Psd. 7090 Pfg. Hammelfleisch per Pfd. 7096 Pfg. Kartoffeln p. Ztr. 4.20 4.50 Mk. Neue Kartoffel,, p. Pfd. 56 Pfg.

Zwiebeln per Pfund 1si-18'Pf,. Blumenkohl per Sick. 1530 Psg. Grüne Erbsen p. Pfd. 1518 Pfg. Grüne Bohnen p. Pfd. 1215 Pfg, Gelbe Rübchen Pack 5-6 Pfg»

Kohlrabi Sick. 56 Pfgf

Nömiichkohl Päkchen 5-8 Pfg. Gurken Sick. 1020 Pfg,'

Gurken, kleine Stück 3-5 Pfg.

.. im Hundert 23 Mk/ Weißkraut p/Haupt 10-20 Psg.

Kopfsalat per Kopf 25 Pfg. Aepscl per Pfund 1525 Pfg. Birnen Pfund 15-25 Psg.

Pflaumen Punsd 1525 Pfg.

Mirabellen Pfund 20-25 Pfg.'

Pfirsiche Pfd. 2535 Psg.

Falläpfcl Pfd. 63 Pfg.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen.

. , Verlag von Krumm L Cie.. Gießen.

Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt. G. m. b. H., Ossenbach aN'

Bürgtt-Krm Gießen.

Donnerstag, de,» 27. Angust, abends 8»/- Nhr^ im Saale des Caf6 Leib

Tagesordnung:

1. Wirtschaftsleben, Rechtsverhältnisse und der Krieg.

Referent: Herr Beigeordneter Justizrat Grüu ewald.

2. Slnrcgung zur Gründung einer Kreditkasse für Handwrrker, und Gewerbetreibende,

Aktie Aussprache. Dan,«, taiklkommeu.,

Es ladet ergebenst ein

Z>cr Worffand.

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