imstande, die von London geforderte Entsendung von britischen Truppen aus Ostindien nach Aegypten durchzu- führen, da alle Streitkräfte im Lande dringend benötigt wer- üen. Der Vizekönig ist von seinem Sommersitz nach Kalkutta zurllckgekehrt und hält täglich Beratungen mit den Höchstkommandierenden.
Weitere russische Oiefanncuc.
In Lemberg ist heute mittag ei» Transport rulfischer Gefangener angckommc», bestehend aus 2» Ossizicren und 30U Dragoner», Ferner kamen an ti Maschinengewehre, ti Feldküchen und zahlreiche Wagen mit Ausrüstungsgegenständen. Zwei russische Generäle sind tot.
Der Kampf bei Viscgrad.
Aus Serascwo wird gemeldet: Nach Erzählungen von Ver- ivnndctcn haben die Serben in dem Kampfe bei Bisegrad, der mit groftcr Hartnäckigkeit und Erbitterung gcsiihrt worden ist, enorme Verluste erlitten. In einem Schützengraben lagen über 500 Tote. Auch auf unserer Seite gab cs bedeutende Verluste, dir der Tollkühnheit unserer Truppen znzuschreibcn sind.
Tie Geretteten von der „Zentha".
Laut amtlicher Mitteilung ans Wien retteten sich von dem Dampfer „Zciitha", der am 12. August im Kampfe mit der französischen Flotte untcrgcgangen sein soll, 11 Stabs- »nd 118 Mannschaftspersonen. 58 Verwundete sind auf montenegrinischem Gebiet. Alle Nachrichten über ei» Seegefecht an der Adria sind unrichtig.
Die brutsche Gesandtschaft in Marokko vergewaltigt.
WB. Berlin, 21. August. Laut einer eben aus Palermo eingegangencn Drahtmcldung des Kaiserlichen Geschäftsträgers in Tanger hat diesem die Marokkanische Negierung am 19. August seine Päsie zngestcllt »nd ihn mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft überraschend und gewaltsam an Bord des französischen Kreuzers Casfard geschafft, um sie »ach Palermo zu transportieren.
Anscheinend als ofsiziösc Aiislaffnng der Rcichsrcgicrung zu dieser Meldung fügt das WB. hinzu: Dieser brutale Ucberfall in der Hauptstadt der internationalen Zone Marokkos, in der die diplomatischen Vertreter der Signaturmächte der Algecirasaktc noch heute die Kontrolle der Regierung ausüben, bedeutet seitens Marokkos und Frankreichs einen derartig unerhörten Bruch des Völkerrechts, wie er in der Geschichte vorher kaum vorgckommcn sein kann. Das, dieser Gewaltstrcich nur mit Zustimmung Englands möglich war, versteht sich bei der Lage Gibraltars von selbst, desselben Englands, das seine Kriegserklärung gegen »ns mit dem Eintreten für die Unverletzlichkeit der internationalen Verträge beschönigte.
Vor der Entscheidung im Osten.
Die Ruffen in Ostpreußen.
WB. Berlin, 21. Angust. Während auf dem westliche» Kriegsschauplätze die Lage des deutschen SecreS durch Gottes Gnade eine unerwartet günstige ist, hat aus dem östlichen Kriegsschauplätze der Feind deutsches Gebiet betreten.
* Starke russische Kräfte sind in der Richtung der dlngerapp Und nördlich der Eisenbahn Stallnpöncn-Fnstcrburg vorgcdrungen. Das 1. Armeekorps hat den Feind bei Wirballcn in siegreichem Gefecht ausgchaltcn. Er wurde zurülkgenoinme» auf weiter rückwärts stehende Truppen. Die hier versammelten Kräfte haben den bei Gumbinnen und südlich vorgchcndcn Gegner angegriffen. Das 1. Armeekorps warf de» gegenüber stehenden Feind siegreich zurück, machte 8888 Gefangene und eroberte mehrere Batterien. Eine zu ihr gehörende Kavallericdivision warf zwei russische Kavallcric- divisioncn zurück und brachte 588 Gefangene heim.
' Die weiter südlich kämpfenden Truppen stieße» teils ans starke Befestigungen, die ohne Vorbereitungen nicht genommen werden konnten: teils befanden sie sich in siegreichem Vorschrcitcn. Da ging die Nachricht ein vom Vormarsch weiterer feindlicher Kräfte über der Richtung des Narcvs gegen die Gegend südwestlich her masurischen Seen.
a Das Oberkommando glaubte hiergegen Masinahmcn treffen zu tnüsicn und zog seine Truppen zurück. Dir Ablösung vom Feinde erfolgte ohne Schwierigkeit. Der Feind folgte nicht.
Die Operation auf dem östlichen Kriegsschauplätze muhte zunächst durchgeführt »nd in solche Bahnen geleitet werden, dah eine neue Entscheidung gesucht werden kann. Diese steht unmittelbar bevor.
Der Feind hat die Nachricht verbreitet, das; er vier deutsche Armeekorps geschlagen habe. Diese Nachricht ist unwahr. Kein deutsches Armeekorps ist geschlagen.
Unsere Truppen haben das Bewußtsein des Sieges und der Uebcrlcgcnheit mit sich genommen.
Der Feind ist über die Augcrap nur mit Kavallerie gefolgt. Längs der Eisenbahn soll er Insterburg erreicht habe».
Der beklagenswerte Teil der Provinz, der dem feindliche» Einbruch ansgesetzt ist, bringt diese Opfer im Interesse unseres ganzen Vaterlandes. Dessen soll sich dasselbe »ach erfolgter Entscheidung dankbar erinnern.
Der Gcneralquarticrmcisicr v. Stein.
Der Eiferer von Nom.
Lebte» wir in FrisdenSzcite», so würde die Nachricht von dem Tode Pins X. i» der ganzen Welt auch außerhalb der Kreiße der Katholiken großes Aufsehen erregen. So tritt sic in den Hintergrund vor den gewaltigen Ereignissen, di« die europäischen Staaten in ihren Grimdscston erschüttern und der Meldung von der Vernichtung eines englischen Unterseeboots durch einen deutschen Kreuzer wird in der Presse mehr Bedeutung beigemessen, als der von dein Hutscheiden eines Papstes, dessen Kirchenpolitik bis in di« letzten Monate hinein allenthalben und nicht zuletzt in Deutschland Gegenstand lebhafter Erörterungen war.
Aur die eigentlich katholischen Blätter finden Zeit und Raum, das Geschehnis zu ivürdigen. aber auch sic wollen eine eingehendere Betrachtung des Lebens und der Taten des Verstorbenen ruhigeren Tagen Vorbehalten. Vielleicht ist ihnen die Notwendigkeit, sich kurz zu fassen und auf eine eingehende Darstellung der letzten zehn Jahre vatikanischer Poltttk zu verzichten nicht unangenehm, denn zum mindesten ein Teil der deutschen Zeittrnmsprcsse und zwar der cinsluß- reichste, würde, wenn er sich nicht des Vorwurfs elender Heuchelei aussetzen wollte, in seiner Darstellung recht kritisch iverdc» muffen. Er wird es niemals zugcben. aber die Tatsache bleibt bestehen, daß der Tod Pius X. ihm gerade jetzt außerordentlich gelegen gekom- me» ist.
I» den, Nachruf der German!» wirb freilich der „edle Papst" geiühmt. „dessen treuer Führung wir uns stets gern und willig ou- vrrtrautcn. zu dem wir mit all der gottgewollten Liebe und Ehrfurcht cmporichantcn, deren katholische Herzen nur fähig sind" uiid wehklagend erinnert man daran, daß seine Hand nur gesegnet, seine Stimme nur Frieden verkündet habe. Daß in Wirklichkeit die -ring« etwas anders lagen, ist allgemein bekannt. Pius X. war alles andere als der Mann des Friedens und der Veriöhiinng. Er war ein fanatischer Eiferer, der bei der Beschränktheit seines Genteo alle die diplomatischen Fähigkeiten vermissen ließ, di« seinen twrgangcr ausgezeichnet hatten und der blind darauf los stürmend T i ? r ri '“ lW, c in die größt« Verwirrung brachte. Gewiß hat vi-hr 1Icf- "der feilt Segen traf mit diejenigen, die sich rnckhaltlos icd. ^>"^Tchwanken auf seinen theologischen Standpunkt stellten, anf teten r^^sichteten, jede verstündnismäßige Erwägung ansschal- fir? um«., . ol,,K m '* der Wimper zu zucken zu den Anschauungen bekannten, di« der oberste Bischof der römischen ca X." e < L n>l ® ""Id unantastbar proklamierte.
»zaa ,, r beS Papstes Bannfluch. Und dies« Ketzer waren , L ur die Protestanten, sondern auch diejenigen unter den , c ? Bitten, <nich nur uni Haaresbreite den von Pins bisn Wcg zu verlassen »nd sich durch den Versuch. La» aognia der roimichmi Kirche bis zu einen, gewissen Grad« mit einem wnienichattttchen Kritizismus zu versöhnen, Hz den Geruch
des verabscheuungswürdsgen Modernismus vracksten. Den Gipfel erreichte der Beherrscher der Kirche durch die Vorschrift des Modernistcneides, der nichts anderes ivar, als der feierliche Verzicht auf jede cigeiic Ansicht in kirchliche» Dingen, mochte sie auch aus einer noch, jo ehrlichen »nd einer durch noch so eifriges Forschen e»t- standcnen Ueberzcugung beruhen.
Für Deutschland jedoch hatte «in anderer Vorstoß noch größere praktisch Bedcittnng: die einseitige Parteinahme für di« katholischen Arbeitervereine und die Ablehnung der interkonfessionellen christlichen Geiverkschaftc». Hier drol>tc die engherzige Verständnislosigkeit des heiligen tliaterS für die katholisch Kirche und für die die katholischen Interesse» zertretende politisch« Partei verhängnisvoll zu werden. Tie Kämpfe, die int Zusammenhang mit der Gc- »'erkschaftsfrage stehen, sind zu bekannt, als daß Einzelheiten in diesem Zusammenhänge noch einmal erwähnt werden brauchten. Wir wissen, daß das katholische Tentt'chland mit samt seinen Kirchcnsiirsten in zwei Lager gespalten wurde, von denen dasjenige, das dem Papste widerstrebte, zwar das weitaus größere ivar, aber dennoch keinen entscheidenden Sieg über die Gegner davoniragen konnte, weil cs sich eben durch dt« Rücksichten auf di« religiösen Gefühle seiner eigenen Anhänger an allen Ecken und Enden behindert sah. So wurde die Auseinandersetzung nicht sowohl in offener Fcldschlacht geführt, als vielniehr anf allerlei Hintertreppen und mit schlimmen Intriguen und wenn einmal die ehrliche und ivahrheilsgeireue Geschichte dieser Tage geschrieben werden sollte, so würde die Welt wohl mancherlei interessante Enthüllungen über di« Methoden erhalten nach denen christkatholifche Briider sich mtteretnander das Wasser abzugraben suchen.
Nun wird ein Aufatmen durch die Rethen der Bachemiten gehen und auf der anderen Seite wird die kleine aber bisher mächtige Elique der Lppersdorsf-Lcnde reckst angstvoll in die Zukunft schauen. Irgendivclchcn Prophezeiungen über den Kardinal, der des zehnten Pius Platz cinnelgnc» soll, lassen sich heute ivcniger denn je »lachen. Nur so viel steht fest, daß auch in das Konklave, in den, unter den alten Zeremonien die Papstivahl vollzogen ivird, der Lärm der Waffen dringt und daß die Gegensätze unter den europäischen Staaten bei der Entscheidung über die Person dessen, der den Sitz des heiligen Petrus einnehmen soll, wahrscheinlich eine größere Rolle spielen iverden als etwaige Meinungsvcrfchiedcnhciteii über die Stellung, die die Lehre des Thomas von Agniivo i„ der Theologie der Gegenwart «iuzunehmen hat.
Hesse» «nd Nachbargebiete.
Gietzen und Umgebung.
mehr der yefWyen"S:ääksregierung tn folgender Erkkarimg
Genugtuung:
„Unter der lieberschrist „Unerfreuliches ans Hessen" hat der
Unterzeichnete Hauptschriftlettcr des Täglichen Anzeigers in Lesse» Nr. 182 voin 18. August d. I. Behauptungen aufgestellt, wonach die hessische Regierung, um den Zaren in Schutz zu nehmen, dis Redaktion der Darmstädtor Zeitung angewiesen habe, ivichttg« Teile des Weißbuches der Reichsregierung über den Kriegsausbruch, insbesondere den Depesche »Wechsel zwischen den betderl Kaisern zu unterschlagen.
Ich lstibe mich nunmehr iik>crzengt. daß der der Redaktion der Darnistädler Zeitung am 1. August von dem Wölfischen Tel» graphciiburcan zugcgangene Dcpc schenk ries, der einen gekürzte» Auszug aus dem Weißbuch enthielt, wortgetreu sofort tn der Darmstädicr Zeitung veröffentlicht worden ist, und daß der ausführliche Auszug aus dem Weißbuch, der anderen Zeitungen zugegangen ist, der Davmstädter Zeitung von dem Wolffschen Bureau garnickst niitgeteikt worden war.
Diein« Belmuptnng. daß die hessische Regierung die Unter- schlag,,,ig wichtiger Tetle des Weißbuches veranlaßt l-äbe, ist völlig unbegründet.
Ich bedauere hiernach, den Artikel verfaßt und veröffentlicht zu haben, um so mehr, als ich mich überzeugt habe, daß am Tags des Erscheinens meines Artikels und säst zur selben Stunde die Darmstädter Zeitung scharfe Auslassungen gegen den Zaren ge« bracht hat."
Wir denken, die hessische Staatsrcgierimg kann sich bei dieser Erklärung nunmehr beruhigen.
— Agrarischer Wucher. Auf Anordnung dcS Königlichen Generalkommandos des 18. Arnieekorps wurde am 22. August bei dem Landwirt Wilhelm Schultheis, Gutleirthof inFranl- surt, daS gesamte Kartoffellager beschlagnahmt und versiegelt,, weil er Wucherpreise für die Kartoffeln verlangt hatte. Schultheis verlangte für den! Zentner Kartoffeln inr Großverkauf 6,60 Mark. Ter Bor-^ stand der Vereinigung Frankfurter Fruchtmarkt hat den Preis für den Zentner im Groszen auf 4 bis 4,50 Mark und im Einzclvcrkanf anf 5fch bis 6 Pfennig für das Pfund als, ausreichend erachtet, zumal in diesem Jahre eine gute und' ausreichende Kartoffelernte zu erwarten ist. — Natürlich ist Schultheis ein großartiger Patriot. — llebrigens ist der Preis! von. 4—4,50 Mark für den Zentner auch noch viel zu hoch^
Die Volksfiirsorge und der Krieg.
Di« neueste soziale Schöpfung der deutschen Arbeiter, di« im vorigen Jahre durch die Gewerkschaften und Genossenschaften ge griindeie Volksversichernngsgesellsthaft Volksfiirsorge, ivird wie alle Arbettcrorgamiai,onen und alle Vcrsichcrungsgesellschaflen durch den auSqebrochcnen Weltkrieg vor große Schwierigkeiten gestellt.
Der Vorstand sieht diesen Schwierigleiten ruhig ins Auge »nd hat die Maßnahmen gctrossen, die km Interesse der Versicherte,, und der ruhigen, uniintcrbrochenen Fortführung der Geschäfte notwendig ivaren. In der eben erschienenen Nummer 8 des Organs der Gcsell- ichaft, der „Volksfürsorge", die alle Intciesscntcn von den Rcch- mingSstcllen erhalten können, werden die Funktionäre dringend ans gefordert, „d i e O r g a n i s a t i o n w ä h r e n d d e r K r i e g ö z e i t intakt zu halten, damit auch während dieser Zeit die satznngs- gemäßen Ansprüche der Versicherten erledigt werden können „nd nach den, Kriege die Znriickkehrenden alles in Ordnung finden". Es heißt daim in den, Artikel weiter:
»Aber wicht nur die Organäsatioik muß intakt bleiben, auch die bestehende!, Versschcrunge» dürscn in, Inicrcssc der Versicherten nicht gefährdet werden. Hier er,nächst den Bertrauensmäimcrn der Volksfiirsorge eine wichtige soziale Aufgabe. Tic Bezirke und die Arbritsgcdivte der Vertrauensmänner, welche unter die Waffen treten mußten, müssen, wenn nicht sofort guter Ersah eintritt, von den zurückbleibendeii Vertrauensmännern übernonimeii werden. Ihr« wichtigste Aufgabe ist, nach Möglichkeit das Inkasso der Prämien ungestört iveiterzusührcn, ui» den Licrsichcrtci, ihre Rechte iiiiuntcrbrochcn zu sichern und sie vor nnübcriegten, sie schädigenden Schritten zu bewahren".
Nach genauer Tarsegung der triftigen Gründe, die seden Rcr sicherten in seinem Interesse verankassen müssen, die abgeschlossene Versicherung aufrecht zu erhalte» und wenn cs irgend ongeht, die Prämien wciterzuzahlen, l»espricht der Artikel di« anf Grund der Versichcrnngsbcdingnngen zu treffenden Nlaßnahmen der llmwaud- lung der Versicherung in eine Spar- bezw. prämionfreie Kapitafver- sicherung bei Nichtweiterzahlen der Prämien.
Da di« Volksfiirsorge die Vokksversichcrnng nur >m Inleresse der Vcrsichcrlen betreibt, ist der Vorstand auch in diescr Kricgszcit vcrpftichtct und gewillt, seinen Versicherten jede Erleichtcriing zu bieten. Die „Volksfürsorge" schreibt daher:
„Der Vorstand wird in den Fällen, in welchen dlugchörige von ins Feld gczogcm-cn Versicherten in die Lage kommen, bei Kapttolvcrstcheriingcn di« Präniienzalstniig zu verlangsamen oder ganz cinznftellen, nicht jofort nmwandel», sondern die Prämienzahlung über die im § 5 der Berstchernngsbedingungen vorgesehene Frist vo„ zwei Monaten hinaus stunden »nd nach Lleendigniig des Krieges erleichterte Gelegenheit geben, die Versicherungen wieder in Kraft freie» zu lassen. Darüber werden besondere Anweifungen des Vorstandes an die RcchnnngSstellen das 2!ähcre regeln."
Ter dirtikel schließt mit den hoffnnngsvollcn und mahnenden ätzen:
„Nicht »Ar im Interesse unserer vieken vor dem Feinde kämpfenden Brüder und ihrer Angehörigen, sondern mich sin Interesse der Volksfnrsorge und ihrer Weiterenttvickluna sehnen ivir von ganzem Herzen einen baldigen Friedensschluß herbei, der di« Griindiagc für eine lange, ruhige Friedens möglickst.
Unsere Freunde im Reiche bitten wir, den Versicherten überall im Sinne unserer Ausstihrungcn in jeder Nichttmg cntgegen- znkommen und sie zu treuem Festhalten an der Volksfiirsorge zu crniuntcrn. Wie die Gewerkschaften und die Genosscnschasten, so wird auch die Boiksfiirsorge „ach dein Krieg« nötiger sein als vorher: sic braucht aber auch in dieser schweren Zeit das unerschütterliche Vertrauen des Volkes, dem zu dienen sie alle!» bestimmt ist."
Wir können uns diesen Hoffnungen „nd Mahnungen nur an- schließen.
— Lieserungsverträge werden durch den Krieg nicht hin-c
fällig. Ter Koinmcmdierende General erläßt folgende B-e-s kan n tm a chu ng:
Durch den Krieg werden Verträge nicht hi-n< fällig. Insbesondere sind Leiser ungsverträge ü b e £ Mehl, Getreide und dergleichen an sich nicht aufgehoben.
Bei unbegründeter Weigerung, die VertragsPflichten, ZN erfüllen, werde ich die vorhandenen Vorräte bcschlag, nahmen, die vertragsmäßige Lieferung erzwingen undl gegebenenfalls das Geschäft schließen lassen.
Von vielen Großlieferanten wurden sofort nach Erklärung des Krieges die Licferiingsverträge annulliert und die Preise um 40—50 Prozent gesteigert. Wenn gegen solchen Wucher kräftig vorgegangen wird, so ist das nur gerechtfertigt. So benutzten namentlich die Großmühlen den Kriegs zu einem gehörigen Beutezug. Unter anderem bemerkt unsev Frankftirter Parteiblatt dazu: Es steht fest und kann durch die eigenen Bücher der Großmühlen sehr leicht nachgewiesen, werden, daß das auf Grund billigen Rohmaterials hergestelltck Mehl, das sämtlich zum Preise von ca. 30 Mark pro Sach verkauft war, also dasselbe Mehl, das bei Ausbruch des> Krieges in Hunderttausenden von Säcken in den Mühlen selbst und in den Lagerhäusern ansgestapelt war, im Momente der Kriegserklärnng von den Großmühlen um1200 Mark pro Waggon teurer verkauft wurde. Durch dieses! unwürdige Verhalten der weißen Ritter ist das Publikum uni Millionen geschädigt worden. Das Treiben dieser edlen Heren war »m so verwerflicher, als es sich hier un, eine Vereinigung sämtlicher oberrheinischen, niederrheinischen und! elsässischen Großmühlen handelt, die in geschlossener Marsch-, route zugunsten ihres Geldsackes den über Deutschland hereinst gebrochenen Krieg ausnützte.
— Zur Nachahmung empfohlen! Der Arbeiterbildungsverein Heuchslheim hat in seiner letzten Mitgliederversammlung beschlossen, allen Familien, deren Ernährer Vereinsmitglieder waren und ins Feld rücken mußten, die Ober- hessische Volkszeitung weiter zustellcn zu lassen und die! Abonnementsbetrüge aus der Vereinskasse zu bezahlen. Die Versammlung war der Auffassung, daß auch die Frauen der, zur Fahne berufenen Arbeiter die kriegerischen Ereignisse mit großem Interesse verfolgen und man ihnen den Weiterbezug, des Parteiblattes ermöglichen müsse. Es wäre dringend zch wünschen, wenn sich auch die übrigen Organisationen in unserem Verbreitungsgebiet an diesem durchaus vernünftigen
und Kulturarbeit er- Beschluß unserer Heuchelhciiner Freunde ein Beispiel nehmen l würden.
— Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit! Uns wird
geschrieben: Gießen. Infolge des Krieges sahen sich eine Anzahl hiesiger Geschäfte veranlaßt, in erster Linie solche, die mit dem Ausland arbeiten, den Betrieb einzustellen. Was gibt es nun mit den Arbeitern und Beamten dieser Geschäfte? Wo diese Leute um Arbeit Nachfragen, hat man nur ein Achselzucken und Bedauern. Ja, aber davon kann doch niemand leben? Sind die Familien nicht besser daran, deren Ernährer mit ins Feld gezogen ist und deren Angehörige von Staat, Gemeinde, Arbeitgeber, Vereine usw. unterstützt werden? Wer bekümmert sich aber um die Arbeitslosen und deren Familien? Hier tut dringend Hilfe nötig, denn die Zahl der Arbeitslosen steigert sich imnier mehr. Jetzt ist es Zeit, daß Stadt und Gemeinden eingrcisen und Notstandsarbciten verrichten lassen, damit nicht mancher bisher unbescholtene, brave Mensch aus Not auf den Weg des Verbrechens gebracht wird, denn: Hunger tut weh! s.
— Gas sinkt Petroleum. Wir werden mn Anfnahine folgiender Ausführnnycn ersucht: Die deutsche Volkswirtschaft ist im wesentlichen vom Ansiland mvMhänM bis auf eine Ausnahme: das Petroleum. Wenn in Friedenszeiten, fchätzungsivekfe etwa jährlich 128 Millionen Nkark für den Bezug von Petroleum ins Ausland gingen, so wind di,cs jetzt, da es sich in der Hauptsache um, den Import amerikanischen Leuchlölö iMidelt, während der Kriegszeit in Wegfall - | kommen. Andererseits wird aber balb Petrolennniiauzzel ciiiirften.
v m 'T'armftäMer ~5nr 9;iupiner j ü' cc ' &atb m:rf) kürzt ick, die Nachmcht von Maßnahinen dnvck, dir zm ^arm,woier ^.agi. Anzeiger t Tageszeitungen ging, dnvck, welck^ di« amerikanisckxn Petro, enm-
ies, nun-vj,^p^^Echaftct« eniem plötzlichen zir stanken Eiirkamf, der ihre
Ans der 7. Verlnstliste,
Vom 18. Armeekorps enthält die 7. Verlustliste solgendc Regimenter: Jnsanterie-Regiinent Nr. 118 sWormsf. Lciblompagnic: Unteroffizier der Reserve Georg Trümmer, Worms, vermißt.
Kompagnie: Musketier Karl Schuch, Bechtheim, tot.
18. tkompagnte: R. Aug. Stau ff, OberslörsheiM, vermißt Felbartillerie-Rcgimcnt dir. «1 sTarmstadtf.
Batterie: Peter Edelneann, 21irlen-back^ tot.
Tür. lllancn-Regimcnt Nr. 8 sHanauf.
Eskadron: Karl Schliiigloff, Hanau, tot; Gefreiter R. Hch. Bloch, Lanterbach, verniißt.
4. Eskadron: R. K, Iol>. Klämmerzell, Fulda, tot: Bcned. Böttcher, Bickenrtebe, leicht vcrw.: Heinrich Etzcill, Trocknerfurth, schwer vcrwmidct, Halsschnß: Sergeant Fr. Otto Hartmairn, Hohensolms, tot.
Sic sind wieder einig
gibt Herr Emil Behre, Hauptschristleiter dieses BilatteS


