knrd, um den sozialen Frieden, der unserem Daterlande in so schwerer Zeit dringend nottnt, aufrechtzuerhaltcn.
Der Kapitalismus will Geschäfte machen. Das gehört zu seiner Natur. Daß es aber in der gegenwärtigen ernsten Zeit mit seiner ungeheuren Arbeitslosigkeit Unternehmer gibt, die es nicht unterlassen können, von dem Elend noch zu profitieren ,ist sehr bezeichnend. Wie schlimm aber muß es in dieser Beziehung ausschen, daß sich sogar Staatsbehörden veranlaßt sehen, gegen derartige Ausbeutung der herrschenden Notlage vorzugehen.
Tuberkulosebekämpfung während des Krieges. Uns ging folgender Aufruf zu: Durch die vielseitigen hochherzigen
Maßnahmen zugunsten unserer verwundeten und kranken Krieger dürfen andere segensreich wirkende Wohlfahrt-- bcstrebnngcn nicht gefährdet werden. Insbesondere muß ver- hütet werden, daß Volksseuchen wie die Tuberkulose, begünstigt durch das Tarniederliegen der wirtschaftlichen Verhältnisse, vermehrte Opfer bei uns fordern. Die hingebende Arbeit der zur Bekämpfung der Tuberkulose berufenen Stellen darf nicht erlahmen. Vor allem gilt es, für die schwerkranken Tuberkulösen weiter zu sorgen und sie nach Möglichkeit in den Heilanstalten zu belassen oder dort nnterzubringen. Diese Forderung ist um so dringlicher, weil vielfach Ausfall oder Rückgang des Verdienstes eine Verschlechterung der Lebensund besonders der Wohnungsverhältnisse zur Folge haben wird. Kranke aus verschiedenen Bezirken können erforderlichenfalls in einer Heilstätte vereinigt werden. Die Aus- kunsts- und Fürsorgestellen sowie die Walderholungsstätten werden soweit als möglich ihre Tätigkeit noch steigern müssen. Denn die aus den Heilstätten vorzeitig ausgeschiedenen oder unter den gegenwärtigen Verhältnissen dort nicht aufgcnom- menen leicht erkrankten Tuberkulösen sind jetzt ausschließlich auf ihre Fürsorge angewiesen. Im Interesse der Aufrechterhaltung der Bestrebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose in dem hiernach gebotenen Umfang hat sich in der beim Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz errichteten Zentralstelle für Kricgswohlfahrt unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Kaufmann, des Ministerialdirektors Dr. Kirchner und des Präsidenten Koch ein Tuberkulose- ausschuß gebildet. Als Erfolg der bisherigen Beniühungen darf Deutschland einen Sieg über die Tuberkulose als Dolks- seuche erhoffen. Möge es auch in schicksalsschwerer Zeit diese aussichtsreiche Friedensarbeit zielbewußt fortfllhren. Alle Mitteilungen werden erbeten an die Zentral-Melde- und Aus- kunftsstelle des Roten Kreuzes, Reichstagsgebäude, NW. 7, Portal 4. Dr. Bumm, Präsident des Kaiserlichen Gesundheitsamtes. Dr. Kaufmann, Präsident des Reichsversicherungsamtes. Dr. Kirchner, Ministerialdirektor im Königlich Preußischen Ministerium des Innern. Koch, Präsident der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte.
Handelsverkehr im Krieg. Während früher bei Ausbruch eines Krieges jeder Handelsverkehr zwischen den Kriegführenden als unmöglich betrachtet wurde, haben die immer engeren Beziehungen, die der Handel zwischen den einzelnen Staaten geknüpft hat und deren Lösung im Kriegsfälle nicht immer ohne große Verluste möglich ist, den Grundsatz herausgebildet, daß der Handelsverkehr zwischen Kriegführenden fortbcstehcn darf, sofern er nicht ausdrücklich von einem der Kriegführenden eingeschränkt oder aufgehoben wird. Dies entspricht der Anschauung des modernen Völkerrechts, wonach der Krieg nicht zwischen Privaten, sondern nur zwischen der bewaffneten Macht der kriegführenden Staaten besteht. Aus diesem Grunde können zwischen Angehörigen feindlichei Staaten vorhandene Schuldvcrbindlichkeiten wie im Frieden im Feindesland eingcklagt und die deswegen ergangenen Urteile vollstreckt werden, es sei denn, der feindliche Staat habe ausdrücklich Klagelosigkeit solcher Schulden angcordnet oder überhaupt eine allgemeine Klagelosigkeit selbst für Schuldverhältnisse zwischen eigenen Bürgern verfügt. Eine Ausnahmestellung nehmen in dieser Beziehung die Staaten des anglo-amerikanischen Rechts ein, vor allem England. Dort gilt, daß während eines Krieges kein Angehöriger eines feindlichen Staats einen Engländer in England verklagen kann. Ferner ist jeder während eines Kriegs von einem Engländer mit einem ausländischen Feind geschlossene Vertrag nichtig, cs sei denn, daß durch besondere Verordnungen der Abschluß solcher Verträge gestattet worden ist. Vor Kriegsausbruch entstandene Forücrungsrechte gegen einen Engländer können von einem ausländischen Feind nach englischem Recht erst nach Beendigung des Krieges geltend gemacht werden. Vor Kriegsausbruch geschlossene Verträge verlieren während des Kriegs ihre Wirksamkeit, besonders Versicherungsverträge jeder Art, Gcsellschaftsverträge usw. Eine Erfüllung solcher Verträge stellt nach englischem Recht Landesverrat dar. Bei einem Krieg Deutschlands mit England können also Klagen gegen Engländer in England nicht erhoben werden und alle privaten Verträge mit Eng- ländern sind nichtig. Dagegen bestehen bei einem Krieg mit Frankreich, Dänemark, Holland, Rußland, Schweden, Belgien und Norwegen die Klagbarkeit von Ansprüchen und die ihnen zugrunde liegenden Verträge weiter, was diese Staaten aus der zweiten Haager Konferenz bei Revision des Abkommens betr. die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs anerkannt haben. England hat dies zwar auch getan, aber nachher dem betreffenden Artikel eine andere Auslegung gegeben, nach der sein entgegengesetzter Standpunkt gerechtfertigt sein soll.
Vorteilhafter Gemüse-Anbau. Ein führender landwirtschaftlicher Fachmann schreibt der Franks. Ztg.: Sie haben schon mehrere Male und sehr mit Recht darauf hingewiesen . . ., daß auch schnellwachsende Gemüse angebaut werden möchten, die zum Herbst noch erntefähig werden. Aber hinsichtlich des Anbaues von Gemüsen sind bis jetzt keinerlei Ratschläge bezüglich der Arten und Sorten gegeben worden, und das ist für die jetzige Aussaat von der größten Wichtigkeit. Demgemäß gestatte ich mir, eine Reihe von Gemüsen zu nennen, die jetzt noch mit Vorteil angebaut werden können. Es kommen in Betracht:
Von Hcrbstrllben: halblange weiße rotköpfige Ulmer, runde, weiße Pfälzer imd runde, weiß« Schwauheincer: von
Karotten: Gonseuheimer Treib, dunkelrot« von Gneraud und verbesserte von Nantes: von Spinat: dunkelgrüner, bveit-
blätte-rigcr rundsamiger. Viktoria-Riesen, Frankfurter Riesen und Trininph-Riesen: von Melden: große gelbe und große grüne Riesen: von Salat: Frankfurter ftiiher und Mcnköntg: von Feldsalat: deutscher kleiner nnd holländischer großer: von RadieS: klon plus ultra.
Es ist zu bemerken, daß nicht nur größere Flächen Lande?, sondern jeder kleinere und kleinste Raun, hierfür verwendet werden sollte, sei es in gärtnerischen Betrieben, sei es in Privatgärtcn, wobei zu berücksichtigen ist, daß sich freigelege- nes Land natürlich besser eignet als schattiges. Alle Samenhandlungen liefern die vorgeschlagenen Gemüsesamen und geben gerne Anleitung für die Behandlung, da es wichtig ist, die Aussaat in der richtigen Weise vorzunehmen. Aber es ist hohe Zeit, daß sofort mit diesen Arbeiten begonnen wird, damit sich die Gemüse noch in erwünschter Weise entwickeln können.
Hierzu noch die Zuschrift einer Frau, die auf folgendes aufmerksam macht: Gemüse, die nicht eingemacht werden,
sollten getrocknet werden. Es geht dies ja mit Bohnen, allen Kohlsorten, Gelbrüben, Rüben, Kohlrabi, wenn sie klein geschnitten sind. Auch läßt sich manches Gartenbeet noch jetzt neu ausnühen.
— Zu leichtes Brot. Gestern hat bei den Gicßencr Bäckern eine polizeiliche Revision des Brotes stattgefunden, wobei viel Brot beschlagnahmt wurde, weil die Laibe erhebliches Mindergewicht aufwiesen. Bier- pfundbrote hatten 180, 200, ja sogar bis 250 Gramm Mindergewicht. Und zwar war dies bei einer ganzen Anzahl Bäcker der Fall. Diese haben Strafanzeige zu gewärtigen, was im Publikum mit Genugtuung ausgenommen werden wird. Denn die Forderung ist wahrlich nicht unbillig, daß der Brotkonsumcnt für sein teures Geld wenigstens völliges Gewicht bekommt. — Ta? Brot soll frischgcbacken das volle Gewicht (2, 4 oder 6 Pfund) baden, es trocknet natürlich ein, wenn eS älter wird, doch soll das dadurch verursachte Mindergewicht nicht mehr als 25 Gramm auf das Kilo be- tragen; also wenn das Vierpfundbrot 1 Tag alt ist, dürfen 50 Gramm am Dollgewicht fehlen. Der Bäcker macht einen ganz erheblichen Mehrprofit, wenn er an jedem Laib 200 Gramm fehlen läßt.
Leere Kisten, Verpackungsmaterial, Flaschen usw. sind von der Beförderung durch die Eisenbahn ausgeschlossen. Leere Milchgefäße können befördert werden.
— Die Preisbewertungen bei der Gicßener Gcwcrbe-Ansstel- lnng. Folgenden Ausstellern wurden Preis« zuerkcmnt: (Fortsetzung.)
S. Silberne A usstel lu ng Sm«d a > 11 e: Gebr. Rein-
bard, KuiMteiwwert in Flacht: Hessische Steinbriiche, G. m. b. H. in Londorf: Hermann Scholl, Bildhauer in Darinstadt: Ansdermaner & La bereu z, Stukkateur iu Gießen: Fr. Zeiß. Holzbcarbettu-ngs-
fabrrk iu Griedel: Karl Hahn, Schrei nermklfter in Gießen: Foh. Lenz. Schreinermeistcr in Gießen: ©fl. A. Haincr, Schreinermeistcr ln Gießen: Karl Kra-rlmg, Schlostcrmeisder in Glesien: Martin Dörr. Schlossermeister in Gießen: Angnft Stumpf, Schlossermeister in
Hvinberg a. d. Ohm: Heinrich Tichp, Friseurmeifter in Gießen: Balth. Schirl«, Goldschmied im Marburg: Will). Wagner, Kiiser-
nieister in Großen-Buseck: Wich. Nedhuth, Seilermeister in Gießen: Foh. Hiih», Filzwarenfabrik in Schliß: Ehrist & Herr. Buchdrnckerei in Gießen: Valentin Eisesser. Rohrmöbelsabrik in Hamm lRhein- b-.ssen): Moritz Gregori, Spielwarcrgeschäft in Gießen: F. A. Hart- niann ». Er., Maschimensabrik in Osfenbach: Urbanek. Bohrmaschi- ncnfobrik in Frankfurt a. M: I. u. H. Grieb, Maschinenfabrik in Gambach i. v.: Engen Kaufsmann, Lampcnsabrik in Gießen: AlS- felder Möbelfabrik, G. m. b. H., in Alsfald: Heinrich Mohr, Schuee- schuhmacher in Breungeshain: Heinr. Reger, Eisschrank- und Biifett- fabrik in Cid); H. Müller, Apselweinkeltcrei in Osthedm: Karl PH. Müller, Apselweinkelterei ln Darmsdadt: Konrad Siel, Tchuhmacher- mciftcr in Marburg: Schuhmofchiiien-Gesellschaft Fulda: Marie
Win,derlich, Tanreuschneiderin in Gießen: Andreas Schaeser. Möbelfabrik in Marburg: Earl Sauer, Möbelschreireret in Echzell: Wich. Harinionn, Möbeljchreineroi in Mllnzenbcrg: Earl Stückra-th.
Möbelfabrik in Gießen: G. Haubach, Schreinerineister in Gießen: Gießcner Fröbelseminar in Gießen: Leonhardt Kraft. Architekt in Bad-Nauhcini: H. Meyer, Architekt in Gießen: Kämpfer sc Wisseir- bach, Architekten in Ho-nau-Kesselstadt: Willi Maas, Photograph in Marburg: Heinrich Nickel, vorm. Zimmer Photograph in Gießen: See-map,, u. Co.. Verlagsbuchhandlung in Leipzig: Ernst Voigt- länder. Verlagsbuchhandlung ln Leipzig: Gg. Th. Stier d. St. in Frankfurt-Rödelheim: Ernst Schniidt, Architekt in Gießen: Ludwig Bernhardt, Schuhmachcrme-tstrr in Gießen: G. Schnell, Schuhniacher- nceister in Lvllar: Gustav Ebr. Schmidt. Malermeister in Gießen: Albert Godofar. mechanische Weberei in Gwrgenhmnmer: Gießcner Stempel- und Farbenfabrik Joseph Kreutcr in Gießen. — Ober- hessische Werkstätten : Ful. Bach. AnSstatturgSgeschäst in Gießen: Hermann Hitdebrondt, Schreinermeistcr in Großen-Linden: Metzger & Schlecht, Möbelfabrik in Münzenberg: Hermann Schmidt III., Schreinermeister in Lich: Ernst Wasser. Schrernermeister in Angers- bach: Otto Lind, Schreinermeittcr in Groß-Felda: Wilh. Schmidt. Schreinermeistcr in Lauierbach: Gg. Appel, Spengler und Fnstal- lateur ln Gießen: Heinrich Hochstätter, Tapetcnhaus in Gießen: Gebr. Bender, Schreinerineister in Rvdhemi a. d. Bieber: F. v. Fuhr, Spielwarengeschäft in Gießen: Karl Schlierbach IV., Tckrci- nermcister in Rodhelm a. d. Bieber: H. Burg. Architekt in Gießen: Ludwig Schepp, Schreinerineister in Hausen: Friedrich Schaeser,
Schroincrnrcistcr in Groß-Felda: Heinrich Wasser, Schreinermeistcr in Rirfeld: Wilhelm Krämer II.. Schreinermeistcr in Langsdorf: K. Müller Söhne, Möbelfabrik in Allep-Busnk: Georg Rausch. Tchrei- nermeister in Schadges-: Wilh. Bernhardt, Kunstschlossermrister in Rodheim g. d. Bieber: Eugen Groß. Maler- und Weißbinderinei sie r in Giessen: Mar Herl«. Holzbtldlxmer m Gießen: A. Heß, Schrei- irermeistcr in Gießen.
10. Bronzene MedailleberProvinz Obcrhessen und Bronzene Aus st ellungsmedallle: Engelbert Bürck. Photograph in Gießen: Wilh. Mettenheimer II., Drechslermelster im Eichclsochsen: Roos. Kulturtechniker in Gießen: Städt. Tiesbauomt in Gießen: E. Horst Zcmentwarensabriik in Gieße», sSchluß folgt.)
— Die morgige Sonnensinfternls tritt für Gießen 12 Uhr 9 Minuten ein und dauert bis 2 Uhr 38 Minuten. Die Sonn« wird für unsere Gegend zu 74 Prozent vom Monde bedeckt.
tkrei» ssriedberit-Viivinaen.
X Friedberg. Totschlag. Am Dienstag wurde der Knecht Karl Scheid aus Qberschold iTillkreis) tot anfgcftnideu. Es hat sich hcrausgestellt, daß er einem Verbrechen zum Opfer gesallen ist. Scheid hatte mit seinein Arbeitskollegen Formanski gemeinsam sich an den Weinvorräten ihres Dienstherr» gütlich getan. Fn der Trunkenheit gerieten st« in Streit, in dessen Werlaus Scheid vo» Formanski mit «irrer Birrflafäze niedergeschlagen wurde und kurz danach verstarb. Der Täter hat bereits ein offenes Geständnis abgelegt.
Kreis Weizlar.
h. Blutdürstige „Christen". Das Volk, die bekannte „christliche" Zeitung, behandelt in einem Leitartikel von! 18. August mit dem Stichwort „Lumpengesindel" die bekannt gemachten Grausamkeiten der Zivilbevölkerung in Belgien. U. a. schreibt das Blatt dann: „Die hier völkerrechtswidrig an wehrlosen Menschen begangenen Grausamkeiten schreien gen Himmel, heischen Rache, Rache im erbarmungslosesten Sinne
des Wortes. Tie soll ihiren auch werden. Ein Herd solcher Unkultur und viehischer Blutgelüste, wie ihn Belgien nach den Nachrichten dieser Tage dnrstellt, hat keinen Anspruch aus selbständiges staatliches Weiterbestehen. Er ist dem Sieger verfallen. — Die sofortige standrechtliche Erschießung einiger Ucbeltäter, denen man an Ort'und Stelle habhaft geworden war, das Niedcrbrenncn der Dörfer, in denen solche Frevel vorgckommen waren, ist für solche Ungeheuerlichkeiten keine ausreichende Sühne usw." — Das schreibt ein Blatt, das den Grundsatz predigt, liebet eure Feinde, dem ist cs nicht genug, daß die Schuldigen erschossen werden, daß man ganze Dörfer niederbrennt, worunter sicher viele Unschuldige leiden, nein, die Sühne ist nicht ausreichend. Also Foltern her. ihr „from- men Christen!" Mit keinem Wort geht der Blutdürstige daraus ein, daß an Belgien vor den Grausamkeiten, die kein denkender und fühlender Mensch billigen wird, Pölkerrcchts- bruch begangen wnrde.daß die betreffende Bevölkerung als streng christlich katholisch gilt, die von Geistlichen zu den Un- taten fanatisicrt wurde. Das christliche Organ verschweigt ferner, daß unter den Schuldigen schon eine ganze Anzahl Geistliche verhaftet und erschossen wurde, also Leute, die ihm sonst nahestchcn. Und sind cs nicht die Sieg-Blätter, das «chwesterorgan vom Volk, die deutschen Schülern die Erziehung in belgischen Klöstern empfehlen? Heuchler!
* Ucber mangelhafte Verpflegung, Sie in Wetzlar den in den Krieg ziehenden- Soldaten tn verschiedenen Quartieren zuteil geworden setz berichteten wir in Nr. 183 unseres Blattes. Dazu schreibt uns Herr Bernhard Henrich, von dom in dein erivühnien Artikel ebenfalls di« Rede war, daß die bei ihm cinquartiert gewesenen Soldaten nicht mangelhaft, sondern g n t und reichlich verpflegt mordet« seien und ein Essen erhalten hätten, wie es nt einem bürgerlichen Saushalt üblich sei. Herr Henrich ersucht nnS noch, die gionze Speisekarte von den sieben Tagen ab zu drucken, welchem Ersuchen wir aber nicht stattgeben können^ well damit nichts bewiesen werben kann. Wir wollen aber gerne zugeben, daß man sich unter den arrf der Speisekarte ansgeführten Mahlzeiten ganz ans- gkzeichne!« Essen vorstellen bann. Und wenn die Schüsseln nie leer abgetragen wurden, so scheint sa auch genug Hagewesen- zu sein. — Aber wir können dach di« Bejchasfeichcrt der gewährten Verpflegung nicht nachpriifen: wir hoben auch mir berichtet, daß die bei Henrich eltiquarttertcn Landwehrbcutc in der Wirtschaft gegessen und sich ül»cr das Essen iitt ihrem Quartiere beklagt haben. Und das ist Tatsache. An der Wi-tdergabe einer solchen wird uns auch nicht eine etwaig- Klage hindern, die Herr H. in Aussicht stellt.
In Polizeistunde. Laut amtlicher Bekanuttn-achung des Bürger- meifter Dr. Kühn, wird die Polizeistunde für sämtliche Wirtschaften ans 12 Uhr n-achts fcstglstebt.
b. RcchtömiSkimst. Für Mniderbemtitelte und Angehörige von Kriegsteilnehmern ist jetzt auf den: hiesigen Ratlzaits eine diuskunst- unü Beratungsstelle errichtet,
Tclei^rÄMme.
Neue im Westen.
Schwere Verinfte der Fr«z«»rosen.
(Amtlich.) Tie französische 5. Kavnllcriedivision wurde unter schweren Verlusten bei Perwez (nördlich von Namur) von unserer Kavallerie z «r ü ck g e w o r f e n.
Bayerische und badische Truppen schlugen die bis Weiler (15 Kilometer nordwestlich von Schlcttstadt) vor- gedrungene 55. Jnsantericbrigade, brachten ihr große Ver»
Iustc bei und warfen sie über die Vogesen zurück.
Das Ultimatum Japans.
Ter japanische Geschäftsträger in Berlin hat im Aufträge :r Regierung dem Auswärtigen Amt eine Note überreicht, worin unter Berufung ans das englisch-japanische Bündnis die sofortige Z n r ü ck z i c h » n g der beut- chcn Kriegsschiffe aus den japanischen nnd chinesischen Gewässern oder die Abrüstung dieser Schisse, ferner bis zum 15. September die bedingungslose Ucbcrgabc des gesamten Pachtgebictcs von Kiautschou an die japanischen Behörden nnd die unbedingte Annahme dieser Forderungen bis znm 23. August verlangt wird. (Amtlich.)
Dom serbischen Kriegsschauplatz.
Wie die Rcichspost meldet, haben die österreichisch-ungarischen Truppen auch bei Progar, 23 Kilometer westlich von Semlin, die S a v c ü b e r s ch r i t t-c n und die serbische Stadt O b r e n o w a t s ch g e n o m m c n.
Papst Pi«s X. gestorben.
Papst Pius X. ist gestern abend gestorben.
Zur Neuwahl des Papstes wird der Franks. Ztg. aus Rom geschrieben:
Vielfach wird die Schwierigkeit des Konklaves in der jetzigen Weltlage erörtert. Ein Aufschub ist unmöglich, da das Konklave bestimmungsgemäß in acht Tagen zu- sammentreten m u ß. In vatikanischen Kreisen bereitet die Geldfrage Sorge, da auch die vatikanischen Kapitalien von einer teilweisen Sequestration wegen der Krise betroffen sind. Die politische Wirkung einer Scdisvakanz wird dahin aufgefaßt, daß Italien noch weniger als bisher ge- neigt sein wird, sich in die W e l t h ä n d e l e i n z u - mischen, da die Garantie für die Integrität des Konklaves seine äußerste Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen wird, während der Tod des Kirchenoberhanptes der katholischen Nation auch psychologisch friedlichen Tendenzen nur förder- sich sein kann.
Die Revolution im Kankasns.
Wie Jkdam erfährt, gewinnt der Aufstand im Kaukasus gegen Rtlßland an Ausdehnung. Die Aufständischen haben die Brücke über den Araxesfluß an der einzigen Eisenbahnlinie gesprengt, die Rußland mit Persien verbindet. Die russischen Truppen fliehen mit ihren Waffen und Gepäck an die türkische Grenze. Vorgestern hat eine große Zahl von Soldaten die Grenze überschritten, um aus türkisches Gebiet zu flüchten. Die Preise für Lebensniittel sind im Kaukasus auf das Vierfack>e gestiegen. Es wird immer schwieriger, den Auffiand zu unterdrücken. (Franks. Ztg.)
Vcrantwortlicher'Rcdaklcur: F. Vetters, Gießen.
Verlag von Krumm & Cie., Gießen.
Truck: Verlag Ossenbachcr Abendblatt, G. m. b. tz., Ollcnba» a. M.


