Deutsche Frauen und Mädchen habe» sich bei Durchfahrt von Kricäsaefan-ienen teilweise würdelos benommen. Ersuch« Bahn- hosskommandonten. in schärfster Weise einzuschrcitcn. sobald unsere nationale Ehre durch solch« Elemente angctastct wird."
Es wird uns berichtet, das, cs sich um Damen der sogenannten bessere» Gesellschaft handelt, .die sich in dieser ausdriuglichcn We se an die fremden Kricqcr hcrainumachen suchen. Es ist das derselbe Schlag sensationslüsicrer Weiber aus den lchhcrcn Bürger- ichichtcn, die sich auch um die Gunst der männlich«,, Mitglieder erotischer Völkertrupps rausen, die von Zeit zu Zeit zur Schaustellung durch Deutschland ziehen. Es ist ihnen natürlich nicht darum zu tun. irg«nd welche Not zu lindern: ganz im Olegen- teil: die einheimischen Notleidenden. Arbeitslose oder arme Arbeiterfrauen, die sic um Linderung ihrer Not ansprächen, wiirden wahrscheinlich von ihnen abgcwiesen werden,
Repressalien.
In der Nacht zum Montag wurden in der belgischen Ortschaft V i s e ein deutscher Offizier und ein Unteroffizier von belgischen Einwohnern getötet und sechs Mann verwundet. Darauf wurde Vife eingeäschert und die Einwohner nach Aachen gebracht, wo über ihr Schicksal entschieden werden wird.
Björn Björm'on für Deutschlands Sache.
Björn Björnson. der Sohn des Dichters Björnstjerne Björnson, verösscntlicht im Morgenbladct eine» Brief, der mit starkem Ge- rcchtigkeilssinn für die deutsche Sache cintritt. Björnson sagt:
Wenn man von dem russischen Doppelspiel liest, bann begreift man Deutschlands unermeßliche» Zorn über die gebrochenen russischen Ehrenworte nnd die Friedcnstclegramme des Zaren. Der Zorn über Ruhlands heimtückisches Vorgehen sei unbeschreiblich gewesen. Die Deutschen fühlten, dass der Kampf gegen Rußland ein heiliger Krieg sei. Björnson schildert scrncrhin in dem Artikel mit Äiewunderung das Funktionieren des deutschen Militärapparats. Dieses Rubrikwescn. das so kalt und unpersönlich gewirkt hätte, sei in diesen Tagen genial geworden. Die einmütige Stimme des Volkes gibt Björnson mit folgenden Worten wieder: All«, die in den Krieg müssen, strahlen vor Begeisterung. Ich habe unter Tausenden hier keine einzige Ausnahme gesehen. Alle marschieren in taktfester Disziplin, glücklich in dem festen Glauben auf Deutschlands gute Sache zu den Grenzen. Ich sprach mit den verschiedensten Menschen, sie sind alle zusammen gleich, Arbeiter und Mittelstand, es besteht kein Unterschied mehr und b«i jedem neuen Feind, der sich tagtäglich meldet, werden sic nur noch sicherer und fester in der Kampfeslust. Bei den Zurückbleibenden besteht derselbe Eindruck, es herrscht keine Verzweiflung, sondern imponierende Ruhe. Das ist das große Volk, lo gehen sie in diesen Krieg, einen der größten der Weltgeschichte, de» je ein Volk auf einmal durchzukämpsen hatte.
Björnson schließt mit den Worten: Gesetzt den Fall, Dcutsch- unb Oesterreich würden verlieren, so wären es England und Frankreich, welche dem Henker seine Opfer geben würde». — Mein Herz blutet.
Landsturm und Honved in Oesterreich Ungarn.
An der Spitze des Amtsblcittcs in Budapest erscheint ein allerhöchster Befehl, in dem angeordnet wird, daß die ungarische Honvedtruppe und der Landsturm während der ganzen Dauer der Mobilisierung im Bedarfsfall auch außerhalb der Landcsgrenzen verwendet werden könne:
Die Kämpfe bei Schabatz.
Ein Tcilikehmcr der Kämpfe bei S ch a b a tz teilt dem Neue» Bester Journal mit, daß der erste Sturm auf die serbischen Truppen von sechs Bataillonen Jnfmrtcri« der österreichisch-ungarischen Arm«e ausgeführt wurde. Tie regulären serbischen Truppen flutet«» stadteinwärts. Die Abwehr des Ucberganges über die Save mar ausschließlich den mit Handschar und Handgranaten bewaffneten Komi- katfchis überlassen, mit denen es wiederholt zum Handgemenge kam, wobei die österreichischen Soldaten zumeist an den Händen verwundet wurden. In Schabatz selbst beteiligte sich die Bevölkerung durch Bombenwürfe an den meuchlerischen Ueberfällen auf unsere Truppen. In eurer fünf Stock hohen Dampfmühle waren über 000 Komitalschis verborgen, welche auf unsere Truppen schossen. Alle Insassen der Mühle wurden nicdergcschosscn oder fanden in der in Brand geratenen Mühl« den Tod. Durch den Sieg von Schgbatz ist der Weg in das Innere Serbiens gesichert.
Englische Pretzlügen.
Die Nordd. Allg. Ztg. schreibt unter der Uebcrschrift „Englische Preßlügcn gegen Deutschland": Der Leiter der großen amerikanischen Zeitungsverbindung Associated Preß New Bork, Melwille Stone, richtete unter deni 14. Augnst an den Reichskanzler folgendes Telegramm:
Erzcllenzl Da die englische Regierung täglich Preß- berichte über den Fortgang des Krieges ausgibt, so würden uns ähnliche Berlantbarnngcn von der deutschen Regierung sehr angenehm sein.
Der Reichskanzler antwortete:
Deutschland ist voin internationalen Nachrichtenverkehr aögeschnittcn. Es kann sich gegen Lügen nicht verteidigen nnd vertrant darauf, durch Taten die Falschheit seiner Feinde zu erweisen. Es dankt jedem, der die Wahrheit verbreiten hilft,
In früh gejnbelt!
Nach dem Einmarsch der Franzosen in Mülhausen, dem bald unter dem Feuer der deutschen Kanonen und dem Sturm unserer Bataillone ein böses Erivachen aus kurzem Traume solgcn sollte, richtete der französische Krlcgsrni niste r au General Jofsre folgendes Telegramm:
„Der Einmarsch französischer Truppe» in Mülhausen unter dem Jubel der Bevölkerung hat ganz Frankreich in Enthusiasmus erzittern lassen. Ich habe die scstc Neberzeugung, daß der weitere Verlauf des Feldzuges uns Erfolge bringen wird, deren militärisch« Tragweite diejenige brr heutigen Waffentat noch übersteigt. Ihr glänzender Angrifs zu Beginn des Feldzuges gibt uns aber die moralische Gewißheit weiterer Erfolge. Ich bin äußerst glücklich. Ihnen im Namen der Regierung unsere ganze Dankbarkeit auszusprechen."
Tie Russe» srieru laut die Eroberung einer deutschen Fahne, die sic in dem Gefecht bei Marggrabowa erobert haben wollen. 'Es handelt sich um «ine Fahne, die bei feierliche» Gelegenheiten aus dem Postgcbäudc aufgezogen wurde.
Das Wiener Frenidenblatt schreibt: Große Heiterkeit erregt hier die Tatsache, daß das französische K ricgsm inist e r i u m einen Bericht an di« Pariser Blätter versandt hat. in dem es heißt, der Zar habe das Königreich Polen wieder h erde stellt und der österreichisch-ungarischen Arme« sei es trotz der größten Anstrengungen nicht gelungen, Russisch-T a r n o p o l in die Hände zu bekommen. Das französische ÄrtegSministerium weiß oucnbar nicht, daß Tarnopol eine galt zische Stadt ist und baß Oesterreich-Ungarn es nicht nötig hat, die Stadt Tarnopol erst zu erobern.
Wie steht's mit Japan?
Japanische Studenten verschwinden aus Deutschland?
Die Japaner, die an der Universität Marburg a. d. Lahn studierten und die trotz ihrer nicht bedeutenden Anzahl in der Stadt sehr bekannt waren, sind seit einigen Tagen Plötzlich unsichtbar geworden .
An der Münchener Universität waren im vergangenen Semester 46 Japaner als Medizinstudenten immatrikuliert. Diese sind in den letzten Tagen, nachdem man sie in den klinischen Instituten bisher fleißig arbeiten lieh, a b g e r e i st. Sic haben den Weg über Holland gewählt.
Entgegen den Ableugnungen des japanischen Generalkonsuls in Berlin steht es fest, daß die Japaner, die in großer Anzahl in Halle studierten, schon seit 10 Tagen ihre Abberusungsbefchle erhalten haben.
Schutz der Japaner i» Berlin.
Das Berliner Polizeipräsidium ordnete gestern abend an, daß die japanische Botschaft mit einem starken Polizei- kordon zu umgeben sei. In der 11. Nachtstunde waren alle Räume des Botschafterpalais beleuchtet. Man konnte von der Straße aus sehen, wie in allen Räumen gearbeitet wurde. Die Räume des Berliner Nipponklubs sind schon seit einigen Tagen fast gänzlich verwaist. Im Interesse der in Ostasien lebenden Deutschen muß man den dringenden Wunsch aus- sprechen, daß die in Berlin weilenden Japaner vom Publikum unbehelligt bleiben.
Serbische Trauer ist bulgarische Freude.
Tie Nachrichten von den Erfolgen Oesterreich-Ungarns in Serbien sind in Sofia mit großer Genugtuung ausgenommen worden. Das Publikum bespricht sie lebhaft und kann die Niederlage Serbiens kaum erwarten.
Meuterei in der russischen Kriegsmarine.
In Sofia sind vcrtraucnslvürdigc Nachrichten eingc- laufcn, wonach unter den Mannschastcn der Schwarzen Mccr- Flottr eine Meuterei ausgcbrochcn sei. Tic Stadt Odessa soll in Flammen stehen.
Die Dardanellen.
Di« Pforte hat an all« ausländischen Vertretungen ein« Note gerichtet, tu der sie erklärt, daß olle Han-delsschrffe. die die Dardanellen passieren, ihre Apparate siir drohtivse Telegraphie am Lande zurück- lassen inüsscn und sse aus der Rückfahrt wieder an Bord nehmen können. Vor Erlaß der Note hatten die Marinebehörden von dem in den Dardanellen liegenden französischen Paketdampfer Saghalsen die Ist-parate für drahtlose Telegraphie entfernen lassen.
Ein Rekord.
Die Witwe Sahra Gchnitz in Mühlbach bei Karlstadt schickt 11 gedient« Söhne ins Feld; ein Enkel hat sich freiwillig gemeldet.
Hessen und Nachbar gebiete.
Gickst,tt und Nmgckbuug.
Eine Fefinageluug der russenftetttt-licheu Hefieuregierung.
„In ganz Deutschland ist man einhellig der Ansicht, daß dem Zaren die Hauptschuld an diesem Kriege beizumessen ist: in seiner Hand lag die Entscheidung. Ans dem Weißbuch, das dem Reichstag vorgelegt wurde, geht dies unzweifelhaft hervor, ganz besonders aus dem Depcschcnwechsel zwischen dem Kaiser und dem Zaren. In welch unwürdiger nnd hinterlistcr Weise ist nicht unser Kaiser vom Zaren hinter- gangen worden! Selbst unsere Feinde, sogar englische Blätter haben dies zugeben müssen.
In der hessischen Bevölkerung verurteilt man einmütig vas Verhalten des Zaren. Anders scheint es mit der hessischen Regierung zu stehen. Sie nimmt noch den Zaren in Schutz, allerdings mit einem Mittel, das wenig hilft, denn die Wahrheit läßt sich nicht unterdrücken nnd ist durch zahlreiche andere Quellen doch ans Licht gekonimen. Das aintliche Organ der hessischen Negierung, die Darmstädter Zeitung, hat cs nämlich fertig gebracht, ihren Lesern wichtige Teile aus dem Weißbuch der Reichsregicrung einfach zu unterschlagen, vor allein den Depeschenwechscl zwischen den beiden Kaisern. Dem amtlichen Organ wird man nicht den geringsten Vorwurf machen dürfen und seine Redakteure handeln nur nach einer Anweisung. Bekannt ist ja, daß die Darmstädter Zeitung seit Jahren keine Nachrichten über Rußland nnd Montenegro veröffentlichen darf, die etwas Ungünstiges über diese Staaten enthalten. Vom Staatsministerium aus wird eine äußerst strenge Kontrolle darüber geübt, sodaß man die Rubriken „Rußland" und „Montenegro" zumeist vergeblich in diesem Blatte sucht. Merkwürdig bleibt, da die Darmstädter Zeitung amtliches Organ der hessischen Staats- und Kirchcnbehörden ist, daß aus diesen Kreisen noch niemals ein Protest laut geworden ist. Sollten sie mit einer derartigen Bevormundung und Unterdrückung der Wahrheit einverstanden sein?!
Würde man in Deutschland cs für möglich halten, daß ein Bundesstaat cs fertig bringt, eine amtliche Publikation, an deren Verbreitung die Reichsregicrung das allergrößte Interesse hat, zu unterdrücken, oder nur verstümmelt bekannt zu geben?! Aus dem Weißbuch hat die Reichsregierung einen Auszug Herstellen lassen, der durch das Wolffsche Tclegraphcn- bureau verbreitet wurde und den alle, selbst die kleinsten und die sozialdemokratischen Blätter veröffentlicht haben. Nur das amtliche Organ der hessischen Regierung veröffentlicht einen Teil davon und unterschlägt ihren Lesern, wie schon gesagt, den Depeschenwechscl, und damit zugleich ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung und eine der wichtigsten Quellen unserer Zeitgeschichte. Nahezu 14 Tage sind seitdem ins Land gegangen. Man hat leider nichts davon vernommen, daß hessische Bcanite Einspruch hiergegen erhoben haben: man hat aber auch nichts davon gehört, daß die hessische Negierung auf andere Weise den Inhalt des Weißbuches bekannt gegeben hat. Auf jeden Fall wäre zu wünschen, daß die Reichsregicrung oder auch wohl der preußische Gesandte, die hessische Regierung darauf aufmerksam machten, was sie Kaiser Wilhelm und dem Reich schuldig sind. Ist cs nicht geradezu eine Beleidigung des Kaisers, wenn man derartig wichtige Meinungsäußerungen von ihm unterschlägt?!
Es ist zu hoffen, daß in ruhigeren Zeiten der Landtag sich einmal mit der Angelegenheit befassen wird, die eine Blamage für Hessen ist."
Diese Bloßstellung der hessischen Staatsregierung ist zu lesen in einem führenden Blatte der bisherigen Regierungspartei Hessens, im nationalliberalen Darmstädtcr Täglichen
Anzeiger, dem Organ des Herrn Dr. Osann. Wir haben der hier geübten Kritik nicht ein einziges Wort hinziizufügens Erinnern wollen wir nur daran, daß bisher die Sozialdemo^ kratie die einzige Partei war, die das zarenfreundliche Verhalten der hessischen Regierung gegeißelt hat und daß sie deshalb gerade von den Nationalliberalcn wegen angebliches Staats- rind Vatcrlandsfeindlichkeit denunziert worden ist.
Wie sehr die Zeiten sich ändern und wie man es jetzt selbst in ganz loyalen Blättern für erforderlich hält, gegen nahc^ Verwandte des Fürstenhauses wegen Verrats am Deutschtum vom Leder zu ziehen, das zeigt folgender Artikel in der konservativen Neuen Tageszeitung in Fricdbcrg:
„Bist doch ein ehrlos erbärmlicher Wicht!
Im Gegensatz zu den zwei vorbeiianulci, dcutsäM Prinzen bewegt sich -er Prinz Ludwig von Battenberg, ein „Tentscher Prinz",' der als Admiral der englischen Flotte im Dienste unserer Feinds steht. Sem Vater war Prinz Alexander von Hessen, ein cchtev deutscher Mann, der im österreichisch-französischen Feldzug 18501 wacker an der Seit« Oesterreichs stritt: i«m Bruder ivar Alexander von Battenberg, der bekannte Fürst von Bulgarien, auf den eben- falls jeder Dentsch« stolz sein kann. Prinz Ludwig dagegen sühll! und denkt englisch. Nicht allein, daß dieser Schuft — man verzeihe den Ausdruck, aber wir haben keinen anderen — au der Sette! Frankreichs englisclie Schisse gegen das Land führt, wo seine Wiegq gestanden hat, es wird jetzt auch bekannt, daß er auserkoren ivar, im August zu Tt. Petersburg de» cndgiltigcu Bund zwischen England und Rußland zn schließen, der Tod und Verderben und «0 nameuloses Elend über die deutschen Land« bringen sollte. Dev Prinz sollte englische Transportschiff« anbielen, um damit vor der Kriegserklärung russisch« Truppen nach Pommern zu schmuggeln:
Es gibt kein Wort, das kräftig genug ist. den Abscheu vor einem solchen ötesellcn auszudrücken. Aber noch ein« Frage: Dem Prinzen gehört das Schloß Heiiigenbcrg mit um sang reichem Bet sitztum i» Jugenheim. Während Tausende von deutschen Familien, väter ans dem Ausland« zu den deutschen Fahnen eilen uud ihr Geschäft, Hab und Gut den, Feinde überlassen, soll diesem vater« land-losen Gesellen fein Besitztum in Deutschland gewährleistet werden? Das könnte man nicht verstehen. Die einzige und rich-! tige Antwort auf die schmachvolle Handluugoivnsc des Prinzen! Ludwig von Battenberg ivöre die sofortige Beschlagnahme sein«« Besitzungen im Hesseniand und die Tegradicning vom Range! eines hessischen Ehrengcnerass, den er z. Z. noch einnimmt. Nicdev mit dieser verengländcrten Gesellschaft, deren Gefährlichkeit jetzp klar vor allen Augen liegt!"
Vor wenigen Wochen noch versuchte man in einigen- Blättern, den Staatsanwalt gegen den Genossen Kant scharf zu machen, weil er in seiner Rede auf dem hessischen Jugcnd-j tage im Felsenmcer die völlige Absperrung des Heiligen! Berges gebührend beleuchtet hatte. Und noch ein anderer! Prinz von Battenberg — daß der Großherzog für diese seine vatcrlandsfcindlichen Verwandten nichts kann, ist selbstver-i stündlich — wird jetzt von den sonst so prinzcntrciicn Blättert» an den Pranger gestellt. Es ist der Prinz Franz Josef von! Battenberg, der eine Tochter des Königs von Montenegros zur Frau hat, und der seit Jahren in einer ihm von dem Groß-s Herzog zur Verfügung gestellten Villa in Bessnngen wohnt nnd auch sonst vom Großhcrzog mit Rücksicht auf die schwachen Mittel des Prinzen unterstützt wurde. Dieser hat sein Auto- mobil, anstatt es der Militärbehörde zur Verfügung zn stellen^ einfach dem Großherzog überwiesen, damit es der Reguisition. durch das Militär entgeht. Sonderbar klingt allerdings dies jetzt von Hofbeamten vorgcbrachte Entschuldigung, das Autck sei für die militärischen Zwecke zu schwer gewesen. Nettes Deutsche — diese Prinzen!
— Fürsorge für die Familien der Kriegsteilnehmer ins sozialdemokratischen Betrieben. Die Buchdruckerci Paul' Hug & (so. (Norddeutsches Volksblatt) in Rüstringest gewährt den Fainilien der cinberufcnen Geschäftsangehörigenzwei Drittel des bisherigen Lohns. — Tie Buchdruckereien Tietz Nachfolger, Schwäbische Tagwacht und A. Schlicke & Co.! in Stuttgart zahlen den Familien der Eingerückten ihrer Personale bis auf weiteres wöchentlich 16 Mk., außerdem für! das erste nnd zweite Kind je 2 Mk., für jedes weitere Kind 1 Mk. wöchentlich. — Tie Direktion der Mcrgcnthalcr Seh- maschinenfabrik (G. m. b. H.) in B e r l i n (nicht sozialdemokratisch) hat sofort nach der Mobilniachung erklärt, daß sie allen Angestellten, die eingezogen werden, bis zum Kriegs- schlusse das volle Gehalt weiter bezahlt, und daß ihnen ihrtz Stellungen so lange offen gehalten werden. — Derartiges! können sich natürlich nur finanziell gut gestellte Betriebe! leisten, aber diese tuns bei weiten! nicht alle.
— Barzahlung bei Lieserungen wird von vielen Lieferanten jetzt verlangt. Die H a n d e l s k a m m e r n B e r I i n nnd Potsdam erlassen folgende Mahnung: Anläßlich zahlreicher uns zngegangcner Beschwerden sehen wir uns veranlaßt, folgendes bekannt zu machen: Tie Bestrcbilngen dep Groß-Bcrliner Kaufmannschaft, der durch den Krieg verursachten Kreditnot im Gewerbe abzuhelfen, werden in be- drohlicher Weise durchkreuzt infolge der Aufforderungen! einiger Branchenvcrbände an ihre Angehörigen, Waren nur gegen Kassazahlung zu liefern. Jeder, der bar zahlen kann, soll hcute weniger denn je unnötig Kredit in Anspruch nehmen! ^anderseits ist es dringend notwendig, daß seitens der Lieferanten gegenüber ihren Abnehmern die durch die gegenwärtigen Verhältnisse gebotene Rücksicht geübt und keinesfalls weniger kulant als in ruhigen Zeiten verfahren wird. Lieferanten, die sich dieser Notwendigkeit verschließen, müssen sich die Gefahr vor Augen halten, daß die Reichsbank ihnen gegenüber ebenfalls eine für sic nachteilige Zurückhaltung in der Kreditgewährung cintrctcn lassen könnte.
— Eine amtliche Maßnahme, die zu denken gibt. Gegen die L o h n d r ü ck e r e i hat das Altenburgikche S t a a t s »i i n i st e r i ii m folgende Mahnung veröffentlicht:
Es sind wiederholt Klagen darüber laut geworden, daß das jetzige Ueberangcbot von Arbeitskräften dazu benutzt werde, die Arbeitslöhne in unzulässiger Weise hcrabzu» drücken. Namentlich soll das wiederholt in landwirtschaft- lichcn Betrieben vorgckomincn sei». Wir weisen demgegenüber darauf hin, daß ein derartiges Verhalten ein Zeichen mangelnden sozialen Verständnisses ist. Das Sprichwort: „Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert!" hat auch in jetzigen Zeiten z» gelten, und jeder Einsichtige, der es niit der Liebe zum Vaterland ernst nimmt, wird nicht daran denken, die Notlage anderer auszubeutcn. Wir sprechen deshalb die Erwartung ans, daß auch von den Arbeitgebern alles getan


