die Gründung einer einheitlichen und öffentlichen nationalen Organifation sowie betreffend Errichtung von polnischen Legionen im österreichisch- ungarischen Heeresverbande. Ferner wurde ein von allen Mitgliedern des Polenklubs Unterzeichneter Aufruf beschlossen, in dem der Polenklub auch namens aller anderen polnischen bisher ihm nicht angehörigen Parteien auf die großen Pflichten und aus die einmütige gemeinsame und äußerste Anspannung der Kräfte des Volkes in diesem historischen Augenblick hinweist. In dem Ausrufe heißt es:
„Der edle Herrscher des Reiches, unter dessen gerechter und weiser Negierung es einem Teil unserer Nation gegönnt war, ein Haides Jahrhundert lang die polnische nationale Kraft zu entwickeln, hat seine aan-e mächtige Armee zur Verteidigung der höchsten kulturellen Ideale in den Krieg entsandt. In eineni solchen Augenblicke muh die Nation beweisen, daß sie lebt und leben will, und daß sie bestrebt und befähigt ist, den ihr von Gott zugewiesenen Platz zu behaupten und vor dem Feinde zu verteidigen. Auf zur Verteidigung Eurer Freiheit und des Glaubens Eurer Väter!"
In der weiteren Beratung des Polenklubs am Abend, der auch zahlreiche Mitglieder des aufgelösten galizischen Landtages beiwohnten, wurde die Gründung eines alle bisher vorhandenen polnischen Organisationen umfassenden, unter Leitung Leos stehenden Obersten Nationalkomitees beschlossen, dem Vertreter aller polnischen politischen Parteien angehören.
Die Stimmung in Russisch-Polen.
Das Berliner Tageblatt veröffentlicht folgenden Brief aus Warschau:
„Die Marschalkowskastraße unü bi« Alle« Ujaßdowski« sind von der Bürgernxiche beschiitzt, und in allen Klubs und größeren Hotels sitzen mn die Stanimtische Polen und Inden, deine Russen sicht man sehr wenig, und sprechen freudigst über die Ereignisse der letzten Tage. Die bekannte Einnahme von Czenstochau hat di« Ausheßmigskomuisssion so erschreckt, daß di« Aushebung, die bis jetzt in Warschau war, nach Vialnstok verlegt ivurbc. Aus den Straßen sieht man iveder einen russischen Soldaten noch einen Schutzmann: die Bureaus der Behörden sind oll« gesperrt, und man kauft deutsches Geld, sei cs Metall oder Papier, zum Kurse von 1 bis 1.SV Rubel für 1 Mark.
Di« Grenzwache von S l o m n i k ist sogar davongelaufen, und die Schmuggler, die jetzt alles mögliche von Deutschland und Oesterreich hcriiberschmnggeln, freuen sich, daß sie niemand daran hindert.
Die Revolutionspartei, die sich P. P. S, nennt, ruht nicht seit dem Sevajeivoer Attentat und trachtet aus alle mögliche Weise der russischen Regierung Hemmnisse in den Weg zu stellen. Nicht das russische Militär hat den Pulverturm in Warschau gesprengt. nur dank der P. P. S., die dafür Sorge trug, ist das geschehen. Außerdem hat die russische Regierung vor zwei Jahren einen großen Fehler begangen, indem sie die Festung von Warschau ganz niederriß, da Häuserspcknlanlen diese Plätze kauften, und sckbst- vcrständlich wurde da genug geschmiert, um ivichtige Befestigungen abtrageu zu können. Ti« Jittcndeutur meinte, daß inan bald neue bauen wirb, damit sie wieder Geld verdient. Unglücklicherweise ist aber der 31. Juli dazivischengekommen.
Das ganze politische Volk mit den Juden, und auch etn ziemlich großer Teil Russen, dl« in Polen wohnen, fühlen sich heilte schon, trotzdem Warschau noch nicht von Deutschland genommen wurde, von der Hoffnung beseelt, deutsche Untertanen werden zu können. Gestern soll sogar im Schloß des Grasen Joseph Pototzki, der Hofkämnierer des Zaren ist, eine großegehcime Zusam- menkunftallerpolurschen Adligen stattgefunden haben, die offiziell schon heut« das russische Uuiertancnium oblegen, und man wollte auf dem Schlosse schon eine deutsche Fahne hissen-. Die Revo- Iitttonspartci steht dieser Idee nahe, mid die russische Regierung ist so schwach, daß sie gegen diese Strömung ganz ohnmächtig ist. Ter Gcnevalgouvernenr von Warschau, Zyltuski, dreht seinen Schnurrbart nicht mehr hoch, und zum größten Erstaunen spricht er seit gestern nicht mehr russisch, sondern nur polnisch. Nachts wurden die russischen Straßcntafeln abgerissen, imö keinem fiel cs ein, jcmoiid daran zu hindern.
Oesterreich zeigt seine Macht den Russen auf der wolhyni- schen und pcdoli scheu Grenze, wo bas Volk meist aus Tschechen und Juden besteht, die große Freude bekunden, in der Hoffnung, daß eine ander« europäische Macht Über ihnen ivastcn wird.
In Radziwlow. drei Stunden von Lemberg, haben die russischen Polen den, österreichischen Detachenienl Brot und Salz entgegengcbvacht, imü die Oestcrrctcher, die schon gestern vor der Rownoer Festung standen, werden aus den Straßen mit Jubel empfangen und hofseu, baß sie in zwei Tagen die starke R o w u o e r Festung, wie die Deutschen Lüttich, ciuuehmcn werden. Dl« Oesterreicher haben das Bahnuetz bis Stolbonomow schon tu Besitz, und wenn stc Roivno bewältigen, so ist auch Kiew genommen. In Kiew freut sich alles darauf, denn dort leben sehr viel Dentsche, die zum russischen Glauben übergegangcn sind, »nd soviel ich höre, soll der Gouvernenr aus Krem in den letzten Tagen sein Amt uiedcrgelcgt haben, bas der Polizeimrister übernommen hat."
Russische Hinterlist.
Ein sehr gut unterrichteter Kenner der Verhältnisse in
Russisch-Polen schreibt der Frank. Ztg.:
Durch alle Zeitungen geht die Nachricht, daß nunmehr auch in Polen deutsche Truppen aus dem Hinterhalt beschossen worden seien. Vielleicht wird es für die Orientierung in diesem großen Kampfe nicht ohne Bedeutung sein, wenn ein sehr genauer Kenner der dortigen Verhältnisse Ihnen diese greuliche Tatsache zu erklären versucht.
Man wußte in Polen längst, daß die Russen im Ernstfälle die extrem russcnfcindlichen polnischen Grenzbezirke so- fort preisgeben würden. Ebenso wußte man aber auch, daß die russischen Machthaber alles aufbieten werden, um das Einvernehmen zwischen den einrückenden deutsch-österreichischen Armeen und der Bevölkerung Polens zu verhindern. Agents provocateurs, eine beliebte echtrussische Beamtensorte, sollen alles aufbieten, um den jahrhundertelangen Haß dieser Bevölkerung gegen den moskowitischen Unterdrücker nach der anderen Seite zu lenken. Die deutsche Armee soll zu Repressalien gereizt werden, das polnische Volk die zuerst bejubelten Befreier als noch furchtbarere Unterdrücker barbarischer Kriegsführung kennen lernen.
Soll diese bestialische Berechnung glücken? Soll zwischen den natürlichen Verbündeten von heute die Fackel des Hasses, durch gedungene Mörder geworfen, wirklich aufflammen?
Die schuldigen Banditen bestrafe man mit der unerbittlichsten Strenge. Aber man tue den russischen Hunnenfürsten nicht den berechneten Gefallen, die Bevölkerung Polens für die von ihnen geschickten Agenten bluten zu lassen. Zumal in dieser Zeit, da diese Bevölkerung nichts anderes sehnlicher herbeiwünscht, als den bisherigen geheimen Kampf gegen das barbarische offizielle Rußland zu einem offenen verwandelt zu sehen.
Feststellung der Gewalttätigkeiten gegenüber Deutschen.
(Amtlich.) Ter Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär Delbrück, erläßt folgenden Aufruf:
Durch die deutsche Presse gehen zahlreiche Nachrichten über Gewalttätigkeiten, denen unsere Landsleute an Leben, Leib und Gut in den ersten Tagen des August in Belgien ausgesetzt waren. Das öffentliche Interesse erfordert cs, daß amtlich fpstgestellt werde, inwieweit diese Nachrichten auf Wahrheit beruhen. Es ergeht daher hiermit an alle diejenigen, welche aus eigener Wahrnehmung Mißhandlungen oder Grausamkeiten der belgischen Bevölkerung und der Behörden gegen deutsche Reicbsangehörige oder Angriffe auf ihr Eigentum bezeugen können, die Aufforderung, ihre Wahrnehmungen bei der Polizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu Protokoll zu geben. Die Landesregierungen sind ersucht worden, die Ortsbehörden mit der Entgegennahme von Bekundungen zu beauftragen und die Protokolle an das Reichs- amt des Innern gelangen zu lassen. Von der patriotischen Gesinnung und der Wahrheitsliebe des deutschen Volkes wird erwartet, daß alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, die wesentliche Mitteilungen ans eigener Wahrnehmung zu niachen haben oder zuverlässige Nachrichten erhalten haben, der Aufforderung bereitwillig folgen.
Behandlung Deutscher in England.
Gehclmrut Bergmann, der Direktor der Bergmann-Elek° tiizttätSgesellschaff schildert in Berliner Morgenblättern seine Erlebnisse in Ennlcintz während der Heimreise von Newpork noch Deutschland. Alle 49 deutsche Possagiere, di« auf dem englischen Dampfer „Oceauic" nach Europa zuriickkehrtcn, wurden in Southampton von Bord geholt und unter militärischer Bewachung »ach Winchcstcr gebracht. Dort wurden sie ins Gefängnis geworfen und brachten drei Taac in Einzelhaft zu. Die Verpflegung bestand nur aus Tee und etwas Brot. Sämtliche Gefangenen mußien sich einer körperlichen Untersuchung unterziehen. Beschwerden beim Gouverneur gegen die mangelhafte Vcrpslegung und die aller Beschreibung spottende Behandlung durch die Soldaten fruchteten nichts. Die Zellen, in denen sonst schwere Verbrecher interniert wurden, waren in schlechtestem Zustand. De» in Deutschland wohnenden Angehörigen durften keine Nachrichten zugcsandt werden, und erst mii vielfache Bitten und Drohungen erklärten sich die leitenden Offiziere bereit, den amerikanischen Konsul in Southampton herbeczuholen. Diesem gelang cs nach langen Mühen, die
deutschen zu befreien, die nach viertägiger Gefängnishaft nach Southampton zurllckgebracht wurden. Tvrt wurden die anderen deutschen Männer und Frauen als englische Kriegsgefangene zurück- gehalten. Gchcimrat Bergmann gelang cs, auf einem holländischen Dampfer die Heimreise sortzusetzen.
Aus Elsaß-Lothringen.
(W. B.) Der Gemcinderot der Stadt Metz faßte eine Entschließung, in welcher er in scharfer Weise Stellung nimmt zu den auf Militärpersonen vorgekommenen Attentaten, und in der es u. a. heißt: „Einmütig und aufs schärsste »er« urteilt der Gemeinderat der Stadt Metz solch ruchlose Attentate, die jedem Bürger die Schamröte in das Gesicht treiben und ihn mit Abscheu erfüllen. Wer die Hand gegen die Beschützer unseres Landes und gegen seine eigenen Landeskinder erhebt, der ist kein echter Lothringer, kein echter Deutscher. Nur Meuchelmörder, die unbekümmert um das Schicksal ihres heimatlichen Bodens absichtlich und böswillig verkennen, was unser lothringisches Land dem Deut- scheu Reiche verdankt und schuldig ist, können zu solchen. Schandtaten fähig sein. Solche Scheusale haben jede Gemeinschaft mit dem Lande und ihren Blutsgenossen verloren. Der Gemeinderat der Stadt sieht es einmütig als seine höchste und heiligste Pflicht an, seine Zusammengehörigkeit mit der tapferen deutschen Armee, innt welcher unsere eigenen Söhne für Kaiser und Reich und für die Zukunft unseres lieben deutschen Vaterlandes kämpfen, bluten und siegen, offen und laut zu bekennen. Ihre Gefühle für das mächtige Deutschland, dessen Geschick mit dem unsrigen untrennbar verbunden ist und bleiben soll, und dem sie mit Stolz und in unwandelbarer Treue angehören, faßt unsere Stadtverwaltung und der Gemeinderat zusammen in dich Worte: Seiner Majestät, unserem geliebten Kaiser Wilhelm,, geloben wir aufs neue unverbrüchliche Treue und Gehorsam und wünschen von ganzem Herzen, daß Gott unsere tapferen, Truppen von Sieg zu Sieg führen werde."
Die Entschließung ist von dem Bürgermeister Dr. Foret, der selbst aus alt-lothringischer Familie stammt und denr, Gemeinderat, unter welchem sich ebenfalls zahlreiche Einheimische befinden, unterzeichnet.
Atisnahrnczrisiand in den Schutzgebiete».
Ter Reichsanzeiger veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung über den Ausnahmezustand in den Schutzgebieten Afrikas und der Slidsee,
Das niildgcstimmte Kriegsgericht.
Am Samstag trat in Saarbrücken das außerordentlichc Kriegsgericht zusammen, das sich u. a. auch mit einem im Mititärverhält- nls stehenden Mann beschäftigte, der „Vive la France!" gerufen, hatte; er wurde f r e i g c s v r o ch e u. Das Gericht nahm zu seinen Gunsten an, er habe die Bedeutung dieses Ausrufs nicht ge« kannt.
Eine opferwillige Stadt.
Ter Magistrat von Breslau hat der Stadtverordneten» Versammlung die Bewilligung von 10 Millionen Mark füf die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln beantrage iy 2 Million Mark als Kosten der Einquartierung, 3s/> Millionen Mark Unterstützung der Familien eingezogener Mannschaften und 200 000 Mark für den nationalen Frauendienstz
Der Ritualmord-Staatsanwalt gcsange».
Aus Berlin wird gemeldet: Unter den russische» Gefangenen: im Döberltzer Barackenlager beflntet sich neben anderen höheren russischen Beamten auch der Vertreter der Anklage ln dem bekamt« ten Ritualmordprozeß gegen Beilis, Staatsanwalt Tschapllnski.
„Deutsche Damen."
Wir teilten schon mit, daß der Berliner Polizeipräsident eine Verordnung gegen diejenigen „Damen" erlassen hat, die sich nach Art der Prostituierten an die Soldaten hcrandrängen. Tie ersten Transporte gefangener Franzosen und Belgier zeigten, daß die Vorliebe gewisser Damen für das bunte Tuch sich nicht nur auf deutsche, sondern auch aus die krieqsgcfaugenen fremden Soldaten! erstreckt. Das Generalkommando des Württembergische» Armeekorps erließ folgende Bekanntmachung:
„Tie unwürdigen und beschämenden Szenen, die sich beim Eintreffen der französischen Gefangenen, namentlich von weiblicher Seite zugctragrn haben, veranlassen das Generalkommando, bekanutzugeben, haß weibliche Personen, die sich an Gefangene iw würdeloser Weise herandrängen, von den Aussichtsorganen festzuhalten sind, und daß ihre Namen dem Generalkommando zur Veröffentlichung in den Zeltungen mltgetellt werden."
Auch der Major Breitcnbach in Elberfeld sah sich veranlaßt, den, Bahnhofskommandantcn folgenden Befehl zugchcn zu lassen:
Afra ja.
Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 38
So viel war gewiß, daß dieser keine eigennützigen Absichten haben konnte. Ein Gefühl der Dankbarkeit mochte ihn leiten, denn Marstrand hatte ihm Gutes getan, als er hilflos in seinen Händen war, und was die Dankbarkeit nicht der- mochte, tat vielleicht der rachsüchtige Haß gegen Helgestad, den Schreiber und den Vogt. Darum befestigte sich die Ueberzeugnng in ihm, daß Afraja ihm sicher helfen würde, sollte Helgestad ihn verderben wollen, und wenn er auch nicht an die Schätze glaubte, mit welchen der alte Lappe geprahlt hatte, so zweifelte et: doch nicht, daß in der unermeßlichen Felsenwüste genug Silber verborgen sei, um Helgestads böse Gelüste zu Schanden zu machen. Ein Mann, welcher so große Herden besaß und so wenig Geld ausgab, mußte jährlich be- deutende Summen sparen, und wenn es wahr war, daß er aufgesimden hatte, was seine Väter und Vorväter nach lappischer Sitte ihr ganzes Leben über im geheimen der- gruben, mußte er allerdings über Reichtümer gebieten können. Er fand Afrajas Rat, den Betrüger zu betrügen, ihn zu benutzen, bis er sich entlarvte, seine Hilfe und sein Geld anzunehmen, bis er beides nicht mehr geben wollte, endlich vollkommen richtig, klug und den Umständen angemessen. Denn wo war ein Beweis dafür, daß es der alte schlaue Kaufmann wirklich nicht ehrlich meine? Mit welchem vernünsti- gen Grunde sollte er eine so großmütige Teilnahme »nd Hilfe zurückweisen, die kein anderer Mensch ihm leisten wollte und leisten konnte, und wie mochte er cs wagen, einen Mann durch Mißtrauen zu beleidigen, der ihm fortgesetzt bisher nur Gutes erzleigt hatte?!
So sah er sich in der glücklichen Lage, ruhig den Verlaus der Dinge abwarten zu können und sein lebhafter Geist trieb
ihn an, mit voller Energie das Gebotene zu benutzen. Helge- stad hatte nicht unrecht, daß in diesem jungen Mann Gotte- Gnade weit mehr Geschick zu einem Harschenden Kaufmanne wie zu einem guten Kammerjunkcr gelegt habe, denn als er jetzt die steilen Felsen hinaufstieg, die den Lyngenfjord ab- schließen, fühlte er eine Sehnsucht nach dem frischen Grün und dem prächtigen Walde der Balself und träumte sich tief in alle die Herrlichkeiten hinein, welche dort durch seinen Fleiß, sein schöpferisches Talent und durch Helgestads Speziestalclr entstehen sollten. Er sah die Schneidemühlen schon in Arbeit, hörte die Holzfäller schon arbeiten, blickte in die kleinen Täler nieder, wo seine zahlreichen Kolonisten und Lehnsleute wohnten, und phantasierte sich seine Warcnbänscr vor, seine Niederlagen, seine Jachten und Boote, die den Fjord hinab- und hinaufgingen, und seinen stattlichen Gaard, der unter hängenden Birken lag, mit dem Gärtchen voll Reseda, Nelken, Levkojen, und die reifenden Fruchtfelder im Schutze der ge» segneten Bucht, als siehe das alles schon fix und fertig da. Sein Herz schlug lebhaft bei dem Gedanken, trotz seiner Feinde List und Stärke den Schlimmsten Achtung abzu- nötigen und sich nicht unterdrücken zu lassen. „Habe ich nicht Glück!" rief er aus, „Götter und Menschen sind mit mir! Hclgestad wirft mir seine Silberstllcke in den Schoß, und Afraja verheißt mir den Beistand Jubinals, in dessen Paradies ich wohnen soll. Wenn der eine mich verläßt, wird der andere mir seine Manna bringen, »nd Gula?" — Er stand still, sah nach der Klippe empor, die Jldas Bank trug, in deren Nähe er sich jetzt befand, »nd glaubte hinter den hängen- den Zweigen der schwarzen Tannen eine Gestalt zu erkennen, die dort auf der Steinbank saß.
Seit jenem Tage, wo Gula ihn hierher geführt, hatte er seine Spaziergänge nicht wieder so weit ausgedehnt. Damals lag die Schlucht voll Eis, und die Kuppen und Seiten der Berge'waren dicht in ihr winterliches Kleid gehüllt, jetzt
trugen mir die hohen Fjellen, aus deren Mitte der kantige! Kegel des Kilpis ragte, noch ihre langen, blendenden! Schleppen. Die Sonne schien warm und freundlich auf die tiefen Buchten und Vorsprünge, junges Gras und schlanke Halmen sproßten in den Gründen une> Felsenspalten, und als Marstrand über die Stufen schritt und das kleine Plateau erreichte, fand er es mit sammetweichem Rasen bedeckt. Sein nächster Blick siel auf die Bank. Er hatte sich nicht getäuscht. Gula saß dort, und einige Minuten blieb er zweifelhaft, ob er sic anreden oder sich entfernen sollte. Sie schien ihn nicht gesehen zu haben, als er hinter dem Felsengrat an der Schlucht hinaufstieg und ihn auch jetzt nicht zu bemerken. Den Kopf nicdergebcugt, hielt sie die Hände gefaltet in ihrem Schoß. Ihre schönen dunklen Flechten glänzten von dem einsamen Sonnenstrahl, der durch den Schattenkreis der Tannen auf sie niederfiel. Mitten in dem lichten Grün des freundlichen Plätzchens, mitten in dieser abgeschlossenen Stille, ans dem Fclsensöller, der hoch über den blanken Fjord hing, in welchem des Himmels Bläue und die dunstigen Frllhlingswolken wiederspiegelten, machte ihr Anblick einen wehmütigen Eindruck auf den dänischen Herrn. Alles Mitleid und alle Teilnahme, die er für dies verlassene Mädchen je gefühlt, regten sich in seinem Herzen. Er trat ihr einen Schritt näher, und seine Hand ausstreckend, nannte er leise ihren Namen, bei dessen Klang sie, wie elektrisch berührt, aufsprang und ihn verwirrt anschante, eine Bewegung machte, als wollte sie entfliehen und dann, wie ermattet und unfähig, ihren Entschluß auszusühren, ihre Arme sinken ließ. Im nächsten Augenblick aber verwandelte sich der ängstliche Ausdruck ihres Gesichts in Freude. Ein Lächeln des Glücks schwebte um ihre Lippen. Marstrand glaubte etwas von dem sonnenhellen Glanze zu empfinden, der ans ihren Blicken über ihn hinlief, als er zu ihr sprach.
(Fortsetzung folgt.)


