Ausgabe 
19.8.1914
 
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Slusgewiesen. Auch diesen wurde das Gold abgcnommen und gegen algerische Noten ausgetanscht. Von Militär- pflichtigen Deutschen sind nur der Advokat P c t e r e i t (Straßburg) und Tr. Lion Fcuchtwanger (München) entkommen, da sie von italienischen Matrosen auf einem italienischen Schiff v e r st e ck t worden sind. Sechs Deut­sche wurden vom italienischen Schiss weg gegen das Völker­recht v e r h a ft c t. Einer ist tot. Tie zurückgebliebenen Deutschen, etwa 120, wurden teils nach Biserta, teils nach Algier, teils nach Biskrah indicWü st «geschleppt.

Wirtschaftliche Depression i» Amerika.

Der Franks. Ztg. wird aus Ncwyork berichtet: Tas Geschäft liegt sehr darnieder. Führende Männer der Finanz, wie Morgan, Speyer und Schiff, konferieren mit dem Präsidenten Wilson über den Transport der großen Getreideernte noch dem Ausland, wozu amerikanische Reeder fremde Kaufsahrteischisse, bei­spielsweise 15 Schisse der Hanibnrg-Amerika-Linie, die jetzt in amerikanischen Häfen liegen, erwerben und unter amerikanischer Flagge fahren lassen werden. Durch dieses Mittel wird der allge­meine Druck gemildert werden, doch ist cs zweifelhaft, ivi« die Baumwollernte finanziert werden kann. Kongreßmitglieder aus dem Süden fordern, die Regierung solle den Pslanzern Vor­schüsse machen. Die Eröffmmg der Börse ist noch zweifelhaft, doch erhalten die Mitglieder die Erlaubnis, Privatgeschäfte auf der Basis der legten Kurse zu niachen, was eifrig geschieht.

Präsident Wilson mißbilligt,' daß irgend einer krieg­führenden Nation ein Darlehen gewährt wird, kann aber unter den geltenden Gesetzen di« Bankiers nicht daran hindern.

Die Neutralität Chinas.

Aus Washington wird gemeldet, daß wegen der Spannung im fernen Osten die amerikanische Regierung Schritte bei den Mächten unternehme, damit die Neu­tralität Chinas gewahrt bleibe.

Ein deutsches Unterseeboot vernichtet.

Nach einer Meidling des Wolsfburcaus waren mehrere deutsche Unterseeboote nach der englischen Küste ausgcfahren. Tas UnterseebootU- 15" ist von dieser Fahrt nicht zurück- gekehrt. Es soll mit dem englischen KreuzerBurlingham" in Kampf geraten und zerstört worden sein. Ob und welche Verluste die englischen Scestrcitkräfte bei dem Kampfe gehabt haben, ist nicht bekannt.

Die Organisierung der Polenerhcbung gegen Rußland.

Aus Krakau wird dem Wolffschen Bureau gemeldet: Der hiesige Polenklub hat die Gründung einer einheitlichen Organisation und die Errichtung. von polnischen Organi­sationen im österreichischen Heeresverbande beschlossen sowie einen Aufruf erlassen, und zwar auch im Namen aller anderen polnischen Organisationen.

Göben" undBreslau".

Das Berliner Tageblatt schreibt: Nicht nur in englischen, sondern auch in italienischen Blättern finden wir die Meldung, haß dieGöben" undBreslau" havariert in Pola einge­troffen seien. Auch diese Meldung dürfte wie so viele Falsch­meldungen der letzten Tage auf englische Ausstreuungen zurückzufllhren sein. Zu unserer Freude sind wir in der Lage versichern zu können, daß die beiden Schiffe vollkommen un­beschädigt sind.

Die ersten Verwundeten in Berlin.

In der Reichshauptstadt sind gestern die ersten Ver- 'wundeten vom Kriegsschauplatz eingetroffen und in die ver­schiedenen Lazarette verteilt worden. Es handelt sich in erster Linie um leicht verletzte Soldaten, die den Wunsch geäußert hatten, nach ihrer Heimat gebracht zu werden.

Krcdftnot.

Die infolge des Kriegsausbruches in dem gewerblichen Mittel­stände hervorgetretene Kreditnot hat den preußischen Haudels- minister veranlaßt, mit den beteiligten Kreisen in Verhandlungen einzutrcten, in weicher Weise ihr zu begegnen sei. Man kam zu dem Ergebnis, daß die Bekämpfung der Kreditnot in Handwerkcrkreisen durch die Genosienschasten in Anlehnung an di« Zcntralgcnosscn- schaftskafle zu erfolgen habe. Letztere stelle in entgegenkommender Weise die Kriegslage berücksichtigende Erleichterungen des Geschäfts­verkehrs in Aussicht.

Autodroschkcn verboten!

Das Generalkommando des ersten bayerischen Armee- Kommandos in München erließ ein Verbot des Verkehrs mit Autodroschken zur Ersparnis von Benzin und anderen Betriebsstoffen.

Unerlaubtes Depeschieren ohne Draht.

In Bad Homburg wurden zwei Personen fcstgcnommen, tveil sie ohne Erlaubnis eine Station für drahtlose Tele­graphie errichtet hatten. Es wird allgemein darauf hingc- wiesen, daß dieses strengen Strafen unterliegt.

Boykott der Lügcnnachrichtcn.

Wie aus Mailand gemeldet wird, stellen die meisten dortigen Zeitungen die Verbreitung und Benutzung der Havasmeldungen wegen ihres unwahren Inhalts während der Dauer des Krieges ein.

Ausweisung der Deutschen aus Serbien.

Alle Reichsdeutschen sind aus Serbien ausgewicsen wor­den und suchen über Sofia, Bukarest und Budapest ihre Hciniat zu erreichen.

Arbeiterbewegung.

Wirtschaftliche Freibeuter in Kriegszeitcn.

Nachdem der Weltkrieg entbrannt, hat der Bauarbeiter- Verband dein Vorstand des Arbeitgeberbundcs für das Bau­gewerbe seinen Entschluß, alle Streiks und Sperren aufzu- hcben, mitgetcilt. Er hat an ihn zugleich das Ersuchen ge­richtet, bei seinen Mitgliedern dahin zu wirken, daß die tarif­lichen und ortsüblichen Arbeitsbedingungen während der Zeit des Krciges aufrecht erhalten bleiben. Auch dem Pommerschen Bauherrnverband wurde die Frage vorgelegt, ob er unter den gegenwärtigen Umständen, wo etwa 200 000 organisierte Bauarbeiter zu den Fahnen berufen sind, um ras Vaterland zu verteidigen, seinen Kampf gegen die Mit­glieder des Bauarbeiterverbandes auch in der Zukunft noch weiter zu führen gedenkt. Der Vorstand des Arbeitgeber- rundes hat darauf geantwortet, daß er gern darin zustimmt, wenn jeder wirtschaftliche Kampf ruhen soll, und daß er weiter in einem Rundschreiben an seine Verbände die Er- Wartung ausgesprochen hat, daß es an dem guten Willen

nicht fehlen wird, alle Reibungen zwischen Unternehmern und Arbeitern zu vermeiden und daß die abgeschlossenen Tarifverträge von den Mitgliedern des Arbeitgeberbundes respektiert.werden.

Die Zusage des Vorstandes verdient Anerkennung. Hosscntlich besitzt er auch den Einfluß bei den Bauunter­nehmern im Reich, daß sic ihm folgen, wie es die Bauarbeiter ohne Murren ihrem Vorstand gegenüber getan haben. Leider muß heute schon darüber berichtet werden, daß einzelne Unter­nehmer wirtschaftliche Freibeuterei betreiben. So hat ein Baumeister in Zittau seinen Arbeitern einfach erklärt, daß er mit der Lohnzahlung um eine Woche Zurückbleiben und in Zukunft den Stundenlohn von 52 Pfg. auf 30 Pfg. hcrab- setzen wird. Ebenso hat ein Unternehmer Modler in Gottes- vcrg den Stundenlohn um 4 Pfg. herabgesetzt. In Zerbst haben die Bauarbeiter den Streik aufgehoben, der um die Erringung des Tariflohnes geführt wurde. Nachdem die Beendigung des Streiks bekannt gegeben war, verlangten die Unternehmer von den Bauarbeitern die schriftliche An­erkennung eines Vertrages, der mit dem Reichstarif in Widerspruch steht. Was müssen das für Patrioten sein, die selbst in solchen Zeiten schwerster Gefahr Wucher treiben an der Volkskraft und die den Arbeitern den Fuß in den Nacken setzen.

Auch der Pommcrschc Bauherrnvcrband hat die an ihn gerichtete Frage noch nicht beantwortet. Man kann also an- nehmen, daß auch er den Kampf in gewohnter Weise fort- fllhren will. Ein netter Patriotismus, der die Arbeiter für gut genug hält, daß sie die Gefahren des Krieges auf sich nehmen und auch die Opfer tragen, die er erfordert, sie aber, wenn sie ihre Pflicht erfüllt haben, auch in der Zukunft aus­hungern will. Das ist schon mehr als. Freibeuterei.

Soziale Rundschau.

Die Wirkungen der Mobilmachung auf die Fndustrie.

In der Holzindustrie machen sich die Wirkungen des Krieges besonders stark bemerkbar.

Nur in einigen feineren Branchen ist die BeschäftignngSmög- ichkcit noch ausreichend, während sehr viele der größeren Möbel­fabriken, Bautlschicreicn. Klavierfabrikcn usw. den Betrieb größten­teils ganz still gelegt haben. Tie Zahl der arbeitslosen Holz­arbeiter ist dadurch und durch die ciugetretcnen Betriebscinschränk- ungen gewaltig angcschwollen und sie nimmt »och täglich zu. Ob sich die Situation nach Ucberwindnng der ersten KriegSunruhcn besser gestalten wird, läßt sich vorläufig noch nicht sagen. Die Holz- arbeiterzeitung bringt aus zirka 50 Orten kurze Situationsberichte, in denen durchgängig Arbeiterentlassungen und Betriebsschließ­ungen gemeldet werden. Eine ganze Anzahl Lokalverwaltung«n haben ihre gesamten Mitglieder durch die Einberufung verloren, doch überall sind dasiirReservisten" eingcsprungen, die sür die Weiterführung der Verbandsgeschäfte sorgen.

Die Freie Vereinigung deutscher Pianoforte- sabrikanten, deren Mitglieder unter dem ersten Eindruck der Mobilmachung fast alle ihre Betriebe geschloffen haben, sagt in einem Rundschreiben an ihre Mitglieder:

Nachdem ein Teil unserer Arbeitcr zu den Fahnen einbe­rufen ist, wird manches Mitglied vor di« Frage gestellt: Was weiter? Der Vorstand empfiehlt, solange wi« möglich die Be­triebe aufrecht zu erhalte», vor allem nicht di« älteren verheirateten Leute zu entlasse,,, sondern die Arbeitszeit zu verkürzen."

Der Deutsche Fndustric-Schutzvcrband (Sitz Dresden) nimmt einen gleichfalls entgegenkommenden Standpunkt ein, auch ist er dagegen eingeschritten, daß ein ihm angeschlossener Ortsverband von Stuhlfabrikantcn den bestehenden Tarifvertrag einfach außer Kraft setzen wollte. Aus diesen Vorgängen ist zu ersehen, welche Verheerungen der Krieg in die wirtschaftliche» Be­ziehungen zwischen Unternehmer und Arbeiter bringen kann. Wenn die erste Erregung sich etwas gelegt hat, werden die Gewerkschastcn mit aller Macht gezwungen sein, gegen angedrohte Verschlechter­ungen der Arbeitsbedingungen Front zu machen und die in langen und opferreichen Kämpscu geschaffenen Tarifverträge zn verteidigen.

Hessen «nd Nachbarüebiete.

Gießcn «ttd Umgebung.

Cs kommt ein heller Tag.

Sie schritten in einer Reihe und nahmen die ganze Breite der Gasse ein. Fn der Mitte Paul und Karl. Sie trugen schon die Uniform. Paul führte sei»« Frau an der Hand. An der Seite Karls ginge» seine Eltern.

Tie Krieger schritten schnell dahin in ihrer jungen Kraft, Mütterchen konnte kamn folgen. Sie war immer einige Schritte zurück.

Nun, Kinder, den Kopf hochgehalten," ermuntert« der Vate^ Ein Unglück musi nun, zu tragen wissen und Gefahren soll man furchtlos entgvgensehen."

O, Vater Schmidt, Furcht vor den 8K sichren haben wir nicht. Fst es nicht fo, Karl? Wenn wir arbeiten, müssen wir auch jeden Tag dem Tod ins Auge schauen. Und nun, wo cs gilt, bas Vater­land, Frauen und Kinder unsere Zukunft zu schützen, sollten wir Furcht haben? Nein! Den Mut läßt auch mein« Frau nicht sinken, trotzdem sie es wohl schwer hat mit »»sern vier Kindern. Aber mich drückt etwas nieder, so grausam hart."

Wie ein junger, starker Mann so sprechen kann."

Fch fühle mich nicht mehr jung, nicht mehr stark. Und ich sehe, daß wir all« schivach sind. Das drückt mich nieder."

Wer soll schwach sein?"

Wir, die Arbeiter."

Fhr SUten habt doch nun ein Menschenalter gerungen um Frieden und friedliche Arbeit. lind wir Fungen sind zn Euch ge­kommen und haben initgeholfen. Weißt Du noch, Karl, wie schön, wie hell wir uns die Zukunft vorstellten, die Zukunft der fried­lich arbeitenden Menschheit. Nun ist alles Nacht; wir ziehen in den Krieg."

Vater Schmidt schnaubte sich geräuschvoll, noch viel geräusch­voller als sein Weib.

Nun glaubst Tu wohl nicht mehr an die friedliche Menschheit?"

Vater Schmidt, wie soll ich jetzt daran glauben: ich und Karl, wir tragen Gewehre und ziehen in den Krieg."

Zunge, dann war Dein Glaub« wohl nicht stark."

Der Krieg," entgegnet« Paul traurig.

Sie gingen eine Weil« schweigend dahin.

Wie kann ein junger und gesunder Mann an unserer gerechten Sache zweifeln," zürnte der aste Schmidt.

Was seit Fahrzchnten in Arbeiterherzen gelebt hat, kann nicht totgedrückt werden, auch vom Schrecklichsten nicht. Verlaßt Euch daraus. Das Unglück kann den Glauben an das Glück nicht zerstören. Die Sehnsucht nach dem Frieden der Arbeit war noch niemals so heiß wie in diesen Kriegslage». Wie stand in unserer Zeitung: Es ivird ein Heller Tag kommen. Gewiß, der wird kommen nach diesen dunkeln Tagen der Not und des Kummers. Wir müssen unS für ihn einsetzen. Wir Alten und Ihr Jnngen. Besonders Fhr Jungen!"

E!n Trupp junger Burschen zog vorbei: Mädchen zogen hinter­drein. Tic lärmten und schrien:Siegreich wollen wir Frankreich schlagen."

Wenn Fhr wieder in die Heimat zurückkehrt, werbt Freunde sür den Frieden, Gegner jedes Krieges. Darauf hoffen wir, nicht ivahr, Mutter, darauf hvsfen wir mit ganzem Herzen."

Opferwillige Patrioten. Im gestrigen Blatte teilten

wir mit, daß in Berlin zahlreiche Dienstmädchen von den Herrschaften ans Sparsamkeitsgründen entlassen wurden und zwar auch solche, die schon seit langen Jahren bei derselben Herrschaft in Stellung waren. Diese Beobachtung hat man auch anderwärts gemacht. In einem Frankfurter Blatte wird zum Beispiel von einem Einsender über Bewucherung von Dienstmädchen geschrieben, daß Leute in geldlich guter, ja vorzüglicher Lage, ihren Dienstboten ein ferneres Bleiben in ihrem Dienst davon abhängig gemacht hätten, daß sic auf Zahlung des ansgedungcncn Lohnes verzichten müßten. Ist das nicht auch Wucher und verdienen diese Arbeitgeber nicht auch an den Pranger gestellt zu wcrdcil? fragt mit Recht der betreffende Einsender. Da werden lange Listen über Bei­träge zur Kriegsfürsorge und zunl Roten Kreuz veröffent­licht, in denen vielleicht mancher Name mit einer erheblichen! Summe prangt, dessen Träger auf der andern Seite ihren Leuten gegenüber sich höchst knauserig zeigt.

Profitgier. Eine Elbcrscldcr Finna hat, wie die Köln. Ztg. berichtet, dieser Tage an einen ihrer in Frank­furt ansässigen Klinden, der den Versuch machte, den Kriegs­zustand in ungehöriger Weise zu seinem Vorteil ausznnntzen^ das nachstehende Schreiben gerichtet:

Wir empfingen Ihren vom 1. August ansgestellten Scheck über . . . Mark. Ihr Abzug von 3 Prozent extrakricgs- halber" setzt »ns in höchstem Grade in Erstaunen. Wist machen Sie darauf aufmerksam, daß Elberfeld auch in »nscrmt großen gemeinsamen deutschen Vaterlande liegt und dis Kriegsnot über unsere Stadt genau so kommen wird, wie über Ihr Frankfurt a. M. Wir geben zu, daß es für Leute,! die bares Geld in Händen haben, ein recht lohnendes Geschäft wäre, anstatt der vereinbarten Bedingungen: 2 Prozent Kasse! Abzug nach 30 Tagen (oder 90 Tage ohne Abzug), die ord­nungsmäßigen 2 Prozent und außerdem noch 3 Prozent kricgshalber abzuziehcn! Sic wollen sich also, weil unser Vaterland in Not ist, für 60 Tage beziehungsweise 2 Monate! noch 3 Prozent besonders abziehen, das macht 18 Prozent aitfs Jahr. Ein nettes Geschäft für Sie! Wir »nscrerseits haben' aber für solche schmutzigen Geschäfte kein Verständnis. Sie schreiben auf Ihren Scheck, falls wir die Zahlung nicht gut»' heißen, sollten wir Ihnen Ihren Scheck zurückschicken, wa-> wir hiermit mit dein größten Vergnügen tun."

Das Schreiben bedarf keiner weiteren Erläuterung; eS> kennzeichnet scharf und zutreffend das Verhalten der Frank-- furter Firma.

Tic dritte Verlustliste, welche im Reichsanzeigcr er-^ schienen ist, teilt die Namen der Verwundeten und Ge-' fallenen nicht mit, sondern nur, wieviel Gcincine lind Lffiziercl usw. von den einzelnen Truppenteilen gefallen oder ver­wundet sind. In dieser Form hat die Liste eigentlich gar> keinen Wert; die Angehörigen der Feldzugstcilnchmcr haben doch ein Interesse daran, zn wissen, ob und was den Ihrem geschehen ist. Wir haben aus diesem Grunde die Liste nicht abgedruckt.

Tie Firma Heyligcnslacdt in Gießen hat beschlossen,

den Angehörigen derjenigen ihrer Arbeiter, die in den Krieg geschickt wurden, Unterstützungen zn gewähren und zwar! sollen ans die Dauer von 10 Wochen gezahlt werden: für dis in der Stadt wohnenden für die Frau 5 Mk. und für jedes. Kind unter 14 Jahren 2 Mk.; für die ans dem Lande wohnenden für die Frau 4,50 Mk. und sür jedes .^nd 1,50 Mark. Diese Maßnahme der Firma verdient gewiß alle Anerkennung.

Agrarische Preistreiberei. Uns wird miigoieilt, saß von Großsandwirten ,mb Pächtern iit der Umgebung von Gießen für Getveide neuer Ernte Preise gefordert werden^ die unerhört sind. So verlangte mag für den Doppelzentner Weizen 27 Mark, während sonstige Jahre der Durchschnittspreis 21 Mark war. Es komnit hierbei noch in Betracht, daß der neu« Weizen itvch naß und nicht mahlfähig ist, er ist infolgedessen auch erheblich schwerer, als völlig anSgeirocknete Ware, tu Wirklichkeit stellt sich also der Preis noch höher, als oben angegeben. Diesen Herren Großbauern bringt also der Krieg erheblichen Gewinn und es ist an.zu-nehmen, baß auch nach dem Krieg« die Preise nicht gleich wieder auf ihnen früheren Stand berabge-hen. Da wind überall geredet von Mithilfe zur Hcrein- briiMMg dev Ernte und znm Donk dasiir wird dem Volke bas Brot verteuert! Immer hat's das arbeitende Volk auszubaden: es leidet unter der Arbeitslosigkeit und muß auch noch Wuchcrpveise fiir die notwendigsten Lebensmittel zahlen! Fn bezug aus die Ernte­hilfe sagte übrigens die Vosstschc Zeitung dieser Tage: , . . Zwei­tens muß unter allen Umständen sofort di« Praris aufhören, die min als ein volkswirtschaftlicher Unfug, wenn nicht als ein Ver­brechen bezeichnet werben kann, daß unbezahlte freiwillige Helfer ans den Fiigendorganisationen eingestellt werben, so lange noch Arbeiter verfügbar sind. Die Landwirtschaft braucht kein Geschenk, sondern Arbei i», die sie bezahlen will, kann und soll.

Die Preisbewerinngcn bei der Gießencr Gewerbe-Ausstellung. Folgenden Ausstellern wurdeir Preise zuerkaimt:

1. Goldene StaatSmedaille und Goldene AuSstellungS-Medaille: Gail'fche Tampszicgcles und Tonivavenfabrik in Gießen; Sattler­meister Louis Völzing in Groß-Felda.

2 . Silberne Staatsmedaille und Goldene AussdellungS-Metaill«: Bnderus'sche Eisemverke in Wetzlar; Gießencr Gummifabrik Poppe n. Eo. in Gießen; Schvcinermeister Louis Beil in Gießeir.

3. Bronzene Staatsmedaille und Goldene Ausstellmigs Medaille : Schreinermeister E. H. Müller in Gießen; Messerschmied ?(. Reinig in Gießen; Fabrikant Gotthold Hampel in Glesien; Möbelfabrikant E. RingShausen in Nidda: Kunstverlag Gustav Mandt in Lauterbach.

4. Goldene Medaille der Provinz Oberhessin und Goldene Aus» stellungsmedaille: Maschinenfadrik A. F. Tröster in Butzbach.

5. Goldene Medaille der Stadt Gießen und Goldene Anästel- llingsmedaillc: Beim ei liger, G. in. b. H., Fittingsfabrik in Gicßcn: Fabrikant Petri & Lehr in Offenbach: Alex. Koch, Knnstverlag in Tannstadt; N. G. Elwert'fcher Kunstverlag in Marburg; Otto E. Kobe, Feinmechaniker in Marburg.

8. Goldene Ausstellmigsnrebaille: Fean Dcrn u. Eo.. Zeinciit- fabrik in Gieße»; Georg Marlin», Backoscnbaumeister in Gießen; Emil H. Müller, HolzbearbeittingSsabrik in Gießen; Heinrich Amend, Tchloffermeister in Griinberg i. H.: Aug. Kilbinger, Sattlermeister tir Gießen; Mar Peteler. Edelschmied in Hanau; Hos- und Unsrecsi- tätS-Druckerei Otto Kindt in Gießen; Brühi'sche Uiiiversiläl-'Bnrl:- und Steindrnckcnei, N. Lange, in Gießen; A. Graese n. ko.. G. m. b.

H. in Gießen: Willi Woclke, Graphiker in Gießen: Leonb. Bauer, Knnsttöpsermeistev in Lanlerbach: Keßler & Burg, Kiinsttöpferm-.ister in Wiescck; Grosiherzogl. Bergmeisterei in Darmstadt: Fr. K-rog- mann, Geldschranksabrikaitt in Gießen: Ludwig Dchmittgall. Fein­mechaniker in Gießen; Eonr. List, Handn-eberei in Lanierbari,: Willi. Zirrbnch Lvcksabrik in Gießen; Braiidach & Fischer, Färberei in