an, daß 6ie ruffiföc Mobilmachung dir Hauptkräft« schnell verläuft und sich deren Massen bald in Bewegung setzen können: andernfalls bleibt den nach Palen vorgeschobenen Rnsscn nicht viel anderes übrig, als sich angesichts der in Palen ansgcbrachenen nationalen Bewegung auf ihre Hauptkräfte zurückzuziehen. Diese Bewegung greift immer stärker um sich und sic droht sich zu ofscner Revolte zu erweitern. Hierfür sprechen vielfache Anzeichen: Der „Blitz", der in Warschau die Zitadelle clnäschertc, die Zerstörung rnssischer Magazine und Kriegs»,itlc! und der Jubel, niit dem preußische Truppen van der polnischen Bevölkerung empfangen wurden. Tic russischen Regimenter beziehen seit kurzem ihre Reserven im Bezirk ihres Standorts, mithin die Regimenter in Polen polnische Rcserve- leutc. Diese eiten aber nicht zur Fahne, und cs gibt täglich eine gros,c Zahl polnischer Deserteure, die über die Grenz« nach Deutschland zu entfliehen suchen und überlaufen: teilweise wohl auch von der Hungersnot getrieben.
Hinter der Buglinic sammeln die Russe» starke felndlichc Kräfte gegenüber Oesterreich-Ungarn. Gelingt cs Oesterreich Ungarn, die Grenzen vor scindlichem Einsall zu bewahren, und überdies dem Feind osscnüv zu Leibe zu gehen, dann haben unsere Verbündeten ihre Ausgabe glänzend gelöst, Je stärker cs gelingt, den russischen linken Filme! zurückzubrückcn, desto schwerer wird cs dem rechten russischen Flügel werden, über die Niemcnlinic zur Offensive zu schreiten.
Parteipolitische Unterschiede
werden im Heeresdienst nicht mehr gemacht. Der stellvertretende Kommandierende General des 7. Korps, Freiherr v. B i s s i n g , hat überall im Bezirk folgenden Korps- bcfchl anschlagen lassen:
„Anläßlich eines Spezialfalles sehe ich mich genötigt, folgendes bekannt zu machen: Das Vertrauen zu unserer so tüchtigen Arbeiterschaft ist während der Ercignisic der letzten Zeit in voller Weise gerechtfertigt worden, und dieses Vertrauen soll durch nichts erschüttert werden. Dabei macht cs keinen Unterschied, ob Teile der Arbeiterschaft während des Fricdcnszustandcs Organasationcn irgendwelcher Art angelchlosicn waren. Ich kann es daher nicht für richtig halten, wenn bei Aufrufen zur Werbung von Arbeitern im Dienst der Heeresverwaltung unsere Arbeiter aus solchem Grunde ausgeschlossen iverdcn. Ein solcher Ausschluß widerspricht der Verpflichtung, parteipolitische Unterschiede im Heeresdienst nicht zu machen."
Der KorpSbcfchl bezieht sich auf die bekannte Anzeige der Artilleriewerkstatt Lippstadt, wonach Sozialdemo, kraten von der Annahme ausgeschlossen sein sollten. — Uebrigcns war Irhr. v. Bissing nicht immer so „tolerant". Er ist derselbe General der Kavallerie, der seinerzeit einen förmlichen Kriegsplan für die Revolution ausgcarbeitct hatte, die Soldaten im Straßenkampf ausbildcn lassen wollte und natürlich auch in Aussicht nahm, alle Führer der Arbeiterbewegung im gegebenen Moment sofort festzusctzen. Wenn er sich jetzt so wesentlich zu seinem Vorteil verändert hat, ist das nur zu begrüßen. Hoffentlich Haitis vor!
Berlin im Kriege.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
I» Berlin wurde die Einberufung der ausgebildeten Mannschaften des Landstrirms mit Befriedigung begrüßt. Zahlreiche Existenzen wurden damit der Ungewißheit entrissen: die Leute, die bisher in Arbeit standen, wiffcn jetzt, woran sie sind und die cinbe- ruscnen Arbeitslosen fühlen sich der Sorge um sich und der Verantwortung für ihre Familie enthoben. Man begreift auch allgemein, daß angesichts der gesamten Lage diese Maßnahme durchaus notwendig war, denn man weiß, daß im Westen viel zu tun ist und wünscht dem Osten, zu dem ja auch Berlin selbst gehört, allen erdenklichen Schutz, Dem Berliner ohne Unterschied der Partei erscheint die feindliche Gefahr zu allernächst in der Gestalt des Z a r i s m u s, und das sagt alles! Mit einmütiger Opferwilligkeit nimmt die Bevölkerung die an sie gestellten neuen Anforderungen als etwas Selbstvcrständlicktes auf sich.
Die Stimmung der lebten Tage, die manches Bedenkliche mit sich brachte, ist einer ernsten würdigen Entschlossenheit gewichen. Man weiß jetzt, daß dem Volk ein ungeheuer schweres Werk bcvorsteht und daß man nicht alle Tage «ine neue Sicgesnachricht verlangen darf. Auch die f r e m- den feindliche Bewegung ist zum S t i l l st a n d gekommen, sic tobt sich höchstens noch an englischer Pfefferminz und russischem Caviar aus, die jetzt ihre Nationalität verleugnen müssen, ohne dadurch an Wertschätzung zu verlieren. Man ivagt auch schon wieder darüber zu lächeln, daß die Eonfiscri« Wilczck die „Confiserie" von ihren Firmenschildern strich just an dem Tage, an dem der Eroberer von Lüttich, General v. Emmich, den Orden „pour le merite" erhielt. Nur in einer Mädchenschule ist cs noch zu cincr kleinen Revolution gekommen, die jungen Damen sandten eine Deputation an die Lehrerin und erklärten ihre Weigerung, künftig die Sprachen Shakespeares und Victor Hugos zu lernen. Auch diese lieber-
A f r a j a.
Ein nordischer Roman von Theodor Mügge. 37
„Und niemand wird zweifeln," sagte Marstrand, „daß unser Freund Paul immer das Klügste tun wird."
„Damit bin ich zufrieden," rief der Schreiber, seine grauen Augen aus den Sprecher richtend. „Wer immer das Klügste zu tun weiß, wird Bären und Wölfen nicht allein entgehen, sondern auch den Zähnen der Menschen entkommen, die zuweilen noch viel schlimmer sind."
Helgcstad mischte sich ein, wie er immer tat, und leitete das Gespräch auf Marstrands Sache. Er verkündete dessen Entschluß, am Bnlsfjord sich nicdcrzulasscn, die kleinen Täler mit Anbauern und Dieustlcutcn zu besetzen und seinen Königs- Brief zu der Besitznahine des ausgedehnten Landstriches zu gebrauchen, indem er den Schreiber auffordertc, für die schnelle Erledigung der Nechtsförmlichkcitcn, wozu dieser sich ange- botcn, nun wirklich Sorge zu tragen.
Paul Petersen gab die bündigsten Zusicherungen. „Ich nehme alles auf mich," sagte er, Marstrands Hand schüttelnd, „und denke Ihnen bald zu beweisen, wie wert Ihre Angelegenheit mir ist. Reisen Sie unbesorgt, Herr Marstrand, noch ehe Sie aus Bergen zurückkehren, soll der Rechtstitel berichtigt sein und niemand ihn anfechten können. Ich will selbst nach Tromsö, sobald Jungfrau Jlda mir Urlaub gibt. Mein Oheim wird so zu Diensten sein, wie ich es bin."
7.
Die Jacht war bereit zur Bergenfahrt, alle Vorräte waren eingcschifft, alles war wohl verpackt und geordnet. Hclgestad hatte lange Unterredungen mit seinem Sohne, dem er An- Weisungen erteilte, was während seiner Abwesenheit geschehen sollte, endlich aber kam es in Marstrands Beisein zu einem Gespräch zwischen Vater und Sohn, das die Familien- 'vcrhältnissc erörterte.
Helgestad sprach von JIdas bevorstehender Verheiratung
Patriotinnen wurden von der Schulbehörde zur Besonnenheit zurück- gcbracht.
Erfreulich ist, daß der Vorwärts, der gegen das Treiben gc- wiffcr Sensationsblätter «in wertvolles Gegengewicht bietet, seit heute — 16. August — aus den preußischen Bahnhöfen verkauft werden darf! Große Fragen von gestern sind klein geworben und lösen sich spielend!
Bctschätftc Littenkoiiirollc itt Berlin.
Der Berliner Polizeipräsident macht im Hinblick auf starke militärische Einquartierungen bekannt, daß im Inter- esse der Volksgesundheit schärfere Maßregeln gegen die Prostitution getroffen werden sollen. Aber nicht nur die Prostituierten sollen schärfer überwacht werden, daneben, so heißt es in der polizeilichen Verfügung, „sollen die Exekutiv- bcaintcn ihr Augenmerk auch auf solche weibliche Personen richten, weiche sich in der Leffcntlichkeit (Straßen, Lokalen usw.) nach Prostituiertcnmanier so auffallend und herausfordernd benehmen, daß sic das sittliche Gefühl ihrer Mitbürger verletzen. Sic alle werden künftig ohne Ansehen der Person fe st genommen und der Polizei zur zeitwcisen Inhaftnahme nnd evcntl. Verhängung der sittcnpolizcilichen Aufsicht zugeführt werden."
Erleichtern»«^«» im Eisenbahnverkehr.
Von der Berliner Eisenbahndirektion ist in Aussicht genommen, in wenigen Tagen wieder schnellfahrende Züge von Berlin nach den Hauptortcn Deutschlands verkehren zu lassen. Es wird darüber ein besonderer Fahrplan veröffentlicht werden.
Zurückstellung von Lntidsiurmpflichtigcn.
Die Norbdentslhe Zeitung schreibt: Ans Anordnung de-s KriegS- ministeriunis werden die dem Landsturm ongchörenben Müller, Führer von Motorpfltigcn, landwirischnftlichen Maschinen und Maschinen in elektrischen Ucbcrlandzcntralen in weitgehendem Maße zurllckgestellt werben.
Tie Deutschen zahlen ehrlich.
Fast in jeder Nunimcr der französischen Blätter, die unS in die Hände fällt, lesen wir von Raub und Plünderung, die angeblich von den deutschen Ulanen in Belgien verübt werden sollen. Es lohnt sich schon gar nicht mehr, diese Lügen, die gleichwertig neben den erdichteten Siegen und den künstlich zu harmlosen Operationen umgedichteten französischen Niederlagen stehen, zu widerlegen. Das Zeugnis eines französischen Blattes dafür, daß die Deutschen ehrlich zahlen, was sie brauchen, sei dennoch wiedcrgegcbcn. Ter Lyon Rspublicain ließ sich am 13. August aus Brüssel folgendes berichten:
„Die Deutschen haben bisher in Lüttich sehr geringen Schaden angerichtct. Sie scheinen zu zögern, als wären sie unruhig. Alles, was sie bei den Bewohnern und Händlern entnehmen, bezahlen sie mit Gold. Einzig und allein die- jenigen Lütticher werden belästigt, die man im Besitze von Waffen findet."
Die Heilsarmee und der Krieg.
Tie Heilsarmee bezeichnet es als unwahr, daß sic als englisches Unternehme» selbst während der Kriegszeit Gelder nach England abführt. Ihre Leitung in Deutschland liegt vollständig in deutschen Händen. Der oberste Leiter von Deuftchland habe selbst zwei Söhne in der Front stehen, und die meisten der männlichen Osfizicre stehen ebenfalls vor dem Feind oder warten auf ihre Order, Nach erfolgter Kriegserklärung stellte die Heilsarmee ihre sämtlichen Anstalten mit 2000 Betten sowie ihre Vcrsammlnngssälc sofort der Behörde zur Verfügung. Das Hauptguartier stehe mit dem Nationalen Fraucndienst, dem Roten Kreuz nnd den Volks-Kinderhorten in Verbindung um Ucberlaffnng von Schwestern zur Fürsorge für die Zurückbleibenden. Bis in die allerletzte Zeit hinein habe das Internationale Hauptquartier in London Zuschüsse nach Deutschland gesandt.
Behandln»»;; der Deutsche» in Russland.
Der norwegische Dampfer „Minerva", der von Oncga am Weißen Meere kommt, wo das Schiff beim Kriegsausbruch lag, berichtet nach der Franks. Ztg., drei deutsche Dampfer seien dort von den Russen in Grund gebohrt, fünfzig Mann der Besatzung und eine Dame verschleppt und gefangen genommen worden, ohne daß sie das Notwendigste mitnehmcn konnten. Nach einigen Tagen wurden die hungernden Gefangenen zehn Meilen landeinwärts gesandt.
Die Petersburger Telegraphcn-Agcntur erklärt die im
als von einer festbestimmten Sache. Er scherzte über die beiden Bewerber und gab Björnarne den guten Rat, sich in nichts zlt mischen, sondern Jlda selbst zu überlassen, wem sie ihre Gunst znwenden wolle; aber seine Winke waren deutlich genug, um für Olaf wenig Hoffnung übrig zu lassen.
„Glaube genau zu wissen, wie's kommen wird," sagte er mit seinem pfiffigen Grinsen. „Ist Paul Petersen der Mann nicht, der vor Olaf davonläuft, wie vor dem Bären. Kalkuliere, Herr Marstrand, ist mit Kindern eine wunderliche Sache. Hat man sie mühsam erzogen, kommt einer, der sie uns nimmt, und dem sie Nachfolgen über Land und Meer. Ist mir aber immer lieber, ich weiß Jlda in Tromsö als weit im Nordland, wo sie Heimweh bekommen würde nach den schwär- zcn Felsen am Lyngensjord."
Er wandte sich zu Björnarne um, legte die Hand unter dessen Kinn und blickte wohlgefällig auf den kräftigen Jüngling. „Ruh!" fuhr er fort, „bleibst mir im Hause, ist aber nicht Ordnung da, wo Männer allein wohnen, müssen daran denken, den Schaden gut zu machen."
„Was meinst du, Vater?" antwortete ihm der Sohn, während das Blut ihm ins Gesicht trat.
Hclgestad lachte. „Weißt cs besser wie ich," rief er, „und denke beinahe, hast große Lust, es deiner Schwester bald nach- zumachcn. Sage aufrichtig, Björnarnc, hast noch kein Mäd- chen gesehen, die du in Oercnäesgaard mit ihren Hochzeitsküsten haben möchtest?"
„Keine von allen, Vater!" erwiderte Björnarnc.
„Ei du Narr!" schalt der Alte, ihn beim Ohr festhaltend. „Eine muß es sein, und daß du es weißt, will meine Schwiegertochter mir aussuchcn, wie ich sic gern habe. Wirst zufrieden sein, Björnarne. Weiß ein Mädchen, jung, fein und frisch, glatt wie ein Hirsch und wohlgcmacht in allen Dingen. Denke, merkst, welche ich meine. Jst's nicht so? Will dir ein ander Lied davon singen, wenn ich aus Bergen wiederkomme."
Björnarne wandte sich rasch ab und lief davon, als wolle cp uirlsts weiter hören. Helgestad lachte behaglich hinter ihn:
Auslände verbreiteten Gerüchte, daß deutsche und österreichische Reservisten nach Sibirien verbannt worden seien, für un- ' richtig. Alle diese fremden Untertanen wiirden nur bis zur Beendigung des Krieges in einigen östlichen Grcnzbczirken des europäischen Rußland ihren Wohnsitz erhalten.
Rlisstschc Korrnptio».
Wie der Stockholmer Korrespondent der Frankfurter Zeitung mitteilt, ist die Sprengung der Hasenanlagcn von Hangö (Finnland) durch de» russischen Hgsenkommaudanlcn infolge eines Irrtums ungeordnet morden. Aus Petersburg war der Befehl ciugctroffen, die Mole mit Mtnengänge» zu versehen, natürlich um im Notfall eine Spreitgung zu beschleunigen. Der Kommandant ließ aber sofort die g a n z e n H a f e n a n l a g e n , die insgesamt nahezu 80 Millionen Mark gekostet haben mögen und mit finnischem, nicht russischen Geldern errichtet worden sind, zerstören und den Hascneingang durch versenkte Dampfer sperren. Nachdem dieses Vcrnichtungswcrk vollzogen war. kam der Kommandant zur Be-» sinnung und erhängte sich. Diese Meldung wird nun auch von anderen Seiten bestätigt, wobei der Vossischcn Zeitung niitge- teilt wird, daß der i» Selsingsors kommandierende russisch« Admiral vertraulich das „Versehen" des .Kommandanten von Hangö damit erklärt habe, daß die dortigen Behörden betrunken gewesen fein dürften! Vor einigen Tagen hat sich der Intendant der Festung Wnborg erschossen, weil er sich vor dpr Aufdeckung riesiger Untcrschlcise fürchtete. Diese zwei Tatsachen zeigen bester als die längsten Ausführungen, was Rußland den Finnländern bringen wollte: Korruption und Schnaps, die zwei hervorragendsten Aeußerungcn russischer Eigenart. Die Kosten fallen leider deni finnischen Staatsschatz zur Last, der hoffentlich bald von Rußland ganz unabhängig werden wird.
Marche,«erzählnttgei«.
Dem Geheimen Kommerzienrat Richter, dem Inhaber der bekannten Anker-Stcinbankastenfabrik in Rudolstadt, ist eS, wie dein Berliner Tageblatt berichtet wird, gelungen, von einer Reise durch Rußland alS Bettler verkleidet nach großen Gefahren nach Deutschland zurllckzukehren. Er erzählt, daß in Petersburg die tollsten Siegcsnachrichten bckanntgegcben lvorden seien: danach wäre Wien bereits von den Russen eingenommen worden. Weiter berichtet er, die russischen Truppen, die in gewaltigen Massen zusammengezogcn würden, litten vielfach unter Hunger. Tie Engländer ließen in Schweden verbreiten, daß in Berlin Revolution herrsche und daß das königliche Schloß in Berlin nnd die Paulskirche in Frankfurt a. M. bereits in Flammen aufgegangen seien!
Aus Paris.
Wie di« Franks, Ztg, italienischen Blättern entnimmt, gingen in der französischen Hauptstadt schon vor Kriegsbeginn die tollsten Gerüchte nin. So wurde allgemein gesagt, ein ganzes Geschwader gepanzerter l!) Zeppelin« sei aus der Fahrt nach Paris, und auf der Spitze des Eiffelturmes seien Maschineng«schiitzc bereit, di« Einbring-. l:ng« mit einem. Hagel von Geschossen zu überschütten.
Di« Pariser Blätter sind wegen Papier,nangels auf ein halbes Blatt reduziert worden, die Pätric erscheint im Kleinformat von 30 auf 10 Zentimeter. Di« Zeitungen beschränken sich aus di« Wiedergabe von offiziellen Bekanntmachungen, amtlichen Erlassen und wenige Zeilen Kommentare dazu.
Di« Pariser Portiers schließen seit dem 3, Anglist schon abends 0 Uhr die Haustüren, um sie bis znm folgenden Morgen nicht mehr zu öffnen. Tie Milch ist in Paris rar geworden, sic ivird in einen, Quantum von einem Liter täglich für die Kinder und Kranken reserviert.
Die Haltnna Portngals.
Die Berliner portugiesische Gesandtschaft teilt mit, daß keinerlei Nachrichten bei ihr cingegangen sind, die zu der Annahme berechtigen, daß das Gerücht von einer Beteiligung Portugals an dem gegenwärtigen Konflikt der Wirklichkeit entspräche. Sie hält es für der Wahrscheinlichkeit entbehrend. Die Gesandtschaft glaubt auch versichern zu dürfen, daß iw Berliner offiziellen Kreisen nichts vorliegt, was zu dem Gerüchte Anlaß gäbe.
Von Togo.
In Togo ist bei einem Zusammenstoß mit überlegenen feindlichen Kräften Hauptmann Psähler von der Polizeitrnppc gefallen »nd außerdem drei Deutsche, Scngmüller, Kohlsdorf und Ebert leicht verwundet worden.
Die Behandlnng der Dentschei« il« Tunis.
Nach zuverlässigen Nachrichten aus Tunis sind dort am 3. August sämtliche männliche Deutsche über 18 Jahre i n s Gefängnis geworfen worden. Ihr Geld und ihre Papiere wurden konfisziert, ihre Frauen und Kinder
her. „Was andere zu viel haben, hat er zu wenig", sprach ec dann. „Springt mancher junger Bursche ohne Sinn und Nachdenken einer Dirne an den Hals, sollte aber lieber ins Wasser springen, ums heiße Blut abzukühlcn. Björnarne ist von denen, die mit Eva im Paradies leben könnten, ohne je nach dem Apfelbaum zu verlangen. Habe nie von ihm ge- hört, Herr Marstrand, daß er ein Mädchen lieber gehabt hätte, als seine Schwester und habe nie gesehen, daß seine Augen einer mehr sagten als allen andern. — Ist darum so recht ein Sohn, wie er sein muß. Könnte sic alle haben; kalkuliere, gibt keine Tür im Lande, wo er nicht anklopfcw dürfte. Ist zu gescheit der Junge, ist Niels Helgestads Sohn nnd weiß cs. Läßt die Mädchen seufzen und trachten, bis er die Rechte hcimbringt nnd alle Gesichter vor Neid und Ncn- gier blau werden wie Hummern."
Marstrand war froh, daß Helgestad abgerufen wurde, denn der Hochmut in den Worten nnd Mienen des alten Kaufmanns verletzte ihn. „Er wird sich eine Schwiegertochter suchen", sagte er, indem er den Fjord entlang ging, „wie er einen Schwiegersohn gefunden hat. Ten größten Hochzcits- kästen wird sic ihm ins Haus schleppen und ihre Brüder und Vettern werden schwere Leute sein, die fest auf ihren Beinen stehen." — Er lachte verächtlich vor sich hin und setzte.seinen Weg fort, bald an Jlda denkend, die den ganzen Tag über von dem rotköpfigcn Schreiber begleitet wurde und für ihn kaum ein Wort fand, bald über Afraja grübelnd, der so seltsam zlt ihm gesprochen und dessen rätselhafte Worte einen so großen bleibenden Eindruck auf ihn gemacht hatten. Wenn er überlegte, was er aus so vieler Menschen Mund über das tückische treulose Wesen aller Lappen gehört, überkam ihn die Furcht, diesem asten Hexenmeister zu trauen; dachte er aber daran, wie Afraja MTfm- wunderbar in großer Not nahe gewesen, so wuchs sein Glaube an die Zuneigung des greisen Hirten;' verglich er ihn endlich mit Helgcstad, so fühlte er sein Mißtrauen gegen diesen in solche»!^^ angeregt, daß ihm alleZ nur zu möglich schien, was Afraja Mn erklärt hatte, l Fortsetzung folgt.)


