Ausgabe 
19.8.1914
 
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Organ für die Interessen des der Provinz Oberhessen und

werktätigen Volkes der Nachbargebiete.

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AieKen, Babnbosltrabe 23. Ecke Söwciigaslc. Telcvbon 2008 .

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Nt. 190

Eichen, Mittwoch Den 19. ?(npft 1914 . 9. Jchrgong

Macht und Recht.

Tie Dresdener Volkszeitung bringt folgende, beherzigenswerte Ausführungen:

Auch in diesen ernstesten Stunden, da keine Zeit ist sür kleinere Auseinandersetzungen, muss ausgesprochen werden, dass das Ver­halten vieler Zeitungen zum Kriegsausbruch nicht als würdig und nicht als ehrlich bezeichnet werden kann. Es macht sich ein erschreckliches Pharisäertum breit.

Seit der Zuspitruna des groben Konflikts erhitzen sich viele Zei­tungen in tobenden Ausbrüchen gegen die uns gegeniibcrstehendcn Staate» und Völker, lieber die Politik Nublands, Frankreichs, Englands wird Pech und Schwefel ausgegossc». Diese Staaten, ihr« Völker und ihre Negierungen iverdcn als Ausgeburten aller Schlechtigkeiten und Verwerflichkeiten ausgegeben, während man die deutsche und die österreichische Politik als Muster aller Tugen­den. als Aussluß reinster Sittlichkeit verherrlicht. Mit jedem Tag wird dieses Treiben schlimmer.

In konservativen Zeitungen wird in täglich sich jiberglpfelndcu Schmähungen gegen das slawische Ungeheuer getobt, gegen das perfide England, gegen das hinterlistige Frankreich. Tie wüstesten Bcschimpsungcn werden gegen den Zaren losgelaffcn denselben Nikolaus, den man ein Zahrzehipt lang hoch gepriesen hatte, dem man tausend Liebesdienste erwiesen hatte, um dessen Knust man nicht nur russische Revolutionäre, sondern a u ch deutsche Arbeiter verfolgt und eingekcrkert hatte. Wenn aber der Präsident der sranzssöschen Nepublik, Poincare, in seinem Ausruf an das französtschc Volk von Frankreichs Friedens­liebe spricht und sein Land als das angegriffen« bezeichnet, dann ist dasdie scheinheilige Verlogenheit unserer Gegner", wie wir in unseren natonalistischen Blättern lesen! Ist dies die rechte echte deutsche Art? Ist nicht diesescheinheilige Verlogenheit" ein Laster, das nicht blob im Auslände widrige Orgien feiert?

Es ist unsagbar abgeschmackt, in diesen Sttinde» des furcht­barst:» Völkerringens die europäische Menschheit in tugend- reine Engel und tückische Teufel scheiden zu wollen. Man sage doch ruhiq, klar und ehrlich, um was es sich handelt, Feder Staat und jedes Volk glaubt in seinem Rechte zu sein, indem es seine Interessen vertritt, lind in den Mitteln, die von den Staaten in ihrem Machtkampf aufgewendct werden, ist keiner allzu wählerisch. Das Attantar von Scraicwo ist ganz gewist nicht die tiesste und letzte Ursache des europäischen Krieges, sondern nur .ein Anlass. Viel näher als die tosenden Entrllstungspharjsäer der notionalistifchcn Presse kommt der Kaiser in seinem letzten Aufrus der geschichtlichen Wahrheit, wenn er sagt:Mau will nicht dulden, daß wir in Treue zu unserem Bundesgenossen stehen, der um An sehen als Kross macht kämpft und mit dessen Erniedri­gung auch unsere Mack» verloren wäre."

Die slawische Welt breitet sich aus. Russland verlangt von tehcr nach dem Zugang zu den großen Weltmeeren, von denen es abgeichnittcn ist. Dasselbe Streben erfüllt die ser­bische Nation, die ihren Handel zu entwickeln bemüht ist. Diese slawische Enlwicklurgen stoßen gegen das Gcfiigc der habsburgischen Monarchie, die durch ihre nationale llneinhcitlichkcit besonders empfindlich getroffen wird. Zwischen Deutschland und Frankreich aber besteht der alte betrübende Gegensatz wegen Elsaß- Lothringen und zwischen Deutschland und England die neue u Handelsrivalitätcn. Alle diese Streitigkeiten um den Be­sitz von Land, von günstigen Küsten, von Handelsgewinn und Erd- bcherrschung liegen dem jetzigen europäischen Ringen zugrunde.

An einem kleineren, aber bezeichnenden Beispiel vom heutigen Tage zeigt sich der wahre Tatbestand, Die Rheinisch-Westfälische Zeitung, das Blatt des industriellen Grosskapitalismus, schreibt einen Leitartikel voll Begeisterung darüber, dass die deutsche Heeres­leitung sich nicht durch zimperliche Rcchtsbcdcnkcn abhaltcn läßt, die Neutralität von Lnrembura und Belgien unbeachtet zu lassen. Da ist cs mit einem Male aus mit den schönen Redensarten von Recht" undGerechtigkeit" und das Blatt schreibt in brutaler Deutlichkeit:

Ein energischer Schritt, wie die Besetzung Luxemburgs, um unsere wichtige Rcichseisenbahn z» schützen, muss ebcnsallz freu­dige Zustimmung finden, weil diese über alle kleinlichen und spießigen diplomattschcn Erörterungen hinweg Kraft zeigt, einen entscheidenden und unbeirrbaren Willen des Heeres rücksichtslos über jenen zu wälzen, der ssch uns entgegenstcmmt, Tic fran­zösische Hebe, hat nächst Elsaß-Lothringen und Belgien in keinem Lande so niederträchtig gewühlt wie in Lurcmburg, man konnte cs erleben, dass in diesem rein deutschen Lande, dem wir nie etwas getan habe», der rassig fremde Franzose dem Tcut- scheu vorgezogen wurde. Deutsche Ingenieure und deutsche Kapitalisten haben dieses Luremburg in seinem südlichen Teile zu einem gewaltigen Industrieland« umgeschaffen, lind wenn es möglich war. dass dort noch dcutsch« Offiziere beschimpft wur­den, so ivar cs immer die alte Sache: die Franzosen zeigten nationale Kraft, und sse imponiert: wir Deutschen aber

nicht. Das ist mit dem Tage anders geworden, an dem das Heer und die Heeresverwaltung regiert. Und wir danken ihr auch aus tiefem nattonalcm Gewissen für diesen Schritt. Fort mit allem Bedenken. Es gibt auch eine goldene Rücksichts­losigkeit."

d e u t sch c s Kapital hie französisches Kapital, das Land besitzen, wer soll die Gruben ausbeuten, wer l"^ ocst meisten Reichtum erwerben? Das ist die Frage, m,., J Sozialdemokraten sind der Ueberzeugung, dass die uicwungcu zwischen den Nationen, die aus ihrer Entwicklung sol- 5V?!»und kultureller Weise ausge- "ifdcn können. Wir sind der Ueberzeugung, dass alle Na.ivnen besser gedeihen, wenn sie in vcrniinstiger 9(rt ihre ej c M e nflcncnfätsc lösen, als wenn sic sich d u r ch b I u - t i g e K r i ege zerfleischen. Wir sind auch der Ueberzeugung, dass der furchtbare Krieg, per jetzt anhebt, hätte vermieden >m:rdcn können, Aber so geht cs im Verlauf der menschlichen Ge­schichte: wenn einmal die Etegensätze sich verschärft haben, dann wer­den Einsicht und Vernunft durch wilde Leidcnschasteu zurückgc-

worfen, dann werden immer heftigere Worte und Bedrohungen gc- ivcchsclt, bis schliesslich ein Ausgleich nicht mehr möglich bleibt. Tic Völker fallen aus dem Zustand der Kultur zurück in Unkultur und wilde Barbarei.

Man verschone unser Volk mit dem Pharisäertum. Man schwatze nicht jeglichen Tag von unserer schimmernden Tugend­haftigkeit und von der Verworfenheit der anderen. Das ist nicht ritterliche Kampfesart. Das ist am allerwenigsten ge­schichtliche Wahrheit.

Es wäre kindisch, bestreiten zu wollen, dass auch das kapita­listische Deutschland durch sein Streben nach Machterweiterung und Wcltmarktbehcrrschung den anderen Nationen unsanft cutgegen- getrctcn ist. Man sage cs getrost, dass cs sich um einen gewaltigen Machtkampf unter den Nationen Europas handelt. Wir sind nicht die Engel und die anderen sind nicht die Teufel. Es ist das riesengroße kapitalistische Kräftemesfen, dessen unvermeidlicher Eintritt durch die Tozialdemokratie seit langem vorausgesaift wurde.

Das deutsche Volk steht nun eipmal in diesem furchtbaren Kampfe. Es muss und wird sein Alleräußerstes aufbicten, um sich gegen die Welt von Gegnern zu schützen, um vor allem den Herein­bruch der slawischen Herrschaft abzuwehrcn. Aber das pharisäische Geschwätz nützt uns nichts in diesen Kämpfen um Tod und Leben.

Die Kämpfe im Elsas;.

Amtlich wird gemeldet:

Das Gefecht bei Mülhausen war ein Gelcgcnhcitsgcsecht, Andert­halb feindliche Armcekorps wäre,, in das Oberelsass eingcdrungcn, während unsere dort bcsindlichcn Truppe» noch in der Sammlung begriffen waren. Sie griffen trotzdem den Feind ohne Zaudern an und loarsen ihn auf Belsort zurück. Danach folgten sie ihrer Anf- marschbesttmmung.

Währenddessen Hai eine kleine Fcftungsabtcilung aus Strass bürg am 14. ds. eine Schlappe erlitten. Zwei Fcstungsbatnillonc mit Geschützen und Maschinengewehren aus Fcstungsbcständcn waren an diesem Tage im V o g e s e n p a ss von Schirm eck vorgcgangcn. Tie wurden durch scindiichcs Artilleric- icucr von Tonon her ü b e r s a l l c n. In der engen Passstraße sind die Geschütze und Maschinengewehre zerschossen und unbrauch­bar gemacht liegen gebkicbcn. Jedenfalls sind sic vom Feinde erbeutet worden, der später aus Schirmeck vorging.

Ein vnücdeutcnbes Kricgscrcignis, das keinerlei Einfluß auf die Operationen hat, aber de» Truppen gegen Tollkühnheit und Unvorsichtigkeit ein warncndcsBcispicl sein soll. Die wieder gesammelten Festungstruppen haben den Fcstungsbereich un- vcrsolgt erreicht. Sic haben zwar ihre Geschütze, aber nicht den M u t ve r l o r c n. Ob bei diesen Vorgängen Verrat der Landes- bcwohncr mitgewirlt hat, wird noch scstgcstcllt werden.

Es geht vorwärts!

Das Svenska Tageblade meldet aus Paris vom 13. August: Auf der Strecke Longwy-Longuyon-Marville ist es zu Zusammenstößen zwischen Deutschen und Franzosen ge- kommen. Deutsche Kavallcriepatrouillen sind im Norden des Arrondissements Montmcdy gesehen worden.

Die Eroberung vou Lüttich.

(Amtlich.) Das Geheimnis von Lüttich kann entschleiert werden. Uns war Nachricht zugcgangen, dass vor Ansbruch des Krieges französische Offiziere und vielleicht auch einige Mannschaften nach Lüttich entsandt waren, um die belgischen Truppen in der Hand­habung des Festungsdlenstcs zu unterrichten. Vor Ausbruch der F-cindseligkeileii war dagegen nichts einzuwcnden: mit Beginn des Krieges aber wurde es ein NentralitötSbruch durch Frankreich und Belgien. Wir muhten schnell handeln. Tie mobilen Regimenter wurden an die Grenz« geworfen und auf Lüttich in Marsch gesetzt. Sechs Friedensbrigaden mit Artillerie und Kavallerie haben Lüttich genommen. Danach wurden sic dort mobil qemacht und erhielten als erste Verstärkung ihre eigenen Ergänzungsmannschaftcn. Weitere Regimenter konnten nachgeschoben werben, die ihre Mobil­machung soeben beendet hatten. Unsere Gegner sprachen bei Lüttich von 120 000 Deutschen, die den Vormarsch wegen Schwierigkeiten in der Verpflegung nicht antvcten konnten. Sie haben sich geirrt, die Pause hatte einen anderen Grund. .

Jetzt erst begann der deutsche Aufmarsch. Tie Gegner werden sich überzeugen, daß di« deutschen Armeekorps gut verpflegt und ausgerüstet den Vormarsch antrcten. Seine Majestät hat sein Wort gehalten, an die Einnahme der F-ortS von Lüttich keinen Trapsen deutschen Blutes mehr zu setzen. Ter Feind kannte unsere schweren AngrissSmIttel nicht, daher glaubt« er sich in den Forts sicher. Doch schon die schwächsten Geschütze unserer schweren Ar- tillcrie veranlassten jedes durch sie beschossene Fort nach kürzester Frist zur Uebcrgabc. Die noch erhaltenen Teil« der Befcsiiginrgcn retteten dadurch ihr Leben, Tie Forts aber, gegen di« unsere schivcren Geschütze feuerten, wurden in kürzester Zeit in Trüm­merhaufen verwandelt, unter denen die Besatzung begraben wurde. Jetzt werden die Fonts wieder zur Verteidigung eingerichtet. Die Festung Lüttich soll den von unfern Gegnern gefassten Ptänrn nicht mehr dienen, sondern den deutschen Heeren ein Stütz­punkt sein.

Der Generalqnartiermeister v. Stein.

Nachdem den holländischen Blättern bisher von belgischer Seite Siege der Belgier berichtet worden sind, beginnen min wahre Nachrichten vom Kriegsschauplatz durchzudringen. Der Korrespondent des Handelsblad, dem es gelungen war, »ach Lüt­tich zu kommen, schreibt: Alles weise aus die strategische Vorsicht und Tüchtigkeit der Deutschen hin, die nach einem bis in alte Einzel­heiten ausgoarbeitcten, vorher sestgestrütci. Plan arbeiten. Durch das Handclsblad ersährt nun end) Holland, dass mit dem Fall Lüttichs di« deutschen Truppen volle Bewegungssrethett haben.

Rehabilitierung des Eochcmer Gastwirts.

Vor kurzem erregte es im Inland und Ausland grosses Aus­

sehen, als die Nachricht durch die Blätter ging, der Gastwirt N r c o- l a i in Eochem und sein Sohn hätten versucht, den Eochcmer Tunnel der Bahnlinie Berlin-Metz zu sprengen und sie seien dafür stand- rcchtlich ans dem Ehrenbreitstcin erschossen worben. Dazu kamen noch allerhand Einzelheiten, wie zum Beispiel, dass in dem Keller des Hauses Kisten mit Dynamit gefunden worden seien, dass Nicolai falsches Papiergeld angcfcrtigt habe und dergleichen. Das Kriegs­gericht der Festung Ehrenbrcitsdcin sprach den wegen Landesver­rats >md Spionage Angeklagten f r e i. Das Urteil hebt ausdrücklich hervor, es habe sich auch nicht das Gersngste gegen Nicolai ergeben, und er gehe durchaus eiuwandsrei aus der Verhandlung hervor. Es wurde ihm auch die Befugnis zuerkannt, das Urteil tu mehreren Zeiliiiigen auf Staatskosten zu veröffentlichen. Der Sohn hat über­haupt mit der ganzen Untersuchung nichts zu tun gehabt. Wie das tolle Gerücht hat entstehen können-, ist unaufgeklärt.

Russische Truppen a-r der rnnräinschen Grenze

Aus Bukarest wird vom 11. August gemeldet, daß große russische T r u p p e n m a s s e n an der rumänischen Grenze bei Kischincw z n sa m m e n g c z o g e n seien. Ruß­land gab die Erklärung ab, daß diese Massen demnächst ans den nördlichen Kriegsschauplatz geschickt würden, jedoch nimnit Rumänien diese Erklärung init Vorbehalt auf.

Soll Europa kosakisch werden?

Unser verdienter Vorkämpfer Wilhelm Liebknecht hat seinem Abscheu gegen das Knuienreich häufig Ausdruck gegeben, am drastisch­sten wohl in der Artikelserie, die er zum russisch-türkischen Kriege veröffentlichte und die er dann 1878 in dlc bekauMe Broschüre Zur orientalischen Frage oder soll Europa kosakisch werden? zusammen- snßte. Wilhelm Liebknecht schrieb:

Russland - eine halbbarbarischc Macht, die sich gerade so viel Zivilisation angccignet hat, um ihre barbarischen Ziele mit dem Rassinement der Kultur verfolgen zu können. Der brutailste Raubftaat, den die Geschichte kennt, der einzige, welcher der langen ununterbrochenen Reihe von an der Menschheit begangenen Ver­brechen keinen der Menschheit erzeigten Dienst mildernd zur Seite stelle» kann . . . dieser räuberischste, grausamste, heuchlerischste oller Raubstaaten darf ungestraft Europa, die Welt, ans einer Panik in die ander« stürzen, darf den Handel und die Jndusttie der zum Ansbliihen unentbehrlichen Ruhe und Sicherheit berauben, darf Verwicklungen sch-assen, aus benen jeden Augenblick ein europäischer, ein Weltkrieg emporschlcssen kann. Der Sieg Russ­lands der Tod der Freiheit in Europa, während umgekehrt die Niederlage der Russe» die soziale Umwälzung in Russland, deren Elemente massenhaft vorhanden, sehr beschleunigt haben würde und damit den Umschwung in ganz Europa."

Das sind Worte, di« wir uns heute nicht lebhaft genug ins Ge­dächtnis zurnckriifen können.

Jetzt scheint ein selbständiges Polen vor unseren Augen zu ent­stehen. Tort ist bereits der ossenc Aufstand losgcbrochen. Tic alie Nationalhoff nung auf Wiederherstellung der Selbständigkeit des Landes schlägt in heissen Flammen empor. Die Deutschen dringen, ohne Widerstand zu finde)), in die polnischen Ortschaften ein und werden dort mit ossenen Armen aus­genommen. Tic Aussichten Russlands sind also die denkbar schlech­testen und eine Niederlage kann zu den unübersehbarsten Konscguen- ze» für bas Riesenreich führen.

31 ucf) die bürgerliche Presse hat unter dem Truck der Ereignisse eine vollständige Wandlung durchgemacht. Von der Post bis zum Berliner Tageblatt schwärmt man von den: heiligen Kriege Polens". Man lehnt sich überall stürmisch gegen den Gedanken ans. dassEuropa kosakisch werden soll"!

Zur strategische» Lage im Osten.

Mit Genehmigung des Oberkommandos in den Marken ver­öffentlicht die Torszeituug folgcube Betrachtungen vou General­major a. D. vonGcrsdorfs: 1

Als Frankreich sich nicht rasch genug dazu entschloss, in Ermangelung kriegstnchtiger Rekruten den dreijährige» Dienst ein- zusiihrcn, regte sich der Zorn der Moskowiter, insbesondere des russischen Kriegsministers. D!« russische Armee sei kricgs- und zum Einmarsch nach Deutschland bereit, man verlang« vou den Bundesgenossen gleiche Kriegsbereitschast. Was wird Frankreich heute zu den Russen sagen, was werden die Russen tun?

In Russisch-Polen stehe» vor dem cigentlicheu russischen Aufmarschgebiet vorgeschoben mindestens fünf Armeekorps und weiter eine gewaltige Heereskavallerie. Demgegenüber märe die zwischen dem Meere und Polen eingeklemmte Provinz Osiprcussen in «ine schlimme Lage geraten, falls die Russen, wie cs hicss, in der Tat, schon im Frieden mobil und marschl>crelt gewesen wären. Jedermann vermutete doch den Anprall »ngeftiimcr rnsstschcr Magen gegenüber bcm preußischen Grenzschutz. Von alledem ist nicht mehr die kliede. Unser verhältnismässig schwacher Grenz­schutz hat v o i l k o m m e n genügt, die bisherigen Einfäll« der Russen abznweisen und hiermit die Mobilmachung und den ?luf- marsch zu ermöglichen. Nirgend glückte cs. eine Eiscnbahnbrücke zu zerstören, einen Babnhos zu besetzen: im Gegenteil, unsere Trup­pen haben ihre Fühler über die Kren,'pfähle vorgeschoben und hier­mit der Slulklärnngsmögüchkcit gute Dienste geleistet. Der Rcitcr- augriss der Russen bei Soldau aus prcnssischc intakte Jirfanteric beweist, dass sie taktisch nichts zugeicrnt haben, und dass zwei russische Kavalleriedivisioncn ruftia zusahcn. wie ihre Brüder von den Dent-- schen aus Kibart» vertrieben wurden, spricht nicht für hilfsbereite Kameradschaft.

Der strategische Aufmarsch der rn s s > s ch e n Haupt- k r ä f t c gegen Deutschland dürfte sich hinter dem R i« m e n , der gegenüber Oesterreich-Ungarn bintcr dem Bug vollziehen. D>o uach Polen vorgeschobenen russischen Korps bilde» deren Vortrnp- pcu und Sicherung. Gleichzeitig waren sie dazu bestimmt, unsere Zlkobilmachuug und den Aufmarsch zu störe». Diese Ausgabe ist mißglückt. Werde» sie die andere erfüllen? dllles kommt darauf