Ausgabe 
18.8.1914
 
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zusammen.Bullfinch" sank, ein Teil der Mannschaft ertrank. (DieBullfinch" gehört zn einer Klasse von Torpedobooten, die aus den Jahren 1895 bis 1901 stammen. Sänge zwischen 64 und 69,3 Meter, Besatzung 60 bis 72 Mann. D. Red.)

(fin Dampfer auf dem Njasfa-Tce aitf^efattge».

Aus London wird acmcldct, der englische KreuzerGwcndoleen" habe auf dem Njassa-Tcc den deutsche» Gonvcrnementsdampfcr Hermann v. Wißmann" auf ge fangen und die Besatzung ge­fangen genommen.

Die französische Kammer genehmigte die Kricgskrcditc einstimmig.

Erst jetzt wird durch die Corriere dclla Sera bekannt, daß die vollzählig versammelte französische Kammer am 4. August, also zu derselben Zeit, in der der deutsche Reichstag über die deutschen Kriegskredite Beschluß faßte, die vorliegenden Gesetzentwürfe, die sich auf die Mobilmachung, die nötigen Kredite usw .bezogen, ohne Debatte und einstimmig genehmigt hat.

Plünderer und Spione in Paris.

Wie schweizerische Blätter erfahren, hat das Pariser Polizei- gcricht 45 Personen, die am Sonntag, S. August, auf Raub und Plünderung ausgingen, mit Strafen bis zu einem Jahr Gefängnis belegt.

Der Pariser Kricgsrat hat einen französischen Handelsangestell­ten, der bei dem Verbrechen der S p i o n a g e ergriffen wurde, e i n° stimmig zum Tode verurteilt.

Einefette" Beute.

Der Frankfurter Zeitung wird aus Berlin geschrieben: In den ersten Tagen der deutschen Mobilmachung weilte neben der Kaiserinmutter Maria Feoborowna von Rußland, der dann die Weiterreise nach Kopenhagen gestattet wurde, bekanntlich auch der Großfürst Konstantin in Berlin: er wohnte unter dem Namen eines Staatsrats Kunow in einem Gaschof unter den Linden. Da nun der Großfürst im russischen Heere noch dem aktiven Dienst angc- hört es ist General der Infanterie, Gcneraladjutant und Gene- ralinspckteur der Militärschulen so konnte ihm die Weiterreise nicht gestattet werden. Er wurde vielmehr verhaftet. Man hat ihn aber nicht auf «ine Festting gebracht, sondern er ist in einer Kuranstalt bei Wiesbaden interniert worden und muß dort das Ende des Krieges abwarten.

Desertionen russischer Grenzwachen.

Nach übereinstimmenden Blättcrmcldungen von der galizischen Grenze nehmen die Desertionen der russischen Grenzwachen und Kosaken immer größeren Umfang an.

Russisches Licbcswerbcn.

Der russische Generalissimus versichert nach in Kopen­hagen eingetrofsenen Meldungen in einem Aufruf den Schutz des russischen Heeres und der Regierung allende utschen und österreichisch-ungarischen Polen zu, die loyal zum Slawentum halten, für das Rußland zu kämpfen gezwungen sei.

Die Deutschen in Rußland.

Das Stockholmer Dagblad berichtet: Aus Rußland heim- gekehrte Schweden brachten die Mitteilung, daß alle in Ruß­land zurückgebliebenen Deutschen im Alter von 18 bis 42 Jahren als Kriegsgefangene behandelt würden. Als sie sich in Finnland nach Schweden einzuschiffen versuchten, seien sie in einen Zug gesetzt und an das Weiße Meer nach Archangelsk transportiert worden. Ein junger Deutscher, der sich mit seinem Kinde schon auf dem Dampfer befand und nach Archangelsk geschickt Kurde, ist hierüber wahnsinnig geworden.

Bedingter Aufenthalt der Deutschen in Belgien.

Eine Verkündung des belgischen Justizministers be­stimmt, daß die Bürgermeister in einzelnen Städten Scheins für den zeitweiligen Aufenthalt von Deutschen mit Gültigkeit bis 1. September ausgeben können. Sie können an Deutsche erteilt werden, die 1. als ehrenhaft bekannt sind und ihre Heimat seit langem ohne Absicht der Rückkehr verlassen haben: 2. solche, die belgische Frauen geheiratet oder deren Kinder in Belgien geboren sind: 3. Ordensleute aus Häusern in

Belgien, die von Anfang an bei der Behörde gemeldet waren; 4. Gesellschaftsdamen, Hausführerinncn, weibliche Angestellte und Dienstmädchen, wenn sie angemeldet wurden.

Englische Kohlcngräber gegen den Krieg.

Die Kölnische Zeitung entnimmt der Züricher Zeitung folgende Meldung aus Cardiff (Südwales) vom 2. August: Die Brgarbeiter von Wales (englisches Kohlenrevier) haben den Ausstand für den Fall beschlossen, daß die von ihnen ge­förderten Kohlen zu Kriegszwecken Verwendung finden sollten. Die Kohlen von Wales gelten als das beste FcucrungS- material für Kriegszwecke, ihre Ausfuhr ist von der englischen Regierung verboten worden.

Das Schicksal der bei Mühlhausen Geschlagenen.

Nach einer Züricher Meldung der Köln. Ztg. sind in St. Ludwig in Oberelsaß dicht an der Schweizer Grenze ver­wundete Franzosen aus dem Gefecht bei Mühlhausen ange- kommcn, die sich in ganz zurückgekommcncm Zustande bc- fanden.

Ein Sieg der Verbündeten.

Das amtliche Kais. kgl. Korrespondenzbureau in Wien meldet, daß die Kämpfe der österrcichisch-ungarischen Truppen gegen die Serben an der Trina zu einem entscheidenden Er­folge über die starken Streitkräfte der Serben geführt haben, die in der Richtung auf Valjewo zurückgeworfen wurden. Zahlreiche Gefangene wurden von den Ocsterreichern gemacht und viel Kriegsmaterial erbeutet. Tie Verfolgung der Serben ist in vollem Gange. Tie serbischen Stellungen waren sehr stark und ihre Kräfte denen der Oesterrcicher ebenbürtig. Auf österreichischer Seite haben sich besonders kroatische Truppenteile ausgezeichnet.

In Rom.

Ter neue österreichisch-ungarische Botschafter in Rom hat dem König von Italien sein Beglaubigungsschreiben über­reicht. Der italienische Botschafter in Berlin hat sich nach muggion zu einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten -St. Giuliano begeben.

Keine russischen Erfolge an der österreichischen Grenze.

Die in verschiedenen Zeitungen gebrachten Nachrichten über angebliche russische Erfolge in den österreichischen Grenz­gebieten sind nach einer amtlichen Meldung aus Wien völlig

unwahr. Einige russische Abteilungen, die teilweise einige Kilometer weit in österreichisches Grenzgebiet eingedrungen waren, sind gleich wieder über die russische Grenze zurück- gcworfen worden. Dagegen sind mehrere österreichische Kavallcriekörpcr weit über die Grenze in das Innere von Russisch-Polen eingedrungen.

Spioncnkollcr.

I» Königsberg ivnrbe in voriger Woche Elenosse Kries«, der Angestellte des BauarbetterverbandeS in Königsberg auf Grund einer gemeinen Denunziation unter dem Verdacht der Spionage verhaftet. Nach einigen Tage» wurde er aus der Haft entlasten, und wie der sozialdemokratische Königsbergcr Voiks- zeitung von zuständiger amtlicher Stelle mitgctcilt wird, hat der gegen de» Genosten Kricsc vorgcbrachte Verdacht der Spionage sich als vollkommen haltlos erwiesen.

Rheinschifffrachien.

Die großen Rhcinschisfahrtsgcscllschiistcn beschlosten im Einver­nehmen mit den .Handelskammern Mainz, Frankfurt, Mannheini keinen Frachizufchlag vorzunehmen, um eine Verbilligung der Lebensmittel zu ermöglichen. Der Güter- und Personenverkehr zwischen Rottcrdamm und Mannheim ist wieder ausgenommen.

Tic belgische Regierung bleibt halsstarrig.

IV8. Nach -der Einnahme von Lüttich hat die deutsche RcichS- rcgicrung der belgischen Regierung in Brüste! mittcile,, lasten, daß, nachdem die belgische Armee ihre Wasscnehrc aus das glän­zendste bewährt habe, die deutsche Regierung z» jedem Abkomme» mit Belgien, das sich irgendwie mit dem Kampfe gegen Frankreich vereinige» laste, bereit sei und daß dann Belgien geräumt werden solle, sobald die Kriegslage cs gestatte.

Die Antwort der belgischen Regierung ging am 14. August ein. Belgien wiederholt -darin seine frühere Ablehnung.

Der Vormarsch der Lcstcrreicher gegen Montenegro.

Seit zwei Tagen wehren sich montenegrinische Truppen auf Her Linie Lisanitz-Grahova gegen bedeutende österreichische Streitkräftc; die Montenegriner hatten 45 Tote und Verluste. Das 18. öster­reichische Armeekorps rückt auf der Linie Krivaca-Grahova vor, das 15. österreichische Armeekorps aus der Linie Tschainißg-Gatcko. Die österreichische Flotte bombardiert die montenegrinische Küste.

Väterchen will sicher sein.

Der russische Zar ist mit seiner Familie gestern von Peters­burgach Moskau abgcrcist.

Eine Warnung an Rußland.

Die Nordd. Allgemeine Zeitung teilt mit, baß die deutsche Ncichsrcgierung durch Vermittelung einer neutralen Macht an Ruß­land eine Warnung gerichtet hat, in der cs u. a. heißt: Meldungen aus unsere» östlichen Grenzgebieten besagen übereinstimmend, daß russische Truppen, wo sic preußisches Gebiet betraten, gegen Ort­schaften und deren wehrlose Einwohner sengend und plündernd vor- gegangcn sind, besonders in Schipwindt, Lück und Soltau. Deutsch­land erhebt vor aller Ocsfentlichkeit Einspruch gegen solche völkcr- rcchtsscindlichc Kriegssllhrung. Wen» durch sic die KampfcSweisc einen harten Charakter annehmen sollte, so trägt Rußland die Ver­antwortung dafür.

Hessen und Nachbargebiete.

Gießen «nd Itnigebimg.

Ter hessische Staat und der Krieg.

Für die hessischen Staatsfinanzen wird der Krieg selbst­verständlich ebensowenig wie für die Gemeinden, die Volks­wirtschaft nnd die Einwohner nicht ohne schweren Einfluß bleiben. Nur über die Höhe der Mindereinnahmen, über die Stärke der Erschütterung werden Zweifel zulässig sein. In anerkennenswerter Besorgnis für eine Balanzierung des kommenden Etats hat darum die Regierung an die sämtlichen unterstellten Behörden und Beamten eine Verfügung wegen Ersparnismaßnahmen ergehen lassen. Es sei erforderlich, daß die Geschäftsführung in allen Zweigen der Staatsverwaltung daraufhin geprüft werde, ob nnd wo die laufenden Staats­ausgaben beschränkt werden können.

So lobenswert dieser Schritt der Regierung an sich ist, so sehr aber werden Einzelheiten der ministerillen Verfügung Bedenken Hervorrufen müssen, insbesondere, wenn man er­wägt, daß die Staatsbureaukratie einen richtigen Blick für Nöte des Wirtschaftslebens nicht allzu oft offenbart hat. ES heißt nämlich in der Verfügung:

Neben der Einschränkung in den laufenden Ausgaben werden voraussichtlich nnd vor allem größere Arbeiten unterbleiben können, für die zum Beispiel in der staat­lichen Forstverwaltung, Bauderwaltung, der Verwaltung staatlicher Anstalten und Einzelbetriebe größere laufende oder einmalige Mittel vorgesehen Karen. Auch auf den Gebieten von Wissenschaft, Kunst usw. werden jetzt Auf­wendungen in möglichst weitem Umfange zu unterbleiben haben, soweit nicht ein unmittelbarer Zusammenhang mit der Dolksgesundheit nnd der Kriegslage besteht. Es wer­den daher z. B. beschränkt oder ganz eingestellt werden können die Ausgaben für Denkmalpflege, Naturschutz, für Lehrmittel der Hochschulen, Schulen und Anstalten, für Anschaffungen der Bibliotheken nnd Museen, für Er­neuerungen nnd Verbesserungen innerer Einrichtungen usw."

Also die Kultnraiifgaben, die ja ohnedies stets auf der Aschenbrödelbank Platz nehmen mußten, werden nun einfach in die Dunkelkammer gesperrt. Aber lassen wir das einmal: es ist eben Krieg! Unterstrichen und den Behörden zur be­sonderen Beachtung muß aber empfohlen werden, was die Verfügung über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sagt: Selbstverständlich ist gleichzeitig bei Ihren Maß­nahmen zu prüfen, ob und inwieweit Arbeiten und Her- stellungen, die an sich unterbleiben oder ein Zurückstellen vertragen können, nicht trotzdem im Einzelfall dann auszu­führen sind, wenn es sich darum handelt, arbeitslos Ge­wordenen oder bedürftigen Angehörigen von Einberufenen Verdienst zu verschaffen."

Wir wollen hoffen, daß dieser Teil der Anweisung bon den Behörden strikte befolgt wird. Geradeso wie von den privaten llnternehmern in dieser schweren Zeit als wahrhaft patriotische Pflicht erwartet werden muß, daß sie ihr Personal. Angestellte und Arbeiter, weiterbeschäftigt, um wievielmehr kann man vom Staat als Arbeitgeber verlangen, daß er selbst unter Opfern! die Möglichkeit zn Verdienst und Er­werb beläßt nnd beschafft.

Nc^'triinqsstcllvcrtretiiul; in Hesien.

Der Großhcrzog hat aus Anlaß seiner am Samstag erfolgten Abreise auf den Kriegsschauplatz ine Rcgierungsstcllvcrtrcluug der Eroßherzogin durch folgenden Erlaß übertragen:

Wir Ernst Lud-mig von GotteS Gnaden Großherzog vvck Hoffen un-d bei Rhein pp. erteilen hierdurch für di« Tauer Unserer Abwesenheit während des Krieges Unserer Gemahlin der Groß­herzogin Eleonore von Hesse» und bei Rhein Vollmacht zu Un- sever Stell Vertretung in Ausübung der RegierungSrechte gemäß Ari-ikei 1V des Gesetzes voni 28, März 1V02, di« Regentschaft de-, treffend.

Urkundlich llnserer eigenhändigen Untcrschrist und bcigedrück- ten Großhcrzogiichen Siegels.

Darmstadt, den 15. August 1811.

(L. S.) Ernst Ludwig.

, , von Ewald.'

Die Kroßhcrzogin hat di« Slettverircinng mit folgendem Erlag übernommen:

Dannsiadt, den 15. August 1814.

Der Großhcrzog, mei-n teuerer Gemahl, ist ins Feld gezogen, um seinen Truppen nahe zu sein, die berufen sind, für unser! Vaterland gegen die Feinde zu streil-eu. Für die Dauer Seiner Abwesenheit hat Er mich mit Seiner Stellvertretung in Ausübung! der RegierungSrechte betraut. Ich iveiß, baß unser Volk mir hierin treu zur Seit« stehen und nüch in den schweren Ausgaben^ die die Zeit im? auferiegt, unterstützen wird.

Gott schütze den Großhcrzog, »nserc Truppen irnd unser Valero land. f ,v

Eleonore/- Großherzogin von Hcffen und bei Rhein.

Außerdem hat der Großhcrzog sich mit folgendem Ausnise vom hessische» Volke verabschiedet: -

> < Schloß Darinsiadt.

An mein Heffenvolk!

Jetzt, wo ich im Begriffe bin, zu den Brüdern, die im Felde! sind, zu gehen, die in, heißen Kaiupsc ftir di« Freiheit des deutschen' Geistes, des deutschen Volkes und nnseres geliebten Hesienlandes! stehen, grüße ich euch noch einmal Alle, euch mein« Hesse»linder, die ich über alles liebe. Jeder Mann und ihr Frauen alle, die ihr. znrückbieibt, seid nötig an unserer Stelle. Arbeitet mit frohem Mut, Niemand bleibe müßig: so werdet ihr zu Hause das «rhaldenj können, wofür unser« Soldaten ihr Alles und ihr Leben opfern,! das strahlende deutsch« Reich, in dessen stolzer Krone mein Hessen^ laich eine der leuchtendsten Perlen ist.

Gott grüße Euchl

_, Ernst Ludwig.

Adressen der Feldpostbriefe. Alle Briefe und Karteft

an die im Felde stehenden Soldaten müssen oben den Ver-> merk:Feldpostbrief" tragen und ferner muß daH Armeekorps, Division, Brigade, Regiment nnd Kompagniq oder Batterie angegeben sein. Weil der Standort der Truppeip stets wechselt, ist natürlich eine Ortsangabe überflüssig. Zui^ Beispiel könnte die Adresse lauten:

Feldpostbrief.

An den Musketier Jakob Hirsch 6. Komp. Jnfant.-Rgt. 116 18. Armeekorps

oder:

An den Gefreiten Theodor Fuchs 8. Batterie, Feld-Artillerie-Regiment 25 18. Armeekorps

Natürlich genau die Adresse, wie sie die Auges hörigen der Armee angeben. Es empfiehlt sich selbstverständ-s lich, die Absender auf die Brieftendnngen zu vermerken-,. was ja zu gewöhnlichen Zeiten schon angebracht ist.

Arbeitslosigkeit. Es war vorauszusehen, daß mit denL

Ausbruch des Krieges viele Arbeiter arbeitslos werden wür^ den, trotzdem viele hunderttausend Arbeiter ins Feld rücke^ müssen. Aber schon jetzt, nachdem der Kriegszustand erst 14 Tage andauert, ist das Heer der Arbeitslosen riesig ange­schwollen und diese Tatsache eröffnet einen trüben Ausblick für die Zukunft. In Hamburg wurden rund 14 000 Arbeits­lose gezählt und Berlin hat allein soviel arbeitslose Holz­arbeiter! In Gießen haben, wie wir bereits mitteilten, eine ganze Anzahl Fabriken geschlossen. Darunter befinden sich solche, die ihre Leute sehr wohl noch einige Wochen be­schäftigen könnten. Da wird soviel! von Opferwilligkeit ge- redet, dieser und jener der Herren Fabrikanten oder Kommerzienräte glänzt mit 100 oder 1000 Mark Beitrag in der Zeitung aber zu Hause schließen sie ihre Betriebe utrö setzen unter Umständen Hunderte von Leuten aufs Pflaster.! Und dabei wird von den Behörden aufgefordert, die Betriebe- nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten! Man sieht aber wieder:! Das Kapitalsinteresse ist'eben stärker als allesj andere. : '\ > n :

Gesinnungsrohkit und Dummheit. Der kultiviert!- Mensch und ruhige nnd unbefangene Beobachter kann foft-[ stellen, daß in den jetzigen Kriegstagen ein Maß von Un-, wissenheit, gepaart mit dünkelhafter Prahlerei nnd RoheiL zutage tritt, wie man es nicht für möglich gehalten hätte/ daß es in unserem Volke vorhanden-wäre. Welche Redens/ arten werden da geführt! Und von Leuten, denen man ein» bessere Bildung zugetraut hätte. Vielfach macht man die- Beobachtung, daß Arbeiter aus'Stadt nnd Land viel ver-i nünftiger nnd menschlicher sich äußern als Leute aus dem sogenannten gebildeten Kreisen. Ein Beispiel dafür brachtft uns dieser Tage ein Leser. Eine Kolonne Italiener wurde nach dem Bahnhof geführt. Unter dem znschanenden Pnblikumi befand sich auch ein Kaufmann, der früher Mitinhaber einen Eisenhandlung in Gießen war. Dieser erging sich in den! gröbsten Schmähungen gegen Ausländer und Juden.Tift ganze fremde Bande sollte die Regierung ans dem Lands jagen und auch die Juden, die Deutschland verseuchten." Scsi und ähnlich schwadronierte er. Dabei war er vielleicht froh/ wenn er Geschäfte mit Juden machen konnte; und wir Kolltew mal sehen, wenn man im Auslände mit den Deutschen auch so verfahren wollte. Viel mehr unserer Landsleute halten­sich im Auslande auf, als Ausländer, bei uns. Und soweit letztere Arbeiter sind, wurden sie von den deutschen. Unternehmern erst h e r e i n g e h o l t, um als Lohn­drücker gegen die eigenen Landsleute aufzutreten. Und die' besitzenden Russen, Engländer nsw. ließ matt sich in den deut­schen Bädern als gutzahlende Gäste sehr gerne gefalle», um an ihnen zu verdienen, wobei ans ihre nationalen Eigenarten die allergrößte Rücksicht genommen wurde. Deshalb dürften die Russen- nnd Franzosenfresser schon etwas bescheidener- auftreten.

Muß das Holz im Wald versaulcn? Die Zeiten sind ernst. Je länger sich der Krica hinzichen wird, desto schwieriger wird sich die Erhaltung der Volksgenossen im Lande gestalten. Die Lebens- mrttelpreise werden gewaltig in die Höhe schnelle». Dann rückt auch'