Französische Truppe» t« Belgien.
Nom, 16. Aug. Nach offiziellen Pariser Meldungen sollen, wie der Franks. Ztg. telegraphiert wird, starke französische Kräfte in Belgien cingerückt sein und in der Richtung auf Eembloux, 15 Kilometer westlich von Eghezöe, inarschicren. (Gembloux im Arrondissement Namur liegt an den Eisenbahnlinien Tamincs-Fleurns-Landcn, Briisscl-Sterpenich und Geinbloux-Jenieppc-sur-Sainbre.)
Der Franklirenrkrieg und Belgien.
Die belgische Regierung warnt jetzt endlich die Bürger vor dem Schießen aus dem Hinterhalt auf deutsche Truppen und vor jeder drohenden Haltung. Beides wird als Verbrechen fortan unter Strafe gestellt.
Nach dieser Warnung der belgischen Regierung hat die mannhafte Mahnung der deutschen Regierung, die durch Der- mittlung einer neutralen Macht in B r ü s s c l übergeben worden ist, dort Eindruck gemacht. Tie belgische Regierung erweist mit diesem notwendigen Schritt ihrem Lande und der Menschlichkeit einen Dienst, vorausgesetzt natürlich, daß die Bürger Belgiens dieser Mahnung ihrer Regierung st r i k t e Nachkommen. (Franks. Ztg.)
Die belgische Sozialdemokratie.
Wie der Münchener Post aus Holland mitgctcilt wird, hat nun in Belgien die dortige sozialdemokratische Organisation es übernommen, die brutalen Exzesse des Pöbels gegenüber den Deutschen zu bekämpfen. Zugleich teilt das Blatt mit, daß der sozialdemokratische Führer Vandcrvelde als Mitglied des gegenwärtigen belgischen Ministeriums schon vor der Warnung der deutschen Regierung vergebens den König der Belgier ersucht hat, gegen die Barbareien des Pöbels einen Aufruf zu erlassen.
Begnadigung der Frcmdcnlegionäre.
Das neucrschienene Armecverordnungsblatt enthält folgenden Erlaß des Kaisers:
„Fch will, sofern nicht das Begnadigungsrecht einem der hohen Bundesfiirsten Aufte&t, denjenigen Frcindcnleqionären deutscher Abstammung, die sich der Fahnenflucht (8 09 M.-Str.-G.-B.) oder her Wchrpflichlvcrlctzung (8 140 N.-Str.-G.-B.) schuldig gemacht haben, hinsichtlich der verwirkten Frciheits- und Ehrcn- strafen Begnadigung in Aussicht stellen, wenn sic während des gegenwärtigen Krieges, spätestens innerhalb dreier Monate, vom heutigen Tage ab gerechnet, sich bei einem deutschen Truppen- odcr Marineteil, einem, deutsche» Kriegsschisf, einem deutschen Konsulat oder in einem deutschen Schutzgebiet zum Dienst melden. In besonderen Fällen wird eine Frist stattsindcn. Aus ge- schlossen von dieser Gnadcnerweisung bleiben diejenigen, die zu Zuchthausstrafen verurteilt oder ans Grund eines gerichtlichen Urteils aus dem Heere oder der Marine entfernt worden sind oder im gegenwärtigen Kriege gegen Deutschland gekämpft haben.
Berlin, 12. August 1914. gcz. Wilhelm."
Keine deutsche Hafen blockiert.
(Amtlich.) Die in dem neutralen Ausland verbreitete Ansicht, daß deutsche Häfen blockiert und der Schiffsverkehr mit Deutschland unterbunden ist, ist unzutreffend. Kein Hafen ist blockiert, dem Schiffsverkehr neutraler Staaten mit Deutschland steht nichts im Wege. Die von englischer Seite ausgestreutcn Behauptungen, die Nordsee sei von deutscher Seite mit Minen verseucht, sind unrichtig. Neutrale Schiffe für die deutschen Nordsechäfen haben bei Tage zehn Seemeilen nordwestlich von Helgoland anzusteuern. Dort ist deutscherseits für Lotsen gesorgt, welche die Schiffe in die Häfen geleiten. Die Ostseehäfen haben neutrale Schiffe direkt anzusteuern', vor jedem Hafen stehen Lotsen zur Verfügung. Das Kohlenausfuhrverbot ist nicht auf Bunkerkohlen ausgedehnt, die Kohleuvcrsorgung ist gewährleistet.
Die Haltung Japans.
Nach einer in Rom verbreiteten Havas-Mcldung aus London sollte Japan an Deutschland den Krieg erklärt haben. Hiergegen erklärt die japanische Botschaft in Rom, der casus foederis mit England liege noch nicht vor. Er trete erst ein, wenn Tcntschlnnd die englischen Besitzungen im fernen Osten bedrohe oder japanische Interessen verletze.
Patriotismus Besitzender.
Fn Köln beklagen sich die cinberuscnen Reservisten und Land- wchrmänner Tag für Tag. dop ihnen viele reich« Leute trotz Quar- ticrzottcks das Nachtgirartier verweigerten. F„ den Villenvierteln nähme man sie vielfach mürrisch auf, mährend in den Arbeitervierteln fast alle Familien ihr letztes mit ihnen teilten. Im Einklang mit diesen Mitteilungen stehen ganze Serien von Inseraten i» der bürgerlichen Presse, wonach Leute „Einquartierung von Herrschaften" übernehmen, mit anderen Worten: di« „Herrschaften" kaufen sich von der Einquartierung los. Für sic ist es entsetzlich, „gewöhnliche" Soldaten ansnehmen zu müffen. auch iven« diese einige Tag« später für sie bluten.
Die Kölner Stadtverwaliung erliest ein« öfsen-tlichc Warnung, wonach künftig in solchen Fällen der Weigerung Geldstrafen bis 15» Mark festgesetzt würden: außerdem sollen die Namen der sich Weigernden bekannt gemach! werden.
Der Krie» «nd die deutschen Schutzgebiete.
Fn Dentschwest-Asrika bltebcn di« deutschen Schutzgebiete bisher unbehelligt. Kriegerisch« Ereignisse sind von dort nicht zu verzeichnen. Ans Dcutschost-Asrika fehlen alle Nachricht«». Fn Togo fanden Geiahte zwischen unseren und eingedrungenen französischen Truppe» statt. Der Feind hatte 3 Tote, die deutschen Truppen keine Verluste. Auch englische Truppen sind in Togo cinged-rungcie, oh« jedoch mit den Deutschen in Berührung.zu Ion,men.
4 OOO kriegsgefangene Belgier.
Ans dem Truppenübungsplatz Sennelager bei Paderborn sind 4990 belgische Kriegsgefangene «ingctrosien. Sie werden mit Straßenbau!«» beschäftigt. 5Ö belgische Offiziere haben gegen Ehren- nwrt Bcwegnngsfrciheit, mährend ein bei Saar bürg auf erneu, Vatrouillciiriit gefangen genomMener französischer Ossizier das Ehrenwort nicht geben wollte und deshalb scharf bewacht wird.
Ausweisungen aus Monaco.
Entsprechend den, zwischen Frankreich und Monaco bestehenden Slaatsvcrtrage sind auz dem Fürstentum« Mvn.avo all« reichsdcnt- schen und österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen misgcwicsen worden.
Wie sie schwindeln!
Englische Phantasie-Siege.
Englische amtliche Stellen verbreiten, nach Berichten der Franks. Ztg. im Ausland die Nachricht, in der Nordsee habe ein großes Seegefecht stattgefunden, bei dem 22 deutsche und 4 englische Schiffe verloren gegangen seien. Diese Nachricht ist, wie wir bestimmt wissen, Wort für Wort erfunden imd stellt nur ein Manöver zur Irreführung des neutralen Auslandes dar. Das einzige Ergebnis ist bisher der Untergang des englischen Kreuzers „A m p h i o n". Die Engländer haben bisher nicht gewagt, in der Nähe der deutschen Küste zu erscheinen.
Dieselben Quellen verbreiten auch, englische Truppen seien in Belgien gelandet und hätten im Verein mit Belgiern ein deutsches „Kavalleric-Elitcreginicnt" vernichtet. Diese Nachricht ist ebenso falsch wie die erste; englische Truppen sind überhaupt noch nicht in Belgien gelandet und die angebliche Aufreibung eines Elite-Kavallerieregiments ist ein Märchen.
Kreuzer „Emden" nicht gesunken.
Die von italienischen Blättern veröffentlichte Meldung, daß der deutsche Kreuzer „Emden" mit einem' doppelt so starken russischen Kreuzer in Kamps geraten und ebenso wie fein Gegner gesunken sei, ist, ivie man an maßgebender Stelle erfährt, frei erfunden.
Die Revolution in Deutschland.
Bon London aus werden in der italienischen Presse unwahre Meldungen über Deutschland verbreitet, u. a., daß Liebknecht erschossen worden sei, daß auch blutige Zusammenstöße zwischen Militär und Bevölkerung stattgcfundcn hätten, wobei auch Rosa Luxemburg getötet worden sei; ferner daß in Berlin revolutionäre Bewegungen vorgekommen seien und dergleichen.
(Der Zweck dieser Tendcnzlügen, damit auf Italien ein- znwirken, liegt auf der Hand. Man wird in Italien aber inzwischen durch die eigenen Landsleute erfahren haben, daß es sich bei allen diesen Meldungen um Erfindungen handelt. Die Red.)
Selbsthilfe der Nentralen.
Björn B j ö r n s o n hat in Berlin ein Nachrichtcnbnrcan eröffnet, von dem die skandinavische und die hollän
dische Presse objektiv über den Verlauf des Kriege?
unterrichtet werden soll. Die fortgesetzten Lügen der französi- schcn, englischen und russischen Telegraphenagentnrcn, die ihren Weg auch in die Spalten der Presse des neutralen Auslandes gefunden haben, lassen in der Tat eine unparteiisch; Ergänzung unserer Kriegsbcrichtcrsiattnng notwendig erscheinen. Hoffentlich gelingt cs Herrn Björnson, die öffcnt- liehe Meinung der uns befreundeten skandinavischen Länder) und Hollands vor weiterer Irreführung zu bewahren. Luxemburgische (Sastsrenndschnft.
Von einem Frankfurter Arzt wird der Frankfurter Ztg. aus, Luxemburg geschrieben:
Gastfreundschaft zu üben, galt von jeher als eine der schönstent Tugend:». Empfindet man sic in normalen Zeiten schon als ein wertvolles Geschenk. !o steigert sich diese Empfindung in Kriegs- zelten noch in erheblichem Maste. Es soll deshalb nur den Ausdruck der Dankbarkeit deutscher Truppen bedeuten, wenn die Gastlichkeit der Luremburger an dieser Sicile rühmend anerkannt wird. Hoch „nd niedrig, arm und Reich bemühen sich in edlem Wetteifer, den Truppen die Strapazen z» erleichtern und ihnen, soweit es die vorhandenen Möglichkeiten gestatten, das Leben im Felde angenehm zu machen. Mit grösttrr Fürsorge kommt die Bevölkerung den Sol^ baten entgegen. Alle Ortschaften, die auf den Märsche» passiert li'iirtcn, hatten für reichlich Wasser gesorgt. Als wir nach einen« bei der hohen Temperatur doppelt anstrengenden Marsch vor dev Stadt kurze Zeit lagerten, wurden unsere Soldaten mit Liebesgaben! aller Art überhäuft, und mau merkte cs den hilfreichen Händen an, daß sie sich gerne rührten und dast sic von den Herzen dirigiert wurden. Auch Heer in der Stadt Luxemburg zeigt die Einwohner» schast das gröstic Entgegenkommen: die Quartierwirte iibcrbicten sich in Ansnierksanikcitcn. Fragt man jemanden nach dem Weg, sa hat man sofort einen bereitwilligen Führer. Alles in allem eins wohltuendes und hochersreuiichcs Verständnis für die Lage der Dinge. Deutschland mid die Deutschen dürfen und werden den, Luxemburgern für ihre Haltung stets dankbar fein.
Die Däne» in Berlin.
Eine im Etablissement Rcingold von Damen und Hcrrcw stattgehabtc Versammlung der dänischen Kolonie in Berlin) beschloß einstimmig ohne Debatte:
Jeder in Deutschland lebende Däne verpflichtet sich, nach besten Kräften zwecks Linderung der Not, die der Krieg ver^ uriacht, durch Gelduntcrstiitzung, Arbeitsvermittlung^ Speisung für Kinder, deren Väter im Felde stehen, bemüht zu sein und sich zu diesem Zwecke mit dem vaterländischst Frauenvcrcin in Verbindung zu setzen.
Ein Dnma-Abgeordneter in Berlin verbastet.
Unter den russischen Staatsangehörigen, die bei Beginn des, Krieges in Berlin verhaftet und in das Lager von Töberitz gebräche, wurden, befand sich auch der russische sozialdemokratische T u m a a b g c o r d ii e t c Schenkel. Er ist gleich vielen andc». rcn Verhafteten nach einigen Tagen wieder in Freiheit gesetzt wor« den. Die vorübergehend fcstgenommcncii Russen bestätigen iibcr-I cinftimmrnd, dast die Behandlung i» Döbcritz sehr gut gewesen ista
Nacht so gut soll allerdings die LKHandiung im Piötzcusecr Ge< fängnis gewesen sein. Es wird uns da berichtet, dast sich Gefängnis»' aufschcr gegen die unter dem Verdacht der Spionage verhafteten Ruffen, einigen Kaufleuten und dem Rcdaktionssckrctär der inj deutscher Sprache erscheinenden Petersburger Zeitung, Ucbergrisic, erlaubt hätten. Strafanzeige soll erstattet worden sein.
Eine Wirkung des Krieges.
Gleich den Nationallibcralen, die mit Unterstützung der Fort-, schrittlcr in den Wahlkampf einzuircten beschlosicn hatten, wird nunmehr auch die Sozialdemokratie, mit Rücksicht aus die kriegerischen Ereignisse. ihren Kandidaten im Wahlkreis Ravensburg- Saulgau zurückzuziehen. Dieser Kreis ist sicherer Besitzstand drS Zentrums. Ter ZentrumSmami Stiege!« ist nunmehr der einzige. Kandidat.
Freigabe eines national-polnischen Blattes.
Dos unmittelbar nach Verhängung deS Kriegszustandes erlassene Verbot der in Kattowih erscheinenden polnischeni Blätter ist jetzt hinsichtlich des national-polnischen Gornoslaza? (Oberschlesicr) durch eine Verfügung des Oberbürgermeisters von Kattowitz aufgehoben worden, doch unterliegt das Blatt- weiter der Präventivzensur. Nicht gcnehniigte Veröffentlichungen sind in jedem Fall zu unterlassen. Sollte der Ver-' sügung nicht strengstens nachgckommcn werden, so soll unver^ züglich die Zeitung wieder verboten werden.
Ein Englischer Torpedojäger gesunken.
Der englische Torpedojäger „Bullfinch" stieß nach einem Telegramm der Franks. Ztg. in der Nordsee infolge falschen^ Manövriercns mit dem holländischen Dampfer „Kinderdyk"
Afraja.
Ein nordischer Roman von Theodor Müggc. 36
„Du hassest ihn, Afraja!" rief Marstrand.
„Ich hasse ihn," antwortete der Lappe, „doch ich sehe durch seine Augen in seinen bösen Geist. Er wird dir sein Geld geben, du wirst damit den Wald fällen und Handel treiben, doch du bist unerfahren, du wirst verlieren und in Not ge- raten. Das ist die Zeit, die er erwartet. Dann wirst du seine Hand fest geschlossen finden; er wird dir deine Schuld- briefe zeigen und wird dich vertreiben mit Hilfe des Vogts, der die Beute mit ihm teilt."
„Wäre es wirklich so?" rief der junge Mann lebhaft — „wäre das sein Weg — seine arglistige Hilfe zu meinem Verderben ersonnen? Es ist niöglich, Afraja, vielleicht dachte ich selbst schon ähnliches, aber Hclgestad ist geachtet, der Erste im Lande."
„Glaubst du," fragte der Lappe, „daß, wenn du ein Bettler bist, er weniger geachtet sein wird? Sein Ruhm wird größer werden, sie werden ihn noch höher preisen, sein Ansehen wird wachsen mit seinem Gute, dich wird niemand beklagen. Sic werden über dich lachen, denn nach ihrem Rechte ist dir Recht geschehen."
„Ha!" murmelte Marstrand, indem er die Faust ballte und den Arm heftig aufhob, „sie sollen nicht lachen."
Er dachte an JIda, und es war, als ob der alte Hexenmeister seine Gedanken wüßte. — „Wähne nicht," fuhr er fort, „daß Helgcstads Kinder dich beschützen könnten. Sie würden dir sagen: du hattest Augen und Ohren, du hörtest manches Wort und sähest manches Zeichen, warum warst du kein Mann, der fest auf seinen Füßen stand? — Björnarne ist ein einfältiger Tr 'vt, ddr seinem Vater blind gehorcht. Das Mädchen ist von Inj«». aber hochmütig ist ihr Sinn, und ibres
Vaters Wille wird sic zum Weibe des Schreibers machen, der endlich einstrcicht, was Helgestad dir nimmt."
„Er soll mir nichts nehmen. Bei Gott — er soll nicht!" sagte Marstrand. „Ich will keine Hilfe von ihm."
„Nimm sie an," flüsterte der Lappe.
„Und sein Geld — ich mag es nicht!"
„Laß ihn geben, so viel er gibt, Jüngling."
„Wie kannst du mir solchen Rat erteilen?" fragte Marstrand unwillig, „da du selbst mir zeigst, wohin er führt."
Afraja schwieg einen Augenblick. Seine Gestalt war in- nntte der dunklen Steine kaum mehr sichtbar, und sein heiseres Lachen drang geisterhaft zu dem dänischen Herrn, der wild um sich blickte, als Helgestads Stimme in der Ferne seinen Namen rief.
„Nimm das Geld des gierigen Mannes", flüsterte der Lappe, „und gebrauche es unbesorgt. Was kann er dir geben, was Afraja nicht zehnmal geben könnte? Geh zu ihm und sprich: Ich will hier wohnen, will tun, was du sagst. Ich sehe deine zornigen Mienen durch die Nacht, du sollst nichl zornig sein, Jüngling. Afraja ist dein Freund. Willst du Silbcrtaler, du sollst sic haben. Tie Stunde wird kommen, wo ich dich führen werde — deine Angen sollen sehen, was nie ein Mann deines Stammes sah. Betrüge den Betrüger und sei mutig. Meine Götter werden dir helfen, mächtiger sind sie als dein ungerechter Gott."
„Lästere nicht, alter Mann, lästere nicht!" rief Marstrand. „Wo bist du? Antworte mir!"
Er tappte umher, der Lappe war verschwunden. „Wann werde ich dich Wiedersehen?" rief er lauter. — Er erhielt feine Antwort. Ein Windstoß fuhr von den hohen Melden nieder, schüttelte das Gestrüpp und ließ die Wogen des Fjords nnfrauschen. Zu gleicher Zeit polterten Helgcstads eisen- beschlagene Sohlen über das Gestein. — „Holla!" schrie er, „loo bleibt -^hr, Herr? Steht da zwischen Nebel und Dunkel
heit und ruft die alten Norncn und Trollen an, Euch zu) sagen, was gut sei. Jst's nicht so?"
Marstrand trat ihm entgegen, beide gingen der Hütte zu,j deren Feuerschein ihnen leuchtete.
„Freilich ist's so," antwortete er auf Helgestads Spott« eingehend. „Ich habe mit den Geistern der Nacht gesprochen' und ihren Rat gehört."
„Nutz!" sagte der Kaufmann, „und was haben sie Euch, geraten?"
„Daß ich am Balsfjord wohnen soll, und daß sie mir! helfen wollen, mein Haus ganz mit Silber anzufüllcn."
„Wacker geraten," rief Niels, „hoffe, sic machen cs wahr: bis dahin aber, wo die guten Kobolde und Zwerge Euch Geld schleppen, nehmt es von mir, und nun, Herr, schlagt ein in meine Hand. Ist die Sache abgemacht. Johann Marstrand von Balselfgaard wird bald ein Mann sein, der Klang im Lande hat."
Am nächsten Tage wurde der Weg an den Lyngenfjord ohne Fährlichkeit zurückgelegt und spät am Abend traf die« Gesellschaft wohlbehalten wieder in Ocrcnäcs ein, wo Jlda und Björnarne ihre Freunde froh empfingen. Die Erzählung der großen und kleinen Abenteuer füllten die Stunden aus, Marstrand erhielt neues Lob über seine tapfere Fällung des Bären, und Olaf verfehlte nicht, manche derbe Spötterei über die Flucht des Schreibers loszulasscn, welche dieser jedoch loenig mehr achtete. — „Ich denke, mein guter Olaf," sagte er,, „daß cs keine besondere Heldentat ist, einen Bär tot zu schießen, wenn man ein gutes geladenes Gewehr in der Hand hat, und wenn die Bestie zehn Schritte von mir steht. Dagegen aber wäre cs unverzeihliche Torheit, sich zerreißen zu lassen, wenn man seine Sache schlecht gemacht hat und keine Waffe mehr besitzt. Lache auf meine Kosten diesmal so viel du willst, wir gleichen ein andermal die Rechnung ans, nichts aber wird mich hindern zu glauben, daß das, was ich tat, das Klügste blieb." (Fortjetzinv falqU


