Ausgabe 
17.8.1914
 
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Tcr Kaiser auf dem Kriegsschauplätze.

W. I?. Tcr deutsche Llniscr hat Sonntag früh um 8 Uhr Vcrlin in der Richtung nach Mainz verlassen.

Italiens sreund.che Gesinnung.

W. B. Mit Rücksicht auf nmlausende Gerüchte, daß Italien gegenüber Tcntschland und Oesterreich-Ungarn eine wenig freundliche Haltung ciunchmc, hat die italienische Re­gierung den Berliner Geschäftsträger beauftragt, diesen falsche» Gerüchten entgcgcuzutrctc». Tcr Geschäftsträger hat in Erfüllung dieses Auftrages das Auswärtige Amt ersucht, -bicsc Ausstreuungen für unbegründet z» erklären.

Hessen und Nachbargebiete.

und Umgebung.

Der ferue Klang.

Wir waren beieinander und teilten unser Brot, wir lachten initeinander und wühlen nichts vom Tod. Wir trugen alle Röte treulich in einem Schritt, nun blies wohl die Trompete, und er, er muhte niit.

Laht, Kinder, laßt das Fragen. 2ch weih nicht, wo er ist.

Es klirrt in diesen Tagen ein weltenweiter Zwist.

Ee glüht in allen Augen von Zorn und Schmerz ein Brand, und blut'ge Tränen saugen sich heih in alles Land.

Und ich muh immer lauschen aus seinen alten Schritt, und hör' doch nur ein Rauschen: Auch er, auch er muht' mit.

Hör' nur den sturmverwehten Klang, der wie ein Hilsrus gellt als bliesen die Trompeten in aller, aller Welt.

Regnerischer Sonntag. Das prächtige Sommerwctter "der letzten zwei Wochen schlug ausgerechnet am gestrigen Sonntag nachmittag in Rcgcnwetter um, wodurch denjenigen, die zu jetziger Zeit noch einen Sonntagsausflug zu machen in der Lage sind, das Vergnügen vereitelt wurde. Im übrigen schadet ein wenig Regen nicht; Garten- und Feld­früchte können ihn wohl brauchen. Längeres Regenwetter würde aber die Erntearbeiten ganz erheblich beeinträchtigen. Hoffentlich kommen recht bald bessere Tage, auch in politischer Hinsicht, damit sich die Menschheit noch der Sonne freuen kann, die unverdrossen ihre Wänne in gleicher Menge über alle ausstrahltI

Rechnungen bezahlen! Diese Mahnung richtet sich 'besonders an die Reicheren und Wohlhabenden. Und nament­lich sollten den kleinen Handwerkern und Kaufleuten die fälligen Rechnungen bezahlt werden. Der Krieg schlägt den: tzanzen Erwerbsleben schwere Wunden. Das Heer der Ar­beitslosen wächst mit jedem Tage, tausende kleiner Gewerbe­treibender sind mit ihren Arbeitern einbcrusen, die Geschäfte ^geschlossen, die übrig gebliebenen haben nichts zu tun, die Bestellungen bleiben ans, Rohmaterialien sind fast nur noch gegen Barzahlung zu haben; da die meisten Gewerbe- treibenden über keine Barmittel verfügen, können sie selbst Lbtc wenigen Bestellungen nicht aussühren. Würden die fälligen Rechnungen bezahlt, dann könnte sich mancher kleine Gewerbetreibende in der schweren Zeit über Wasser halten. Es gibt zahlreiche Handwerker, die schon seit Tagen herum- ckaufen, um Rechnungen, die schon seit Monaten fällig sind, scinzukassieren. In den meisten Füllen werden sie mit harten Worten abgewiesen, selbst von Leuten, die schwerreich sind, oder es wird Nachlaß verlangt. Sollen die kleinen Gewerbe­treibenden nicht gezwungen werden, ihre Arbeiter zu ent- lassen, dann ist cs nötig, daß die Zahlungsfähigen ihre Rech­nungen begleichen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen.

Tie Heeresftärten des Weltkrieges. Tic abenteuerlichsten Anschauungen bestehen in der Bevölkerung über die Stärke der Heer«, die jetzt in blutigem Ringen gegeneinander stehen. Erst heute tonnten wir höre», dass allen Ernstes die Stärke des mobilen dcu!- ,scheu Heeres auf 16 Millionen Mann angegeben wurde, Bestimmte Angaben über die Stärke der einzelnen Heere lassen sich nicht machen, immerhin ist eine Schätzung möglich. General der Infanterie von Blum«, im deutsch-französischen Kriege von 1870/71 GcneralstabSchef des damaligen deutschen Kronprinzen, hielt im März vorigen lIahrcs einen Vortrag über »die Wehrkraft TcutschlandS im Ver­gleich mit der der anderen europäischen Grostmächtc". Seine Unter- fuchungen ergaben folgendes Resultat: Tie Gesamtzahl der verfüg­baren Ausgcbildetcn, das heisst ohne diejenigen, die erst nach der Mobilisierung als Rekruten. Ersatzrescrvisten, Freiwillig«, Land- flnrmlcutc »sw. eine militärische Ausbildung erhalten, wird für den Zwcibnnd sRnssland und Frankreichs aus 12 Millionen gegenüber X)'A Millionen des Dreibundes fTeutschland, Oesterreich und

Italien) festgestcllt. Das Verhältnis hat sich durch di« letzte grosse Hccresvorlagc zugunsten Deutschlands verschoben, ivährend Frank­reich durch die Einführung der dreijährigen Dienstzeit keine Ver­mehrung seiner Gesamtkricgszahl erfahren hat. Dir Hcercsstärkc, die England für einen Kontincntalkrieg seinen Verbündeten zur Seite stellen könnte, wird vom General v. Blum« auf nur 80 000 bis 100 000 Mann berechnet. Deutschland wird 5G Millionen auf die Beine bringen können, wenn cs nötig erscheint. Alles in allem kann man wohl annchmen, hass in diesen Tagen des Weltkrieges in den kriegssiibrenden Staaten sowie in den Ländern Europas, di« zum Schube ihrer Neutralität ganz oder teilweise mobilisiert haben, 2830 Millionen Menschen unter Waffen stehen. In welchem Masse dadurch die Kulturarbeit unterbunden, das Wirtschaftsleben gestört und das Familien- und Gcsellschaftslcben erschüttert wird, lässt sich heute gar nicht übersehen.

Sozialdemokratische Reschstagsabgeordnetc als Kriegsteil­nehmer. Von der sozialdemokratischen Rcrchstagsfraktion sind bis­her 26 Mitglieder zu den Fahnen gerufen. Eine Anzahl Fraktions- Mitglieder tut freiwillig Dienst in der Kricgsabteilung des Rcichs- amtes des Innern. Gestern wurde n der Frankfurter Zeitung berichtet, dass Genosse L. F ra n k- Mannheim sich freiwillig gemeldet hätte. Frank ist 40 Jahre alt und hat aktiv gedient. Wir halten es nicht für wahrscheinlich, dass er sich bei seiner vlelselttgen Beschäftigung freiwillig gemeldet haben sollte.

Das Schwurgericht der Provinz Obcrhesicn tritt Montag, 28, September, vormittags 9M> Uhr, zur Sitzungsperiode des 3. Vierteljahrs 1014 unter dem Vorsitze von Landgerichtsrat Renen- hagen zusammen.

Die Einwohnerschaft sängt an, verrückt zu werden". Unter

dieser Ueberschrift lesen wir im Vorwärts: Ich sitze in einer Wirt­schaft beim Mittagessen. Da kommt ein älterer Herr herein und verkündet: »Soeben sind aus dem Schlesischen Bahnhof 00 000

Oesterrcicher dnrchgcfahren nach Frankreich!" Ich lache laut aus. Haben Die deim keinen Sinn für die Bundcstreue unserer öster­reichischen Brüder", werde ich ongcfahrcn.Warum, Herr, warum sollen denn die Oesterrcicher in dieser ernsten Zeit den Weg nach Frankreich über Berlin nehmen?" frage ich ruhig.Na, mit Ihne» scheint es nicht ganz koscher zu sein!? Am besten wärs, man licsse Sie fcststellcn!" war die Antwort. Ich sage gar nichts mehr und esse mein« Erbsensuppe mit Speck weiter. Ein Kreis von Menschen bildete sich um meinen Tisch. Der Mann erzählt, er sei am Schle­sischen Bahnhof gewesen und habe mit eigenen Augen gesehen, wie drei (!) Züge mit 90 000 (!) Ocsterreichern durchgefahren seien; ich hätte über die Bundesirene dieser Ocsterreichcr aelacht. Ans der Menge erschallt es:Spion! Spion! Raus mit ihm!" Ich glaube, sie meinen den Mann, der diese militärische Nachricht verbreitet. Aber nein, sic meinen m i ch. Und wahrlich, es kam so weit: ich mutzte dem Blödsinn weichen und das Lokal verlassen.

y. Altcn-Buscck. Auf dem Lande ist die Dreschmaschine in voller Tätigkeit und mit dieser hastigen Arbeit mehren sich wieder die Unfälle im landwirtschaftlichen Betrieb. So geriet hier ein junger Mann beim Schieben eines Wagens zwischen diesen und einen Tor­pfosten. Ter Bedauernswerte erlitt ausser starken Verletzungen am Ellenbogen einen komplizierten Bruch des Unterarms.

Altcnbuscck. Am Freitag wurden von hier zwei Wagen Nahrungsmittel, als Brot, Wurst, Schinken, Eier, sowie Limonade, Sclterswasicr und Wein nach Lollar gebracht, »m dort am Bahnhöfe an die durchreisenden Soldaten verteilt zu werden. Tie Gaben waren im Dorfe gesammelt worden und fast jeder hatte dazu bei- gestenert.

Kreis Wetzlar.

X Nikolaus, du bist ein Lump! Wie bereitis mitgedcilt, ist das ehrengerichtliche Verfahren gegen de» Genossen Tr. Liebknecht wegen Zarenbeleidigungvorläufig" eingestellt worden- ohne jedes Zu­tun der Sozialdemokratie.

Als vor einigen Wochen, noch kurz vor Schluss des preussischen Landtags von sozialbenrokratischer Seite di« Einstellung des Ver­fahrens beantragt worden war, wurde dieser Antrag fast einstimmig a b g e l e h n t.

Bei der Beratung der Angelegenheit sagte der Redner der sozial­demokratischen Fraktion, Genosse Hacnisch, u.Ich möchte nun

betonen, dass Herl Dr. Licbkn>echt mit seiner Rebe damals Millionen des prentzischen und deutscheir Volkes aus der Seel« gesprochen

hat. . ." Der amtliche stenographische Bericht verzeichnet hier Grosse Heitrrkleik rcchtS und Widerspruch". Und der konservative Abgeordnete .Herr v. Ditsurth regte sich gewaltig auf über d-cge­werbsmässige Schmähung des Zaren" durch den Genossen Lieblne-Ht.

Dieselbe bürgerlichen Zeitungen, die damals Bcisall klatschten und den «ntimonarchischon Liebknecht und seine Partei anbelften, bringen jetzt zur allgemeinen patriotischen Erlmüung folgende Sol, datenvers« über den russischen Zaren:

Zar in deinem Lande,

Ist es eine Affenschande.

Wir kommen euch zu kultivieren Und recht gründlich zu desinfizieren.

Ein anderer Soldat schrieb folgende Wahrheiten an:

Nikolaus, du bist ein .....

Lebst vom Wovtbruch und vom Pump,

Wir schießen mit blauen Bohnen Und werden keine Rnffeir schonen.

Heute sind alle gewerbsmässigen Schmähungen des Zaren beliebt und kein OrdnnngSblatt, das auf Ansehen lyäit, ver­schließt diesen A»würfen auf den bisherigen Abgott der p r e n ß i f ch e n I u n k e r seine Spalten.

Von Nah rmd Fern.

X Einbruch im Leipziger Gewerkschastshaus. Das Berliner

Tageblatt meldet: In dem grossen Leipziger GewerkschastShans

wurde am Dienstag Nacht ein schwerer Einbruch verübt. Sämtliche Pulte und Schränke wurden gewaltsam erbrochen und ihres Inhaltes beraubt.

Bekanntmachung

Mit Bczngnahine ans den Airfritf des Landsturms warn« ich die »»ansgcbildcten Landsturmpflich-tigcn voreilig ihre Stellung oder ihren Beruf anszugeben. Alle Arbeitgeber ersuche ich dringend, diesen Leuten wegen Verbleibens in ihren Stellungen oder beim Suchen neue? Stellungen keine uni,öligen Schwierigkeit«« zu machen, weil diese Leute, di« sich nach Ziffer 5c des Aufrufs zunächst nur zur Stammrolle zu melde» hatten, voraussichtlich nicht oder nur zu einem ganz geringen Teil zurAushebung kommen werden. Ziffer I des Landstnrmausrufes besagt ja auch bereits ausdrücklich, dass zunächst nur militärisch ansgebildete Lanbstnrmpflichtige zur Einstellung kom­men werden: auch von diesen wird voraussichtlich zunächst nur ein geringer Teil zur Einstellung gelangen.

Frankfurt a. M., 14. August 1014.

Der kommandierende General.

_Freiherr von Gall, General der Infanterie.

Nene Kartoffeln p. Pfb. 67 Psg. Zwiebeln vcr Pfund 1518 Psg. Blumenkohl vcr Stck. 2550 Psg. Grüne Erbsen p. Psd. 1518 Psg.

Grüne Bohnen p. Psd 1520 Psg.

Wochrnrnarktpreike in Gietzcn

am 15. August 1914 Butter per Psd. 1.05-1.15 Mk.

Milch Liter 22 Psg.

Hühnereier Stuck.910 Psg

Gänseeier Stück Psg.

Käst Stuck 68 Psg.

Kasematte 2 Stück 56 Psg.

Tauben per Paar 0.801.20 Mk.

Hühner per Stück 1.201.80 Alk.

Hähne ver Stück 1.502.50 Mk.

Gänse per Pfund 0.000 00 Psg.

Enten ver Stück 0.00- 0.00 Mk.

Ochscnffeisch per Psd. 0.880.92Mk.

Kalbfleisch per Psd. 8690 Psg.

Kuh-u.Rindst. per Psd. 8084 Psg.

Schwcincflclsch per Psd. 7090 Psg.

Hammelfleisch per Psd. 7096 Psg.

Kartoffeln v. Zir. 4.50 5.00 Mk

Gelbe Rübchen Kohlrabi Römischkohl Gurken Gnrken, kleine Wcissftant Kopfsalat

Pack 5-6 Psg. Stck. 56 Pig. Päkchcn 58 Psg. Stck. 1020 Psg. Stück 3-5 Psg. p. Hanvt 1020 Psg. vcr Kopf 25 Psg.

Aepfet per Pfund 0000 Psg. Birnen Pfund 2025 Psg.

Pflaumen Punfd 1525 Psg,

Mirabellen Psimd 2025 Psg.

Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Giessen.

Verlaa von Krumm & Cie., Giessen.

Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, E. m. b. H., Osfenbach a. M.

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tuiitbc im Csife Kbel errichtet imb ist von heul® eröffnet. Die Abgabe eines kräftigen Mittagessens an bedürftige Familicu-Augchöligc der Kricgs- tcilnclrnier geschieht kostenlos, täglich mittags non 12 bis 2 Uhr. Anmcldnttgcn müssen rin gleichen Lokal am Abend Norher zwischen 6 und 8 Uhr erfolgen, und werden Marken abgegeben, die zum Empfang je einer Portion berechtigen. Teller und Löffel sind mitznbringcn.

Gleichzeitig richten wir an die Bürgerschaft die herzliche Bitte, diese Wohltätigkcits- Anstatt dnrch Ucbcrscndang non Nahrnngsmitteln zu nntersttttzcn.

IV Hilfe ist dringend nötig!

Unsere grossen Vorräte in allen Rohmaterialien machen es uns möglich, unsere Fabrikate

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zu bisherigen Preisen und Bedingungen zu liefern. Wir erwarten daher auch von unseren Abnehmern, dass sie zu

den bekannten Preisen weiter verkaulen.

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zu verkehren, ist Pflicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den BesuchdesGewerkschaftsbauses un­terstützt der Arbeiter sein eig. Heim. Ia Speisen u, Getränke. Billig. Logis