Tcr Kaiser auf dem Kriegsschauplätze.
W. I?. Tcr deutsche Llniscr hat Sonntag früh um 8 Uhr Vcrlin in der Richtung nach Mainz verlassen.
Italiens sreund.che Gesinnung.
W. B. Mit Rücksicht auf nmlausende Gerüchte, daß Italien gegenüber Tcntschland und Oesterreich-Ungarn eine wenig freundliche Haltung ciunchmc, hat die italienische Regierung den Berliner Geschäftsträger beauftragt, diesen falsche» Gerüchten entgcgcuzutrctc». Tcr Geschäftsträger hat in Erfüllung dieses Auftrages das Auswärtige Amt ersucht, -bicsc Ausstreuungen für unbegründet z» erklären.
Hessen und Nachbargebiete.
und Umgebung.
Der ferue Klang.
Wir waren beieinander und teilten unser Brot, wir lachten initeinander und wühlen nichts vom Tod. Wir trugen alle Röte treulich in einem Schritt, — nun blies wohl die Trompete, und er, er muhte niit.
Laht, Kinder, laßt das Fragen. 2ch weih nicht, wo er ist.
Es klirrt in diesen Tagen ein weltenweiter Zwist.
Ee glüht in allen Augen von Zorn und Schmerz ein Brand, und blut'ge Tränen saugen sich heih in alles Land.
Und ich muh immer lauschen aus seinen alten Schritt, und hör' doch nur ein Rauschen: Auch er, auch er muht' mit.
Hör' nur den sturmverwehten Klang, der wie ein Hilsrus gellt — als bliesen die Trompeten in aller, aller Welt.
— Regnerischer Sonntag. Das prächtige Sommerwctter "der letzten zwei Wochen schlug ausgerechnet am gestrigen Sonntag nachmittag in Rcgcnwetter um, wodurch denjenigen, die zu jetziger Zeit noch einen Sonntagsausflug zu machen in der Lage sind, das Vergnügen vereitelt wurde. Im übrigen schadet ein wenig Regen nicht; Garten- und Feldfrüchte können ihn wohl brauchen. Längeres Regenwetter würde aber die Erntearbeiten ganz erheblich beeinträchtigen. Hoffentlich kommen recht bald bessere Tage, auch in politischer Hinsicht, damit sich die Menschheit noch der Sonne freuen kann, die unverdrossen ihre Wänne in gleicher Menge über alle ausstrahltI
— Rechnungen bezahlen! Diese Mahnung richtet sich 'besonders an die Reicheren und Wohlhabenden. Und namentlich sollten den kleinen Handwerkern und Kaufleuten die fälligen Rechnungen bezahlt werden. Der Krieg schlägt den: tzanzen Erwerbsleben schwere Wunden. Das Heer der Arbeitslosen wächst mit jedem Tage, tausende kleiner Gewerbetreibender sind mit ihren Arbeitern einbcrusen, die Geschäfte ^geschlossen, die übrig gebliebenen haben nichts zu tun, die Bestellungen bleiben ans, Rohmaterialien sind fast nur noch gegen Barzahlung zu haben; da die meisten Gewerbe- treibenden über keine Barmittel verfügen, können sie selbst Lbtc wenigen Bestellungen nicht aussühren. Würden die fälligen Rechnungen bezahlt, dann könnte sich mancher kleine Gewerbetreibende in der schweren Zeit über Wasser halten. Es gibt zahlreiche Handwerker, die schon seit Tagen herum- ckaufen, um Rechnungen, die schon seit Monaten fällig sind, scinzukassieren. In den meisten Füllen werden sie mit harten Worten abgewiesen, selbst von Leuten, die schwerreich sind, oder es wird Nachlaß verlangt. Sollen die kleinen Gewerbetreibenden nicht gezwungen werden, ihre Arbeiter zu ent- lassen, dann ist cs nötig, daß die Zahlungsfähigen ihre Rechnungen begleichen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen.
— Tie Heeresftärten des Weltkrieges. Tic abenteuerlichsten Anschauungen bestehen in der Bevölkerung über die Stärke der Heer«, die jetzt in blutigem Ringen gegeneinander stehen. Erst heute tonnten wir höre», dass allen Ernstes die Stärke des mobilen dcu!- ,scheu Heeres auf 16 Millionen Mann angegeben wurde, Bestimmte Angaben über die Stärke der einzelnen Heere lassen sich nicht machen, immerhin ist eine Schätzung möglich. General der Infanterie von Blum«, im deutsch-französischen Kriege von 1870/71 GcneralstabSchef des damaligen deutschen Kronprinzen, hielt im März vorigen lIahrcs einen Vortrag über »die Wehrkraft TcutschlandS im Vergleich mit der der anderen europäischen Grostmächtc". Seine Unter- fuchungen ergaben folgendes Resultat: Tie Gesamtzahl der verfügbaren Ausgcbildetcn, das heisst ohne diejenigen, die erst nach der Mobilisierung als Rekruten. Ersatzrescrvisten, Freiwillig«, Land- flnrmlcutc »sw. eine militärische Ausbildung erhalten, wird für den Zwcibnnd sRnssland und Frankreichs aus 12 Millionen gegenüber X)'A Millionen des Dreibundes fTeutschland, Oesterreich und
Italien) festgestcllt. Das Verhältnis hat sich durch di« letzte grosse Hccresvorlagc zugunsten Deutschlands verschoben, ivährend Frankreich durch die Einführung der dreijährigen Dienstzeit keine Vermehrung seiner Gesamtkricgszahl erfahren hat. Dir Hcercsstärkc, die England für einen Kontincntalkrieg seinen Verbündeten zur Seite stellen könnte, wird vom General v. Blum« auf nur 80 000 bis 100 000 Mann berechnet. Deutschland wird 5—G Millionen auf die Beine bringen können, wenn cs nötig erscheint. Alles in allem kann man wohl annchmen, hass in diesen Tagen des Weltkrieges in den kriegssiibrenden Staaten sowie in den Ländern Europas, di« zum Schube ihrer Neutralität ganz oder teilweise mobilisiert haben, 28—30 Millionen Menschen unter Waffen stehen. In welchem Masse dadurch die Kulturarbeit unterbunden, das Wirtschaftsleben gestört und das Familien- und Gcsellschaftslcben erschüttert wird, lässt sich heute gar nicht übersehen.
— Sozialdemokratische Reschstagsabgeordnetc als Kriegsteilnehmer. Von der sozialdemokratischen Rcrchstagsfraktion sind bisher 26 Mitglieder zu den Fahnen gerufen. Eine Anzahl Fraktions- Mitglieder tut freiwillig Dienst in der Kricgsabteilung des Rcichs- amtes des Innern. — Gestern wurde n der Frankfurter Zeitung berichtet, dass Genosse L. F ra n k- Mannheim sich freiwillig gemeldet hätte. Frank ist 40 Jahre alt und hat aktiv gedient. Wir halten es nicht für wahrscheinlich, dass er sich bei seiner vlelselttgen Beschäftigung freiwillig gemeldet haben sollte.
— Das Schwurgericht der Provinz Obcrhesicn tritt Montag, 28, September, vormittags 9M> Uhr, zur Sitzungsperiode des 3. Vierteljahrs 1014 unter dem Vorsitze von Landgerichtsrat Renen- hagen zusammen.
— „Die Einwohnerschaft sängt an, verrückt zu werden". Unter
dieser Ueberschrift lesen wir im Vorwärts: Ich sitze in einer Wirtschaft beim Mittagessen. Da kommt ein älterer Herr herein und verkündet: »Soeben sind aus dem Schlesischen Bahnhof 00 000
Oesterrcicher dnrchgcfahren — nach Frankreich!" Ich lache laut aus. „Haben Die deim keinen Sinn für die Bundcstreue unserer österreichischen Brüder", werde ich ongcfahrcn. „Warum, Herr, warum sollen denn die Oesterrcicher in dieser ernsten Zeit den Weg nach Frankreich über Berlin nehmen?" frage ich ruhig. „Na, mit Ihne» scheint es nicht ganz koscher zu sein!? Am besten wärs, man licsse Sie fcststellcn!" war die Antwort. Ich sage gar nichts mehr und esse mein« Erbsensuppe mit Speck weiter. Ein Kreis von Menschen bildete sich um meinen Tisch. Der Mann erzählt, er sei am Schlesischen Bahnhof gewesen und habe mit eigenen Augen gesehen, wie drei (!) Züge mit 90 000 (!) Ocsterreichern durchgefahren seien; ich hätte über die Bundesirene dieser Ocsterreichcr aelacht. Ans der Menge erschallt es: „Spion! Spion! Raus mit ihm!" Ich glaube, sie meinen den Mann, der diese militärische Nachricht verbreitet. Aber nein, sic meinen m i ch. Und wahrlich, es kam so weit: ich mutzte dem Blödsinn weichen und das Lokal verlassen.
y. Altcn-Buscck. Auf dem Lande ist die Dreschmaschine in voller Tätigkeit und mit dieser hastigen Arbeit mehren sich wieder die Unfälle im landwirtschaftlichen Betrieb. So geriet hier ein junger Mann beim Schieben eines Wagens zwischen diesen und einen Torpfosten. Ter Bedauernswerte erlitt ausser starken Verletzungen am Ellenbogen einen komplizierten Bruch des Unterarms.
— Altcnbuscck. Am Freitag wurden von hier zwei Wagen Nahrungsmittel, als Brot, Wurst, Schinken, Eier, sowie Limonade, Sclterswasicr und Wein nach Lollar gebracht, »m dort am Bahnhöfe an die durchreisenden Soldaten verteilt zu werden. Tie Gaben waren im Dorfe gesammelt worden und fast jeder hatte dazu bei- gestenert.
Kreis Wetzlar.
X Nikolaus, du bist ein Lump! Wie bereitis mitgedcilt, ist das ehrengerichtliche Verfahren gegen de» Genossen Tr. Liebknecht wegen Zarenbeleidigung „vorläufig" eingestellt worden- — ohne jedes Zutun der Sozialdemokratie.
Als vor einigen Wochen, noch kurz vor Schluss des preussischen Landtags von sozialbenrokratischer Seite di« Einstellung des Verfahrens beantragt worden war, wurde dieser Antrag fast einstimmig a b g e l e h n t.
Bei der Beratung der Angelegenheit sagte der Redner der sozialdemokratischen Fraktion, Genosse Hacnisch, u. „Ich möchte nun
betonen, dass Herl Dr. Licbkn>echt mit seiner Rebe damals Millionen des prentzischen und deutscheir Volkes aus der Seel« gesprochen
hat. . ." Der amtliche stenographische Bericht verzeichnet hier „Grosse Heitrrkleik rcchtS und Widerspruch". Und der konservative Abgeordnete .Herr v. Ditsurth regte sich gewaltig auf über d-c „gewerbsmässige Schmähung des Zaren" durch den Genossen Lieblne-Ht.
Dieselbe bürgerlichen Zeitungen, die damals Bcisall klatschten und den «ntimonarchischon Liebknecht und seine Partei anbelften, bringen jetzt zur allgemeinen patriotischen Erlmüung folgende Sol, datenvers« über den russischen Zaren:
Zar in deinem Lande,
Ist es eine Affenschande.
Wir kommen euch zu kultivieren Und recht gründlich zu desinfizieren.
Ein anderer Soldat schrieb folgende Wahrheiten an:
Nikolaus, du bist ein .....
Lebst vom Wovtbruch und vom Pump,
Wir schießen mit blauen Bohnen Und werden keine Rnffeir schonen.
Heute sind alle gewerbsmässigen Schmähungen des Zaren beliebt und kein OrdnnngSblatt, das auf Ansehen lyäit, verschließt diesen A»würfen auf den bisherigen Abgott der p r e n ß i f ch e n I u n k e r seine Spalten.
Von Nah rmd Fern.
X Einbruch im Leipziger Gewerkschastshaus. Das Berliner
Tageblatt meldet: In dem grossen Leipziger GewerkschastShans
wurde am Dienstag Nacht ein schwerer Einbruch verübt. Sämtliche Pulte und Schränke wurden gewaltsam erbrochen und ihres Inhaltes beraubt.
Bekanntmachung
Mit Bczngnahine ans den Airfritf des Landsturms warn« ich die »»ansgcbildcten Landsturmpflich-tigcn voreilig ihre Stellung oder ihren Beruf anszugeben. Alle Arbeitgeber ersuche ich dringend, diesen Leuten wegen Verbleibens in ihren Stellungen oder beim Suchen neue? Stellungen keine uni,öligen Schwierigkeit«« zu machen, weil diese Leute, di« sich nach Ziffer 5c des Aufrufs zunächst nur zur Stammrolle zu melde» hatten, voraussichtlich nicht oder nur zu einem ganz geringen Teil zurAushebung kommen werden. Ziffer I des Landstnrmausrufes besagt ja auch bereits ausdrücklich, dass zunächst nur militärisch ansgebildete Lanbstnrmpflichtige zur Einstellung kommen werden: auch von diesen wird voraussichtlich zunächst nur ein geringer Teil zur Einstellung gelangen.
Frankfurt a. M., 14. August 1014.
Der kommandierende General.
_Freiherr von Gall, General der Infanterie.
Nene Kartoffeln p. Pfb. 6—7 Psg. Zwiebeln vcr Pfund 15—18 Psg. Blumenkohl vcr Stck. 25—50 Psg. Grüne Erbsen p. Psd. 15—18 Psg.
Grüne Bohnen p. Psd 15—20 Psg.
Wochrnrnarktpreike in Gietzcn
am 15. August 1914 Butter per Psd. 1.05-1.15 Mk.
Milch Liter 22 Psg.
Hühnereier Stuck.9—10 Psg
Gänseeier Stück — Psg.
Käst Stuck 6—8 Psg.
Kasematte 2 Stück 5—6 Psg.
Tauben per Paar 0.80—1.20 Mk.
Hühner per Stück 1.20—1.80 Alk.
Hähne ver Stück 1.50—2.50 Mk.
Gänse per Pfund 0.00—0 00 Psg.
Enten ver Stück 0.00- 0.00 Mk.
Ochscnffeisch per Psd. 0.88—0.92Mk.
Kalbfleisch per Psd. 86—90 Psg.
Kuh-u.Rindst. per Psd. 80—84 Psg.
Schwcincflclsch per Psd. 70—90 Psg.
Hammelfleisch per Psd. 70—96 Psg.
Kartoffeln v. Zir. 4.50 — 5.00 Mk
Gelbe Rübchen Kohlrabi Römischkohl Gurken Gnrken, kleine Wcissftant Kopfsalat
Pack 5-6 Psg. Stck. 5—6 Pig. Päkchcn 5—8 Psg. Stck. 10—20 Psg. Stück 3-5 Psg. p. Hanvt 10—20 Psg. vcr Kopf 2—5 Psg.
Aepfet per Pfund 00—00 Psg. Birnen Pfund 20—25 Psg.
Pflaumen Punfd 15—25 Psg,
Mirabellen Psimd 20 —25 Psg.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Giessen.
Verlaa von Krumm & Cie., Giessen.
Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, E. m. b. H., Osfenbach a. M.
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tuiitbc im Csife Kbel errichtet imb ist von heul® eröffnet. Die Abgabe eines kräftigen Mittagessens an bedürftige Familicu-Augchöligc der Kricgs- tcilnclrnier geschieht kostenlos, täglich mittags non 12 bis 2 Uhr. Anmcldnttgcn müssen rin gleichen Lokal am Abend Norher zwischen 6 und 8 Uhr erfolgen, und werden Marken abgegeben, die zum Empfang je einer Portion berechtigen. Teller und Löffel sind mitznbringcn.
Gleichzeitig richten wir an die Bürgerschaft die herzliche Bitte, diese Wohltätigkcits- Anstatt dnrch Ucbcrscndang non Nahrnngsmitteln zu nntersttttzcn.
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zu bisherigen Preisen und Bedingungen zu liefern. Wir erwarten daher auch von unseren Abnehmern, dass sie zu
den bekannten Preisen weiter verkaulen.
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zu verkehren, ist Pflicht eines jeden organisierten Arbeiters. Durch den BesuchdesGewerkschaftsbauses unterstützt der Arbeiter sein eig. Heim. Ia Speisen u, Getränke. Billig. Logis


