der Konfession und der politischen Stellung jederzeit Ver- Iwendung finden, Reichstagsgebäude besteht zu diesem Zweck »eine Auskunft^- und Meldestelle.
Erntrarbeitkn.
Nachdem der Reichskanzler mitgcteilt hat, daß bei der Acichszentrale für Arbeitsnachweise ein Uebcrangcbot von Arbeitskräften für Erntearbcitcn vorliegt, ließ der Kultusminister die Direktoren der höheren Lehranstalten anweisen, bis auf weiteres mit der Erteilung von Urlaub an Schüler Aur Beteiligung an den Erntearbcitcn z n r ü ck z u h a I t e n.
Ein 72jährigcr Trompeter.
Der 72jährlge Trompeter Voigt, der in den Kriegen von 1864, 3866 und 1870/71 30 Schlachten mitmacht«, ist aus seinen Wunsch zur Teilnahme an dem jetzigen Kriege zngc lassen und bei der ersten Ersatzbattcric des Feldartilleric- R c gtment s 45 in Bahrenseid eingestellt worden.
Der Krieg und die olympische» «picke.
Der Krieg bewirkt Wunder in der Erziehung zur Vcr- jnunft. Im Leipziger Tageblatt schreibt der Vorsitzende der Deutschen Turncrschaft, Dr. Goetz in Leipzig-Lindenau, über hie für 1916 geplanten olyinpischen Spiele:
„Den Olympischen Spielen 1916 haben die Zeitläufte den Todesstoß versetzt, sagen wir Gott sei Dank! Tenn daß das gewisse internationale Getue mit seinem Entgegenkommen und seiner scheinbaren Liebeswlirdigkeit «in Nichts bedeutet, sehen wir aus der Entpuppung der besonders die Sache pflegenden Staaten, Franzosen und Engländern zu unsere» offenen und dazu hinterlistigen Feinden, die nur das eine Ziel kennen, Deutschlands Wcltstellung zu vernichten! Solcher Gesellschaft gegenüber giebt es keinen auf- geputzten Wettkampf, sondern nur den Massenkamps um Leben oder Tod! Schier unbegreiflich ist cs, daß der Geschäftsführer für die olympischen Spiele, Herr Dicm, vor wenigen Tagen erklären konnte, daß zwar zunächst die Vorarbeiten ruhen müßten, daß aber in eineinhalb Jahren alles ausgeglichen sein werde. Hier gilt es, ein „N i e m a l s" zu rufen! Für die Hundert- tauscnde, die der Reichstag für die olympische» Spiele bewilligt hat, bringt die Schwere und Not der Zeit bessere Verwendung als für internationale Spielereien mit unseren Todfeinden! Das wäre eine schöne deutsche Ehre, heute im Kampf auf Leben und Tod mit den Feinden zu ftehen und in zwei Jahren, sie mit offenen Armen zu empfangen!
G o e tz/^
Wie ganz anders klang es doch, als u. a. auch die Sozialdemokratie die für die olympischen Spiele geforderten L00 000 Mk. ablchnte. Wie wies man gerade aus sie mit ,Fingern, die keinen Sinn für „nationale Ehre" und „natio- male Pflichten" habe. Und wie jubelte man, als dann das Zentrum umfiel und so dem Ausschuß für olyinpische Spiele die Mittel für die „Betätigung internationaler Höflichkeit", die „Ehre Deutschlands" und wie es sonst noch hieß, gewährte. Und nun? Man könnte die Worte des Tebbchen-Goetz, der sda von „solcher Gesellschaft" spricht, auch anderen Leuten ^gegenüber anwenden.
Finanzielle Maßnahmen.
1 Zur Verhinderung von Aufspeicherung von Gold- und tzilbcrmünzen beschloß die Vereinigung Berliner Banken, daß Bankiers bei der Hinterlegung verschlossener oder versiegelter Pakete zur Aufbewahrung oder Einlegung in Schrankfächer auf der vorherigen Vorzeigung des Inhaltes zu bestehen haben. — Enthält das Paket Hartgeld, besonders Bold, so wird die Annahme unterschiedslos verweigert.
Eine polnische Nationalrestiernng?
In Lemberg verlautet, daß sich in Warschau eine p o l - chischc Ratio nalrcgiernng gebildet hat.
Ein gelungener Streich der Ungarn.
WB. Das Ungarische Korrcspondenzburcau in Budapest meldet: Heute nacht setzte» 2 Detachements des 61. Infanterie-Regiments auf Kähnen llbcr die untere Donau und warfen sich auf die jenseits stehenden Vorposten der Serbe» Es entspann sich ein blutiges Handgemenge, bei dem die Serben 30 Tote und viele Verwundete, zurücklicßeu. Nachdem die Detachements, die sich fast durchweg aus Freiwilligen zusammcnsctzten, verschiedene Telcphondrnhte des Feindes zerschnitten un'd mit ziemlichen Erfolge Sprengungen von Brücke» „nd Stege» vorgenommc» hatte», kehrte» sic aus das ungarische User zurück.
In Russisch-Pole».
WB. Die Bahnstrecke Toonowitz-Eciistocha» ist wieder hergcstcllt. Zahlreiches rollendes Material und viele Kohlcnvorrätc wurden von den Deutsche» erbeutet. Auch die von Oesterreich »ach Rußland sührcndc Bahnbrücke bei Granica ist wicdcrhergcstcllt.
Russische Kulturtaten.
TU. Ans Warschau wird Lembergcr polnische» Blättern gemeldet, daß nicht n»r in einigen Städten, sondern allgemein in ganz Russisch-Pole» von den Russen die Gesängnisie qcössnct worden sind. Infolgedessen überschwemmen die gefährlichste,, Banditenführcr mit ihren Verbrcchcrbandc» das Land. Auch der Mördcrmönch Masoch von Ecnstochau befindet sich in Freiheit.
Des Zaren Köder für die Polen.
TU. Um die Polen zu ködern, hat der Gouverneur Bilinski von Warschau eine» Ansrus erlassen, worin er mittcllt, er sei vom Zaren ermächtigt, den Polen zu garantieren, daß sic »ach dem Friede» eine weitgehende Autonomie lSclüstrcgicrungs erhalten werden. Die polnische Bevölkerung nimmt aber das Versprechen mit größtem Mißtrauen aus.
Finnland am Vorabend der Revolution?
TU. Von Deutschen, die aus Finnland in Berlin cingetroffcn sind, wird berichtet, daß unter der finnischen Bevölkerung eine stark feindliche Stimmung gegen Rußland herrsche. I» der Hauptstadt Hclsingsors müsse» jede» Abc„d um 9 Uhr sämtliche Lichter, auch in den Häuser», gelöscht werden. Kein Mensch dars abcn'ds aus die Straßen. Die Arbeitslosigkeit ist allgemein.
Amtliche Warnung vor kriegsgcrüchten.
WB. Der deutsche Gencralquarliermeistcr v. Stein ließ der deutschen Presse soeben eine Warnung vor unbestätigten Kriegs- gcrsichten zugehcn. Darin heißt cs uuter andere,,,:
Es ist natürlich, daß unser Volk in diesen Tagen mit Spannung aus jedes Gerücht achtet, und daß durch Wcitcrtragnug sich diese Gerüchte vergrößern, mag cs sich um Erfolge oder Mißerfolge handeln. To laufen Gerüchte um, 'daß ganze Regimenter vernichtet worden seien. Z. B. das Gardc-du-Eorps-Regiment. Diese Gerüchte wurden zu einer Zeit verbreitet, als sich das Regiment »och auf dem Transporte befand und den Kriegsschauplatz »och gar nicht erreicht hatte. ISo mag cs sich auch mit den Gerüchten über die Mainzer 117er verhalten. Anincrk. der Red. des O. A.j
Aus der anderen Seite wurde» unmögliche Erfolge verbreitet, so die E i n » a h m c von B c l s o r t. Solche Gerüchte ^?aae» der Phantasie entsprungen sei», sic könne» aber auch sciiid- »cherseits verbreitet werden, um uns zu schaden. Denn auch ein vorgespjcgcltcr Erfolg, wie der Fall von Belfort, kann Unheil an- richtkn, wenn sich die erweckte Hoffnung später als trügerisch erweist.
®!il >">c niedrigen Mittel» unsere Gegner arbeiten, mag die Meldung beweist,, daß wir England eine Teilung der Niederlande zur beiderseitigen Bcr,: ös/:n::g a,«geboten hätten, um Englands Neutralität z» erkaufen
Das Volk solle nur solche Nachrichten über Krlcgscreignissc glauben, die vom Generalstab veröffentlicht worden sind. Wenn cs Zeit ist, wird alles bekannt gegeben werden, aber nur so, daß wir Hann nichts mehr zurückzunchmen, sondern nur manches erweiternd hinzuzusügcn haben.
Wir halte» das Versprechen, keinen Mißerfolg z» verschweigen und keinen Erfolg zu vergrößern.
Hessen und Nachbargebiete.
viesz,,» tt»»d Umgeb«»g.
Wie nötig die Zeitung ist!
Noch niemals dürften ivohl die Zeitungen mit größerem Interesse verlangt »nd gelesen worden sein, als in der gegen- wartigen Zeit. Ter Lesestoff der Presse wird förmlich ver- schlnngcn.
Das trifft besonders auch ans die Arbeiterfamilien ZN. Kein Wunder. Ihre Männer, ihre Söhne und ihre Brüder sind es, die in Masse »nd in erster Linie den schweren Kriegsdienst verrichten müssen. Ta muß man wissen, was draußen vorgcht. In den kommenden Wochen und Monaten wird sich dieses Interesse noch mehr steigern. Die Zeitung ist die direkte Vermittlerin zwischen Heim und Außenwelt.
Genossen und Genossinnen! Die Zeitung, die für euch in Frage kommt, ist die Obcrhess. Volkszeitnng. Das Blatt, das sich von allen nationalistischen Ilcbcrsticgcnhciten ebenso fern hält wie von den Schwindeleien nnd Aufschneidereien, mit denen in dieser Zeit das Publikum durch einen Teil der bürgerlichen Presse leider bedacht wird. Gerade in der jetzigen Zeit ist Objektivität im Interesse der Sache nötiger denn je! Die sozialdemokratische Presse wird diesem Grundsätze treu bleiben. Sie muß lesen, wer die Wahrheit licbt„
Arbeiter und Arbeiterinnen! Es ist richtig, daß jetzt das Geld in vielen Familien knapp wird und daß es n»r für das Nötigste ausgegcben werden kann. Eure Zeitung gehör» aber zu diesem Nötigsten! Wer das Abonnement nun durchaus nicht mehr zu zahlen vermag, der kann sich mit einem anderen in gleicher Lage befindlichen Leser znsammcntnn und gemeinschaftlich abonnieren. Tast unser Blatt aber gerade jetzt möglichst weite Verbreitung finde, lieg! nicht zuletzt im Interesse der Arbeiterklasse.
Also: abonniert, lest und verbreitet das Blatt!
Auf Wiedersehen!
Die Haiipttnobtlmachiingstage sind nun vorüber, und bald werben auch die letzten unserer Genossen nnd Brüder im Waffen- rocke uns verlassen haben. Immer ruhiger wird «s in den Straßen der Stadt. „Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen!" — dieser in den letzten Tagen so oft gehörte AbschlcdSgniß wird immer seltener und .der Gesang ist fast ganz vcrsttimmt. Auch bas Toben fanalisierter Schreier und verängstigter oder radaninstiger Spionenriccher ist glücklicherweise vorüber. Bei den zurückgebliebenen Männern, bei den Frauen nnd Mädchen liegt ein starrer Ausdruck in den Mienen, liegt die Erwartung des ungeheuer drohenden Schicksals, bas mit ehernen Schritten näher und näher rückt. Ob unsere Männer, unsere Väter, unsere Söhne, unsere Genossen — ob alle die Menschen, mit denen uns Bande des Blutes oder der gleichen Ziele vereinten, wieder znrückkehren werden, wenn der Frieden kommen iGrd? Wer weiß es?
Genossen, Freund«! Wir wollen uns nicht schämen, wenn in dieser schweren Zeit auch unsere dingen „nscrn Schmerz verraten, aber nimmermehr soll die große Stunde »ns schwach finden. Das Bewußtsein von der Notwendigkeit, baß wir siegen müssen, der Willen zum Stege »nd die groß« Not der Gegenwart wird «in Band sein, das »ns nur fester Zusammenhalt: uns alle, die hinauSgczogen zu Kampf und Tod, und die Zurückgebliebenen in Trauer und Schmerz — uns alle, Männer und Frauen.
Die Genossen, die hinausgezogen ins Feld, haben den Trost mitgenommen, daß die Zurückgebliebenen den Schatz, den wir zusammen in jahrzehntelangem Kampfe errnngen haben: die Einigkeit, die Solidarität d§r Arbeiterklasse, in treue Hut nehmen werden.
Ja, das wird geschehen. Und in dieser Gewißheit allen Klassengenossen ein frohes Wiedersehen!
Ein Vorschlag.
Ter Krieg lastet schon schwer auf dem Wirtschaftsleben. Hundert- taiiscndc Ernährer von Familien sind ins Feld gerückt. Hunderttausende der Zurückgebliebenen werden arbeitslos oder arbeiten in verkürzter Arbeitszeit zu geringen, Lohn. Hart getroffen ist auch der ganze gewerbliche Mittelstand — von der Nahrungsinittelbranchc abgesehen —, Handwerker, kleine nnd mittlere Fabrikanten und die Angehörige» der freien Benife.
Eine Gruppe kan» ohne Sorge um Unterhalt und Ernährung der Zukunft cntgegcnsehcn. Dos sind die desserbezahlten StaatS- und Gemeindcbcamten. Sie sind es, die in Friedenszeiten so oft mehr oder weniger laut ihren Patriotismus bekunden.
Wie wäre es, wenn sie nunmehr zur Tat übergingen und, etwa dem Beispiele der viel schlechter gestellten Gewcrfschaftsbcamten bei Streiks und Aussperrungen folgend, einen Teil ihres Gehalts, vielleicht soweit er 350 Mark im Monat übersteigt, auf deni Altar deS Vaterlandes nlederlegte».
Tie Angestellten der sozialdemokratischen Partei, der sozialdemokratischen Pressc nnd der Gewerkschaften verzichten noch allgemeiner Uebereinkunft auf % bis Vs ihrer Gehälter, sc nach deren Höhe. Mögen dem die wesentlich besser besoldeten Staats- »nd Gcmeindcbcamten folgen. Der Dank der Allgemeinheit wäre den Opferwilligen gewiß.
Sorgt für die Kinder!
In der gegenwärtigen Zeit, wo Tausende und Abertausende von Familien ihres bisherigen Ernährers beraubt sind, werden die Frauen in einem gewaltig größeren Umfange als in Friedenszeiten gezwungen sein, sich Erwcrbs- guellen zu suchen. Und unter den Frauen wieder zuerst die Mütter. Sie haben die Verantwortung für ihre Kinder. Sie müssen für mehrere Personen Brot schaffen. Aber gerade den Mütter» ist die Uebcrnahmc von Arbeit, die nicht im Hanse erledigt werden kann, sehr erschwert. Wo sollen die Kinder bleiben? In vielen Fällen wird cs nicht gehen, sie der Obhut freundlicher Nachbarn anzuvertraucn. Die sind meist in derselben Notlage, nnd höchstens wo eine alternde Verwandte in der Familie ist, wird die Mutter die Kinder versorgt wissen.
Es scheint uns nun die allcrdringcndste Pflicht der freiwilligen Hilfsarbeit, für die Kinder der arbeitenden und arbeitsuchenden Frauen der durch den Krieg betroffenen Familien zu sorgen. Hier muß die Hilfe zuerst organisiert werden, und zwar sollten möglichst die Gemeinden ihr Teil dazu beitragen. Die Stadtverwaltung muß ersucht
werden, geeignete Räume, die leer stehen, für diefe Zwecke zur Verfügung zu stellen. Schulen, Schulhöfe, auf den die Kinder im Freien spielen können, Dcrsammlungssäle, leerstehende Wohnungen würden sich eignen. Lehrerinnen und andere Frauen, die über ihre Zeit verfügen können, stellen sicher ihre Kräfte in den Dienst dieser wichtigen Aufgabe. Auch große Restaurationsgärten, wie der des Gck- lvcrkschaftshauses, die Turn- nnd Spielplätze der Turnvereine könnten für solche Zwecke verwendet werden. Alle diese Anstalten müßten sehr frühzeitig geöffnet werden, damit die Mütter vor der Arbeit die Kinder selbst hinbringen können.
Am schwierigsten wird cs sein, für ganz kleine Kinder Unterkunft nnd Versorgung zu schaffen, aber auch diese Schwierigkeiten müssen überwunden werden, und zwar in größter Eile.
Selbstverständlich müssen die Kommunen ersucht werden, für diese Kinder Frühstück nnd Mittagessen mög- liehst unentgeltlich zu gewähren. Werden Schulhäuser für diese Zwecke geöffnet, so ließe sich vielleicht da, wo Schulküchen nicht vorhanden sind, in der Wohnung des Schnldicners von älteren Mädchen unter Aufsicht nnd mit Hilfe von Frauen znni mindesten eine nahrhafte Suppe für die Kinder Herstellen. Löffel und Eßnapf oder Teller könnten von den Kindern mitgcbracht werden.
Wir sind überzeugt, daß anf diese Weise diel Elend verhütet, viele Kinder vor Hunger nnd Verwildern bewahrt würden. Die Organisation dieser Hilfsarbcit wird gewiß nicht leicht sein, aber sie ist dringend notwendig und wie wir erfahren, hier in Offcnbach von den vereinigten proletarischen nnd bürgerlichen Frauen bereits in die Wege geleitet. Auf den Arbeitsnachweisen könnten dann die arbeitsuchenden Mütter anf die Unterkunftsstcllen für Kinder aufmerksam gemacht werden, sobald sie eingerichtet sind. Hier ließe sich auch am leichtesten seststcllen, wie groß der Bedarf ist.
Es wäre wünschenswert, daß überall, wo bereits ähnliche Arbeit in Angriff genommen ist, Mitteilungen über Ausdehnung »nd über die in der Praris gewonnenen Erfahrungen gemacht würden. Sic könnten die Arbeit anderer wesentlich erleichtern, Fehler könnten vermieden werden.
So erfahren wir z. B. von Mannhciin über die Errichtung solcher Kriegs-Kinderhorte folgendes. Tort werden anfangs dieser Woche für die Zeit des Krieges sechs Kinderhorte in städtischen Schulen eröffnet, in denen Kinder, sowohl Knaben lvie Mädchen, vom 2.—10. Lebensjahr tagsüber Aufnahme nnd Speisung finden. Es lvcrdcn nur Kinder ausgenommen, deren Väter im Felde nnd deren Mütter tagsüber auf Arbeit sind. Tie Kinder können — wenn nötig — schon von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends im Hort verweilen. Die Kinder zahlen für Aufenthalt und Beköstigung 20 Pfg. pro Tag. Gesuche um unentgeltliche Aufnahme können bei der Anmeldung vorgebracht werden.
Es werden sich ja wohl auch noch andere, bessere Organs- sationsformcn finden lassen, vor allein aber muß die Arbeit rasch cinsctzen. Sie ist eine der dringendsten Pflichten, die von der freiwilligen Hilfstätigkeit übernommen werden müssen.
Vom Landsturm.
Vielfach ist di« Meinung verbreitet, daß der? Aufgebot des Landsturmes schon dessen Einberufung bedeutet. Dies ist jedoch nicht der Fall, vielmehr werden die dem Landsturm angehörende» Personen durch das Aufgebot lediglich einer militärischen Kontrolle unterworfen. Die nicht anSgebtldeten Landsturmmänner werden nach dem Aufgebot gemustert, wie die Übrigen Militärpflichtigen in Friedenszeiten, und bei dieser Musterung sind auch, daraus sei bei dieser Gelegenheit hingewiesen, etwaige Anträge auf Unabkömmlichkeit anzudringen, llber ivclche dann die Musterungskommission entscheidet. Die bereits auSgcbildcten Landwehrmänner iverden nicht mehr gemustert, sondern direkt in Konlrollver.zcichnisse des Bczirkskommandos eingetragen. Bei dieser Gelegenheit sind dann für diese die Anträge auf Befreiung anzubringcii. Die Einl»erufung der Landsturmmänner erfolgt nach Bedarf jahrgangSweise.
?1ei der Gelegcnhelt sei über die Organtsatton des Nandstnrmes noch einmal folgendes mitgcteilt: Im Deutschen Reiche besteht nach dem Gesetz vom li. Februar 1888 der Landsturm aus allen Wehr- pillchttgen vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 45. Lebensjahre, die weder dem Heere noch der Marine angehvren. Di« Auffassung, daß der Landsturm bis zum 50. Lebensjahre cinberufen wird, itffft also nicht zu. Alles, was über 45 Jahre alt ist, kann sich höchstens freiwillig stellen. Der Landsturm wird in zwei Aufgebote eingekeilt. Zum Landsturm 1. Aufgebots gehören die Landsttirmpflichtigen bis znm 31. März desjontge» Kalenderjahres, in dem sic ihr 39. Lebensjahr vollenden: von da ab bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres zum 2. Aufgebot. Der Aufruf erfolgt nach Jahrgängen in der Regel durch kaiserliche Verordnung. Ans den onfgerufeiien Jahrgängen werden die a n s g c b i l d e t c n Landsturmpffichttgen, d. h. die Leute, ivclche tat Heere oder der Marine gedient hatten nnd bei Vollendung des 39. Lebensjahres ans dem 2. Aufgebot der Landwehr oder S«° wehr znm Landsturm 2. Aufgebots tibergetrcten sind, uiimtlteldar zum aktiven Dienst einberufen. Tic u n au Sg e b i l b eten Land- sturmpflichtigen sind dagegen vor der Einderiifung zum aktiven Dienst der Musterung und Aushebung unter,vorfcn, zu welchem Zweck sie sich nach Erlaß des Aufrufs bei der Ortsbehörde zur Eintragung in die L a n b st u r m r o l l e anznmelden haben. Die Ansgernfcnei» sind den Milttärstrafgesttzen und der DiSziplinarftraforditting unterworfen. Im Friede» finden weder Kontrolle noch Hebungen der auSgebildeicn und iliiansgebildeten Landsturmpslichttgen statt. Der Landsturm ist in einer für seine militärische Verwendung geeigneten Art zu bewaffnen, auSzirriisten nnd zu bekleiden. — In Preußen wurde der Landstnrn, durch Kabincttsbcfchl 17. März 1813 errichtet Das Gesetz vom 3. September 1814 bezeichnet den Landsturm zuerst als Teil der Wehrmacht. Ter Norddeutsche Bund fetzte tat Gesetz vom 9. November 1867 die Grenze der Landstarmpflicht von, vollendeten 50. anf das vollendete 42. Jahr herab. In Oesterreich- Ungarn zerfällt der Landsturm nach dem Gesetz von 1886 ebenfalls in zivel Aufgebote, deren erstes d!c Mamifchaft vom 19. bl? 38. Lebensjahre umfaßt, während das zweite aus den 38—42 Jahre alten Mannschaften besteht.
Tic Nolkssürsorgc in Kricgszcitc». Ein großer Teil braver Mitarbeiter ist zu den Fahnen cinberufen worden. Aufgabe der zurückbleibendcn Freunde muß e8 nun fein, dis Organisation der Dolksfürsorgc anfrerbtziierhalten. Von ihnen ist das Inkasso in üblicher Weise pünktlich weiterzn» fllhren. Tic Prämienwerte der ins Feld ziehenden Versicherten, die nicht cingelöst werden, sind bis zun» Schlüsse dieses Monats mit entsprechendem Vermerk versehen an die Obleute resp. die Rechnnngsstellc cinznscnden. Natürlich bleiben die erworbenen Rechte der Versicherten entsvrechend den Versüße- rnngsbedingnngcn unangetastet. Wenn einige Beruhigung e:»getreten ist. kann auch die Werbearbeit wieder kräftig ein-


