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die reichen Grundbesitzer und Viehzüchter, die alteingesessenen Familien entstammten, sich aber weder durch Bildung noch durch Höflichkeit auszeichneten, einen mächtigen Einfluß ge­wannen und ihn rücksichtslos ausübten. Lin starker Klassen- und Geltungsdünkel bildete sich daher bei diesen Leuten aus, der sich bei vielen bis zum protzentum verstieg.

wer keine „hemiehl" (hämmel) hatte und nicht „acht von häi" <hier> war, galt in ihren Bugen nichts und ge­hörte zum „hergelaufenen „verlzeug" (vettelzeug). Ihr Wahlspruch „Naich (reich) bei Naich" und „Verl (Vettel) bei Verl" kennzeichnete ihre Gesinnung zur Genüge. Im volks­mund nannte man sie die „hemiehlsherren" (hämmels- hcrrn). Jetzt ist die Zeit längst über sie hinweggeschritten, und sie leben kaum noch in der Erinnerung.

(Fortsetzung folgt.)

Lin pfälzischer Musikant.

Lrzählung von Heinrich vechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Allmählich schwand die schöne Jahreszeit dahin, der Helle Himmel überdeckte sich mit Nebelwolken, die grüne Farbe der wiesen ging in das Gelbe über, und von den Linden und Pappeln, die an den Kanälen standen, fiel das Laub herab. Die vadeorte am Strande waren jetzt verödet, auch in Amsterdam gab es wenig Verdienst, da mietete ich mich mit meiner Kapelle im Oktober in Haarlem ein, wo ich in diesem Sommer noch nicht gespielt hatte und wo auch seit langer Zeit keine pfälzische Kapelle mehr gewesen war. Ich machte leidlich gute Geschäfte und hatte die Absicht, erst im November nach Hause zu reisen.

Eines Tages spielten wir am Ufer eines Kanals. Alles was mich dort umgab, ist mir heute noch so lebendig, als wenn nicht 28 Fahre, sondern 28 Tage inzwischen ver­gangen seien. Ueber den Kanal führte eine Drehbrücke. Ein Mann, der ein rotes Halstuch umgeschlungen hatte und kleine, gelbe Ohrringe trug, stand dort und spuckte mit der Gelassenheit, wie man sie nur bei Holländern findet, in das träg fließende Wasser. Im Kanal lagen Kähne, die mit Segeln versehen waren, Kisten und Körbe waren auf ihnen verladen. Kinder klapperten mit holzschuhen vorüber, wir spielten den Schunkelwalzer, der damals durch ganz Deutsch­land ging und überall als Gassenhauer gesungen wurde, von den Deutschen hatten die Holländer gelernt, sich nach dem Takte dieses Tanzes zu bewegen, wenn wir dieses Musikstück irgendwo in einem Lokale spielten, so sprangen die dicksten Mynheers und die ältesten Mevrouws (Frauen) auf, faßten sich unter den Armen und schaukelten hin und her. Daß die jüngeren Herren und die Mejuffrouws (Fräu­lein) das taten, ist selbstverständlich. Er gab unter den sonst so phlegmatischen Niederländern sogar Leute, die auf die Tische sprangen und, auf Tassen und Gläser nicht achtend, den Schunkelwalzer tanzten. Mir selbst war das schon lange unleidlich gewesen, aber was konnte ich machen, der Tanz wurde überall verlangt.

während wir also dort am Kanäle spielten, kam einer meiner beiden jungen Musikanten, den ich, um einige Noten zu holen, in unser Gasthaus geschickt hatte, zurück und brachte mir einen vrief mit. Ich sah sofort, daß er von Lina war und freute mich über den Gruß aus der Heimat. Nber ich öffnete ihn nicht sofort, sondern spielte noch einige Straßen hindurch mit meinen Leuten. Endlich, als wir an die „Groote Kcrk", die Hauptkirche von Haarlem, gekommen waren, sonderte ich mich von meinen Musikanten ab und trat in das

offen stehende Gotteshaus, um meinen vrief in aller Ruhe lesen zu können. Ich sah hinein in die weite Halle, sah die hohen Säulen aufragen, erblickte die weltberühmte Orgel und das Lesepult, das von einem aus Metall hergestellten Adler getragen wird, sah auf den Sitzplätzen nach hollän­discher kirchlicher Sitte die vibeln liegen und öffnete meinen vrief. Lina übermittelte mir gute Nachrichten. Die Feldarbeit sei jetzt beinahe zu Ende, meine Geldsendungen habe sie alle bekommen, aber nun solle ich mit meiner Heimkehr nicht bis zum November warten, sondern möglichst sofort heim­kommen. Die wiege, in der Lina und ihre Geschwister einst gelegen hätten, sei vom Schreiner neu aufpoliert worden und alle die kleinen Jäckchen und hemdchen seien längst fertig.

wie sprang ich bei dieser Nachricht auf: freudig bewegt und doch zugleich etwas von Sorge erfüllt, eilte ich hinaus auf den „Groote Markt". Meine Leute spielten gerade deutsche patriotische Lieder, da winkte ich ihnen mit meiner Trompete ab und rief: „Schluß, ihr Leute, nehmt eure In­strumente unter den Arm, wir reisen heute noch nach Hause."

Alle sahen mich verwundert an, da ich am Tage zuvor noch gesagt hatte, daß wir bis Ende November in Holland bleiben würden.

„was ist denn los, Meister?" fragte Tobias Wagen­schmidt.

„Das sag' ich euch unterwegs, wenn wir in der Eisen­bahn sitzen."

Ich mag bei dieser Mitteilung ein glückliches Gesicht gemacht Habens denn Gottfried Keiper hatte mit gewohnter Schlauheit den Grund unserer plötzlichen Nbreise erraten, er sagte: „Aha, ich weiß schon, in Fürfeld kommt ein junger Trompeter an, vielleicht ist es auch eine kleine Mejuffrouw."

Lachend drohte ich ihm mit dem Finger, dann gingen wir in unser Gasthaus. Ich bezahlte die noch unbeglichene Zeche, und eine Stunde später saßen wir schon im Zuge, der uns langsam — die Benutzung eines Schnellzuges war mir zu kostspielig über Utrecht, Arnheim, Kranenburg nach Kleve brachte.

Um übernächsten Tage waren wir in Kreuznach, und ich eilte, daß ich nach Münster am Stein kam, um von hier aus mit der Alsenzbahn die meinem Wohnorte zunächst ge­legene Station Hochstätten zu erreichen. Dort ließ ich mein Ge­päck zurück, um es mit der nächsten Fuhrgelegenheit nach Hause schaffen zu lassen, und eilte, daß ich nach Fürfeld kam.

(Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Es sei an dieser Stelle noch einmal darauf aufmerksani gemacht, daß die Gießener Pfarrer Gaben für einen zweiten hessischen Lazarettzug in Empfang nehmen.

Die Feier des weihnachtsfestes ist in dieser ernsten Zeit schön und würdig verlaufen. In allen Lazaretten wurden eindrucksvolle Weihnachtsfeiern, an die sich die Bescherung der verwundeten anschloß, abgehalten. Sehr viele Nerzte, Schwestern, freiwillige Pflegerinnen und Damen vom Noten Kreuz hatten sich dazu eingefunden. Die Ehorschulen und das vibelkränzchen konfirmierter Mädchen aus der Johannes­gemeinde trugen Lieder vor, in der alten Klinik erfreute Frau Landgerichtsrat Schudt die Nnwesenden dadurch, daß sie unter Begleitung eines Streichorchesters einige alte, innige Weih­nachtslieder sang. Bei allen diesen Feiern hielten die mit der Lazarettseelsorge betrauten Pfarrer Ansprachen. Die Gottes­dienste in den Kirchen waren überfüllt. Pfarrer vechtols-