Ausgabe 
31.12.1914
 
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Dem neuen Jahr!

Vas Ewige ist stille,

Laut die Dergänglidi&eit; Schweigend geht Gottes Wille Ueber den Erdenstreit,

w, «aabe.

Wen treibt es nicht, bei dieser Jahreswende zurückzu­blicken, ehe er es wagt, das Dunkel einer ungewissen Zu­kunft lichten zu wollen? Wer könnte sich dem Bewußtsein verschließen, daß diese Jahreswende den Uebergang bildet zu etwas ganz Neuem in jeder Beziehung, zu einer neuen Weltanschauung, zu einem neuen Empfinden und Denken, Darum müssen wir zurückschauen auf all das, was das ver­flossene Jahr brachte, was in seinen einzelnen Geschehnissen nur die Vorbereitung zu diesem ganz Neuen, so Gott will, Großen und Herrlichen war,

ITtit wie viel Entsagung, Blut und Tränen wurde die 5aat zu der großen Ernte gesäet, der wir warten; wir er­kennen daraus, daß die Ernte in der Hauptsache nur die idealen Güter des Lebens betreffen soll, daß nur etwas ganz ausnahmsweise Hohes, d, h. Geistiges und Göttliches, aus dieser 5aat erwachsen muß, um der großen Opfer wert zu sein. Wir müssen versuchen, den Ewigkeitswert all dieses Heldenmutes zu erfassen, der unsere Kämpfer da draußen beseelte, durch den sie die Grundmauern für einen Bau schu­fen, den viele von ihnen nicht mehr sehen werden. Der An- teil ihrer Nrbeit daran wird aber unvergänglich und un­vergessen sein! denn mit ihrem Herzblut haben sie die Oua- dern des Unterbaues gekittet, auf dem sich das Neue erheben soll, was gewiß viele von ihnen vorahnend geschaut haben. Wie dieser Bau sich gestalten wird, das wissen wir jetzt noch nicht, das aber wissen wir, daß es nur ein Gebäude sein kann, in welchem der allmächtige Gott aus- und eingeht, ein festgefügter Bau, der ein Wahrzeichen dafür ist, daß wir die Hilfe aus großer Not, die Hilfe des Herrn aller Heer­scharen erkannt haben, von dem wir nie mehr lassen wollen, mit einem Wort, wir wollen Thristen sein unserer Ueber- zeugung und unserem Bein nach. Dem Namen nach sind wir lange genug Thristen gewesen, und trieben damit dem Ab- grundezu.

E; bedurfte wohl dieser schweren, oft entsetzensvollen Prüfungszeit, die wir noch nicht überwunden haben, damit wir uns bewußt würden, wie weit ab wir von dem rechten Ehristenwege gegangen waren, und um uns klar zu machen, daß es nicht leicht ist, ein Thrist zu sein. Wir müssen kämpfen, ringen oft mit unsichtbaren INächten, die uns beirren und uns immer wieder die Welt und unsere Bequemlichkeit in Helles Licht stellen wollen, Ach nein, wir wollen nichts mehr davon in das neue Jahr hinüber nehmen, wir wollen den treuen Verteidigern unseres Heims, die da draußen ihren Gott fanden und sich vertiefen ließen durch all das Bchwere, worin sie Gottes Bprache erkannten, wir wollen ihnen zeigen, daß diese Zeit der Bpannung und der großen Borge nicht ohne tiefen dauernden Einfluß auf uns gewesen ist, daß wir innerlich gewachsen sind und daß unsere Helden bei ihrer Heim­kehr einen Widerhall ihrer Anschauungen und Empfindungen in unseren Herzen finden mögen!

Besonders wir Frauen, alte und junge, sollen, nun wir hoffen können, in absehbarer Zeit unsere braven Streiter zu­rückkehren zu sehen, uns durch treues, aufrichtiges Arbeiten an uns selbst darauf vorbereiten, Männer, Brüder, Freunde zu empfangen, die in der monatelangen Abwesenheit inner­lich vertieft wurden, und aus sich herausgewachsen sind, so daß all die kleinen Nichtigkeiten des Lebens sie nur kränken wür­

den, die Nichtigkeiten, denen Frauen oft solche Wichtigkeit beimcssen. Wir wollen mit ihnen gemeinsam wandern, eine; des anderen Btab und Bchild, und nie mehr den Ewigkeits­gedanken verlieren, der all unser Tun und Beden durch­dringen soll.

Eine hohe Mission ist uns damit beschieden, eine Mission, die unserem ganzen Volke von Nutzen sein wird, und keinen höheren Zweck kann unser Leben haben, als den, anderen nütz­lich zu sein? wir haben darin ein hehres Beispiel auch an unserer Marine, wie an unseren Landtruppen, freudig gingen alle in den Tod, sie opferten ihr Leben zum Wohle anderer, was kann es höheres geben?

Erfassen auch wir das Leben fortan in diesem Zinne, so können wir getrost dem entgegensehen, das das neue Jahr uns bringen wird,' denn Gott wird mit uns sein,

Baronin B,

Vas Leben in Giehen vor und während der Volks­bewegung in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

von h, hr.

(Fortsetzung.)

Dieser derbe Humor und die ursprüngliche Mundart sind mit der Zeit durch besseren Bchulunterricht und durch starke Zuwanderung allmählich verloren gegangen und jetzt ganz verschwunden,

3n dem kleinen Volksstück ,,§penglermeister Bimbächer", das um diese Zeit erschien, ist die Gießener Mundart in ihren verschiedenen Bbstufungen sehr richtig und gut wiedergegeben; darum wird das Werkchen für die Volkskunde einen bleiben­den Wert behalten.

Mit den Btudenten standen die Bürger stets auf gutem Fuße, Die Herren nahmen sich zwar den Philistern gegenüber zuweilen sehr viel heraus, sie wußten sich aber doch wieder bei ihnen beliebt zu machen, und manch recht derber Btudenten- streich wurde gern entschuldigt und belacht. Zu dem guten Einvernehmen zwischen Bürgern und Btudenten mag auch wohl der Umstand beigetragen haben, daß mancher Haus­besitzer durch das vermieten von Btudentenstuben eine ganz einträgliche Nebeneinnahme hatte. Das zeigte sich so recht beim Buszug der Btudenten nach dem Btaufenberg im Jahre 1846, Bls nämlich die ganze Btudentenschaft infolge eines Konfliktes mit der Universitätsbehörde dorthin gezogen war, sorgten ihr die Bürger für die notwendigen Lebensmittel und Getränke und schafften sie ohne Entgelt dorthin.

Ohne etwas Garten oder Ackerland konnte kein Fa­milienvater bestehen. Die zum Lebensunterhalt seiner Familie dienenden Nahrungsmittel mußte er selbst ziehen, da diese kaum zu kaufen waren, und die wenigsten Geschäfte soviel abwarfen, daß eine Familie vom Ertrag hätte leben können. Eine pünktliche Bestellung und die sorgsamste pflege des Gartens war daher die vornehmste Borge eines jeden, für Gbstkulturen war Sinn und Verständnis vorhanden, und jeder­mann suchte eine Ehre darin, die schönsten Erträgnisse auf­weisen zu können.

Der Betrieb von Ackerbau und Viehzucht bildete jedoch immerhin die hauptsächlichste Erwerbsquelle, darum stand dieser Beruf auch in Ehren und Ansehen bei der Bevölke­rung, Alle Maßnahmen im Gemeindewesen waren daher darauf gerichtet, diesen Btand zu stützen und seine Interessen zu fördern. Man übersah aber hierbei, dem Tmporkommen von Handel und Gewerbe kjilfe zu leisten und diesem zu dienen. Daraus entstand das sonderbare Verhältnis, daß