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der die Welt überwunden hat". Oie Gemeinden des Kirchspieles Kirchberg und der benachbarten preußischen Umgebung nahmen zahlreich an der Feier teil. Oer Kirchen- Ehor von Lollar unter Leitung von Lehrer Oaab gab durch seine Lieder dem Feste eine besondere Weihe. Tinen kurzen Ueberblick über den Stand der Missionsarbeit insbesondere der Erziehungsarbeit in unserem Dekanat gab der Unterzeichnete an ksand von Titus 2, Oers 4 bis 5. Oie Kollekte mit rund 80 Mk. wurde vom Kirchenvorstande zum größeren Teile dem Gberhessischen Verein für Innere Mission überwiesen.
Ueber die Unzahl der durch Pfarrämter des Dekanates untergebrachten Zwangs-Zöglinge und Pflegekinder wird bemerkt, daß vom l. Januar 1913 bis Ende Juli 1914 12 Kinder und Jugendliche in pflege gegeben wurden, welche uns sämtlich von der Rrmenverwaltung Gießen überwiesen wurden. vom Kreisamt Gießen haben wir gegenwärtig nur drei Zöglinge, vom Kreisamt Worms, Rlsfeld, Heppenheim, sowie vom Rmtsgericht Gffenbach je einen. Rutzerdem konnte auf Wunsch der Rrmenverwaltung Gießen eine ganze Unzahl von Säuglingen oder doch von Kindern im I. Lebensjahr vorübergehend in Familien unserer Oekanatsgemeinden untergebracht werden. Leiber wurden einzelne von ihnen von der Mutter schon sehr bald wieder weggenommen, was bei den pflcgeeltern meist zu Verdrießlichkeiten führte, weil sie sich auf eine dauernde Verpflegung solcher Kinder eingerichtet und zu diesem Zwecke schon höhere Uusgaben gemacht hatten.
Wie das Beispiel einiger Pfarrämter im Dekanat beweist, läßt sich die Unterbringung neuer Pfleglinge und Zöglinge immer noch ermöglichen, falls man es mit persönlicher Rücksprache und Fühlungnahme mit geeigneten Familien versucht.
Der Landesgeistliche für Innere Mission bat noch, ihn zu einem „I n n e r e n - M issions - 5 o nntag" in die Gemeinden zu laden. Im Gottesdienst übernimmt er die predigt, um am Übend oder am Nachmittag in einer Urt von Fami- lien-Ubend der Gemeinde Schilderungen von bestimmten Ur- beitsgebieten der Inneren Mission zu geben. So gut es uns gelungen ist, durch öftere Heranziehung von Missionaren in unseren Gemeinden Lust und Liebe zur Heidenmission zu wecken, so leicht werden wir imstande sein, mehr Verständnis für die Innere Mission zu erwecken, wenn wir die uns freudig angebotene und sachverständige Mitarbeit des vereinsgeistlichen benutzen.
7. Die Dekanatskrankenpflege im Fahre 19 13.
Um 1. Rugust 1913 schied Schwester Ida Bopp- Wahenborn aus dem Dienste des Dekanates aus, um in die Schwesternschaft des „Noten Kreuzes" zu Cassel einzutreten,' ihre Stelle wurde Schwester Johanna Len Hardt-Homburg v. d. h. übertragen. Nm 1. (Oktober 1913 gab Schwester M a r g a r e t e F a h n - Rödgen ihre Stelle auf und wurde durch Schwester Margarete Nmann-Gundernhausen erseht.
In Treis a. d. Lumda wurde die 7. Pflegestation errichtet und am 6. Npril 1913 mit Katharine Lölkes- Trcis, die in dem Elisabethenstift zu Darmstadt ihre Rus- bildung empfangen und sich der staatlichen Prüfung als „Krankenpflegeperson" mit Erfolg unterworfen hatte, besetzt.
Die Schwestern standen, wie seit Beginn der Pflege, allen Gemeinden des Dekanates zur Verfügung, auch solchen, in welchen eine eigene Gemeindeschwester tätig ist, z. B. in Epidemien und bei sonstigen Notfällen.
8. Der Gustav-Rdolf-Verein.
Unser hessischer hauptoerein steht unter den 44 hauptvereinen, die die (Organisation des Gustav-Ndolf-Vereins ausmachen, was die höhe der Gaben anlangt, an 10. Stelle. Er ist, nachdem er das Fahr vorher die 9. Stufe angenommen hatte, wieder um eins heruntergekommen, hoffen wir, daß er das nächste Mal wieder hinaufgekommen ist. Ihm sind 30 Zwcigvereine unterstellt, davon 10 in Starkenburg, 12 in (Oberhessen, 8 in Nheinhessen. Daneben haben wir 25 Frauenvereine.
Die Konfirmandengabe wurde in 16 Gemeinden eingesammelt, und es ist zu wünschen, daß sich weitere anschließen. Vas dieses Fahr für Ullendorf a. d. Lahn auf den 2. Rugust vorgesehene Zweigvereinsfest mußte wegen des Kriegsausbruchs aufgegeben werden. In Leihgestern predigten 1913 Professor Diehl aus Friedberg und pfarrassistent Strack aus Gustavsburg. Die Kollekte mit 133 Mk. wurde letzterem (Orte zugewiesen. Die Zahlen für die Hauskollekte ergaben für die einzelnen Gemeinden folgendes: Ullendorf a. d. Lahn >8.10, Ullendorf a. d. Lda. 50.- , Ultenbuseck 30.—, Trohe 5.50, Beuern 23,70, Gießen 378.80, Großen-Buseck 61.—, (Oppenrod 11.—, Großen-Linden 53.60, Klein-Linden 42.—, Hausen 14.05, Heuchelheim 52.—, Daubringen 19.10, Mainzlar 15.35, Ruttershausen 11.45, Staufenberg 17.45, Lollar 51.05, Lang-Göns 64. , Leihgestern 55.—, Reiskirchen 32.35, Burkhardsfelden 18.65, Rödgen 27.—, Unnerod 32. , Steinbach 37.55, Ulbach 12.50, Treis a. d. Lda. 47.30, Watzenborn-Steinberg 40.50, Garbenteich 17.35, Wieseck 45.—.
Sin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Kurz nach Neujahr kam ich eines Ubends gegen sechs Uhr bei schönem, klarem Frostwetter von Kreuznach zurück, wo ich Musikunterricht erteilt hatte. Lina stand mit freundlichem Gesicht am Hoftor, um nach mir auszuschauen, oben erwartete mich eine warme Stube; auf dem Plattofen, auf dem abends unser Essen bereitet wurde, kochten die Kartoffeln, und Lina sagte: „heute bekommst du etwas besonders Gutes, meine Base hat gestern geschlachtet und uns eine große Blutwurst geschickt.".
Rls ich meine bequemen Pantoffeln, die mir Lina gestickt hatte, angezogen hatte und wir vergnügt beim Rbend- essen saßen, kamen schwere Tritte die Treppe herauf, und ich hörte meinen Schwiegervater sagen: „Nur geradeaus, die Tür der Stiege gegenüber."
Ich öffnete die Wohnzimmertür und sah einen unter- setzten Mann vor mir stehen. Das heißt: er stand nicht richtig, sondern er torkelte unsicher hin und her, und widriger Branntweindunst ging von ihm aus. Sein Gesicht war aufgedunsen und blau, er hatte ein rotes, unsauberes Halstuch umgebunden, ein verwilderter Bart sproßte ihm um Kinn und Wangen.
„Guten Rbend, Peter!" sagte der Mann mit unsicherer Stimme, „ich rvollte doch einmal sehen, wie es dir geht, heute hatte ich Geschäfte hier in Fürfeld, und da dachte ich bei mir: du besuchst einmal deinen alten Spezel, den Peter Wiltinger."
Ich sah den Mann erstaunt an,' denn ich kannte ihn nicht. Das merkte er,' denn er sagte: „Na, kennst du mich nicht mehr, wir haben doch in der Kapelle des Fritz Binder zusammen Musik gemacht."


