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Erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. Auch für euch ist Jesus Ehristus in die Welt gekommen, der sanftmütige und barmherzige Heiland.
Wein Jesus lebt, er lebet auch für euch Und stirbt euch nimmermehr,
Lein Gnadengeist macht euch an Freude reich, Betrübt euch nicht zu sehr!
Sein Friede bleibet euch zum Erbe,
Er lebt, ob uns dar Liebste sterbe,
Mein Jesus lebt. H. 8.
Aus den Spuren altgriechischer Nultur.
Reiseerinnerungen van Geh. Gberkonsistorialrat D. W. petersen in Darmstadt.
(Schluß.)
Nach einem Milchkaffee, dick wie Schokolade, machten wir noch einen Spaziergang, die Stadt und ihre Altertümer zu sehen. Papa Rlipheri stellte uns zu unserem Schreck für unser Frühstück Makkaroni in Aussicht. Um 10 Uhr kamen wir nach Haus, das Frühstück stand bereit, die Szenen vom Tage vorher wiederholten sich. Die Ankunft des Dampfschiffs, mit dem wir die Insel verlassen wollten, wurde gemeldet. Wir nahmen Abschied und gingen an den Hafen. Da aber die Frage, ob wir nach Megara fahren wollten, noch nicht entschieden war, die Leute am Hafen wegen des Windes zweifelhaft waren, der Alte in seinem gastfreundlichen Diensteifer sich entfernt hatte, um uns ein Schiff für Megara zu schaffen, weil nach seiner Meinung der blasende Wind prima sei, verloren wir unsern Gastfreund aus den Augen, warteten und warteten auf sein Rommen, bis das Dampfschiff ohne uns abfuhr. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als die Fahrt nach Megara. Wir verproviantierten uns und bestiegen ein sogenanntes Ratki, ein schweres, bauchiges Segelboot mit schwerem Segel und zwei Schiffern. Bei schönstem Winde, der uns in drei Stunden nach Megara hätte bringen können, fuhren wir ab, aber ach, die Freude währte nur eine Stunde, plötzlich legte sich der Wind völlig und wir schwammen mit dem schwerfälligen Fahrzeug auf dem Meere. Der Rapitän und sein Gehilfe ruderten, wir aber wußten bald nicht mehr, welchen Teil unserer schmerzenden Glieder wir auf das harte verdeck legen sollten. Die Stunden schlichen langsam dahin, die Aprilsonne brannte unbarmherzig, das Meer war wie ein Spiegel: Reine Luft, von keiner Seite! Todesstille fürchterlich! Sn der ungeheuren Weite reget keine Welle sich. Um 12 Uhr mittags waren wir abgefahren und um V 2 5 waren wir erst am Eingang der Bucht von Ruluri an der Westseite von Salamis. Megara lag vor uns, aber der Dampfer, der uns von dort nach dem Piräus hätte bringen sollen, fuhr gerade fahnengeschmückt von dort ab. Es blieb uns nichts anderes übrig, als auf Megara zu verzichten und in die tiefe lange Bucht einzulaufen, um die in Rreisform die Insel Salamis herumliegt. Zwar erfreute uns die schöne Berglandschaft mit ihren blühenden Fruchtbäumen, aber Stunde um Stunde verstrich, ehe wir das Städtchen Ruluri am Grunde der Bucht erreichten. Die Sonne sank, feucht wurden die Rleider. Endlich V-8 Uhr stiegen wir ans Land. Nachdem wir eine kleine Erfrischung zu uns genommen hatten, marschierten wir im Dunkel quer über Land nach Ambelaki an der berühmten Meerenge von Salamis, von Dsterbraten und Wein rissen wir einen alten Griechen los und ließen uns von ihm an das jenseitige Ufer übersetzen. Drüben angekommen, ließen wir die Sterne unsere Führer sein und stolperten auf steinigtem Wege im Stockfinstern nach dem Piräus,
den Aegelaos mit dem Thron des Xerxes zur Linken, das Meer zur Rechten. Nach 2V° Stunden — Mitternacht war schon vorüber — gelangten wir nach dem Piräus. Reine Droschke, die uns etwa nach Athen hätte fahren können, war zu finden. Nachdem wir eine Herzstärkung zu uns genommen hatten, wollten wir um V 2 2Uhr noch im Hotel ein Nachtquartier suchen, als unerwartet sich noch eine Fahrgelegenheit bot. Um V 2 3 Uhr war ich daheim, mit aufatmender Freude von den Meinen empfangen, die sich schon um mich Sorge gemacht hatten. Das war das Ende unserer schönen Dsterfahrt. Das letzte Ende davon erlebte ich etwa ein Jahr später, das schmeckte wie Bechers Neige. Lin neues Ministerium war ans Ruder gekommen. Mit jedem abtretenden Ministerium werden Tausende von Beamten, die ihm ihre Remter verdanken, ohne Sang und Rlang durch einen Federstrich entlassen. Dies in Griechenland nicht ungewöhnliche und leider auch nicht seltene Geschick traf unseren gastfreundlichen Zacchäos von Regina. Da wandte er sich mit einem flehenden Brief an mich, den „Rönigspriester". Da fühlte ich so recht meine Ohnmacht. Aber in diesem konstitutionell regierten Land, wo natürlich der Rönig konstitutionell gebundener ist als seine Minister, hätte selbst der Rönig ihm nicht helfen können, geschweige denn der „Rönigspriester". Es tat mir herzlich leid, daß der brave Papa Rlipheri gerade bei mir die Erfahrung machen mußte, daß das alte griechische Sprichwort sich nicht immer nach Wunsch erfüllt: okir chira nipti, eine Hand wäscht die andere.
Ein pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Meine Braut hatte am 15. November ihre Stelle aufgegeben, um im Haus ihrer Eltern ihre Ausstattung fertig zu machen. Sie hatte seither meine Mutter noch nicht Kennen gelernt, darum begaben wir uns an einem Sonntage, da der Wind heftig wehte, nach Ruppertsecken. Herbstlich und unwirtlich sah es in der Natur aus, als wir nach Hochstätten gingen, von da mit der Bahn nach Rockenhausen fuhren und dann den Berg hinaufstiegen, aber wir waren doch fröhlich und zogen Hand in Hand im Sturmeswehen unsere Straße.
Wer nie auf einem Kleinen Dorfe, das vom verkehr völlig abgeschnitten ist, geweilt hat, der weiß nicht, wie neugierig dort die Menschen sind, wenn fremder Besuch kommt. Rammt ein Geschäftsreisender in das Dorf, so bleiben alle Leute auf der Straße stehen und staunen ihn an. Die Männer nehmen die kurze Pfeife aus dem Mund, die Frauen setzen die Wassereimer auf die Erde, die Rinder sperren den Mund auf, alle schauen nach dem Fremden. Rommt ein solcher in das Wirtshaus, so verstummt alsbald das Gespräch. Wenn die Gemüter sich vorher noch so sehr über die letzte Ge- meinderatswahl erregt haben und wenn die Stimmen in echt pfälzischer Lebendigkeit noch so laut durcheinander geklungen sind, mit einem Male tritt Totenstille ein, der Ankömmling steht im Mittelpunkte der Beachtung, und der Wirt sieht es als seine Pflicht an, den Fremden nach seinen Personalien, nach dem woher und wohin auszufragen.
Wie reckten sich aber erst die Röpfe in die Höhe, als ich mit meiner Braut den Einzug in meinen Geburtsort hielt. Fenstervorhänge wurden zurückgeschlagen, Fenster geöffnet, Mann und Weib und Rind sahen starr und wortlos uns an. Die Altpeter-Lene, die uns begegnete, vergaß ganz, meinen


