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Seiet des Geburtstages des französischen Kaisers am 15. Bugusl zum erstenmal stattgefunden hat. Bus der pfingst- wiese, die sich an der Südseite der Stadt ausdehnt, findet der Markt statt, da, wo die Nahe nach Bingen fließt und wo hohe Pappeln an ihrem Uferrande stehen. Tine Stadt im Kleinen mit vielen breiten Straßen wird dort aus Bret­tern errichtet, und von weit und breit kommen die Besucher herbei, vom Hunsrück, aus Nheinhessen, au; dem Blsenz- und Nahclal und besonders natürlich aus der Stadt Kreuz­nach selbst. Schon eine ganze Woche vorher wird dort ge­hämmert. Die Meßleute richten ihre Buden auf. Die Männer haben den Bock ausgezogen und schlagen Nägel ein, die Frauen haben lang herunterhängenden Schmuck in den Ohr­läppchen stecken, sitzen aus Kisten und trinken aus henkel­losen Tassen Kaffee. Der Staub, der überall auffliegt, wird nicht als lästig empfunden. Die Gastwirte bauen große Zelte, wo Hunderte von Menschen an den aus rohem Holz ge­zimmerten Tischen Platz finden können. Derweilen geht der Busrufer des großen Zirkus durch die Stadt, läßt an jeder Ecke ein schmetterndes Trompetensignal erklingen und ruft mit donnernder Stimme und kurz abgerissenen Worten aus: „6n den Markttagen, jeden Tag zwei große Galavorstel­lungen des weltberühmten amerikanischen Zirkus Mark. Feinste Pfcrdedressur, Buftreten der Beiterin Miß wanda. Jeden Tag Vorführung des gelehrten Pudels Lombo."

Der Markt nimmt an einem Sonntage, für die Ein­heimischen schon am Bbend zuvor seinen Bnfang. Dienstags ist der große Pferde- und Bindviehmarkt, zu dem viele Bauersleute und selbstverständlich viele Handelsleute herbei­kommen. Diese sind leicht kenntlich an den langen, beinahe bis zur Erde herabreichenden blauen Kitteln und den peit­schen, die sie in den Händen tragen. Gb sie Thristen oder Juden sind, sie sind alle sehr lebhaft in ihren Bewegungen und mit dem Munde. Tausendmal verfluchen sie sich selbst, um die Güte ihrer waren anzupreiscn und um einer Bn- zweiflung ihrer Behauptungen entgegenzutreten. „Ich will nicht mehr gesund nach Hause kommen, wenn der Gaul nicht erst fünf Jahre alt ist!" „Der Schlag soll mich rühren, wenn die Kuh nicht frischmelkend ist!" „Sch will Frau und Kind nicht mehr sehen, wenn ich gestern für den Gaul in Kirn nicht 50V preußische Taler bezahlt habe!" So schwirrt es dort durch­einander. In den Pausen, die das Geschäft gestattet, sitzt der eifrige Handelsmann nebenan in einem kleinen Zelte, ißt Flcischwurst und saure Gurken und rennt dann wieder in das Gewühl des Handels hinein.

Ich hatte am Dienstag von 12 Uhr an frei und beschloß deshalb, mich den Familien Machmer und Heinz, die den Markt besuchen wollten, anzuschließen. Nachmittags drei llhr langte ich in der Hinterstube des Kaspar Heinz an. wer beschrcibt meine Freude, als ich Lina Landau oorfand, die festtäglich gekleidet war und mit uns gehen wollte. Noch heute kann ich bis in das Einzelne das Kleid beschreiben, da; sie damals trug. Es war ein hübsches rotes Kleid inil weißer Stickerei an hals und Bermeln. Dazu trug sie einen weißen, breitrandigen Strohhut. Sch Hörle bald, daß der Sanitätsrat Maurer mit seiner Frau nach Koblenz gereist sei und daß Lina den ganzen Tag Busgang habe.

wir waren alle sehr vergnügt. Es gab Kaffee und Streußelkuchen. Kaspar Heinz erzählte Witze und Schnur­ren, die doppelt drollig wirkten, weil sie in bedächtiger, langsamer Bedeweise vorgetragen wurden.

Dann brachen wir auf und schlossen uns dem Menschen­strome an, der die Hochstraße und den Brücke; hinunter

nach der pfingstwiese zog. Bm Eingang zum Marktplatze, da, wo die Linie der Bhein- Nahebahn vorüberzieht, stan­den die Händler, die die kleinen Luftballons für die Kinder feilboten. Nebenan drehten die Grgelmänner ihre Instru­mente, und Zuckerzeughändler riefen ihre Ware aus.

Immer ohrenbetäubender wurde der Lärm des Jahr­marktes. Die Biesenorgeln der großen Karussells ließen ihre Töne in ein wirres Getöse ineinanderklingen. Junge Männer, die sich ihrer körperlichen Bllstigkeit bewußt waren, hieben mit dem langstieligen Hammer auf den Kraftmesser, daß es wie Kanonendonner dröhnte, wenn dann einer aus der Menge „Herkules, Herkules!" brüllte, so taten sie doch beleidigt, wiewohl man ihnen den Stolz über ihre Körper­kraft ansah. Bus dem Zirkus schmetterte Musik, ich merkte am Takt, daß es pfälzische Kollegen waren. Eine schwarz­haarige, im Gesicht ganz kaffeebraune Frau rief einer vor­übergehenden Dame zu: „hier, Madamchen, nehmen Sie sich doch einen Henkelkorb mit, er ist sehr preiswert. Sie können ihn immer nehmen, wenn Sie auf den Gemüse- oder Eiermarkt zum Einkäufen gehen!"

wir schoben uns durch die dichtgedrängten Menschen mühsam hindurch und kamen an den Platz, wo die Schnell­photographen arbeiteten. Ich sprach mit Lina Landau, da kam der Busrufer eines dieser Photographen, den schwarzen, zcrbäulten Hut in das Genick geschoben, auf uns zu und sagte zu mir: „Kommen Sie herein, mein Herr, und lassen Sic sich mit Ihrer Fräulein Braut photographieren, das Bild kann sofort mitgenommen weri^p!"

Lachend wehrte ich den Mann ab, aber ich fühlte, wie mir bei seinen Worten das Blut in das Gesicht gestiegen war, und als ich mich nach Lina umdrehte, gewahrte ich, daß sie unter dem weißen Hute wie mit Purpur übergossen war.

wir drängten uns weiter. Manchmal mußte man sich Schritt für Schritt seinen weg bahnen, was dadurch besonders erschwert wurde, daß sich in dem Gedränge mehr als ein „überzwercher hannaarem" (Johann Bdam), wie wir in der Pfalz sagen, befand, der den Stachelstock so trug, daß er ihn mit dem Griff in die Bocklasche gesteckt hatte und nach rückwärts mit der Zwinge da; Gesicht der Menschen bedrohte. Bl; einer von dieser Sorte den Philipp Machner gegen die Schulter gestoßen hatte, schlug ihm dieser den Stock herunter und sagte: „Dummer Tappes, kannst du deinen Knüppel nicht tragen wie ein vernünftiger Mensch! Du bist hier auf dem Kreuznacher Markt und nicht in deinem Kuhstall!" (Fortsetzung folgt.)

Kleine Mitteilungen.

Nach einer Mitteilung des „Bischweiler Wochenblattes" haben dortBngehörige des 222.Beserve-Infanterie-Begiments, das sich bekanntlich zum großen Teile aus Gießener Frei­willigen zusammensetzt, am 4. Oktober ein Kirchenkonzert veranstaltet, dem die dortige evangelische Gemeinde mit Dank und Interesse gefolgt ist. Der Ertrag des Konzertes, der sich auf 500 Mk. belief, wurde für das Bote Kreuz be­stimmt.

Sonntag, den 1. November, feiern wir in all Ge­meinden Deutschlands das Beformationsfest.

Sonntag, den 25. Oktober, beginnen wieder die Ver­sammlungen des Sonnlagsvercins für Mädchen in den Bäu­men der Kleinkinderschule in der Diezstraße 15, nachmit­tags von 2 bis 7 Nhr.