Einzelbild herunterladen

dem Krieg für eine große Bedeutung hat. Man wird sie wieder mehr schätzen und lieben lernen.

4. Kirchliches Bauwesen. Zustand des Kirchen - und p farrver mögens.

Die kirchlichen Gebäude sind nach den Berichten zu schlie­ßen, meist in gutem Zustand, wiewohl in einigen wenigen Gemeinden Neubauten erwünscht wären. Zn Großen-Linden soll nun auch das 2. Pfarrhaus in 1915 hergestellt werden.

Zn Läng-Göns wurde das Kirchendach ausgebessert und der Wetterhahn heruntergenommen und neu vergoldet.

Die meisten Pfarrhäuser wurden an die elektrischen Lei­tungen in den Gemeinden angeschlossen, in Leihgestern auch die Kirche, die durch einen aus Eisen geschmiedeten Kron­leuchter verschönert wurde.

Z» Pohl-Göns wurde das Pfarrhaus gründlich repariert.

Zn Nnnerod soll die Kirche in 1915 einen neuen Nn- strich erhalten und in Treis a. d. Lumda ist die Erneuerung der (Drgel in Nursicht genommen, auch wäre eine Erweite­rung und Nestaurierung des Gotteshauses zu wünschen.

Zn Watzenborn ist die Kirche für die große stets wachsende Gemeinde zu.klein und eng, was besonders bei Festen, Nbend- mahlen und der Konfirmation sich störend zeigt.

Die Kirchenoermögen sind durch die neueren Steuer- anforderungen teilweise empfindlich belastet worden, was oft nicht ohne Beunruhigung der Gemeinden geschehen konnte.

Wesentliche Veränderungen im Bestand des Kirchen- und pfarrvermögens sind wenigstens nicht berichtet worden. sFortsehung folgt.)

Aus den Spuren altgriechischer Aultur.

Neiseerinnerungen * von Geh. Gberkonsistorialrat D. ll). petersen in Darmstadt.

(Fortsetzung.)

Ostermontag des Jahres 1879 führte ich meinen lang gehegten plan aus, einen Nusflug nach Negina. Um 4 Uhr mußte man heraus. Unsere kleine Neisegesellschaft bestand außer mir noch aus drei Personen, den Militärattache der Kaiserlich deutschen Gesandtschaft, Herrn v. N., den Nrchäo- logen Dr. M. und einem deutschen Kaufmann. Um 5 Uhr fuhren wir hinunter nach dem Piräus, und nachdem wir mit einiger Mühe Fahrkarten gelöst und Tabak eingekauft hatten, fuhren wir an das überfüllte Dampfschiff. Ts war ein köst­licher Morgen, die See bewegt und die Znseln klar und scharf gezeichnet. Zn 2V» Stunden erreichten wir den Hafen von Negina. Herr v. N. hatte noch auf dem Dampfschiff von einem griechischen Nbgeordneten einen Empfehlungsbrief bekommen, mit dem man in diesem gastfreundlichen Land sehr bei der Hand ist. Unser Dampfer warf die Nnker. Wir stiegen in die stark schwankenden Boote und fuhren ans Land, wo sich uns der Gastfreund vorstellte in der Gestalt des Zollhauptmanns von Negina, Georgios Nlipheris. Er war ein alter würdiger Herr von hpdriotischer Nbkunft in blauen Sackhosen und Fez. Nolens volens mußten wir nun erst am Hafendamm Kaffee trinken, während in seinem Hause uns das Frühstück bereitet und für un; die Pferde bestellt wurden. Nach dem Kaffee zogen wir in feierlichem Zuge, hinter uns die neugierige äginetische Jugend, die in uns Znglesis, Engländer, witterte, nach dem Hause des Gastfreundes, wo wir der Hausfrau, der alten, ehrwürdigen Matrone Sapphirö mit dem gelben Znsel- kopftuch und der gellenden griechischen Frauenstimme, der Tochter des Hauses Nekatherini und dem Lohne Kostis vor­gestellt wurden. Die Personalien wurden ausgetauscht, und einige englische Bücher verrieten uns, daß die abwesende

Tochter des Hauses in England erzogen war. Nachdem wir warm geworden und der Spender des Empfehlungsbriefes genügend nach seiner Familie, seinen Gütern und persönlichen Eigenschaften besprochen war, erzählte uns der Nlte von dem Hofprediger des Königs^ der einmal bei ihm gewesen war und so viele Ostereier verzehrt hatte. Die Lebendigkeit seiner Gesten verriet, daß es mein Vorgänger gewesen sein mußte. Das bot den Nnknllpfungspunkt, nach dem verkappten „Königs­priester" zu suchen, der unter uns vieren war. Mama Nliphari riet sofort auf mich, den Fragesteller, von der Stunde an hatte ich die furchtbarsten Liebenswürdigkeiten auszustehen. Der Name tut ja in Griechenland so unendlich viel. Das Frühstück war fertig, auf reinlichem Tischtuch aufgetragen, auf den Tellern lagen Mundtücher. Ts gab vortrefflich zubereitetes Fleisch, Eier, Käse upd eine Menge bittern Neginatweins. Der Nlte konnte sich im Zutrinken nicht genug tun, der Sohn packte mir mit seiner fleißig von ihm selbst gehandhabten Gabel ein Stück Fleisch nach dem andern auf den Teller, und nach aufgehobener Tafel drückte mir der Nlte einen herz­haften Ehrfurchtskuß auf meine priesterliche Hand, einmal über dar andere seine Freude beteuernd, daß der pappäs seines Daches Gast sei. Zch war herzlich froh, als wir erst auf den Gäulen saßen, nun nach dem Nthenetempel zu reiten, den wir in 2 ' Stunden erreichen sollten. Zch bekam ein frommes und doch mutiges Tier nach griechischen Begriffen. Wie ein geborener Kavallerist saß ich aus meinem harten Sattel, dessen zwei Nippen trotz des dicken Plaids sich in meinem „sanften Fleisch" verewigten. Ts war eine gar lustige Kaval­kade, einer hinter dem andern, hinter uns die Treiber, an den Türen die bewundernden Negineten. Negina ist eine wundervolle Znsel. Die Stadt liegt auf einer Landzunge, die sich etwa eine halbe Stunde lang und 50 m hoch ins Meer erstreckt. Man sieht dort die Neste eines Nphroditetempels, Substruktionen und eine einsame monolitische Tuffsteinsäule, außerdem die Nuinen der Ouarantänebauten aus der Pestzeit unter dem Kpbarnaten Tapo d'Zstrias, als noch der Sitz der Negierung auf Negina war. Das Znteressanteste ist aber ohne Frage das Znnere der Znsel. Der Loden ist vulkanisch, daher die Vegetation der attischen voraus. Welch eine Kultur ist hier untergegangen und tritt einem in großartigen Besten entgegen. Zwar nicht in Tempeln, sondern in den Terrassierungen des antiken Landbaues. Nur Tausende von Sklaven erklären den Kraftaufwand auf einer so kleinen Znsel. Bis eben unter die Gipfel der Berge ziehen sich die Terrassenmauern aus vulkani­schen Steinen, die die Nbschwemmung de; Humus hinderten und jeden Tropfen Wassers, der vom Himmel fiel, nutzbar machten. Diese Terrassen geben dem Lande ein interessantes Nussehen. Man denke sich nur die stolzen, kühn gezeichneten griechischen Berge, die tiefen Flußtäler und dann aus der Tiefe heraus die Stufen bis zu 450 m höhe ausgeführt. Gelbäume scheinen nicht viele vorhanden gewesen zu sein, sondern der Nnbau wird dem Getreide und dem Wein gegolten haben. Nuf antiker Straße ritten wir dahin, deren Stützmauern leider verfallen waren, ehe es den Neuhellenen einfällt, zu er­halten — es mag auch an Nrbeitskräften fehlen.

(Fortsetzung folgt.)

Sin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer. <Fortsehung.)

Mitte Nugust wird in Kreuznach ein großes Volksfest gefeiert, das ist der berühmte Kreuznacher Markt, der Na­poleon I. seine Entstehung verdankt und im Jahre 1810 zur