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bildeten, wie wir im Scherze gern sagten, nach Heddesheim spazieren. Es war ein wundervoller Sommertag. Geschnittenes Getreide lag auf den Feldern, als wir die höhe, die man den „hungrigen Wolf" nennt, hinaufgingen, von dort hatten wir eine weile klussicht, nach Westen über das angrenzende rheinhessische Gebiet, nach Osten über den Hunsrück und das vor ihm liegende ebene Gelände. Sn Heddesheim Kehrten wir ein und gingen auf dem Rückwege dem Lauf des munteren Gul- dcnbachs nach, der durch wiesen nach dem Dorf Bretzenheim fließt und sich dort in die Nahe ergießt. Dort trat uns eine interessante Sehenswürdigkeit entgegen. Tine Viertelstunde oberhalb von Bretzenheim liegt die sogenannte „Eremitage", eine Einsiedelei, wie man sie selten in Deutschland noch zu sehen bekommt. Sn einen roten Sandsteinfelsen sind mehrere Räume gebrochen, die Türen und kleine Fensterluken haben, sogar eine kleine Rapelle ist in den Felsen gehauen, und Stufen führen zu der ganzen absonderlichen Behausung empor. Dort hat früher stets ein Einsiedler gewohnt, der letzte von ihnen ist durch die französische Revolution vertrieben worden. Eine feste Gesundheit müssen diese Männer gehabt haben, sonst hätten sie es in den kalten, modrigen, feuchten Räumen nicht so lange aushalten können. Sch weiß, daß Lina, als wir gemeinsam diese höhlen besichtigten, schaudernd sagte: „hier wäre es mir zum wohnen doch zu kalt gewesen."
Dieser Dang im schönen, fruchtbaren Sommer durch das herrliche Land ist mir für immer unvergeßlich. Damals war ich so recht von Herzen froh.
wenn ich abends um 10 Uhr vom Ronzerte nach Hause kam, so ging ich stets noch einigemale vor dem Hause der Herrn Sanitütsrates Maurer auf und ab und schaute hinauf nach den Fenstern des stattlichen Gebäudes. Das waren selige Stunden in der lauen Sommernacht, wenn es so still auf den Straßen war, daß man den Fußtritt eines vorübergehenden noch lange Zeit auf dem Pflaster widerhallen hörte, hoch am Himmel standen die Sterne, zuweilen auch zogen Gewitterwolken über die Stadt dahin, und ununterbrochen flammte das wetterleuchten auf. Der Duft des auf dem Felde liegenden, geschnittenen Rornes wurde vom leisen winde herzugctragen, ab und zu hörte man aus der Ferne das Rollen eines Eisenbahnzuges, und irgend ein Hofhund knurrte und bellte durch die Nacht. Nie bekam ich etwas von Lina zu sehen, wenn ich so einsam auf dem Pflaster auf und ab schritt, sie aber in meiner Nähe zu wissen, war mir Glück genug. (Fortsetzung folgt.)
Unsern gefallenen Helden.
Vieltausend Helden sind gefallen - Still, deutsches Herz,
Und laß kein Rlagelied erschallen.
Schau himmelwärts!
Schwert nahmen sie in beide Hände Und brachen Bahn In heil'gem Grimm bis an das Ende Ruf grünem plan.
Sie gingen heim im Rugelregen,
Der treu sie fand,'
Rur ihrem Blut sprießt reicher Segen Fürs Vaterland.
Sie zählen zu den Heldenscharen Im ew'gen Licht:
Sie haben selig Los erfahren —
Herz, Klage nicht! —i.
Kleine Mitleilungen.
In den nächsten Tagen nehmen wiederum die Ronfir- mandenvereinigungen ihren Rnfang. Die konfirmierte männliche Jugend der Lukasgemeinde versammelt sich zum ersten Riale nächsten Sonntag, abends V 28 Uhr, die konfirmierte weibliche Fugend derselben Gemeinde hat ihre erste Vereinigung Sonntag, den > 8 . Oktober, ebenfalls abends '/$ Uhr. Die Ronfirmandenoereinigungen sind dazu eingerichtet worden, daß die Fugend untereinander und mit ihrem Seelsorger in Verbindung bleibt. Fedesmal wird ein belehrender, allgemein interessierender Vortrag gehalten, daran schließen sich in der Regel Spiele, wozu Schach, Damenbrett, Domino und andere Geräte vorhanden sind. Die Eltern werden gebeten, ihre Rinder zu diesen Veranstaltungen zu schicken.
Der Ronfirmandenunterricht nimmt in allen Gemeinden Montag, den 12. Oktober, seinen Rnfang und zwar für die Rnaben um 3, für die Mädchen um 4V« Uhr.
In der letzten Zeit waren wiederholt erhebliche und sehr begründete Rlagen darüber in die Geffentlichkeit gedrungen, daß für den Rriegssanitätsdienst zahlreiche freiwillige „Helferinnen" herangezogen würden, deren fachliche Rusbildung doch naturgemäß nicht entfernt mit der Schritt halten kann, die sich diejenigen Frauen und Töchter unseres Volkes angeeignet haben, welche um des Erwerbs oder um ihrer religiösen Liebeshingabe willen die Rrankenpflege als Lebens- bcruf ergriffen haben. Es wurde denn auch dankbar begrüßt, daß der stellvertretende Militärinspekteur der freiwilligen Rrankenpflege vor kurzem eine Rnordnung gab, wonach „künftig zuerst die bereits im Frieden zur Unterstützung des Rriegs-Sanitätsdienstes zugelassenen, staatlich anerkannten Schwestern (Rote-Rreuz-Schwestern, Diakonissen und Ordensschwestern) angenommen werden sollen, dann die übrigen staatlich anerkannten Vollschwestern, auch die sogenannten „freien" Schwestern, soweit sie sich dazu eignen, und erst wenn solche nicht vorhanden sind, Hilfsschwestern, ausnahmsweise auch Helferinnen. Die zur Rusbildung angenommenen Helferinnen werden darauf verwiesen, daß sie auch außerhalb der freiwilligen Rranken- pflegc verschiedene Tätigkeitszweige (Säuglings- und Rinderfürsorge, Ivöchnerinnenpflege, Gemeindepflege, Rrllppelfllr- sorge usw.) ergreifen können, die dazu dienen, die Not und das Elend der Rriegszeit zu lindern. Die gleichen Grundsätze haben auch für die Rnnahme von Pflegern und Rranken- trägern Geltung." — Erfahrungen der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß dieser Erlaß noch immer nicht überall die gewünschte Beachtung findet. Es harren auch jetzt noch zahlreiche Vollschwestern, die seit Fahren in großen, staatlich anerkannten Rliniken und Rrankenhäusern ihres schweren, gediegene Renntnisse fordernden Rmtes auf Grund eingehender Prüfungen walten, der Einberufung zum Rriegssanitätsdienst. Statt dessen müssen sie - oft mit einem nur zu begreiflichen Gefühl aufsleigender Bitternis - - Zusehen, wie an ihrer Stelle junge Damen und Mädchen mit recht laienhafter Vorbildung bevorzugt werden, die überdies für die behandelnden Rerzte zumeist eher ein Hindernis, als wirkliche Hilfe bedeuten. Zudem besteht bei unseren verwundeten die entschiedene Rb- neigung, sich von allzu jungen und nur flüchtig ausgebildeten Mädchen pflegen zu lassen. Sie sagen: Das gehört sich nicht, daß diese Mädchen in die Militärlazarette gehen und erst recht nicht, daß sie im Gperationssaal helfen. Ruch aus diesem Grunde ist der mitgeteilte Erlaß sehr zu begrüßen.


