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bedacht zu sein. Neue Feuerwehrleute, lauter stämmige Män­ner, von Beruf Schmiede, Dachdecker und Maurer, kamen mit Feuerhaken herbei und rissen die brennenden Dachbalken in das Innere des Gebäudes zurück.

Wasserwagen, die man an der Nahe und am Ellerbach gefüllt hatte, wurden herangebracht, mit ihrem Inhalte füllte man die Spritzen. Ruf und ab gingen die Pumpen zu beiden Leiten der Feuerspritzen. Ehe ich es mir recht überlegt hatte, hatte ich mich an einem dicken Lchutzmann, der mir vergebens heda! zurief, vorübergedrängt und an der Feuerspritze Hand angelegt. Ich wurde als erwünschter Mitarbeiter begrüßt; denn die Gesichter der pumpenden Männer glühten vor Hitze, und der Lchweiß lief ihnen in Ltrömen über Mangen und Bart.

Rufgeregtes, heiseres Lchreien, das Knattern und Knistern der Flammen, das Stoßen der Spritzen, das Rollen der Wasserwagen, alles das klang ineinander, darüberhin tönten immer noch die kurzen, abgerissenen Töne der Sturm­glocke.

völlig unbewegt war die Luft, kein Windhauch war zu spüren. Einen der neben mir arbeitenden Männer hörte ich sagen:Wenn wir heute einen starken Wind vom Hunsrück oder vom Rhein her hätten, dann adieu, ganz Kreuznach!"

In demselben Rugenblicke schrie ein Junge:Dort drü­ben das Haus brennt auch." Ich ließ die Hände von der Feuerspritze los, sprang einige Schritte auf der Gerbergasse vor und sah, daß aus dem Dachstuhl eines Wohnhauses, das neben dem brennenden Gebäude stand, die Hellen Flammen emporzüngelten. Rasch ging ich wieder zu meiner Feuerspritze zurück. Und wie das weiter geschah, das weiß ich nicht mehr, ich weiß nur, daß in kurzer Frist, während der ich mir beinahe die Rrme lahm pumpte und fortwährend im Wasser stand, die ganze Gerbergasse von der Lämmergasse bis zu der Steinbrücke, die über den Ellerbach hinüber nach dem Zwin­ge! führt, in Flammen stand.

Es war ein tolles Durcheinander. Brennende Lohkuchen flogen durch die Luft, Fensterscheiben sprangen entzwei und klirrten auf das Pflaster, Giebelwände an den Fachwerk­bauten stürzten ein, entsetzlicher Rauch wälzte sich von der Brandstelle hin über die ganze Stadt und deren Umgehung. Später habe ich gehört, daß man vom Niederwald aus und vom Hunsrück, in gleicher Weise von meiner Heimat Rupperts­ecken und von der Gegend bei Rlzep an diesem Tage in der Ferne schwere Rauchwolken beobachtet habe, nur konnten sich die meisten, die aus diesen großen Entfernungen den Rauch über der Landschaft schweben sahen, zunächst nicht erklären, war es mit der grau-weißen Rauchschicht auf sich habe. Ebenso gingen die INutmaßungen dieser Beobachter Über den Herd des Brandes hin und her.

Jammernd kamen die Bewohner der brennenden Wohn­häuser durch die engen Gassen. Jeder von ihnen schleppte etwas Hausrat mit. Ich sah Männer, die hoch aufgepackte Betten trugen, Frauen hatten Kleiderbündel auf den Rrmen, Kinder trugen Körbe, die mit Weißzeug vollgestopft waren. Tische und Stühle wurden durch die Fenster auf die Gasse geschleudert, und bald lagen Tisch- und Stuhlbeine wirr durcheinander.

Plötzlich hörte ich jemand rufen:Dort vorn in dem Haus mit dem Rebstock über der Tür liegt eine kranke Frau und kann nicht aus dem Hause. Rasch hatte ich mit meinen scharfen Rügen das Haus mit dem Rebstocke gefunden. Es brannte noch nicht, aber das Nachbarhaus, von dem es durch keine Brandmauer geschieden war, stand schon in Flammen.

Mit drei Sätzen war ich vor dem Hause. Die Zimmer, die zur ebenen Erde lagen, waren beinahe völlig ausgeräumt, nur noch Gerümpel, alte Kisten, ein umgestürzter Esten und ein durch viele Benützung schief gewordener Korbsessel waren zu sehen. Ich sprang die steile, enge und dunkle Treppe hin­auf. Da sah ich, wie man in einem Zimmer, das nach der Straße zu lag, gerade damit beschäftigt war, eine alte Frau anzuzichen. Sie war groß und schlank, hatte weiße haare, die ihr über das welke Gesicht herunterfielen und konnte sich kaum auf den Füßen halten. Eine junge Frau wie ich bald gemerkt hatte die Tochter der Kranken, knöpfte ihr gerade über der Brust das Kleid zu, ein Mann es war der Schwiegersohn hielt die alte Frau in seinen Rrmen.

Rch Gott, ach Gott!" seufzte in einem fort die Kranke, mehr konnte sie nicht sagen. Liebevoll war die Tochter um sie bemüht.

Komm, Mütterchen, noch einen Knopf, dann hake ich dir den Halsbund zu. Sei nur ruhig, wir tragen dich gleich die Treppe hinunter!"

Im Hintergründe des Zimmers stand ein Bett mit zer­wühlten Kissen, und auf der Kommode, die ich seitwärts be­merkte, sah ich mehrere Rrzneiflaschen.

Die Mutter ist schon seit Pfingsten krank", sagte die junge Frau, indem sie sich an mich wandte,sie ist seit acht Tagen nicht mehr aufgestanden, sie hat ein Magenleiden, wie der Herr Sanitätsrat sagt, und ist nun über den Brand so furchtbar erschrocken. Es ist nur ein Glück, daß mein Mann, der Küfer ist und im Englischen Hof auf dem Badewörth schafft, so rasch nach Hause gekommen ist."

Ja," sagte der Mann, den ich abends auf der Straße schon öfters gesehen hatte,ich habe gehört, wie es vom Kirchturm stürmte, und da hat sich auch gleich der Rauch über den Kauzenberg herübergewälzt. Ich habe meine Rrbeit stehen lassen und bin nach Hause gelaufen. Gelt, Sie spielen im Kurorchester? Ich habe Sie schon gesehen, wenn Sie am Englischen Hof vorbei nach dem Kurgarten oder durch die Gerbergasse abends nach Hause gegangen sind."

Ich bestätigte das, was der Küfer sagte und erbot mich, die Kranke aus dem Hause tragen zu helfen. Behutsam faß­ten wir die alte Frau an und trugen sie, indem auch die Toch­ter Zugriff, die Treppe hinunter.

Wohin?" fragte ich, als wir mit unserer Last auf der Straße angekommen waren.

Nach dem holzmarkte," gab die Tochter zur Rntwort, dort wohnt meine Tante."

Rechts und links wichen die Leute auf der Straße vor uns zurück, sogar der grobe Zimmermeister, der vorher den Spritzen Platz gemacht hatte, trat zur Seite, und so waren wir bald auf dem holzmarkte angelangt; denn die Kranke war sehr leicht und machte zwei kräftigen, jungen Männern, wie wir es waren, nicht viel Mühe.

Rls wir jedoch vor dem Hause standen, wohin die Frau gebracht werden sollte, fand sich, daß die Haustür verschlossen war, die Bewohner waren gewiß nach der Brandstelle ge­laufen.

Was jetzt machen??" fragte der Küfer.

Kommen Sie nur mit mir, meine Herrschaft hat ein Zimmer mit einem Bett, das nicht gebraucht wird, und die Frau Sanitätsrat wird sich freuen, die Frau Erlewein, die früher immer bei ihr genäht hat, aufzunchmen."

Wer hatte das gesagt? Es war eine Stimme, so wohl­klingend und angenehm, daß sie mir wie Musik vorkam. Ich drehte mich um und sah ein dunkelblondes, mittelgroßes