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Hafen hat die Form eines weitzen, seitlich offenen Trichters. Man zeigte uns die Häuser der alten in den Freiheitskriegen ausgezeichneten Familien. Huf den höhen stehen freundliche, weiße Klöster. Wilhelm Müllers „Kleiner hydriot" hat den Namen der Insel auch in der deutschen Literatur eingebürgert, von Interesse ist, daß die Bewohner dieser Inseln und der gegenüberliegenden Küsten nicht Griechen, sondern Libanesen sind. Im 15. und 16. Jahrhundert bevölkerten vor den Türken flüchtende Rlbanesen diese Inseln. Sie waren die kühnsten Seefahrer der Levante, beherrschten die Küstenschiffahrt des ganzen östlichen Mittelmeerbeckens und des Schwarzen Meeres und waren infolgedessen sehr wohlhabend. Sie haben sich im griechischen Befreiungskrieg, an dem sie leidenschaftlich teil- nahmen, fast verblutet, d.h. Blut und Gut geopfert. Ihre Handelsschiffe verwandelten sie in Kriegsschiffe, trugen den Rufstand über den ganzen Rrchipel und fügten durch ihre Beweglichkeit, wie durch die Tollkühnheit ihrer Rngriffe der türkischen Flotte ungeheuren Schaden zu. von Hydra aus schrägten wir wieder hinüber nach dem gegenüberliegenden Festland, umfuhren das Vorgebirge Skyli (im Rltertum Skyllaion) und liefen in den Sund von poros ein. Die Stadt liegt auf einer dem Festland zugekehrten Landzunge, ihre Befestigungen sind von bayerischen Offizieren erbaut. Vas Innere der Insel ist mit einer Zitronenwaldung bedeckt, die etwa 50 000 Stämme zählen soll. Meilenweit entfernt kann man auf dem Meer an dem feinen Duft die Nähe von poros wittern. Im Innern der Insel stand im Rltertum ein Tempel des Poseidon, in dem der vor den mazedonischen Häschern fliehende Demosthenes sich durch Gift den Tod gab.
von poru; fuhr unser Schiff um die Insel herum nach der Halbinsel Methana, vulkanischen Tharakters, die nur durch eine schmale Landenge mit dem peloponnesischen Festland zusammenhängt und mit ihren hohen kühn geformten Kuppen äußerst charakteristisch aussieht. Ihrer vulkanischen Natur verdankt Methana zwei Schwefelquellen, die bereits im Rlter- tum benutzt wurden und noch heute stark besucht werden, vom Dampfer aus sahen wir die Badegäste mit Sonnenschirmen am Strande warten. Nunmehr kehrten wir dem Peloponnes vollends den Rücken, schrägten hinüber nach der bereits zu Rttika gerechneten Insel Regina und fuhren von dort an Salamis vorbei, dem Piräus zu. Die Eisenbahn trug uns nach Rthen, wo wir um 5 Uhr anlangten. Mit meiner erborgten Reisemütze und einem einen Zentimeter langen Bart fürchtete ich das attische Salz der veilchenbekränzten Rthener, verbarg mich in einer geschlossenen Droschke und' überzeugte mich, zu Hause angekommen, vor dem Spiegel, daß man von einer Peloponnesreise als „wilder Mann" zurückkehren kann.
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Zum Osterfeste bekam ich zum ersten Male Urlaub und konnte schon am Gründonnerstage nach Hause reisen. Ueberall auf den Getreidefeldern ragten die grünen Spitzen aus der braunen Erde hervor, und die Frühlingsluft wehte herbkräftig durch das Land. Freundlich wurde ich, als ich im Schmuck der neuen, eigenen Uniform durch Ruppertsecken ging, von den Leuten, die an den Toren standen, begrüßt. Ich fand meine Mutter gesund und wohlauf. Gottfried Keiper schien es mit seiner Heirat doch nicht so gut getroffen zu haben, als er vorher gedacht hatte. Es wurde mir im Dorfe erzählt, er habe zu Hause bleiben und im Laden
die Kunden bedienen wollen, da sei ihm aber von seinem Schwiegervater und noch mehr von seiner Schwiegermutter bedeutet worden, daß sie keine Lust hätten, einen Faulenzer zu ernähren. Da hatte Gottfried wieder die Klarinette unter den Rrm genommen und war gesenkten Hauptes abmarschiert. Die Kapelle bereiste in diesem Sommer Schweden und Norwegen. Marie Keiper, wie sie jetzt hieß, habe ich während meines Dsterurlaubes nicht gesehen.
Im Sommer wurde bei unseren Uebungen viel Schweiß vergossen, lvir hatten von unserer Kaserne, der Prinz-Karl- Kaserne in der Schillerstraße eine Stunde bis zum „großen Sande", dem Exerzierplätze der Mainzer Garnison zu marschieren, und dort ging es durch heißen Kiefernwald und fußtiefen Sand hindurch. Ivenn das Bataillon zusammen war und wir von der Bruchspitze oder vom Mllllerwäldchen in der Richtung nach dem Rheine marschierten, so wirbelte der Staub haushoch auf, und wenn wir dann auf dem Rückmärsche von der helmspitze bis zur Stiefelsohle mit dem feinen, weißen Belage überdeckt waren, dann ritt der Hauptmann neben uns her und sagte mit gesenktem Haupte und gleichsam im Selbstgespräche: „Frischer Staub schmückt den Krieger, läßt er ihn aber länger als zwei Stunden in seinen Kleidern, so ist er ein Schw . . ."
Leicht Uberstand ich alle diese Strapazen, da ich es auf meinen Musikantenfahrten gelernt hatte, meinen Körper an Rnstrengungen zu gewöhnen. Niemals „machte ich ab", wie es in der Soldatensprache heißt, und nicht eine einzige Stunde war ich während meiner Dienstzeit krank.
Schon im ersten Dienstjahre wurde ich mit einem Hoboisten meines Regiments, der in unserer Kaserne wohnte, befreundet. Er war wie fast alle Militärmusiker aus dem Musikantenlande Thüringen gebürtig und sprach auch den unverfälschten Thüringer Dialekt. Er erbot sich, mir zu meiner weiteren musikalischen Rusbildung Unterricht im vio- linspiel zu geben. Vas nahm ich gern an, schaffte mir eine Violine an und machte im Geigenspiel rasche Fortschritte.
Rasch verging das erste Dienstjahr. Ich hatte mich, weil ich den Dienst rasch begriff und mir nicht; zu Schulden kommen ließ, der Gunst des Hauptmanns zu erfreuen und wurde, als wir aus dem Manöver zurückkamen, zum Gefreiten befördert. Rls im November die Rekruten kamen, wurde ich zum Rusbildungspersonal kommandiert. Nun stand ich den größten Teil des winters hindurch auf dem Kasernenhofe und half, den Rekruten die Fertigkeiten beibringen, die ich ein Jahr zuvor selbst erlernt hatte.
Im Spätsommer 1882, als mein zweites vienstjahr beinahe zu Ende war, hatte die hessische Division ihr Manöver in Rheinhessen. Kurz bevor wir ausrückten, war mir, da einer unserer Unteroffiziere krank geworden war, eine Korporal- schast übertragen worden. Das brachte mir Rrbeit genug, ich mußte dafür sorgen, daß meine 20 Mann immer sauber und ordentlich zum Dienst antraten, und hatte auch sonst noch genug zu tun. Es ging auch ganz leidlich, nur einer aus meiner Schar machte mir zu schaffen. Das war ein Ziegelarbeiter aus irgend einem Dorfe bei Mainz, den man als unsicheren heerespflichtigen eingestellt hatte, weil er sich mehrere Jahre hindurch dem Militärdienste entzogen hatte. Mitten im Winter war er uns gebracht worden. Er war ein großer Mensch mit dunklem Vollbarte und einer Habichtsnase und sah entsetzlich unreinlich aus. Seine Lumpen — anders konnte man seine Kleider nicht nennen - wimmelten von Insekten.
(Fortsetzung folgt.)


