Einzelbild herunterladen

247

Betragen des falschen und leichtfertigen Mädchens noch stark in mir wogte. Hermann Weber sagte mir, ich könne sicher sein, daß mich Marie nur deshalb im Stiche gelassen habe, weil ich im herbste auf drei Jahre zum Militär müsse. So lange bis zur Heirat zu warten, sei nicht nach ihrem Ge- schmacke und da habe sie den Gottfried Reiper, der schon vor vier Jahren wegen eines in der Kindheit erlittenen Um­bruches militärfrei geworden war, vorgezogen.

Schließlich forderte mich Hermann auf, mit ihm in seine Wohnung zu gehen. Lr wohnte am Schalkwijkssteg in un­mittelbarer Nähe des Platzes, auf dem wir uns befanden. Mein Freund ließ von feiner Hausfrau, einer alten, dicken Holländerin, Raffee für uns kochen. Rls wir diesen getrunken hatten, stellte er einen wohlgefüllten Tabakskasten vor mich hin, forderte mich auf, meine kurze Pfeife, deren hornspitze aus der Lasche meiner Joppe hervorsah, anzuzünden und setzte dann auch seine lange Pfeife in Brand. Bald war das Zimmer von dichten Wolken erfüllt, und wir sprachen, wäh­rend das Geräusch des holländischen Straßenlebens zu uns heraufdrang, von der pfälzischen Heimat und ihren Be­wohnern.

Ungefähr vierzehn Tage blieben wir in der holländischen Universitätsstadt, ich mußte, so oft ich freie Zeit hatte, den Pfarrerssohn besuchen. Durch sein Zureden schwand meine Mißstimmung immer mehr dahin, wenn auch das Gefühl des beleidigten Stolzes immer noch in mir rege war.

Don Utrecht wandten wir uns zurück nach Rmsterdam, marschierten nach Tnkhuizen und von da nach Stavorn und fuhren von hier aus über die Zuider-See. Musizierend zogen wir kreuz und quer durch die Provinz Friesland, schlugen dann die Richtung nach Süden ein und fuhren Ende Oktober von Lmmerich au; mit der Eisenbahn nach unserer Heimat.

Um 6. November mußte ich in Mainz einrücken, ich hatte somit nur noch wenig Zeit zu meiner freien Verfügung. Vas war mir ganz recht, so brauchte ich mich doch nicht viel aus den Straßen meines Heimatortes zu zeigen. Sch hörte, daß Gottfried Reipers Vater vor einigen Wochen gestorben sei und daß im Dezember die Hochzeit sein solle.

Rls ich zum Militär eintrat, war es bei mir anders als öei so vielen jungen Burschen meiner pfälzischen Heimat. Ihnen war die Neise nach der Garnison die erste größere Reise ihres Lebens, vorher waren sie kaum zwei Stunden weit von ihrem Dorfe weggekommen, wenn sie einrücken mußten, so gab es ein großes Lamento. Sie gingen von Haus zu Haus und nahmen von allen Bekannten Rbschied. Sch weiß von einem Ruppertsecker, der war einige Jahre vor mir zum Militär eingetreten. Gr kam nach Raiserslautern, blieb also hübsch in der Nähe, aber als er wegging, gaben ihm Vater und Mutter und feine vier Schwestern bis nach Rockenhausen in der Morgenfrühe das Geleite, und als der Zug einlief, gaben sie alle miteinander ein heulkonzert, als ob der Leonhard so hieß der angehende Vaterlandsverteidiger nach Raste: s- lautern zur sofortigen Hinrichtung eingeliefert werden sollte. Einem anderen gab die Großmutter ein Stück Brot mit nach Metz, das sollte er beileibe nicht essen, sondern nur, wenn ihn das Heimweh plage, daran riechen, dann werde das Heimweh sofort vergehen. Rm wenigsten gern wurden die Söhne reicher und geiziger Leute Soldaten. Das war den Riten schrecklich, sich einen Unecht nehmen zu müssen, wenn der Sohn zwei oder drei Jahre abwesend war. Da machten sie Reklamation aus Reklamation, suchten die Bürgermeister zu bestimmen, ihnen zu bescheinigen, daß sie ganz arme Leute seien, die ohne die Unterstützung des Sohnes verhungern müßten. Und vom

Hausarzt verlangten sie, daß er ihnen eine Balggeschwulst auf dem Ropfe oder eine Rrampfader am Beine als lebensgefähr­liches Leiden hinstellen sollte. Dieselben Leute, die das größte Interesse daran haben, daß ihnen Hab und Gut gegen feind­liche Invasion geschützt wird, sträuben sich auf das äußerste dagegen, daß ihre Söhne Soldaten werden. Mir kam es zu­gute, daß ich feit meiner Entlassung aus der Schule so weit in der Welt herumgekommen war und das Leben unter fremden Menschen kannte. __(Fortsetzung folgt.)

Worte zum Nachdenken für die Nriegszeit.

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

Psalm 62, l.

Der Herr ist gütig und eine Feste zur Zeit der Not und Kennet die, so auf ihn trauen. Nahum I, 7.

Rufe mich an in der Not, so will ich dich errette», so sollst du mich preisen. Psalm 50, t5.

In allen meinen Taten Laß ich den höchsten raten,

Der alles Kann und hat,'

Er muß zu allen Dingen,

Solls anders wohl gelingen,

Selbst geben Segen, Rat und Tat.

Paul Flemming.

wenn ein Rrieg ausbricht und ein Volk übers andere ge­schickt wird, dann hat unser Herr Gott auch etwas dabei zu sagen, und wer nur hören will und Ohren hat, wird auch etwas vernehmen.

Nicht früh genug kann die Liebe, wie zum himmlischen auch zum irdischen Vaterland ins Herz gelegt werden. Da; hilft von der Blasiertheit und dem elenden Rosmopolitismus und begeistert das junge Herz und zieht vom Gemeinen weg. Laßt die Lieder Rrndts, Schenkendorfs und Römers unter den Rindern gehen, und es werden Männer aus ihnen wachsen, die der Väter würdig sind. Emil Frommel.

Airchliche Anzeigen.

Sonntag, den 9. Rugust, 9. nach Trinitatis.

Rllgemeiner Bettag.

Rollekte für das Rote Rreuz.

Gottesdienst.

In der Stadtkirche,

vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Zugleich Ehristeulehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde, vormittags 9Vs Uhr : Pfarrer D. Schlosser, vormittags 1 1 Uhr: Militärgottesdienst. Rbendmahl für die Ersatzreservisten. Pfarrer Schwabe.

Nachmittags 2 % Uhr: Rinderkirche für die Matthäusge­meinde. Pfarrer D. Schlosser.

Nächstkünftigen Sonntag, den 16. Rugust, findet Rbend- mahlsfeier für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt.

In der Johannerkirche.

vormittags 8 Uhr: Pfarrer Rusfeld.

Zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde. vormittags 9'/ 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheims r. Vormittags I I Uhr: Rinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer.