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ach dem Segen das Amen gesprochen ist. wenn nun Ver­eine oder sonstige Korporationen Kränze mit kurzen Wid­mungen niederlegen, so sind die vorher Fassungslosen merk­würdig gefaßt. Ganz still und voll von Interesse hören sie zu,- denn von diesem Teil der Feier, der die Neugier reizt, möchte man sich doch nichts entgehen lassen.

In manchen Landgemeinden ist es üblich, daß trauernde Frauen nach Beendigung der kirchlichen Feier an das Grab treten, das Taschentuch gegen das Gesicht pressen und nun laut schluchzend den Toten anreden und ihm seine guten Eigenschaften nachrühmen. Vas macht besonders da einen widerwärtigen Eindruck, wo bekannt ist, daß die Trauernden mit dem Dahingeschiedenen, so lange er lebte, in arger Feind­schaft gelebt haben.

Sehr beliebt ist auch, daß man am Grabe Szenen auf­führt. Man tut so, als ob man in Ohnmacht fallen wolle, die zunächst Stehenden drängen sich herbei, um die Bedauerns­werte zu stützen und zu beruhigen. Sehr schlimm ist es, wenn die Fassungslosigkeit einer Trauernden so weit steigt, daß diese sich in dar Grab stürzen will, von dieser Sitte berichtet die Zeitschriftvorfkirche" einen merkwürdigen Fall. Eine Mit­arbeiterin erzählt da von dem früheren Superintendenten Schöneich zu Frankfurt a. d. Oder und berichtet folgendes von ihm:Als Pfarrer in einem kleinen Grte hatte er einen Mann zu beerdigen, dessen Witwe das dort übliche laute weinen noch überbot. Sie gebärdete sich wie eine vor Schmerz Rasende, schrie auf, als der Sarg hinuntergelassen wurde und wollte sich durchaus ihm nach ins offene Grab stürzen. Die Umstehenden hielten sie gewaltsam zurück, und der Pfarrer versuchte vergeblich die Frau zu beruhigen.,,Ick möt rin sich will hinein), ick möt rin!"" schrie sie verzweifelt. Da entschied der Pfarrer endlich energisch:Na denn laßt sie rin!"" Die zurückhaltenden Hände ließen los, und die verblüffte Witwe verstummte. Ins Grab zu springen fiel ihr nicht ein, und sie Konnte plötzlich ihren Schmerz so gut beherrschen, daß das Begräbnis unbehindert seinen Fortgang nehmen Konnte."

Im vogelsberg nennt man das weinen am Grabe gerrn", und mancher hat die Ansicht, daß nur der wahre Trauer bekundet, der recht lautgerrnt". Bei der Beerdi­gung eines Kindes stand der noch junge Vater, ohne zu weinen, am Grabe. Jedermann sah ihm an, wie tief und auf­richtig seine Trauer war, wie wehe es ihm tat, das Kind ver­lieren zu müssen. Das verdroß jedoch die Schwiegermutter, die sich imGerrn" sehr hervortat, auf das äußerste, während der Rede des Geistlichen zupfte sie beständig den Schwiegersohn am Arm, um ihm damit zu bedeuten, daß es seine Pflicht doch erfordere, zugerrn". Gleichzeitig wollte die gefühlvolle, ge­mütstiefe Schwiegermutter den Umstehenden auch zeigen, daß niemand den Schmerz über den Tod des Kindes so tief emp­finde als sie mit ihrem vordringlichen Toben.

Es gibt nichts, dar ergreifender und würdiger ist als der tränenlose Schmerz eines wahrhaft Trauernden, wahre und echte Trauer schweigt, wo man laut schreit, Szenen macht, und alles nur so lange, als Zuschauer und Zuhörer da sind, da geht der Schmerz nicht tief. An keinem Drte der Welt wird mehr Theater gespielt als auf den Friedhöfen. Diese Art der Trauer ist nicht nach dem Sinne dessen, der, als er in das Trauerhaus des Obersten Jairus eingetreten war, zu­nächst nichts tat, als daß er die Klageweiber hinaustrieb.

Lin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Lechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Ich hatte in Mainz für Marie einen weißen Schal ge­kauft und ging gleich am Abend hin, um ihr mein Geschenk zu überbringen. Ueber den Schal freute sie sich sehr, nicht aber über die Nachricht, daß ich als Freiwilliger bei den Il8ern angenommen sei. Sie machte eine unzufriedene Miene und fragte mich:wie lange muß man bei den Hessen dienen?"

Drei Jahre, wie überall im Deutschen Reiche," gab ich zur Antwort.

Das ist ja eine kleine Ewigkeit, bis dahin "fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter," meinte Marie und wandte sich schnippisch ab, um mir an diesem Abende kein Wort mehr zu gönnen. Ich mußte mich damit begnügen, der Rede ihres Vaters zu lauschen, der mir von den Verträgen erzählte, die er für das laufende Jahr mit großen Handelshäusern abge­schlossen habe. Ich wunderte mich, wie in alten Büchern steht, baß" darüber, daß ein Kramladen in einem kleinen Dorfe, wo alles halbpfundweise gekauft wird, die waren in so großen Ouantitäten absetze.

Der harte Winter, der vielen armen Leuten Not gebracht hatte, ging zu Ende, und die Schneedecke schmolz im lauen winde des Februar. Der Donnersberg streifte sein weißes Gewand ab, und überall flössen von den nordpfälzischen Ber­gen die Wässerlein hernieder, so daß Bäche und Flüsse mächtig anschwollen. Das ist die Zeit, in der der Musikant unruhig wird, in der ihn der Drang in die Ferne bewegt. Defters als sonst kam unsere Kapelle zusammen, und lebhafter und takt­sicherer als sonst klang unsere Musik. Jeder sagt sich eben, wenn es wieder in die Welt hinaus gehen soll, daß er sein Bestes leisten muß.

Marie Lippert hatte mehrere Tage mit mir geschmollt, und war, wenn ich abends in ihr Elternhaus kam, nicht herbeigekommen. Eines Tages aber, als ich die Trompete unter dem Arme hatte und wieder nach Rockenhausen zur Uebungsstunde geben wollte, erwartete mich am Dorfaus- gange wieder ein Kind, das mir einen Zettel von Marie über­reichte. Auf diesem Zettel bestellte sie mich zum Abend an das Hoftor.

Ich ging hin und fand das Mädchen wie umgewandelt, »sie war heiter und freundlich und redete mit einem Male davon, daß wir im herbste unsere Verlobungskarten aus­schicken sollten, um dann, wenn ich meine Militärdienstzeit hinter mir habe, zu heiraten. Das erschien mir als ein sehr lockendes Ziel. Im stillen hatte ich schon oft gedacht, daß ich als Schwiegersohn des Krämers Lippert mit einem Schlags ein reicher Mann sein werde. Bayerische Eisenbahnaktien, ungarische Goldrente, ein Jahresumsatz von 9000 Mark, Haus und Geschäft und später einmal die Villa, das gefiel mir besser, als durch den Straßenkot zu marschieren und Musik zu machen.

Aber, komm hinein in das Haus!" sagte das Mädchen, hier am Tor zieht es zu sehr, und es braucht auch nicht jeder zu hören, was wir sprechen."

Sie nahm mich an der Hand und führte mich in das Wohnzimmer, in dem sich niemand befand. Der Vater bediente im Laden Kunden, wenigstens konnte ich hören, daß dis Klingel oft ging und daß Frauen und Kinder bald Steinöl, bald ein halbes Pfund Linsen, bald Senf verlangten. Dis Mutter rumorte in der Küche.