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soll über alle Not und Rnfechtung, die uns unser Glaube bringt, siegen der Gehorsam gegen den göttlichen Willen, wie er sich im Gewissen uns kundgibt. Nur durch solche INenschen kann das Neich Gottes gebaut werden. l). t).

Griechische Reisen und Sommerfrischen.

von Geh. Dberkonsistonalrat E>. W. petersen in Oarmstadt.

(Fortsetzung.)

(Es ging wieder bergan, und wir erreichten eine Fels- höhe, wo Hirten ihre sommerlichen Laubhütten aufgeschlagen hatten. Wir waren überrascht, uns plötzlich an einem Zufluß des Rlpheios, d. h. einige hundert Meter in schwindelnder höhe über demselben zu finden. Rus der Tiefe- rauschte der Fluß zu uns empor, in Griechenland gewiß ein sehr seltenes Vergnügen. Dieser Zufluß hieß in seinem oberen Lauf der Lenos, in seinem mittleren nach der Stabt Gortys Gortpnios, jetzt Fluß von Vimitzana, dem hauptort des Flußtals, nach dem wir unsere Schritte lenkten. Vimitzana ist eine eng­gebaute Stadt, hoch auf den schroffsten Felsen des linken Flußufers gelegen, nur auf steilen und schmalen Pfaden zugänglich. Wir sahen sie im Hellen Morgenlicht. Die Schlucht selbst war herrlich grün mit großen Sträuchern bewachsen. Nechts führte an unserm Standort ein Fußpfad am Nbgrund entlang nach einer Felsennische, in welcher ein kleines, von einem Einsiedler bewohntes Kloster stand. Lange genossen wir den erquickenden Nnblick, und dann ging es durch die Büsche hinunter, bis wir an eine türkische Brücke kamen. Die Wasser flössen mit blauen Wellen und weißem Schaum dar­unter her. Einige Mühlen standen am Fluß unter grünen Bäumen, dazu der großartige Nbschluß durch die Schlucht, ein Bild für einen Maler. Wir stiegen bis an den Fluß hinab und tranken direkt aus ihm mit unersättlichem Durst und großem Wohlbehagen. Das Wasser war so rein und geschmack­los wie Tsuellwasser. Nun ging es wieder zu Pferde bergan bis auf das Nuinenfeld der alten Stadt Gortys, deren Mauer- züge sich weit auf einem flachen Berge verfolgen ließen, aus massiven Blöcken gebaut. Die Neste liegen in den Weinbergen des Dorfes Rtzikolo, dessen erste Häuser wir berührten. Vas erste war dasjenige eines Priesters, der uns zu trinken gab,' denn es war heiß, und uns um Tabak ansprach, worauf wir uns gern des trocken gewordenen Vorrats entledigten. Der alte Name Gortys erhielt sich im Mittelalter in der Benen­nung dieser Gegend: Skorta. Die Gortynier sind ein äußerst betriebsames Volk. Nls Krämer, Handwerker, Schankwirte findet man sie überall in Griechenland. Sie sind stolz, die Welt gesehen zu haben und zu wissen, was sich schickt.

Nuf dem Bergabhang in brennender Sonnenglut ging unser Ritt weiter. Brombeeren am Wege wurden mit Vorliebe vom Pferd aus gehascht, um die vertrocknende Zunge etwas anzufeuchten. Es war daher ein wonnevoller Nugenblick, als wir nach langem Kitt auf steinichtem Terrain den Drt Karytäna vob uns liegen sahen, d. h. zunächst die stolze mittelalterliche Burg. Ts dauerte nämlich noch lange, ehe wir den Drt erreichten. Ts war Mittag, IV 2 Stunden sollten ge­rastet werden.

583 m hoch erhebt sich am Eingang eines Engtals der Felskegel von Karytäna, in dessen Burg sich das mittelalter­liche, feudale Griechenland ebenso verkörpert, wie die home­rische Zeit in Mykenä und Tiryns. Im Nnfang des l3. Jahr­hunderts, 1204 und 1205, eroberten Geoffroy de villehar- donni und Guillaume de Ehamplitte mit Rittern aus Burgund und dem Hennegau den Peloponnes. Der letztere wurde Fürst

von Morea, in welcher Würde der erstgenannte ihm folgte, ein Mann von hervorragenden herrschergaben. Vieser teilte den Peloponnes in 14 Baronien ein. Ueberall wurden damals Ritterburgen gebaut. Oer Sitz einer dieser Baronien wurde Karytäna, das 12 Ritterlehen umfaßte, und von Geoffroy de villehardonni seinem Tochtermann hugues de Brugores 1209 übergeben wurde. Sein Sohn Geoffroy de Taytens ft 1278) galt für den glänzendsten Rittersmann im Peloponnes, hu­gues de Brugsres erkannte die Wichtigkeit dieser Felsenburg für die Beherrschung des inneren Landes. Zisternen, Mauern, Türme gaben ihm eine schier unüberwindliche Stärke. Wie beherrschend sie war, zeigt noch heute der Umstand, daß der Fluß, der ihren Fuß benetzt, noch heute der Fluß von Karitäna heißt. Gegen ihn, den Rlpheios, fällt der Burgfelsen in steilen Wänden ab. von oben ist es ein Blick in schwindelnde Tiefe. Lin seltsamer Gedanke, daß diese französischen Ritter den ganzen geistlich-ritterlichen Staat des Mittelalters hierher verpflanzten und ohne Rücksicht auf Geschichte und Natur des Landes durchführten. Ihre Taten hat ein Grieche zwischen 1350—60 in einem Epos gefeiert, der „Ehronik von Morea", die auch als Denkmal des damaligen Zustandes der griechischen Volkssprache äußerst interessant ist.

In Karytäna nahmen wir uns gleich einen Jungen, um uns auf die Burg zu führen. Rudere Jungen schlossen sich mit heißem Interesse uns an. Die natürliche Intelligenz des Stammes leuchtete ihnen aus den dunklen Rügen. Unterein­ander redeten sie, wie ihnen der Schnabel gewachsen war, uns gegenüber befleißigten sie sich einer schulgemäßen Sprache. Es steckt ungeheuer viel Philologennatur in dem Griechen­volk, das nicht bloß seine wunderbare Sprache gebildet hat, sondern auch selbst durch seine Sprache gebildet worden ist und wird. Daß dieses Volk unter all den Stürmen und Wettern, die über es hingegangen sind, nicht seine Nationalität verloren hat, verdankt es in erster Linie seiner Sprache und seinem treuen Festhalten an derselben, und dem Umstande, daß die Kirche die Pflegerin der Sprache gewesen ist. Ihre Liturgie mit dem hellenistischen Griechisch bewahrte die Volkssprache vor gänzlicher Barbarei. Vas heilige Wort wurde der ljort des Volkes. Goten und Navaren haben im Peloponnes keine Spuren außer denen einer barbarischen Zerstörungswut hinterlassen, und die viel schlimmere ksochflut der Slaven hat nicht vermocht, den Griechen der Morea ihre Sprache zu ver­derben. Gewiß, eine geringe Zahl slavischer Lehnwörter ist in die Volkssprache übergegangen, viele Drtsnamen sind rein slaoischen Tharakters oder haben doch slavisierende Endungen angenommen, wie Tripolitza aus Tripolis, aber trotzdem verhalten sich die slavischen zu den hellenischen Drtsnamen im Peloponnes wie 1:10, und jedenfalls haben die slavischen Einwanderer die ganze Struktur der Sprache nicht beeinflußt. Die Griechen sind eben vermöge höherer Kultur und ausgebil­deter Sprache der Slaven so gut Herr geworden, wie ihrer die Germanen im ganzen Gsten Deutschlands fjcrr geworden sind trotz der slavischen Drtsnamen: Jena, Leipzig, Dresden, Berlin, Stettin, Danzig, Schwerin und der unzähligen Grts- namen auf ow. Untereinander sprachen unsere jugendlichen Begleiter gurnizo, zu uns aber guorizo, und wenn wir statt guorizo, das heute gang und gäbe ixswro gebrauchten, be­fleißigten sie sich mit großer Sicherheit des erlernten Buch­griechisch.

Im Schweiße unseres Rngesichts vollendeten wir den wirklich sehr mühsamen Rufstieg. Line Burg ganz so, wie man sie bei uns sieht, ein hohes Felsennest mit dem großartigen Blick vorn auf das Lykaion, rechts in das tiefe Engtal des