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zu werden. Als Marie einmal das Zimmer verließ, um ihrer Mutter beim Kochen der großen Schwartemagen zu helfen, sagte ich ingrimmig zu Gottfried: „Du Lugenmaul, du hättest doch lieber gleich sagen können, daß du zum Direktor der Kurkapelle in Wiesbaden bestimmt feist."

Gottfried machte bei meinem Vorhalt eine seiner ge­wöhnlichen Fratzen und sagte dann lachend: „Man muß den lveibsleuten etwas vormachen, dann haben sie gleich grö­ßeren Respekt vor einem."

Uls hierauf gekartet wurde, war Gottfried eifrig beim Glabrias und gewann ein ansehnliches Häufchen Geld. Der­weilen machte ich der Marie Vorwürfe, daß sie mit Gottfried freundlich getan habe. Sic lachte mich aus und sagte: „Du wirst doch nicht eifersüchtig sein? Glaubst du, ich wollte etwas von dem Fratzenschneider wissen? Der kann Gesichter machen wie ein Grang-Utang, und was er betet, ist gelogen. Du bist und bleibst mein lieber Peter."

Die'Kälte hinderte uns Musikanten natürlich nicht daran, daß wir oft in Vockenhausen zusammenkamen und eifrig spielten. Für das kommende Jahr gab der Meister die Losung aus, und die hieß: Holland.

Das neue Jahr, das mit gewaltiger Kälte einsetzte, nachdem in den lveihnachtstagen vorübergehend gelindere Witterung geherrscht hatte, stellte mich vor eine wichtige Entscheidung. Ich war in mein zwanzigstes Lebensjahr ein­getreten und mußte mich mit dem Gedanken vertraut machen, im herbste Soldat zu werden. Nun lagen aber die bayerischen Infanterie-Negimenter, in die in den letzten Jahren die jungen Burschen aus meiner Gegend eingereiht worden waren, in Garnisonen, die unbeliebt waren. Diese Garnisonen waren Metz und Germersheim. Der Bruder Jakob hatte mir die Garnison Metz in nichts weniger als leuchtenden Farben ge­schildert. Eine böswillige, deutschfeindliche Bevölkerung, vor der der Soldat sich stets in acht nehmen müsse, teuere Preise in den Kaufläden und in den Wirtschaften, miserable (stuar- tiere, wenn es zu Uebungen hinaus nach Lothringen ging, ein sehr schwerer und auch gefährlicher Wachtdienst, dazu die nicht geringe Entfernung von der Heimat, so daß man selten Gelegenheit hatte, in Urlaub zu gehen. Und Urlaub wollte ich doch gern haben, schon allein wegen der Marie Lippert. Uber auch Germersheim wurde als wenig verlockend hingestellt. Er hieß, dort herrsche wegen der Sümpfe und Tümpel in der Uähe des Rheines eine ewige Fieberluft, und die Schnaken, die aus den Sümpfen hervorkämen, seien so zahlreich wie die Sandkörner am Meere. Es wurde die Schauermär erzählt, ein Soldat, der dort auf Posten stand, sei im Schilderhause derart gestochen worden, daß sein Kopf so angeschwollen sei, daß der Mann das Schilderhaus nicht mehr habe verlassen können und daß ihn die Ublösung mit­samt dem Schilderhause nach dem Lazarette getragen habe. Ruch wurde erwähnt, daß in der bayerischen Urmee die Rede gehe: „Wer Vater und Mutter nicht ehrt, der kommt nach Germersheim oder nach Ingolstadt."

hingegen war mir Mainz als eine schöne und freundliche Garnison genannt worden, die auch den Vorzug hatte, nicht weit von meiner Heimat entfernt zu sein. Uuf der Durchreise hatte ich die Stadt wiederholt berührt. So beschloß ich, mich dort freiwillig zum Eintritt in ein Regiment zu melden. Ich besprach die Sache mit meiner Mutter. Ls war ihr schwer, nun auch den vierten und jüngsten Sohn für den Militärdienst hergeben zu müssen, aber sie sah ein, daß mein Entschluß nicht schlecht sei, und gab ihre Zustimmung. Ich erwirkte mir vom Bezirkskommando in Kaiserslautern einen Meldeschein,

reiste im Januar nach Mainz und meldete mich zu dem hessi­schen Infanterie-Regiment Ur. I I 8 . Ich wurde auch ange­nommen.

Ich hatte diese Reise in der strengsten Winterkälte ge­macht, wir hatten 20 Grad Reaumur. Die Fenster des Eisen­bahnwagens, in dem ich saß, waren fest zugefroren. Ich hauchte solange darauf, bis sich ein Loch in der Eisdecke gebildet hatte. Durch dieses Loch sah ich die winterliche Landschaft: Schnee auf den Feldern und auf den Dächern, krächzende Raben auf den Bäumen und vereiste Bäche. Blut­rot stand am Morgen die Sonne am Himmel. In Mainz wurde mir das seltene Schauspiel zuteil, daß der Rhein über seine ganze Breite hinüber zugefroren war, ich lief auf der Eis­fläche hinüber nach Kastel. In der Mittagszeit tummelten sich dort viele Menschen. Küfer machten auf dem Eise nach alter Sitte ein Faß, ein Marketender verkaufte viel Punsch. In einem Gasthofe in der Behelsgasse blieb ich über Nacht und fuhr am nächsten Tage wieder zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Klein-Linden. Fast schien es, als ob das Fest des 60jährigen Bestehens der kirchlichen Gemeinschaft (Posaunen­chor und Missionsverein) Klein-Linden, ein Fest, das so lange geplant und vorbereitet war, durch Regenwetter in unserm Kirchlein hätte gefeiert werden müssen. War es nun auch kein Sonnenschein, so war es doch von unten und oben trocken, und andächtig lauschte eine zahlreiche Gemeinde den Worten der Redner, den Klängen der Posaunen und dem Gesang des Kirchenchors, und kräftig erscholl der Gemeindegesang unter Posaunenbegleitung. Ts wäre aber doch nicht Jubelfest des ältesten hessischen Posaunenchors gewesen, wenn es nicht in unserem Wäldchen über der Burg, in der „Woisting" hätte ge­feiert werden können.

Was für ein Fest war es denn nun aber eigentlich, das wir am Sonntag, den 5. Juli, feierten? Jedenfalls keine Vereinsfestlichkeit im gewöhnlichen Sinn, wie wir ja viele, allzuviele haben. Und wenn auch bei denen die Gemeinde­glieder teilnehmen, hier war es innere Rnteilnahme des Her­zens, die so viele Hörer und Freunde geistlicher Musik und Freunde der Mission, Freunde des Vereins, der diese Dinge pflegt, und die Gemeinde Klein-Linden zum Wald ziehen hieß, wo unter schattigen Bäumen Bläserpulte und Hörerbänke, sowie eine laubumrankte Kanzel aufgeschlagen waren. Im Festzug begaben sich Verein und Festgäste auf den Festplatz, und hatte auch die Ungunst der Witterung am vormittag manchen vorsichtigen im Haus gehalten, es war doch ein statt­licher Kreis, der sich dort sammelte. 10 Posaunenchöre aus der Umgegend wirkten mit, und kräftig erscholl der Klang der In­strumente in geistlichen Liedern und in der Begleitung des Gc- meindegesangs. Zarter war die Stimme des Kirchenchors, aber prächtig wirkten auch seine Lieder zum Preise Götter und zur Erhebung der Gemeinde. Posaunen- und Kirchenchor und Ge­meindegesang wechselten ab mit den Reden.

Zur Begrüßung richtete Pfarrer Schulte einige Worte an die Versammlung. Die Festpredigt hielt Liz. Or. Vollrath aus Gießen über Ev. Joh. 3, 30: „Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen." Er zeigte, wie ein jeder evangelische Ehrist die Pflicht habe, dieses Wort in seinem Leben wahr zu machen. Pfarrer Lenz aus Darmstadt (Llisabethenstift) ging in seiner Rnsprache näher auf das Wesen und die Uufgaben des Vereins ein. Nach einer Pause von Vr Stunden sprach