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weniger Geld als sonst bei der Sparkasse in Kirchheimbolanden würde einlegen können. In verdrießlicher Stimmung stieg ich in Kaiserslautern in das Eisenbahnabteil, legte mein Felleisen und meine Trompete in das Gepäcknetz und zündete meine kurze Pfeife an.
Das Zeichen zur Rbfahrt war schon gegeben, da stieg ein junges Mädchen, das ein blaues Kleid und einen kleinen schwarzenhut trug und ein inBindfaden eingeschnürtes,großes Paket in der Hand hielt, zu mir in das Abteil. Rergerlich, wie ich war, hatte ich mich gar nicht umgesehen, sondern ingrimmig die Tabakswolken zu dem offenstehenden Fenster hinaus- gepafft. Da hörte ich, wie meine Mitreisende vor sich hinlachte, ich sah mich um, da lachte sie mir laut ins Gesicht und sagte: „Gelt, Peter, du kennst die Leute von Ruppertsecken nicht mehr?"
Ich riß die Rügen auf und erkannte Marie Lippert, die mit mir in die Schule gegangen war. Ich hatte sie ungefähr drei Jahre lang nicht gesehen, da sie in Speyer, Ludwigs- Hafen und Mannheim bei vornehmen Herrschaften in Stel- lung gewesen war und im Winter, wenn ich in Ruppertsecken weilte, sich nicht hatte zu Hause blicken lassen. Sie war groß und stattlich geworden und sah mit ihrer frischen Gesichtsfarbe wirklich recht hübsch aus. Daß sie immer noch keine Kopfhängerin war, merkte ich an ihrem Lachen. Sie reichte mir die Hand und sagte: „Guten Tag, Peter, wo kommst du her?"
„Direkt von Paris," war meine Rntwort, wenn sie auch nicht ganz richtig war^ denn wir hatten, seitdem wir von Paris abmarschiert waren, an vielen Orten Rast gemacht. Rber als Musikant, der die Welt durchstreift, wird man etwas großspurig und nimmt leicht den Mund etwas voll.
„Sonst kommen doch die Musikanten nicht so früh nach Hause und du bist auch ganz allein?" fragte Marie.
Ich gab ihr die nötigen Erklärungen und fragte dann Marie, was sie in Kaiserslautern zu tun gehabt habe.
Meine Frage entfesselte einen gewaltigen Redestrom.
„Zeit Gstern," so erzählte meine einstige Mitschülerin, „war ich hier in Stellung. Ich habe es in Mannheim, wo ich im vorigen Winter war, nicht mehr aushalten können. Dort war ich bei einem Doktor. Rber das halte jemand aus mit so einer Frau, wie sie der Doktor hatte. Jeden Rbend ging die in das Theater, und ich mußte in meiner Küche vor mich hinstieren und warten, bis die Madame heimkam. Dann mußte ich ihr noch helfen die Locken wickeln und mußte das dumme Zeug anhören, wenn sie vom Theater sprach. Was lag mir an der weißen Dame und der Rhnfrau, und wie all die dummen Stücke heißen! Oder wenn die Madame schlecht gelaunt war, da hat sie geschimpft, ich hätte ihr nicht sofort die Tür ausgemacht, es sei doch so kalt draußen und ich wüßte doch, daß sie so zart sei. Um Gotteswillen, die und zart! Die konnte essen wie ein Kleesamendrescher, sauer und süß durcheinander, und wenn sie wütig war, hat sie auf den Stuben- boden aufgetreten wie ein Thevauleger. Ra, kurz und gut, ich habe ihr zum l. Rpril gekündigt und habe mich nach Kaiserslautern zu einem Kaufmann verdingt. Rber, da bin ich aus dem Regen in die Traufe gekommen. Kinder wie die Orgelpfeifen, sechs Stück, das älteste neun und das jüngste ein halbes Jahr alt. Der Mann ein alter Brummelbär und die Frau hat bei jeder Kleinigkeit geflennt. Den Kram bin ich müde geworden, und jetzt will ich einmal einen Winter hindurch zu Hause bleiben."
(Fortsetzung folgt.)
Kleine Mitteilungen.
Nächsten Mittwoch, den 8. Juli, findet nachmittags 3 Uhr im oberen Saale des Gemeindehauses in der Kirchstraße die Jahresversammlung des Dberhessischen Dereins für die Rasier Mission statt. Ruf der Tagesordnung steht die Neuwahl des Vorstandes und ein Bericht des Missionars Müller über die Inspektionsreise in Thina. Rlle Missionsfreunde, besonders auch die Mitglieder unserer Frauenmissionsvereine, sind hierzu eingeladen.
Der Kirchenbesuch unserer Neukonfirmierten in Gießen ist wenig befriedigend. Zur Ehristenlehre kommen die Kinder noch eben, weil der Besuch kontrolliert wird und die Säumigen gemahnt werden, auf einige unter ihnen wie auch auf ihre Eltern hat selbst dar keine Wirkung mehr. Dem sonntäglichen Kirchenbesuche entziehen sich viele Kinder, man kann nur sagen, in sehr gewissenloser Weise, heute wird man konfirmiert und gelobt, zu dem Wort Gottes und den Sakramenten zu halten, und morgen tut man so, als ob Sonntags keine Glocken mehr läuteten und es keine Kirche mehr gäbe. Natürlich tragen die Eltern an diesem beklagenswerten Verhalten unserer Neukonfirmierten die Hauptschuld.
Airchliche Anzeigen.
Sonntag, den 5. Juli, 4. nach Trinitatis.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Zugleich Ehristenlehre für die Neukonsirmierten aus der Matthäusgemeinde.
vormittags M/s Uhr: Pfarrer Schwabe.
vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. pfarrassiftent Hoffmann.
Mittwoch, den 8. Juli, nachmittags 3 Uhr im oberen Gemeindesaal, Kirchstraße 9: Jahresversammlung
des Dberhessischen Vereins für die Basler Mission, wozu alle Missionsfreunde, besonders auch die Mitglieder unserer Missionsvereine eingeladen werden. Herr Missionar Müller wird von der chinesischen Inspektionsreise berichten.
In der Johanneskirche.
vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimsr.
Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.
vormittags M/s Uhr: Professor E>. Schian.
vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde.
Pfarrer R d o l p h.
Rbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal.
von allen Hautunreinigkeilen und Hautausschlägen, wie Blütchen, Finnen, Pickel, Hautröte usw. durch tägl Gebrauch der echten
t 3 , JtoauuwterO - 5eerschroefaL-pfeife V Bergmann L Co , Radebeul, d Stück 50 PIg Überall zu haben.


