Gemeinöeblatc liirOif evangelische Airchengemeinüe GiesZkw
Nr. 16. Gietzen, Sonntag Misericordias Domini, 26. April 1914. 3. Jahrgang.
Die Erlennungszeichen des Lhristenadels.
1. Kries des Petrus 4. 8 — 11. So seid nun mäßig und nüchtern zum Gebet vor allen vingen aber habt untereinander eine brünstige Liebe; denn die Liebe deckt auch der Sünden Menge. Seid gastfrei untereinander ohne Murmeln. Und dienet einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten kfaushalter der mancherlei Gnade Bottes. So jemand redet, daß er es rede als Gottes Wort. So jemand ein ktntt hat. daß er es tue aus dem vermögen, das Gott darreichet, auf daß in allen vingen Gott gepriesen werde durch ?jesum Christ, welchem sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Omen.
In dem oorangestellten Gottesworte gibt uns der flpojtel Petrus die zwei Haupterkennungszeichen wahren Ehristen- adels an die Hand: verzeihende Liebe und dienende Liebe. Keinem der Zwölfe war vielleicht eindringlicher die Mahnung verzeihender Liebe vom'Meister, als er noch auf Erden wandelte, ans Herz gelegt worden, als dem Petrus! „Herr, ist es genug, siebenmal vergeben?" „Ich sage dir, Petrus, nicht siebenmal, sondern siebenzig mal siebenmal ~ unbegrenzt !" Hud) keinem war vielleicht die Bitte dienender Liebe so innig nahcgebracht worden wie ihm, selbst da Jesus als schon Buferstandcner und verklärter noch einmal abschiednehmend sich den Jüngern offenbarte, wer kennt nicht die dreimalige, dem Petrus und mit ihm uns allen ans Herz greifende Frage: „Simon Jona, hast du mich lieb? dann weide meine Schafe!" Dann diene, wie ein treuer fjirte seiner Verde dient. Und dem Petrus der reiferen Jahre ist auch das tiefste Geheimnis, das in der Kraft solcher zwiefachen Liebe verborgen liegt, nun klar aufgegangen! wie ein Samenkorn, das noch lange auf seine volle, dann aber unendlich schöne Entfaltung warten sollte, war es bereits ins alle Testament eingebettet worden: Schon ein Salomo ahnte er (Sprüche 10, v. 12), was Petrus nun neu aufgreift und erweitert: „Liebe deckt zu alle Uebertretungen" — „Liebe deckt auch der Sünden Menge"! hier ist zugleich recht eigentlich der Schlüssel des Verständnisses dafür gegeben, warum das Licbesopfer Jesu auf Golgatha, dieses Gottessohnes in einem ganz anderen, vertieften Sinne, als er von uns als „Kindern Gottes" gilt, tatsächlich die Sünden der ganzen Menschheit vor dem himmlischen Vater so „zudecken" konnte, daß wir nun einen freien Zugang zu ihm haben! — Und nun, nachdem Petrus jene zwei Grundcharakteristika des
wahren adeligen Christen festgestellt hat, kennzeichnet er in einem einzigen hohen und kostbaren Begriff den Charakter eines solchen Christen überhaupt: er ist ein haushalter Gottes, „der gute haushalter der mancherlei Gnade Gottes", weshalb er diese unendliche Vielseitigkeit göttlicher Liebe in wort und Cat auch auf gar verschiedene weise, je nach der ihm von Gott verliehenen Begabung, an seinen Mitmenschen zur Darstellung bringen soll. Uber wohlverstanden, nicht etwa, um nun all diese schönen Gaben sich wieder als eigenes Verdienst anzurechnen, sondern einzig in der Gesinnung und Uusführung, „daß in allen Dingen Gott verherrlicht werde durch Jesum Christum".
Line letzte Sehnsucht.
Eine letzte Sehnsucht bleibt dir immer, wenn du alle Liebe auch genossen hast; eine letzte Sehnsucht lechzt nach Schimmer einer ewigen Schönheit, lechzt nach Seelenrast.
Eine letzte Sehnsucht baut die Straße hin nach einem ganz erlösten Land . . .
Seele! laß sie niemals los und fasse,
sei's in letzter Stunde noch, die Heilandshand!
Bensheim a. d. Bergstr. Karl Ernst Knodt.
von den kriegsgefangenen Hottentotten.
von Missionar Heinrich Walther.
(Fortsetzung.)
Leider mußten die Urmen zu lange hier in Duala liegen, da kein Schiff nach Südwestafrika ging. So hatten sie unter dem ungesunden Klima der Küste viel zu leiden, und viel Krankheitsnot war unter ihnen. Uls ich am 2. Oktober Bonebela verließ und nach Mangamba übersiedelte, waren sie noch da. Kurz darauf soll ein Schiff gekommen sein, mit dem sie dann in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Der Herr segne sie und erhalte sie in seiner Gemeinschaft! wir aber wollen auf unser großes Ziel schauen, auf die ewige Seligkeit, welche Freude wird es sein, wenn einmal unsere Stunde schlägt, wenn wir aus dieser Gefangenschaft herauskommen zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes, wo dann keine Sünde uns mehr anfechten kann.


