119
Ich war immer einfach und altmodisch gekleidet, so wie man es in meiner, weit von großen Städten obliegenden Heimat gewöhnt war. Sonntags trug ich meinen Konfirmandenanzug, an den Wochentagen bei der Arbeit im Sommer einen blauleinenen, im Winter einen baumwoll- biebernen Bnzug. Damit wurde ich viel gefoppt. Wenn ich mit der blauen Jacke daherkam, riefen sie mir 3U: „Da sieht man, daß der ein Bayer ist, weil er blau trägt, das ist seine Landesfarbe." Wenn ich in Vaumwollbieber ging, riefen sie höhnend: „Da seht nur, der läßt alle seine Kleider in Mainz machen, das merkt man an dem feinen Schnitt und dem guten Stoff."
Gder meine Peiniger suchten mich 311 foppen, weil sie mich für arm hielten. Sn dieser Beziehung mußte ich sehr schlimme Beden anhören. „Wenn der zu Hause etwas zu essen hätte, so wäre er in Buppertrecken geblieben, aber dort gibt es nur Efuellkartoffeln und Sauermilch, und die Häuser sind so groß, daß ein Mann, der auf der Straße steht, durch den Schornstein herunterlangen und von innen die Haustür aufmachen kann. Wenn dort einer einen Tisch, eine Lankkiste und einen Zinnteller hat, so meint er, er Könne Familienvater werden. Dort gibt es nichts als Korbmacher, die sich die Weiden holen, ohne sie zu bezahlen, und Besenbinder, die sich die Beiser im Walde stehlen."
Wenn ich diese Beden hörte, so wurde ich sehr betrübt. Gewiß, meine Eltern waren unbemittelte Leute, wenn sie auch ein kleines Gut ihr eigen nannten, aber sie haben sich und ihre Kinder stets ehrlich durchgeschlagen und Mangel haben wir, Gott sei Dank, nie gelitten. Wie wohl habe ich mich im Elternhause stets gefühlt und wie habe ich meine Eltern geliebt! Sch halte es für schändlich, einen Brmen seine Brmut fühlen zu lassen. Es gibt leider Menschen, die das tun, und allermeist tun sie das dem Wehrlosen gegenüber. Sie foppen dann einen anderen, wenn sie in großer Zahl zusammen sind und jeder Witz gebührend belacht wird,' sind sie aber allein, so wagen sie sich nicht an einen anderen heran.
Bber ich fand einen Helfer in meiner Bedrängnis, dieser Helfer war mein Dienstherr. Durch Zufall hörte er eines Tages mit an, wie man mich sogar vor dem Gottesdienste, als wir vor der Kirchentreppe standen, mit rohen Spässen kränkte. Da nahm er sich meiner wacker an. „Schämt euch," sagte er, „daß ihr einen braven Bub verspottet und auslacht. Shr seid nicht mehr wie der Peter auch. Und daß ihr ihn gerade in dem Bugenblick zum Barren halten wollt, da ihr auf das Läuten der Glocken wartet und in die Kirche gehen wollt, ist doppelt schändlich. Wer noch einmal den Peter foppt, kriegt es mit mir zu tun." (Fortsetzung folgt.)
Meine Mitteilungen.
hohe, heilige Festtage liegen hinter uns. Sn Stadt und Land sind die Gotteshäuser überfüllt gewesen, und andächtige Menschen haben der Botschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Heiland gelauscht. Leider haben die hinter uns liegenden Tage auch manches gezeigt, das unerfreulich ist. Smmer mehr wird es in Deutschland zur Gewohnheit, daß man an den großen christlichen Festen Busflüge macht. Gewiß ist ja jedem arbeitenden Menschen, der die Woche hindurch in der Werkstatt und im Brbeitszimmer seine Schuldigkeit getan hat, zu gönnen, daß er an Sonn- und Festtagen sich an Gottes herrlicher Natur erfreut, die gerade in diesen Frühlingstagen ihren größten Reiz entfaltet, aber
früher hat in Deutschland immer die gute Sitte geherrscht, daß man erst dann in das Freie ging, wenn man vorher im Gotteshause geweilt hatte, heute tun viele leider so, als ob es ein Gotteshaus gar nicht mehr gäbe. Für diese unsere Volksgenossen läuten die Glocken nicht mehr, öffnet die Kirche nicht mehr ihre Pforten. Wenn jemand früher schon während oder vor der Zeit des Gottesdienstes in das Freie ging, so tat er das fo, daß er nur von sehr wenigen gesehen wurde, heute scheinen unsere Touristen Wert darauf zu legen, sich in ihrem für Blpentouren berechneten Kostüm und mit dem mächtigen Bucksack auf dem Rücken gerade unter die Kirchenbesucher zu mischen, als ob sie damit sagen wollten, daß für sie der Gottesdienstbesuch ein überwundener Standpunkt ist. Sehr zu bedauern ist, daß gerade die Jugend ihre Wanderfahrten zurzeit des Gottesdienstes unternimmt und durch auffallendes und geräuschvolles Treiben die Bewohner unserer Dörfer ärgert. Uns tun diese unsere Volksgenossen leid, die nicht wissen, was zur Bereicherung ihres Snnen- lebens, zur Stärkung ihres Gemlltslebens nötig ist. Eine Jugend vollends, die Gottes Wort nicht mehr wertschätzt und keine Ehrfurcht mehr vor dem hat, was früher unserem Volke ehrwürdig und heilig erschien, ist entschieden auf falschem Wege. Unsere Nation wird von denen, die es so in der Jugend treiben, nichts zu hoffen haben, wenn die jungen Leute von heute einmal in das reifere Klier gelangt sind.
Worte zum Nachdenten.
Ein Stück unserer Lebensaufgabe erfüllen wir durch das, was wir leisten, in der Kraft und mit den Gaben, die Gott uns schenkt. Das andere erfüllen wir dann, wenn wir leiden in Bewahrung unseres Gehorsams.
Bur in einem in Gott gesammelten und gefaßten Herzen, das stark ist in seiner Kraft und durch ihn einen festen halt hat in sich selbst, sind wir gerüstet und gewaffnet für die schweren Kämpfe des Lebens, für die Bnfechtungen dieser Zeit.
Kirchliche Anzeigen.
Samstag, den 18 . Bpril.
Sn der Stadttirche.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Schwabe.
Sn der Johanneskirche.
Nachmittags 2 Uhr: Beichte. Pfarrer Bechtolsheimer. Sonntag, den 1 9 . Bpril (Duasimodogeniti). Kollekte für die Brmen.
Sn der Stadtkirche, vormittags 91/2 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Markus- und Militärgemeinde. Feier des heiligen Bbendmahls. Pfarrer Schwabe.
Bbends 6 Uhr: Pfarrer I). Schlosser.
Feierliche Entlassung der Ehorschüler.
Sn der Zohanneskirche. vormittags 9 Ve Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lukasgemeinde. Feier des heiligen Bbendmahls. Pfarrer Bechtolsheimer.
Bbends 6 Uhr: pfarrassistent hoffmann.
Bbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal.
JiAfl/
Dame
welch, eine zarte,weiße Haut a. blend.achön Teinterlang u.erhalten will, wäscht sich nur mit
‘ftßtbaxvpferö -Velfz
die beste Lilienmilchseife von Bergmanna & Co., Rad« boul. Stck.SOPf. Ueberall erhältlich.


