114 -
Die Reparaturen an der alten Kirche hören nicht auf. Die Kastenrechnungen von 1699 bis 1772 zeigen, wie jährlich bald hier, bald dort Reparaturen nötig waren. Rls man 1772 sich anschickte, das Mauerwerk an der Kirche auszu- bessern, zeigte sich dasselbe so schadhaft, daß sich die Gemeinde entschloß, das alte Kirchengebäude niederzulegen und eine neue Kirche zu bauen. Den plan zur jetzigen Kirche hatte der Rauverwalter Rockstroh von Lich entworfen. Die örtliche Rauleitung war von Pfarrer örück dem Kaspar Zchaefer junior und Kaspar Kraemer übertragen worden. Dieselben waren von Pfarrer Drück verpflichtet worden, genau nach dem Riß zu bauen. Die Maurerarbeiten machte Peter Datum. (Woher dieser war, wird nicht gesagt.) Die Zimmerarbeiten machte Zimmermeister Zpar von Lich, die Zteindeckerarbeiten Peter Rimber von Gießen, die Glaserarbeiten Rdam Gierharth und die Zchreinerarbeiten Ludwig Dierharth. (Woher diese waren, wird nicht gesagt.) Die Fenster und Türrahmen wurden von Zteinhauern in Trais hergestellt. Die lveißbinderarbeiten besorgte Maler hisgen von Lich. Derselbe befestigte auch die an der Empore befindlichen biblischen Rilder, die in Frankfurt gekauft worden waren. Sie sind nach Rnsicht und Urteil von Zachverständigen sehr wertvoll.
Der Zchalldeckel über der Kanzel wird von einem Zchwanen gehalten, dieser wurde in Gießen angefertigt. Zn der Kirchenbaurechnung heißt es: „bezahlt an den Zchlosser zu Gießen vor den schwahnen zu machen an die Kantzell 9 fl". Leider erfahren wir nicht, wie dieser Zchlosser hieß.
Nachdem Dach und Turm aufgeschlagen waren, wurde Richtfest gefeiert. Oie Zimmerleute erhielten „Zchmandt, boder und Warmbiehr". Ein Zimmergesell hatte den Ztrauß aufgesteckt und dabei aus einem „grün halb Podel-Glas Gesundheit getrunken und dann das Glas auf die Erde geworfen". Mit besonderer Feierlichkeit wurde der Hahn auf dem Turme durch Dachdecker Rimber von Gießen aufgesetzt. Für diese Rrbeit erhielt er noch extra 1 paar Ztrümpfe und I paar Schuhe. Diese mußte er aber oben auf dem Turm in luftiger höhe anziehen, dabei sprach er die Worte des Zöllners: „Gott sei mir Zünder gnädig!" Rußerdem erhielt er noch l'/-Maß guten Wein. „3 Gläßer verwarf er auf dem Turm, als er den Gickel hat aufgesteckt." Rußerdem warf er noch eine Hand voll Heller von dem Turm herunter und 1009 Nüsse, „den jungen Leuten zum Gedächtnis". Während dieses Vorganges sang die versammelte Gemeinde das Lied: „Rllein Gott in der höh sei Ehr!" Dann erhielten die Zimmerleute und Zteindecker eine Mahlzeit, die von einer eigens zu diesem Zwecke angenommenen Kochfrau bereitet war. Endlich war die Kirche vollendet und konnte am 23. Oktober 1774, den 21. p. Irin, eingeweiht werden. Wechselweise von der ganzen Gemeinde und allein von „den Weibspersonen" wurde zunächst das Lied: „Rllein Gott in der höh sei Ehr" gesungen, Pfarrer Rrück hielt die Weihepredigt über Matth. 17,4: „Petrus aber sprach: Herr hier ist gut sein, willst du, so wollen wir 3 Hütten bauen, dir eine, Moses eine und Elias eine!"
Die Kosten des Kirchbaues betrugen 10 016 fl. 15 albus 7 Heller. Sie wurden zum großen Teil durch Rbholzung eines Waldes, „roter Erdenkopf" genannt, aufgebracht.
Während der Erbauung der Kirche wurde der Gottesdienst, wenn es die Witterung zuließ, beim Leiterhaus unter der Linde, da, wo heute das Rackhaus steht, gehalten.
Rn Rauholz zu seinem Kirchbau erhielt Rlbach von jeder Gemeinde des Ruseckertales einen Eichbaum geschenkt.
Der von Reuern soll so schwer gewesen sein, daß ihn 5 paar Dchsen ziehen mußten und der Fürst von Lich auf untertänigstes Litten der Rlbacher seinen Raumwagen zum Transport lieh. Ruch das Kloster Rrnsburg schenkte Holz aus seinem Mönchwald.
Die Grgel aus der alten Kirche wurde in der neuen Kirche wieder aufgestellt. Sie war 1741 für 120 fl. von Orgelbauer K. Wagner von Rllendorf an der Lumda geliefert worden.
Die jetzige Grgel wurde 1862/63 von 3. G. Förster in Lich für 1200 fl. gebaut.
*
Soviel über die Geschichte der alten und jetzigen Kirche. Ueber die sonstigen kirchlichen Verhältnisse der Gemeinde teile ich noch folgendes mit:
3m Gemeindenotizbuch, das Rufzeichnungen eines Rl- bachers namens Rrück aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts enthält und für unsere Drtsgeschichte von großem Wert ist, heißt es:
„Was das hl. Predigtamt verlangt, so ist solches, wie wir von unseren Eltern und Voreltern wissen, eine lange Zeit von den Herrn pfarrherren zu Rödgen verwaltet worden." Ferner heißt es darin: „Diese parr ist niemals kein Filial bei keiner Kirch gewesen, sondern war sich selbst eine Mutter- kirch und keiner unterworfen laut Russage unserer Eltern und Voreltern."
Zu den kirchlichen Laulasten in Rödgen hatten die Rlbacher nichts beizutragen. Rur mußten sie, wie schon oben erwähnt, dem Pfarrer 10 Gulden geben, „wofür er sich ein Pferd mieten könne wegen des weiten Weges".
Der Gottesdienst wurde von altersher von Michaelis bis Dstern des mittags um 12 Uhr abgehalten. Rur am ersten Wcihnachtstag fand er um 7 Uhr statt mit darauf folgender Kommunion. Pfarrer hoffmann änderte dieses alte Herkommen und hielt am ersten Weihnachtsfeiertag mittags Kirche und im Rnschluß hieran Reichte, am zweiten Feiertag morgens dann Gottesdienst und Rbendmahl. Die übrigen Rbendmahls- feiern wurden am zweiten Gster- und pfingsttag, sowie an Michaelis gehalten, von Dstern bis Michaelis fanden die Gottesdienste vormittags 7 Uhr statt. 5o blieb es bis auf unsere Zeit. Fetzt werden die Gottesdienste von Michaelis bis Pfingsten um 12'/-Uhr gehalten, von Pfingsten bis Michaelis um 8 Uhr. Die Rbendmahlsfeiern werden abwechselnd mit Zteinbach zwischen Dstern und Pfingsten stets vormittags gehalten, im herbst zwischen Michaelis und Totensonntag.
Die Kinder wurden in Rlbach konfirmiert. Die Konfirmandenstunde dagegen in Rödgen gehalten. Doch wurde auch wiederholt versucht, die Konfirmation der Rlbacher Konfirmanden in Rödgen abzuhalten. 1780 führen die Rlbacher Klage, daß ihre Kinder in Rödgen konfir- mirt würden und nicht in Rlbach. Ihrer Beschwerde wurde stattgegeben und verfügt, daß die Kinder in Rlbach informiert und auch dorten konfirmiert werden sollten. Letzteres geschah auch. Die Konfirmandenstunde wurde jedoch nach wie vor in Rödgen gehalten, wohin die Rlbacher Konfirmanden gingen bis zum Filialtausch im Fahre 1838.
Durch den Filialtausch wurden die kirchlichen Verhältnisse der Gemeinde neu geregelt, und Rlbach erhielt seine selbständige kirchliche Verwaltung, die es heute noch hat. Rur das pfarrvermögen blieb bei Rödgen und alle Bemühungen der Rlbacher, das pfarrvermögen in eigene Verwaltung zu bekommen, scheiterten. Erst 1902/3 gelang es Pfarrer haacke nach langwierigen Verhandlungen, daß Rödgen das Rlbacher


