Einzelbild herunterladen

Nr. 14.

Gießen, Ostern, 12. April 1914. 3. Jahrgang.

Ostersonntag.

2. Brief des flpojtels Paulus an Timotheus I, 10. Christus hat dem Tode die Macht genommen und Leben und ein unver­gängliches Wesen an das Licht gebracht durch das Evangelium.

Jedes unserer hohen Feste hat nach dem Volksglauben seine besondere Stunde, das Christfest die Nlitternachtstunde vom 24. auf den 25. Dezember, in der alles lvasser in den Duellen und Brunnen zu lauter Wein wird, das Osterfest jene Stunde, in der am Ostersonntag die Sonne aufgeht. Frühmorgens, da die Sonn' aufgeht,

Mein Heiland Christus ausersteht.

Sm vogelsberg gehen vielleicht heute noch, sobald der Morgen tagt, am Ostersonntag die Kinder auf eine nahe­liegende Unhöhe, um in dem funkelnden Tagesgestirn, das zu zittern scheint, das Lamm Christus Hüpfen zu sehen. Und im Schlitzerland und noch an anderen Orten Hessens geht man stillschweigend und stumm zu heiligen Ouellen und Brunnen, um das Osterwasser zu schöpfen, das nicht verdirbt und für alle Schäden der Uugen so heilsam ist.

So setzt unser Volk zu Ostern die ausgehende Sonne mit dem auferstandenen Heiland in Verbindung. tDir wollen noch einen Schritt weiter gehen. Uns soll das am Dstertag aufgehende Tagesgestirn zum Bilde der Gsterwahrheit wer­den. U)ie ist die Uacht so dunkel, so still. Kein Leben regt sich, kein Vogel singt. Und gerade die Uacht vor Ostern, da jeder die Heimat oder eine ruhige Lagerstätte aufgesucht hat, da keiner mehr auf den Straßen wandelt. So still, so dunkel ist auch das Grab. Uns Menschen bangt vor ihm. Das Leben in uns schreit nach Lebendigem. Der Materialis­mus, der da spricht: Kein Jenseits gibt's, kein lviederseh'n, der Mensch ist Crde und Staub und Usche, nichts mehr, ist eine trostlose, traurige Lehre. Sie mag diejenigen befriedigen, die die Crkenntnis über alles fetzen, für den gesunden, leben­digen Menschen ist sie nichts.

Uber die Uacht vergeht. ll)ie anders ist es am Oster­sonntage, wenn die Sonne aufgeht, die Uacht zurückweicht. Uach und nach fangen die Vögel an zu singen. Bald hallt aus der Landstraße der Schritt der Wandernden, die Glocken in den Dörfern fangen an zu läuten. Und wie sie heute klingen, so ist es sonst an den Werktagen nicht. Uoch wird

an vielen Orten Gberhessens zum Zeichen, daß es ein hoher Festtag ist, mit allen Glocken geläutet, während sonst am Morgen nur eine Glocke klingt, hier und da tönt Posaunen­schall. Lin kleiner Chor Bläser hat sich beim Dorfe auf einen Hügel gestellt, und nun fluten die Töne über das Dorf hin: Christus, der ist mein Leben. Lobe den Herren, den mächtigen König der Chren. Das Leben ist da. Das Cvan- gelium Jesu hat, wie die Sonne der Nacht, so dem Code die Macht genommen und Leben und unvergänglich Wesen an das Licht gebracht. Christus hat den Tod überwunden, das Grab hat ihn nicht behalten. Seine starke Hand wird auch meine Seele nicht im Tode lassen.

Lässet auch ein Haupt sein Glied Welches es nicht nach sich zieht?

Sch weiß es nicht, wie er mich aus dem Grabe auf­wecken wird, wenig, wie ich weiß, wie Gott ihn, den Hei­land, aus dem Grabe auferweckt hat. Kein Cvangelium, kein biblischer Bericht erzählt davon. Niemand hat es ge­sehen. Uber trotzdem singe und bekenne ich:

Sch lag in tiefer Todesnacht Du wurdest meine Sonne,

Die Sonne, die mir zugebracht,

Licht, Leben, Freud' und Wonne.

G Sonne, die das Helle Licht Des Glaubens in mir zugericht Wie schön sind deine Strahlen!

Gr.-L. G. Sch.

Zur Geschichte des Dorfes Albach.

von Pfarrer G. K o e h l e r - Steinbach.

(Fortsetzung.)

Cs sei hier noch erwähnt, daß Gerlach Boppius der vierte evangelische Pfarrer von Uöügen war.

Der erste war Michael Becker, erwähnt in einem Leih­brief von 1554, der zweite war Heinrich Uepotianus, erwähnt in einem Uktenstück von 1571. Der dritte war Philipp Mül­ler, erwähnt in den Uödger Kirchenkastenrechnungen von 15981614. Bopps Nachfolger war Heinrich Pitz, welcher am 2. September 1658, 36 Jahre alt, in sein Umt eingeführt