100 -
Die Wohnung des Lharos wird so geschildert:
Don draußen lieb' ich Rot am Zelt, von drinnen doch das Schwarze,
Rls pflöcke dienen mir die Hand' der jungen Männer,
Rls Seile und Schleifen die Flechten der Mädchen.
Der Lharos und feine Mutter.
Lharos beschlägt sein Roß da draußen in dem Mondschein, Da fragt ihn seine Mutter, die Mutter spricht zu ihm: „Mein Sohn, wo gehst du auf die Jagd, wo suchst du dir dein Wildbret?
Nimm doch nicht Mütter mit Rindern und Brüder mit Schwestern,
Rimm doch micht junge Lheleut' mit Hochzeitskranz geschmückt !"
Wo drei ich finde nehm ich zwei, wo zwei, nehm ich den einen, Und find ich einen ganz allein, so nehme ich auch jenen.
Nachricht aus dem Hades.
Lin vöglein kam hervor einst au; der Welt da unten,
Ls hatte Rrallen purpurrot und schwarze, schwarze Federn,
Die Rrallen rot von rotem Blut, die Federn schwarz von Erde. Da laufen Mütter schnell herbei zu sehn und Schwestern um zu hören,
Und Weiber guter Männer auch, die Wahrheit zu vernehmen. Die Mutter bringt den Zucker her, das Schwesterlein den Moschus
Und guter Männer Weiber auch Rmaranth in ihren Händen. Friß vögelejn den Zucker doch und trinke von dem Moschus, Rieck auch an unsrem Rmaranth und, was du weißt, das künde!
„Ihr Rrmen, ach, wie sag ich nur, was dort ich sah, wie künd' ich's?
Sch sah den Lharos, hoch zu Roß' wohl über Felder jagen, Die Jungen schleppt er an den haaren, die Riten an den Händen,
Und all die kleinen Rinderlein am Sattelgurt ihm baumeln. Grausig ist folgendes:
Der Lharos.
Rch sage, sag', Geliebte, mir, wie nahm dich auf der Lharos?
Sch halte ihn auf meinen Rnien, er lehnt an meiner Brust, Und wenn nach Speise er begehrt, frißt er an meinem Leibe Und kommt nach Wasser ihm der Durst, trinkt er aus meinen Rügen.
Den Zorn des Lharos über den kecken Lebensübermut malt das folgende:
Der Lharos und das Mädchen.
Linst rühmt sich eine schlanke Maid, daß sie Lharos nicht fürchte,
Sie habe neun der Brüder ja und Ronstantin zum Gatten.
Das hörte Lharos irgendwo, ein Döglein täts verraten Und ging und traf sie just beim Mahl, beim Mahl tat er sic treffen.
„Gott grüße euch, ihr Herren mein, allsamt ihr edlen Gäste!" „Lei uns gegrüßt, Herr Lharos hier, willkommen doch Herr Lharos."
Sitz nieder und genieß des Mahls, des Mahls wallst du genießen !"
„Sch kam nicht her für euer Mahl, noch kam ich für das Lfsen, Sch kam nur für die schlanke Maid, die nicht den Lharos fürchtet!"
Rn ihren haaren faßt er sie, wirft sie auf seinen Rücken Laß ab von meinen haaren doch und faß mich an den Rrmen, Daß ich der Mutter Lebewohl und meiner Schwester sage,
Dem Dater sage Lebewohl, Lebwohl auch meinem Bruder Und Mutter ! kommt mein Ronstantin, wollst nicht sein Herz betrüben ;
Nicht' ihm das Mahl zum Rosten zu, sein Mahl laß du ihn essen,
Sch gehe mit dem Lharos jetzt und nie sieht er mich wieder.
Die Lvgenula.
Die Lvgenula, tausendschön und jüngst erst Neuvermählte, Rühmt laut vor all den Shrigen, daß Lharos sie nicht fürchte. Denn sie hat neun Brüder fein, mannhaft starke Helden Der Lharos hört das irgendwo, ein vöglein täts ihm sagen Schnellt seinen Pfeil und wirft sie jäh zu Boden.
Die Rerzte eilen schnell herbei, kein Mittel gibt; zum heilen. Bestürzt die Mutter stürzt herein, rauft sich das haar mit Händen.
„Du stirbst, o Lvgenula mein, was willst du auf mir tragen? — "
„ Welch einen Ruftrag hält' ich noch, was soll ich dir auftragen ?"
„D Mutter, kommt mein Ronstantin, wollst nicht sein Herz betrüben!"
Und sieh, da kommt der Ronstantin über Feld und stolz beritten,
Die Hirsche bringt er lebend mit, und wild Getier gebändigt, Hirschkälbchen führt gefesselt er an seinem Sattel hängend: Lr sicht ein Rreuz an seinem Tor, und Priester in dem Hofe DicMutter hält erfragend an:„Was stehen dort diepriester?" „Rch, starb nicht Lvgenula dir?" Man geht sie zu bestatten. Rur Silbcrscheide goldnes Schwert hat er herausgerissen, hebt's hoch empor und wild durchbohrt er dann sein eigen herze.
Wo man begrub den jungen Mann, da schießt empor 3y- pressenbaum, der stolze:
Wo man begrub das junge Weib, ein Röhricht sah man sprießen.
Und wenn Herr Nordwind fährt durchs Land, da neigt sich die Zypresse,
Und wenn der Zephir linde saust, da schmiegt sich leis das Röhricht,
Das Röhricht schmiegt sich, die Zypresse küßt.
fSchluß folgt.)
Zgnatius von Loyola.
Schon feit Jahresfrist ziehen die Vorgänge im katholischen Lager die Blicke der Rndersgläubigen mit zunehmender Nachhaltigkeit auf sich. Dort, im Schatten des bisher für unanfechtbar gehaltenen Zentrumsturmes, herrscht eitel Streit und Unfriede. Ls ist Verwirrung in die sonst so wohlgeordneten Reihen gekommen. Rufgeregt laufen die Scharen durcheinander, weil keiner weiß, wohin er gehört, und auch diejenigen, die im Sturmgebraus die angenommene Richtung fcfthalten, sind innerlich unsicher, weil sie nicht wissen, was die Zukunft bringen, und wie lange es so weiter gehen wird. Rirchcnfllrsten sagen sich gegenseitig in durchsichtigen, diplomatischen Redewendungen die Meinung und geben nachher vor, nicht zu wissen, was sie gesagt haben. Ls ist der Streit um die christlichen Gewerkschaften oder darüber, ob deren katholische Glieder mit den andersgläubigen verbandsgenos- scn auch weiterhin ihre gemeinsamen beruflichen Interessen verfolgen und verfechten dürfen. Man will nämlich den end- giltigen Trennungsstrich ziehen: hie Ratholik, hie Protestant, und das wollen sich die deutschen Ratholiken einstweilen noch nicht gefallen lassen. Wie lange der Widerstand dauern wird?


