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viel Hng(t eingejagt und der später beim Grasen und Rehren- lcsen uns Kindern so viel Lug vorgemacht hatte, ein so eleganter, selbstbewußter Herr werden würde, hätte ich nie gedacht. Und Geld hatte der Gottfried, seine Börse war gut gespickt. RIs ich ihm sagte: „Ihr Musikanten verdient aber viel Geld", da nickte er zuslimmend. Gleich darauf aber schnitt er eine Fratze, wie ich von früher her sie an ihm kannte, und, während ein höhnisches Lächeln über sein Gesicht zog, sagte er: „Weißt du, Peter, ich war der jüngste in meiner Kapelle, und da mußte ich immer, wenn wir auf der Straße aufspielten, da; Geld in meine Mütze sammeln. Ua, ich wäre ja ein Simpel gewesen, wenn ich das Silber nicht für mich behalten hätte." (Forts. folgt.)
Lin Nachwort zum Gietzener Karneval?)
Uarrenspicl und Mummenschanz ist ein gutes Ding, und niemand soll es der Jugend rauben. Denn es liegt uns Menschenkindern im Blute, einmal anders zu sein als sonst, uns in ein fremdes Gewand zu hüllen mit buntem Flitterkram, uns unkenntlich zu machen und so selbst neu die Welt von einer neuen Seite zu betrachten. Wenn das Spiel auch nur wenige Stunden währt, wir fühlen uns frei von den Sorgen der Alltags und vergessen dabei gern das Närrische unseres Tuns.
So dachten sie fast alle, die da am Dienstag nachmittag auf dem Seltersweg steif und komisch in ihrer ungewohnten Gewandung einherstolzierten, Konfetti um sich streuten und Papierschlangen warfen, um damit die Rufmerksamkeit einer Schönen zu harmlosem Flirt auf sich zu lenken. So dachten wohl auch die meisten Besucher der Maskenbälle und Kaffeehäuser.
Und doch gab es auch hier, wie bei allen Dingen, unangenehme Ausnahmen, die es nicht zulassen, daß stillschweigend darüber hinweggegangen wird, und die leider geeignet sind, recht grelle Lichter auf öas Ganze zu werfen.
Wenn ein Rudel maskierter Burschen ein nicht maskiertes Mädchen in die Tnge treibt, um es der Reihe nach abzu- küsscn, daß dem armen Dinge die Schamröte in die Wangen steigt wenn in einem Tafö ein völlig nüchterner Student einen Fremden neben beleidigenden Zurufen damit empfängt, daß er ihm einen Schoppen Bier ins Gesicht gießt, das sind denn doch keine Karnevalscherze mehr. Solche Scherze der Scherz treibt in Gießen überhaupt bisweilen gar seltsame Blüten sind bedauerlicherweise imstande, den Gießener Karneval sehr in Mißkredit zu bringen.
Uber damit nicht genug. Die erwähnten Fälle sind noch harmlos gegen den widerlichen Huftritt in der Bahnhofstraße, wo gegen 6 Uhr morgens die erhitzten Köpfe jugendlicher Rohlinge, die vom Maskenball kamen, über ein Mädchen in einen Streit gerieten, der in Schlägerei ausartete und endlich den ljauptschreier dazu trieb, mit seinem Revolver auf ein Mädchen, das an dem Zank nicht im mindesten beteiligt war, zu zielen. Ja, leider zu zielen, wie von Rugenzeugen ausgesagt worden ist. Ts war kein unglücklicher Zufall, der es veranlaßte, daß die Bedauernswerte einen Schuß in das
*) Vieser flrtihel, der uns aus unserem Leserkreise zuging, stimmt i» seiner Beurteilung der Faschingsfreuden nicht mit dem überein, das wir früher im „Sonntagsgruß" verösfentlicht haben. Ivir konnten uns jedoch nicht entschließen, an diesen Ausführungen um ihres ernsten Inhaltes willen etwas zu ändern. Der Herr Verfasser tadelt mit vollem kechte Vorkommnisse, die unserer Stadt nicht zur Ehre gereichen und die von dem weitaus größten Teile unserer Bevölkerung gewiß mit Entrüstung verurteilt werden. D. Red.
Kniegelenk erhielt, der vielleicht das Bein steif werden läßt. Und auch hier ist festgestellt worden, daß keiner der Beteiligten betrunken war.
Vas sind die Blüten, die der Gießener Karneval treibt. Traurige Blüten. Sie beweisen, daß der Gießener nichts von dem leichten Frohsinn, von der harmlosen Gutmütigkeit seiner Nachbarn vom Rheine hat, daß Gießen nicht reif ist für den Fasching. Die Zwischenfälle sollten zu ernsten Bedenken Rn- laß geben! K. 6.
Kleine Mitteilungen.
Die Pfarrstelle zu Pohl-Göns wurde Herrn Pfarrer Ludwig Naumann zu Siefersheim in Rheinhessen übertragen. Der Genannte ist ein Sohn des Herrn Kirchenrates Pfarrer i. p. Dr. Naumann, früher in Gießen, jetzt zu Dieburg im Ruhestande lebend.
Sonntag, den I.März, abends 6'/-Uhr, veranstaltet der evangelische Kirchengesangverein zu Gießen in der Stadtkirche bei freiem Eintritte eine geistliche Musikaufführung.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den I. März, Invokavit. Gottesdienst.
In der Stadtlirche. vormittags y'/e Uhr: Pfarrer O. Schlosser, vormittags l l Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.
Pfarrer D. Schlosser.
Rbends 6 '/-, Uhr: Geistliche Musikauffllhrung des Cvangel.
Kirchengesangvereins.
Rbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde.
Dienstag, den 3. März, nachmittags 4 Uhr im Matthäussaal : Frauenmissionsverein.
Mittwoch, den 4. März, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde.
Nächstkünftigen Sonntag, den 8. März findet im Rbend- gottesdienst Leichte und heil. Rbendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Rnmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
In der Johannerkirche. vormittags SVe Uhr: Professor D. E ck.
Vormittags ll Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Bechtolsheimer.
Rbends 5 Uhr: Pfarrer Rusfeld.
Rbends Ve8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukas- und Johannesgemeinde. Mittwoch, den 4. März, abends 6 Uhr: 2. Passionsandacht. Pfarrer Rusfeld.
Freitag, den 6. März, nachmittags 4 Uhr: Versammlung des Frauenmissionsvereins der Lukasgemeinde.
Nächstkünftigen Sonntag, den 8. März findet im Rbend- gottesdienst Beichte und heil. Rbendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam statt. Rnmeldungen dazu werden bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
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