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Kleine Mitteilungen.

flnneroö. Beiche Belehrung und neue Freude an ihrer evangelischen Kirche nahmen die Glieder unserer Gemeinde am letzten Sonntag abend von dem Familienabend des Evange­lischen Bundes mit nach fjaufe. Professor D. Diehl vom Pre­digerseminar in Friedberg hielt einen Vortrag überDie hessi­sche Besormation als soziale Tal". Lehr klar und echt volks­tümlich wußte es der Bedner den Zuhörern verständlich zu machen, wie die Einführung der Besormation in Hessen durch Landgraf Philipp den Großmütigen wirklich eine soziale Tat war, d. h. den Brmen und Geringen im Volke, auch dem Bauernstände, reichen Legen brachte. In vier Bichtungen wurde das im vortrage nachgewiesen. Einmal war damals das Land fast allenthalben völlig verarmt. Der größte Teil von Feld und Wald war im Besitze der zahlreichen Klöster des Landes. Buf dem wirberg in Grünberg, auf dem Schiffen- berg, in Blsfeld, in hainchen, in Hirzenhain, allenthalben waren Klöster. Ihnen gehörte das Land, der Bauer besaß nichts oder nur wenig. Dazu galt nach der Anschauung jener Zeit das Nichtstun und Betteln als etwas Frommes und hei­liges : hier hat die Beformation unser Volk zur Wertschätzung der Brbeit, zur Freude an der Brbeit erzogen. Bber den reichen Landbesitz der Klöster hat der Landgraf nicht, wie es damals die meisten Fürsten in Deutschland getan haben, an sich ge­zogen und sich damit bereichert, sondern er hat ihn verwandt für das Volk. In jeder Pfarrei wurde einKasten" einge­richtet, d. h. eine Kirchenkasse, welche in erster Linie für die Brmen des Kirchspiels zu sorgen hatte. In Hofheim entstand ein Spital, in welchem Elende aller Brt: Zieche, Blinde, Lahme, Taube usw. unentgeltliche Aufnahme fanden. Daher gibt es heute noch in manchen Gemeinden Becker, welche die BezeichnungHospitaläcker" führen, weil ihr Ertrag dem Hospital zufiel, und die Gemeinde hatte dafür das Becht, einen oder zwei Kranke unentgeltlich ins Spital zu schicken.

Ferner entstanden in allen kleineren Städtchen soge­nannte Lateinschulen. Die Bufnahme in diese Schulen geschah ebenfalls umsonst. Die Kosten wurden bestritten von dem Er­trag von überflüssigem Kirchengut. Später kamen dann die jungen Leute zum Bbschluß ihrer Bildung auf das Gymnasium und die Universität nach Marburg, wo sie in der Stipendiaten­anstalt unentgeltliche Bufnahme fanden. Diese Bnstalt bestritt ihre Busgaben durch Stipendien, welche zahlreiche Gemeinden des Landes aus ihren Einkünften für die Bnstalt gestiftet hatten. Dafür hatte jede Gemeinde das Becht, einen oder zwei junge Leute, je nach der Größe der Stiftung, in die Stipen­diatenanstalt zu schicken. Dadurch konnten wirklich begabte Kinder auch von armen Leuten studieren. Die künftigen Be­amten des Landes setzten sich aus allen Schichten der Bevölke­rung zusammen, es bestand zwischen den Beamten und dem Volke keine solche Kluft und Verständnislosigkeit wie heute.

Endlich schuf der Landgraf mit Hilfe von Martin Butzer die Konfirmation in Hessen und dadurch die hessische Volks­schule, welche durch die Konfirmation ein klares Ziel und ein festes Bückgrat bekam. Die hessische Volksschule hat den 30 - jährigen Krieg glänzend überstanden, und nur die Konfirma­tion hat sie erhalten. Zum Schlüsse wies der Vortragende dar­auf hin, daß wir Hessen auf einen so sozial gesinnten Landes­fürsten wirklich stolz sein können.

Zur Verschönerung des Bbends trugen bei die Lieder der ersten Schulklasse unter Leitung von Lehrer Müller und der Kirchenchor unter Leitung von Lehrer Both.

Bus den Lichtbildervortrag, den Missionar Gsell nächsten Sonntag abends 8 Uhr im Markussaal hält, wird hier noch­mals aufmerksam gemacht.

Die Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde findet für den Best des winters alle 14 Tage Sonntags abends V'28 Uhr statt, zum ersten Male näch­sten Sonntag, den 8. Februar.

Bm vorigen Sonntag wurde im Hauptgottesdienste der Johanneskirche der neugewählte Kirchenvorsteher der Lukas- gemeinde, Herr Bechnungsrat Mentzel, verpflichtet und in sein Bmt eingeführt.

Kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 8.Februar, Septuagesimä. Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

vormittags 9 Vs Uhr: Pfarrer Schwabe.

vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

Bbends 5 Uhr: Missionar Gsell.

Bbends 8 Uhr im Markussaal: Vortrag von Missionar Gsell mit Lichtbildern.

Montag, den 9 . Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde.

Montag, den 9 . Februar, abends 8 Uhr: Versammlung der Frauen-Vereine der Matthäus- und Markus-Ge­meinde. Vortrag über Versicherungswesen, I. Teil.

Donnerstag, den 12. Februar, abends 8 Uhr, im Mar­kussaal: Bibelstunde (Brief des Jakobus). Pfarrer Schwabe.

In der Johannestirche. vormittags W/e Uhr: Professor D. Eck. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeind«.

Pfarrer Busfeld.

Bbends 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

Bbends 7 Ve Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde.

Bbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Jo­hannessaal.

Mittwoch, den 11. Februar, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Johannessaal. Pfarrer Busfeld.

Freitag, den 13 . Februar, abends Vsb Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde.

Nächstkünftigen Sonntag, den 15 . Februar, findet im Bbendgottesdienst Beichte und heiliger Bbendmahl für die Lu­kas- und Johannesgemeinde statt. Bnmeldungen dazu werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Wartburg", evangelischer Jünglings- und Männer-Derein.

(viezstraße 15.)

Dienstag, abends 8V2 Uhr, Bibelstunde,

Mittwoch, abends 8 Uhr, Turnstunde,

Donnerstag, abends 8V2 Uhr, Lese- und Spielabend, Samstag, abends 8V2 Uhr, Versammlung der älteren Bbteilung,

Sonntag, 8. Febr., abends 8 Uhr, Vortrag des Herrn Missionar Gsell im Markussaal.

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