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Nr. 3. (Liehen, 3. Sonntag nach Epiphanias, 25. Januar 1914. 3. Jahrgang.

Auf des Meisters 5puren.

Lriej des Apostels Paulus an die Römer 12. 17 21. haltet euch nicht selbst für klug, vergeltet nicht Böses mit Bösem. Fleitziget euch der Ehrbarkeit gegen jedermann. Ist es möglich, so viel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächet euch selbst nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn Gottes: denn cs steht geschrieben: Die Rache ist mein, ich will vergelten, spricht der Herr. So nun deinen Feind hungert, so speise ihn: dürstet ihn, so tränke ihn. wenn du das tust, so wirst du feurige Rohlen auf sein Haupt sammeln. Latz dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Wie das Licht eines Scheinwerfers manchmal den bis da­hin weniger beachteten Russchnitt einer Landschaft plötzlich in hellste Beleuchtung setzt und man nun inne wird, daß gerade dieser Teil dem Gesamtbilde ein charakteristisches Gepräge gibt, so ist es mit manchen Schriftstellen im Neuen Testament, wenn man unvermutet darauf stößt, daß sie wörtliche Zitate von solchen aus dem Riten sind. Ts durchzuckt einen dann wohl wie ein Strahl ehrfurchtsvollen Verständnisses, warum der Heiland der Ivelt gerade aus dem Volk Israel hervorgehen mußte, lvenn auch bisweilen nur wie verborgene, unterir­dische Ninnsale, Roch halb verschüttet und überwuchert von störendem Gestrüpp, so rieselten hier doch schon lpuellen einer Gotteserkenntnis höchster Rrt, die wie geheime Spuren zu dem noch zu erwartenden Messias hin anmuten und es als eine er­hebende Gerechtigkeit Gottes begreifen lassen, wenn er diese äußerlich schon verstoßene Nation doch innerlich noch höher be­wertete, als das hochentwickelte Volk eines Sokrates und Plato. Und wenn wir wiederum den Gedankengängen eines Paulus bis in einzelne Feinheiten folgen, dieses letzten großen Juden und ersten noch größeren Thristen, und dann wieder und wieder finden, wie tiefinnerlich er mit seines über alles verehrten Herrn Rrt zu denken vertraut war, wie fein­fühlig er sich auf des Meisters Spuren zu bewegen verstand, dann verstehen wir den ausschlaggebenden Einfluß, den die Paulinische Rrt auf die Entwicklung des gesamten späteren Thristentums bis auf den heutigen Tag ausgeübt hat. Vas ganze 12. Kapitel des Uömerbriefes ist gesättigt von getreuer und doch neu individualisierter Denkungsart Jesu. Stoßen wir aber auf eine Stelle darin wie die:Wenn deinen Feind hungert, so speise ihn, dürstet ihn, so tränke ihn", und bemer­

ken wir plötzlich, daß sie samt dem berühmten Wort vom Sam­meln der feurigen Kohlen aus des Feindes Haupt ein wört­liche; Zitat aus dem goldenen Schatz uralter Sprüche des jü­dischen Königs Salomo (Sprichw. 25, 21 ff.) ist, dann ver­stehen wir das Wort Jesu in neuer Ergriffenheit:Ich bin nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzulösen, son­dern zu erfüllen." Und sehen wir dann wieder, wie Paulus es versteht, die ungezählten Regeln christlicher Liebestätigkeit im gleichen 12. Kapitel wie lauter einzelne Spruchperlen des Ul­ten Testaments aneinanderzureihen, um sie schließlich in dem einzigen genialen Wort zusammenzufassen, mit dem er zugleich das Generalproblem praktischen Thristentums stellt und löst: Laß dich nicht das Löse überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten", dann sehen wir ihn bewundernd auf seines Meisters Vollspur. So verstand nur Jesus noch, mit einem einzigen Wort die Summe jahrtausendealter Weisheit von Gesetz und Propheten zu erschließen, um sie dann als neue Offenbarung der Menschheit für all ihre weitere Zu­kunftsentwicklung nach dem Willen Gottes in das Herz zu senken!

Du!

Du ungeschaute Schöpferkraft, die hinter allem rastlos schafft, daraus der Weltenozean dahinstürmt seine sichre Bahn, daraus in Ruhe Raum und Zeit zerrinnen in die Ewigkeit!

Bist selber ewig, unfaßbar, bist das, was niemals ward noch war, nein! bist keinwas", du bist einWer", bist Gott, bist Geist und bist ein Der, ja! bist ein Vater und ein Du und deinen Kindern recht die Ruh! Bensheim a. d. 6. K. E. Knodt.