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Nr. 2. Giehen, 2. Sonntag nach Epiphanias, 18. Januar 1914. 3. Jahrgang.

Christliche Heiterkeit.

Vrief des Apostels Paulus an die Römer 12, 8, 10 u. 1215.

Uebet jemand Barmherzigkeit, so tue er es mit Lust. Die brüder­liche Liebe untereinander sei herzlich. Seid fröhlich in Hoffnung!

verberget gerne! Segnet und fluchet nicht! Freuet euch mit den

Fröhlichen!

Was? Christliche Heiterkeit? Kann es denn dergleichen überhaupt geben? So haben wir schon manchen fragen hören, der selber durchs Leben höchst sauertöpfisch einherging, aber sich nicht genug darin zu tun wußte, auf diemuckerischen und kopfhängerischen Frommen" zu schelten. Das eine ist gewiß: Begegnen wir solchen allewege salbungsvollen und melancho­lischenheiligen", da ist ein geheimes Mißtrauen, obs auch mit ihrem Christentum recht bestellt sei, gar sehr am Platze! Biblisch ist solch Benehmen am allerwenigsten! Me sagt doch Paulus, einer der größten Christen zweier Jahrtausende? Uebet jemand Barmherzigkeit, so tue er's mit Lust" wie Luther übersetzt! noch jinngemätzer heißt's nach dem Urtext: mit Heiterkeit! Und wenn wir die ganze Skala echt christlicher Liebesdienste mit sinnendem Geiste betrachten, die der Upostel im heutigen klbschnltt den Seinen auf die Seele legt: ja, so recht eigentlich läßt sich kein einziger erfüllen ohne jene er­quickende Heiterkeit der Seele, die man gcradeswegs «in Kenn­zeichen wahren Christentums nennen kann. Gder meinet ihr, Jesus sei mit ewig schwermütig umwölkter Stirn und gleich­sam betrüblich auf den Fußspitzen schleichend durchs Leben gegangen? Oer das unsterbliche Wort prägte:So ihr nicht werdet wie die Kinder, könnet ihr nicht in das Ueich Gottes kommen!" den können wir uns gar nicht denken ohne ein sonniges Lächeln, ohne einen geheimen Zauber bezwingender Heiterkeit, der auf seiner reinen Stirn lagerte. Und wenn sein großer Schüler uns heute Worte zuruft wie:Oie brüderliche Liebe unter einander sei herzlich! Seid fröhlich in Hoffnung! herberget gerne! Segnet und fluchet nicht! Freuet euch mit den Fröhlichen!" so soll das uns erst mal einer vormachen, wenn nicht aus seiner Seele verklärte kjeiterkeit wie Sonnen­schein vom Himmel lacht! Wir kennen eine Krankenpflege­rin, die jahraus jahrein die bewährte Gehilfin eines berühm­ten Chirurgen bei dessen täglichen Operationen auf Leben und Cod ist. Doch wenn sie bloß ins Krankenzimmer tritt, dann meint man schon, es ginge ein Strahl heilenden, erleich­ternden Frohsinns von ihr aus, und wenn sie lacht, klingt's

wie das heitere Trillern der Lerche durch's Haus! Oas ist die Heiterkeit, die Paulus meint, die Heiterkeit des echten Thristen- Menschen. Besitzen freilich kann sie nur der, der sich gebettet weiß sein Leben lang in nimmermüde heilandsliebe und nie- oersagende Gottesgnade.

Allein aus der Zamilie!

Jüngst hört' ich ein merkwürdig Wort Sag, magst du auch dran glauben? Familien können nicht zu Gott, nicht mehr"......Oie Zeiten rauben

uns heute solch gemeinsam Gut."____

Und ja! ich mußt' es sehen,

selbst auf dem kleinsten Dorf: Oen Weg

will heute keins mehr gehen,

den Weg herzein'ger Frömmigkeit____

Cs läuft ein Geist der Schrecken durch unsre aufgeklärte Zeit, der will zu gleichem wecken

die Freien und die Fröner.....Ooch

Weh! Denen, die den Blinden des Lichtes Himmelsfackel leihn"

Sie wird noch heutezünden",

nicht strahlend einen neuen Weg

zur alten Wahrheit weisen.....

Nein Volk, mein deutsches Volk, sieh klar, und laß dich nicht zerreißen!

Noch jetzt blüht, wie zu aller Zeit, allein aus der Familie der echten deutschen Frömmigkeit lichtreine, heilige Lilie.

Bensheim a. d. 6. K. C. Knoöt.

Ans der Tätigkeit eines Reisepredigers in Ramerun.

von Missionar Heinrich Walther in Mangamba. (Schluß.)

Freude bei Verlobungen, wie daheim, sieht man nicht. Oas Mädchen Kann ja nicht, wie ich schon erwähnt, nach seinem