Ausgabe 
11.1.1914
 
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darin überein, daß das Aufziehen von so einem lieben klei­nen Menschlein, bis es nur erst einmal auf seinen eigenen Füßchen stehen könne, ein mühsames und ängstliches Stück Krbeit sei. Die eine hielt die unter obrigkeitlicher Kufsicht hergestellte Kindermilch für das Ti des Kolumbus, während eine andere das Kiedertsche Kahmgemenge rühmte. Diese schwärmte für Kufeke, jene für Infantin, Löfflund, oder wer kennt sie alle, wer nennt die Kamen, die alle sich rüh­men, durch ihr allerneuestes Erzeugnis das Kinderaufziehen zum Kinderspiel gemacht zu haben?

Da wagte ich es, mich drein zu mischen, und erzählte den geehrten Damen ein Geschichtchen, das ich vor 60 Jah­ren von glaubwürdiger Leite gehört hatte: Der Geh. Gber- forstrat v. K. war nicht nur ein richtiger Kimrod, sondern auch ein echter Kienenvater, und als solcher Vorstand des Ztarkenburger Kienenzllchtervereins, demgemäß mit Eifer be­müht, diesen schönen Zweig ländlicher Wirtschaft nach allen Kegeln der Kunst und Wissenschaft zu fördern. In einem Jahr aber war das Wetter so ungünstig, daß seine Lieblinge kaum das tägliche Krot, will sagen ihre Kotdurft an Honig und Wachs einbrachten, geschweige denn, daß sie noch etwas er­übrigt hätten zum Entgelt für die aufgewendete Mühe, ja, unser Kienenvater mußte schon bei Zeiten daran denken, seine Pfleglinge durch künstliche Fütterung sich für kommende, bes­sere Zeit am Leben zu erhalten.

Da kam es ihm dann richtig zu Paß, als eines Eages eine Kauersfrau aus dem Hinteren Odenwald hausierend bei ihm vorsprach, und selbstgezogenen Honig zum verkauf anbot. Er kaufte ihr ihren ganzen Vorrat ab, und war dann eifrig bemüht, sie auszuhorchen, wie sie das anstelle, daß sie in diesem ungesegneten Jahr noch Honig verkaufen könne, wäh­rend er selbst schon an das künstliche Füttern denken müßte. Wie gewöhnlich bei dieser Krt von Leuten dem höher Ziehen­den gegenüber zeigte die Frau sich mürrisch und zurückhal­tend und der Fragesteller konnte nur so viel aus ihr heraus­bringen, daß sie auf ihrem ererbten Kesitz es noch gerade so mache, wie es zu Vaters und Großvaters Zeit der Krauch gewesen sei. Kicht einmal einen richtigen Kienenstand hatte sie, und ihre Kienenvölker hausten noch in altmodischen Ltrohkörben, welche unregelmäßig umher im Grasplatz ne­ben dem Haus auf kniehoch aus der Erde ragenden pflöcken befestigt waren, als einzigen Lchutz gegen Wind und Wetter eine Trichterhaube von Ltroh über sich. Ich habe Kehnliches noch selbst dort gesehen.

Wie sie dann, den erleichterten Korb auf dem Kopf, schon die Türklinke in der Hand hatte, wendete sie noch ein­mal ihr Gesicht über die Lchulter nach dem Kefrager und sagte im hinausgehen: ..Sie werrn halt e Kuch Hann?"

Lolch absprechendes Urteil landläufiger Gebräuchlich­keit gegenüber von Kunst und Wissenschaft entbehrt aber doch nicht ganz der Kerechtigung, meine verehrten Damen, und verdient auch einige Keachtung bei der heutigen Verhand­lung. Ins Innerste der Katur dringt kein erschaffener Geist, und sie selbst geht ihre verborgenen Wege, welche sich nicht so ablesen lassen, wie die gedruckten Zeilen eines Kuches. Sie will durch warme Hingabe und stetige Kufmerksamkeit belauscht sein, wie solches zumal in dem herzinnigen Verhält­nis zwischen Mutter und Kind bedingt ist. 5o bildet sich denn eine Lumme der Wissens, das sich von der Mutter zur Toch­ter vererbt und denen zugut kommt, welche demnächst den Platz einnehmen sollen, den wir selbst bald räumen sollen.

Kichts lfläglicheres kann ich mir denken, als so eine verängstigte Mutter, wenn sie, vor der modernen Läuglings-

wage oder doch vor der dazu umgewandelten Küchen- oder Kutterwage stehend, das Orakel befragen will, ob ihr eige­nes Kind in ihren Krmen gedeiht oder nicht? Wo hat es denn unsere Keltermutter Eva gelernt? -

So lautete meine Laienpredigt. Kn sie möchte ich noch die Mitteilung von einem Erlebnis anfügen, das ich vor langer Zeit hatte, vor mehr als 50 Jahren wurde ich von meinem ältesten Kruder, der damals Pfarrer zu Imsbach in der Pfalz war, mit Kriefen bombardiert wegen der Sor­gen, die ihm der Erstgeborene seiner jungen Ehe durch schlech­tes Gedeihen bereitete. -Mein Kruder hatte sich die neueste Kuflage von Kocks Kuch vom gesunden und kranken Men­schen gekauft gnd war entschlossen, gegen jeden Kltweiber- kram zu Felde zu ziehen, auf daß in seiner Kachkommenschaft eine Musterriege erstehen solle. Da ich zuletzt einsah, daß ich ohne eigene Untersuchung nichts Ersprießliches leisten könne, riet ich ihm, er solle sich in seiner Gemeinde eine reputier- liche, alte Großmutter suchen, die durch das Kufziehen von Kindern und Enkeln den Kefähigungsnachweis erbracht habe, ihr solle er den Oberbefehl in seinem Kinderzimmer über­geben, den Kock aber solle er einstweilen in den Pfandstall stellen und den Pfandschein vorlegen. Mein Kat scheint nicht der schlechteste gewesen zu sein; denn das damalige Kngst- wurm erfreut sich noch heute seines Daseins und ist mehr­facher Großvater.

Aus der Tätigkeit eines Aeisepredigers in Namernn.

von Missionar Heinrich Walther in Mangamba.

Ein Kericht von meiner neuen Station wird Euch ge­wiß interessieren. Im Geiste höre ich, wie Ihr viele Fragen an mich richtet. Wo ist die Station gelegen? Ist sie so schön wie Konebela? Wie heißen die dortigen Missionare? Wie ist das Haus? Wie ist das Volk dort? Ist die Station heiß und ungesund? Und so weiter und so weiter. Gern will ich ein wenig mit Euch plaudern und Euch Eure Fragen beant­worten.

Kber zunächst wollen wir noch einmal zu meiner frühe­ren Station Konebela zurückkehren. Km 21. September machte ich von dort au; eine kleine Krise nach Konangang und Kona- musadi, um dort Gottesdienst zu halten. Missionar vöhringer, unser Stationspräses, hatte mir diese Krbeit übertragen, er fuhr auch mit mir und hielt in Koti Gottesdienst. E; war ein herrlicher, schöner Sonntag. Km x kl Uhr kam das Koot von Konaku, das mich nach den genannten Dörfern bringen sollte, zu Fuß waren sie nicht zu erreichen, da kein Fußpfad, ge­schweige denn ein Weg nach ihnen hinführt. So ging es denn den Wurifluß hinauf. Ein Sonntagmorgen in Kamerun ist etwas Großartiges, das macht die Stille, dann die Fülle der Katur, die in der Kegenzeit auf ihrem Höhepunkte steht, herr­liche Palmen und allerlei Strauchgewächse ragen auf. Kuf den Käumen sitzen Vögel verschiedener Krt, kleine Kolibri mit ihrem grünen Gefieder, Pfefferfresser mit langen Schnä­beln, Eisvögel mit blauem Gefieder, alle diese Vögel zeigen uns, daß Gott ein großer Gott und weiser Schöpfer ist. Kaum hatte ich nach anderthalbstllndiger Fahrt in Konamusadi das Land betreten, da klang auch schon die Glocke, die das erst: Zeichen gab, daß der Missionar gekommen sei und Gottes­dienst halten wolle. Zuerst aber ging ich in das Dorf und be­suchte die Leute. Da ich mir Krznei mitgenommen hatte, so konnte ich manchem Kranken helfen. Wie macht das Freude, wenn man den Schwarzen dienen kann, auch auf diese macht die dienende Liebe den tiefsten Eindruck, predigen können