Ausgabe 
17.12.1914
 
Einzelbild herunterladen

Strien gegen die Engländer.

DasBeck. Tagebl." meldet aus Konftanti - nopel: Der Scheich von Ghasal, dessen Ge­biet sich südlich von Bagdad bis zum persischen Gols erstreckt, und dessen Unterstützung die Engländer erkauft haben, ist, wfe verlautet, von seinen Brüdern ermor- d « t worden. 40 000 Krieger, über die er verfügte, haben jetzt den Engländern den Krieg er­klärt. In Darfur, im südlichen Sudan, hat die Be­völkerung den Kampf gegen die Engländer ausgenom­men. u '

Vorn Seekrieg.

WTB. Berlin, 16. Dez. lNichtamtlich.) Nach englischen Meldungen sind in Hartlepool über 20 Personen gelötet, 80 verwundet und beträchtlicher Schaden angerichlet worden. Der Gasometer brennt. Die Beschietzung der Festung W e st - H a r t l« - Pool begann zwischen 8 und 9 Uhr früh. In Scarborough sind zwei Kirchen beschädigt und mehrere Dächer «ingestürzt. In Whitby soll die hi­storische Abtei teilweise zersliKt sein. Die Bevölkerung flicht in das Innere des Landes.

WTB. London, 16. Dez. Die englische Admi­ralität teilt mit: Eine wichtige deutsche Flottenbewegung fand heute früh in der Nordsee statt! Scarborough und Hartlepool wurden beschossen. Unsere Flottillen sind an verschiedenen Punkten in Kämpfe verwickelt. Die Aktion wird fortgesetzt.

Reuter meldet aus London: Der japanische Ma- rineniinister hat Churchill die Glückwünsche der japani­schen Flotte zu demSeesieg" bei den Falklandinseln telegraphiert, worauf Churchill antwortete:Das; das britische Geschwader die Deutschen entscheidend schlagen koimte, verdankt es zmn grotzen Teil der kräftigen, un­schätzbaren Hilfe der japanischen Flotte."

Zu der Seeschlacht bei den Falkland s- Insel umschreiben dieBasler Nachrichten" u. a.r Es ist kein englischer Erfolg, datz die Deutschen endlich im fünften Kriegsmonat der Uebermacht erlegen sind, sonderst,,«in deutscher Erfolg, datz sie sich so über alles, Erwarten lang halten konnten. Hätte der Kcheg, wie anfangs alle Welt glaubte, nur ein Vierteljahr gedauert, so wären alle deutschen Auls- landsschiff« siegreich und heil geblieben. Die eng - lischt Admirchstät verschweigt, aus welchen Schiffen sich das Geschwader Slurdees zufammenfeht, sowie den Hergang der' Schlacht bei den Falklandsinseln, solange die Kreuzer ^Dresden",Bremen" undKönigsberg" das Meer befahran, da all« Angaben diesen nützlich sein können. i

Dem holländischenTelegraaf" wird gemeldet, datz dieDresden" wohl entkommen sein müsse.

Wie nun auch in englischen Zeitungen mitgeteill wird, hat der,,türki'sche SchlachtkreuzerSultan Jawus ^lelim" am 10. Dezember Datum erfolgte sich beschossen, und der geschützte Kreuzer ,,M i d t (Jj ij, bombardierte Sebastopol.

Allerlei Nriegrnachrichten.

Der ächtest« Sohn des Reichskanzlers mann - H w « g ist demBerl. Tagebl." zufolge auf einem Patrouillemilt im Osten v «r w u n d e t wor­den und Tn -r.u s s i s ch e Gefangenschaft geraten. Die Psizpupdung ist ziemlich schwerer Natur, da es sich nutzer Mi ein« Verwundung am Bein um einen Kopf­schutz handelt. , ^

England bezahlt die portugiesischen Kricgokostcn.

Nach einer Meldung desTelegraaf" überwies die b r i t i s ch e Regierung dem portugiesischen Staate einen. Vorschutz von 600 Millionen Schilling zur, Durchsührung der portugiesischen Mobilisierung, deren Kosten! das portugiesische Parlament alzgelehnt hatte. England denkt sich eben, um Geld ist alles käuflich, much das Leben fremder Staatsangehöriger.

»

Eine Verschwörung in Petersburg.

DasDagblad" bringt interessante Einzelheiten über den Umfang " einer in Petersburg aufgedeckten Verschwörung, welche die Verhängung des -ver­schärften Kriegszustandes über Petersburg zur Folge hatte...D>e Petersburger Universität sowie alle ander«!itz o ch s ch u l e n sind polizellich q « s ch l o s s en wordene ** Reisende berichten aus Rutzland, datz nicht nur die" Führer der sozialistischen, sondern auch über­haupt tfll e radikalen Mitglieder der Du­ma verhaftet worden sind.

Line nordische Nönigskonferenz.

Das schwedische, offiziöseSwenska-Telegrascn-Büro" meldet:' Auf .Anregung des Königs von Schweden wird am Freitag, den 18, Dezember, ein«_ Zusammen- fünft zwrsch^y, den Königen von S ch w e d e n. D ä- n e m a r k und Norwegen in Malmö stattfinden. Die Könige werden von ihren Ministern des Auswär­tigen begleitet sein. Diese Zusammenkunft ist ein Aus­druck ftir das gute Verhältnis zwischen den drei nordi­schen Reichen und für die zwischen ihnen bestehende voll­ständige Einigkeit, ihre bis jetzt beobachtete Neutralitäts­politik aufrecht zu erhalten. Das Zusammentreffen be­zweckt insbesonders, den beteiligten Regierungen Gele­

genheit zu geben, sich über die Mittel zu beraten, die in Frage kommen könnten, um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die der Kriegszustand ftir die drei Län­der mit sich bringt, zu begrenzen und zu hemmen.

JHu$ Stadt «ad Land.

Hessische Kammersiyung.

* D a r m st a d t, 16. Dez. Die beiden Kammern der Landstände sind heute oprmittag zu einer kurzen KaMmersitzung zusaMmengetretcn. Um ]/ 2 11 Uhr er­fechte zunächst die Konstituierung der Kammern durch die Regierungskommissarc. Im wesentlichen wurden in beiden Kammern die bisherigen Vorstände uud AuS- schutzmitglieder beibehalten. Um y 2 1 Uhr wurden die beiden Kammern durch den Staatspiinister Dr. von Ewald in feierlicher Weise offiziell eröffnet.

Der Finanzaüsschutz derZ weiten K am- m e r hat sich gestern abend bereits mit den hauptsäch­lichsten Vorlagen für die bevorstehende Tagung beschäf­tigt und sie sämtlich genehmigt. Er stimmte zu>, datz die Regierung ermächttgt wird, den bereits früher be­willigten Betrag von 38 Millionen Mack durch Schatz­anweisungen zu begeben. Ferner wurde der Gesetzent­wurf, in welchem der Regierung 8 Millionen Mark für die Gewährung von Darlebn an Gemeinden und Gemeinde-Verbände zur Verfügung gestellt werden, ge­nehmigt und die Vorlage angenommen, in welcher dem Hostheater mit Rücksicht auf die schweren Kriegszeiten eine einmalige Zubutze von 50 000 Mk. und ein Dar­lehen von ebenfalls 50 000 Mk. zu 3% Prozent ver­zinslich auf 15 Jahre gewährt werden soll. Der Aus - schütz stimmte auch der weiteren Vorlage zu, für die Be­reitstellung von Mitteln zur Beschaffung von Arbeits - gelegenheil insgesamt Mk. 1 127 280. zu genehmigen. Die Regierung kündigte weiter noch die Vorlagen an, in denen für die Erweiterung des Amtsgerichtsgebäu- des in Offenbach 228 000 Mark, filr den N e U b a u eines mineralogischen chnstituts inGie- tz e n 316 000 Mk. und für den Bau einer H o f b i b- l i o k h e kmit Staatsarchiv,Md Denkmalsarchiv 1 150 000 Mark angefordert werden.

" Die heffische Handwerkskammer weift daraus hin, datz am Donnerstag, den 17. Dezember, in Berlin ein« Sitzung des neck gegründetenKriegskeder- AUsrüftungsverbändes" stattfindet. Hierbei wird auch über die Aufnahme von Mitgliedern beschlos­sen. Vor kurzem hat die Handwerkskammer auf diese Neugrllndung unter näherer Angabe der Voraussetzmrg der Mitgliedschaft aufmerksam gemacht. Es sei daher hier nur bemerkt, datz Mitglied des Verbandes jeder selb - ständige Betrieb werden kaffn, der LederauShüstungs - stücke herftellt, ferner jede Sattleyinnuüg, Werkgenossen­schaft, sowie jede vom Handweck gebildete Einrichtung, die Handwerksbetriebe dey genannten Art veckritt. Der Beitritt zu dem Verbände wird nochmals empfohlen, da hierdurch die Zuweisung von Aufträgen gesichert wird.

" Hessisch- Handwerkskammer. Nach einer Verfügung Königl. Kriegsministeriums sollen An­gebot? auf Heereslieferungen, von solchen Bewerbern!, die der Heeresverwaltung aus bisherigen Geschäftsver­bindungen noch nicht bekannt sind, mit dann berück­sichtigt werden, wenn ein Zeugnis der zuständigen Han­delskammer oder Handwerkskammer darüber vorliegt, datz der Arrbietcr zuverlässig und leistungsfähig ist und dem Geschäftszweige angehöck, aus dem er Waren an- bielet. Die hessische Handweckskammer ersucht, d i e schriftlich einzureichenden Angebote, die a u f b e - stimmte Waren und an b e st i m m 1 e Adres­sen zu lauten haben, an sie einzusenden. Bon hier aus werden sodann die Angebote und Zeugnisse an die Mi­litärbehörden weitergeleitet, bei der der Antragsteller an­zubieten wünscht. Es wird -laut einer Minifterialoer - fügung als sehr wünschenswert bezeichnet, für den Win­ter Wagen für l a n d w i rt s ch a f t l ich e Zope ck« in erheblich grötzerer Anzahl und mit möglichster Be­schleunigung herzustellen. Mit Rücksicht auf militärisch« Bedürfnisse sollen diese Wagen nicht weniger als 4 Me­ter Kaslenlänge haben. Die Handwerkskammer wandte sich an Korporationen und Einzelmeister des Wagner - und Schmiedegewerbes und machte auf diese Arbeitsge- leoenheit aufmecksam. Ebenso wurde mit den zuständi­gen Behörden und der Landwickschaftskammer in Ver- bindung getreten im Interesse der genannten Handwecks- zweige. Es steht zu hoffen, datz durch diese Anregung für die Winterszeit Arbeitsgelegenheit geschaffen wird, und auch diese Betriebe in der Lage sind, in schwerer Zeit sich zu halten.

n G i e h e n. ' Rektor Ludwig Sch aa f, der am 8. Dezember einem Schlaganfall im Alter von 70 Jahren erlegen ist, hat über ein Menschenalter in Eietzen gewirkt. Er war geboren am 22. August 1845 zu Köddingen.

n E i e tz e n. Die Hess. Tapferkeits-Me­daille erhielten der Oberlehrer am hiesigen Realgym­nasium Prof. Dr. Schmoll, Leutnant der Reserve im Inf.-Regt. 118 und Reservist Gefreiter Karl Schna­tz e l hier, Jnf.-Regt. 116. Das GietzenerMi seinig üngsamt, das seit dem 3. September in Wirksamkeit ist, hat sich ausgezeichnet bewähck. Bisher sind unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters 40 Fälle von Mietsstreitiykeiten vor dem Einigungsamt durch Vergleich erledigt. Nur in einem einzigen Fall haben die Packeien das Gericht angerufen.

n E i e tz e n. 14. Dez. Der Kontrolleur der Städ­tischen Stratzenbabn zurzeit Kom.-Feldwebel im Land- webv-Jnf.-Reat. Nr. 116, Heinrich Kr « U t e r, er­hielt das Eiserne K r e Uz.

! Frankfurt a. M., 14. Dez. Ter frühere Di­rektor derFrankfurter Zeitung", Theodor C ü r 1 i, ist in Thun an Herzlähmung gestorben.

s Darm st ad t. Der zu Ehren des Zaren auf der Künstlerkolonie befindlicheNikolaiweg" hat dieser Tage den NamenH i n d e n b u r g st r a tz e" erhalten.

tkeder l Milliarden mark Gold in der Reichsbank!

Von berufener Seite wird uns geschrieben: Dank der in diesen schweren Tagen überwältigend grotzackig zutage tretenden Vaterlandsliebe und dem durch die Presse so nachhaltig geförderten Interesse der gesamten Bevölkerung an der Entwickelung unserer wickschastlichen Kräfte hat der Goldbestand der Reichsbank laut ihrem Ausweise vom 5. Dezember zum erstenmal seit Bestehen der Reichsbank die zweite Milliarde überschritten.

Was sagen uns diese zwei Milliarden Mack Gold? Sie sagen uns ein Zehnfaches.

Zum ersten. Der Goldbestand der Reichsbank der vor Jahresfrist noch nichi 1% Milliarden Mack be^ trug, hat heute schon eine Höhe erreicht, wie sie in sorglosen Tagen niemals auch nuy im entferntesten er­reicht worden ist und erhofft werden konnte.

Z U m zweiten. Unsere Reichsbank vermag da­für, datz ihr diese Summe Goldes in die Hand gege­ben ward, über 6 Milliarden Mack Reichsbanknoten auszngcben, in Höhe dieses Betrages unserem wick - schastlichen Leben durch Ankauf von Wechseln finanzielle Hilfe zu leisten, auf solche Weise den grötzten Teil der deutschen Unternehmungen vor einschneidenden geldlichen Schwierigkeiten zu bewahren und eine gewaltige Zahl von Arbeitnehmern vor dem Brotloswerden zu schützen.

Zu m^d ritten. Dank dieser finanziellen Wehr jrnd zum Ingrimm der feindlichen und zum Staunen der neutralen Mächte alle Voraussagungen, Deutschland werde schon nach kurzer Zeit wirtschaftlich zusammenbre­chen und sich den schmählichen Forderungen seiner Geg­ner fügen müssen, kläglich zunichte geworden.

Z u m v i e r t e n. In dem gegenwärtigen Ringen auf Tod und Leben, durch das England den deutschen Handel zerschlagen, die deutsche Industrie vernichten, die deutsche Bevölkerung dem Hungertode weihen will, ist der Sieg auf wirtschaftlichem Gebiete von der gleichen Wichtsgkeit, wie der Sieg auf dem Schlachtfelde.

Zum fünften. Wie ein jeder Tagesbericht un­serer unübertrefflichen Heeresleitung ein Zeichen militä­rischer Macht uüd Stärke ist, so gibt jeder Wochenbericht unserer Reichsbank der Welt Kunde von Deutschlands finanzieller Macht und Kraft.

Zum s « ch st e n. Während selbst die gröhte aller ausländischen Banken, die Bank von England, zup Auf­rechterkaltung des heimischen Wirtschaftslebens Gold aus den Kolonien, aus den Vereinigten Staaten von Nord­amerika, aus Frankreich, aus Rutzland, kurz aus aller Herren Länder zusammenscharren muhte, hat das deut­sche Volk aus eigener Kraft von Woche zu Woche den Goldschatz unserer Reichsbank sock und sock gesteigert.

Zum siebenten. Als sich die Grenzen der deutschen Lande schlossen, öffneten sich die Herzen Und mit ihnen die Geldbeutel der deutschen Bevölkerung. Die Vaterlairdsliebe ward zum Schlüssel, der auch die sorg- samst verwahrten Truhen aufspringen lietz. Ein jeder, der sein Gold der Reichsbank zum Ilmwechseln brachte, trug nickt nur völlig gleichwertige Reichsbanknoten in der Brieftasche heim, sondern dazu auch noch das stolze Gefühl im Herzen :Die goldene Wehr des Vaterlandes, sie ist auch mein Werk".

Zum achten. Niemand sollte denken: Was kann Dein Goldstück Helsen ? Nur dadurch, datz Goldstück zu Goldstück kam, vermochte sich die Eolddecke der Reichs - bank machtvoll und immer machtvoller zu dehnen. 2 MUliarden Black Gold in den Kellern der Reichsbank: Das einzelne Goldstück hat dies getan!

Zum neunten. Jeder deutsche Mann, jede deutsche Frau sage ich:Hätte ich eine Waffe, sei es ein Schweck, sei es «in Gewehr oder dergleichen und das Vaterland bedürfte dieser Waffe, vergüte mir oben­drein noch den vollen Weck, ich aber würde die Waffe in Verblendung heimlich verstecken, sie also dem Vater- lande zu seinem Schutze verweigern, dann wäye ich nicht weck, «in Deutscher zu sein". Im wickschastlichen Kampfe ist Gold Schwert , und Schild zugleich, darnach handele ein jeder!

Zum zehnten.Heber 2 Milliarden Mack in Gold!" Ein« gewaltige Summe und doch nur «in Teil­betrag der in Deutschland vorhandenen Goldmünzen. Mehr als 5 Milliarden Mack Gold find zU deutschen Münzen ausgeprägt worden. Ungeheuer glotz ist daher die Summe gemünzten Goldes, die in der Jetztzeit noch überstüffigerweise von Hand zu Hand läuft oder unnütz im Kasten ruht. Du, Leser, bist der Mann, mitzUhel- sen, datz sich die deutsche wickschastliche Rüstung immer mächtiger gestalte. Welchem Stande Du auch angehören mögest, erkenne, datz es eine fürwahr heilige Pflicht ist, in dieser Zeit der Anspannung aller Kräfte das Gold zu sammeln, um es der Reichsbank zu bckngen, wo al­lein es nutzbckngend wickt und dem Vaterlande dienst­bar gemacht wird.

Darum: Zur Reichsbank mit dem Golde! Man gebe dem Vaterlande, was des Vaterlandes ist! Die grotze Zeit duldet kein kleinlich denkendes Geschlecht! Sämtlich« Postonstalten im Deutschen Reiche sind ver­pflichtet, Goldmünzen in Papiergeld umzuwechseln uüd an die Reichsbank abzuliefern.

VeraMwocklich: A l b i n Klein, Eietzen.