Ausgabe 
12.12.1914
 
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ten die Russen unter dem Schutze von Kriegsschiffen einen Landungsversuch bei Eonia südlich Bat um, um unsere Truppen in der Flanke anzugreifen. Die ge» landeten Russen wurden zum Rückzug gezwungen und erlitten schwere Verluste. Wir nahmen ihnen während des Kampfes zwei Geschütze weg.

Im V i l a j e t Wan warf unsere Kavallerie einen Angriff der russischen Kavallerie zurück. An der persi­schen Grenze östlich Wan bei Deir haben wir einen rus­sischen Angriff abgewiesen und dem Feinde Verluste zu­gefügt.

Allerlei Nriegsnachrichten.

Gciicralscldmarschall v. d. Goltz in Konstantinopcl.

Sofia, 11. Dez. (Ctr. Bln.) Eeneralseldmarschall Frhr. v. d. Goltz ist heute Nacht hier eingetpoffen. Zu seiner Begrüßung haben sich der deutsche und der türki­sche Gesandte" mit seinem Sohne, dem Majoy von der Goltz, der hier Militäraltachee ist, ebenso die Militär - attachees Oesterreichs und der Türkei auf dem Bahnhof eingesunden. Feldmarschall v. d. Goltz soll heute von König Ferdinand in Audienz empfangen werden und ihm^ ein Häüfdschreiben Kaiser Wilhelms überreichen.

(33. 3 )

Köln, 11. Dez. (Ctr. Bln.) Nach einer Depesche derKöln. Ztg." aus Sofia ist die Abfahrt des Eene- ralseldmarschalls Frhrn. v. d. Goltz nach Konstantino­pel aus heute Abend festgesetzt. Die Vertreter des Drei­verbandes haben in Sofia Einspruch gegen die Durchfahrt des Generalfeldmarschalls nach Konstantino­pel erhoben. Die bulgarische Regierung erwiderte da­gegen, das; sie ebenso wie die rumänische einzelnen Mi- senden keine Schwierigkeiten bereite. (23. Z.)

Griechenlands Absage an den Dreiverband.

Wien, 9. Dez. DieSüdslawische Korrespondenz" berichtet aus Athen: Die Gesandten Englands, Frank­reichs und Rußlands unternahmen einen gemeinsamen Schritt bei Veniselos, um die griechische Regierung zu «iner militärischen Hilfeleistung für S e r b i e n zu ver­anlassen. Wie aus unterrichteten Kreisen verlautet, gab die griechische Regierung eine ausweichende Antwort. Das BlattPatrie" bemerkt hierzu, daß die Anregung zu diesem Schritte angesichts des Vormarsches der öster­reichisch-ungarischen Truppen von Rußland austzing; obwohl die öffentliche Meinung Griechenlands auch wei­ter dem Dreiverband freundlich gesinnt sei, habe doch eine gewisse Ernüchterung eingesetzt, da die Vorhersag­ungen des Dreiverbandes bisher in keiner Weise ein - trafen, (ctr. sst.)

Der heilige Krieg nur gegen England, Frankreich und Rußland.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 10. Dez. Wie der Tasvir-i-Efkiar" erfährt, soll der Gvoh-Scheich der Se-. nussi-Herolde zu den Italienern gesandt haben, um for­mell erklären, daß er, der Kalis, den heiligen Krieg nur gegen England, Rußland und Frankreich verkün - dete, fortan nur gegen die Engländer, kämpfen werde, uUd endgiltig daraus verzichte, die Italiener in Lydien zu beunruhigen, solange er nicht angegriffen werde.

Japan will Kiautschou nach dem Krieg nicht hcraasgcbcn!

WTB. Tokio, 10. Dez. MelduUg des Bureaus Reuter: Einige Abgeordnete haben den Minister des Auswärtigen wegen des Satzes in dem japanischen Ultimatum an Deutschland interpelliert, daß K i a u t - schon später an China z u r ü ck g e g e b e n werden

soll. Kato erklärte, er könne im Augenblick nichts über die Zukunft von Kiautschou sagen, Japan habe aber keiner Macht deswegen ein Versprechen gegeben. Der Zweck des Ultimatums sei gewesen, Deuischland zur Aufgabe von Kiautschou zu nötigen und damit den Frieden im Osten zu sichern. 2ln eine Zurückgabe von Kiautschou nach Beendigung des Feldzuges werde nicht gedacht, und in dem Ultimatum sei nichts davon ent­halten.

*

! Kassel, 8. Dez. Um aus mehrere Monate einen füy den Bedarf der Bevölkerung der Stadt und ihrer Umgebung hinreichenden Bestand an Reis, Erb­sen, Linsen, Heringen, Schweineschmalz, Nudeln, Grau­pen, Rüböl zU sichern, und eine weitere Verteuerung dieser Waren zu verhindern, hat die Stadtverwaltung eine Vereinbarung mit dem hiesigen Großhandel, dem Ladenhandel und den Konsumvereinen getroffen. Die Großhändler sind verpflichtet worden, die Waren mit einem geringen Aufschlag für die Lagerung und die allgemeinen Unkosten an die Kleinhändler und Kon - sumvereine abzutzeben, den wiederum ein festet Bei - kaufspreis für die aus dem städtischen Einkauf stam - menden Waren vorgeschrieben ist.

Pfui Englands!

Es klopft uUd klopft ans Höllentor,

Fünf arme Seelen standen davor.

Beelzebub schaute die Seelen an;

Wer seid Ihr, und was habt Ihr getan?"

Die erste:Ich komme aus Belgierland;

Zwei Deutsche starben von meiner Hand.

Ich habe sie, hinter dem Busch versteckt,

Mit meiner Pistole niedergestreckt.

Man griff mich auf am Waldessaum Und knüpfte mich an den nächsten Baum."

Der Teufel schmunzelt:Geschah dir recht!

Geh rin in die Hölle, getreuer Kneckst

Die zweit»:Ich kämpfte um Frankreichs Ehr Und lag auf dem Felde; mich dürstete sehr.

Da teilte den letzten Tropfen mit mir Ein verwundeter deutscher Offizier.

Ich trank, daraus führte er die Flasche zum Mund. Da dacht ich:Verfluchter Preußenhund!"

Und stieß meinen Dolch mit letzter Kraft Dem Mann in die Gurgel, bis an den Schaft.

Flugs hat sein Genoß sich ausgereckt Und mich mit dem Kolben niedergestreckt."

Der Teufel schmunzelt:Geschah Dir recht!

Geh ein in die Hölle, getreuer Knecht!"

Die dritter Ich kam aus Rufscnland Und hatte ein deutsches Gehöft verbrannt.

Die fliehenden Eltern traf mein Hieb,

Daß nur die Tochter Adrig blieb.

Doch als ich, müde der' blutigen Tat,

Mich ihr mit freundlicher Miene genaht,

Da hatte die Katze mit Riesengewalt Ihre Hand um meine Kehle gekrallt.

Sie schnürte und schnürte mit solcher Macht, >

Daß ich auf Erden nicht wieder erwacht." .

Der Teufel schmunzelt:Geschah Dir recht!

Geh ein in die Hölle, getreuer Knecht!"

kill (filier Meilscd.

Roman von Paul B l i ß.

Nachdruck verboten.

Schweigend sab Bruno in die blaue, golddurchsiim- werte Luft. Ein herrlicher Tag war es. Frühlings- sreude schwebte über alles lachend dabin. und sütze Düfte kamen mit einem lauen Windhauch hergeweht. Jubilie- rend schwang sich eine Lerche empor. Und keimendes, sprießendes, blühendes Leben ringsum, so weit das Auge nur sah. Ach. es war doch wonnig, hier draußen so für sich zu leben.

Da er noch immer schwieg, fragte der Alte nun er- regier:Na also, den Grund? Wenn Du wirklich einen haben solltest."

Und jetzt entgegnete er burschikos:Ach. laß mich doch nach meiner Fasson selig werden."

Aha, dachte ich's mir doch!" sagte Onkelchen und paffte ein paar mächtige Ra--^wölken in die blaue Lust, was ein Anzeichen dafür ! daß er eine wichtige Entdeckung gemacht hatte. Tonn sah er seinen Beglei­ter heimlich prüfend von der Seite an und dachte: Wart' nur, mein Jungchen, jetzt weiß ich schon, wo Dich der Schuh drückt. Aber für das Leiden Hab' ich ein Mittel, jawohl! Und schmunzelnd lachte er in sich hinein.

Als sie im Herrenhause ankamen, harrte ihrer be­reits ein würzig duftender Kaffee.

Und wieder freute sich der Hausherr über die trau­liche Behaglichkeit, die sie sofort umfing.

Lächelnd sagte er:Nun steh Dich, bitte, mal recht genau hier um. Und wenn Du ehrlich bist, wirst Du zugeben müssen, daß mir gar nichts, aber auch gar nichts fehlt."

«Außer einer Frau," versetzte der Alte mit Festig- seit.Daß die Berta ein tüchtiges Mädel ist. das habe ich längst gewußt. Slber sic ist und bleibt eben doch nur Deine Haushälterin."

Bruno wurde immer aufgeräumter.Nun gut, wenn ich also mal das Bedürfnis fühle, mir eine Frau zu nehmen, brauche ich sie ja nur zu heiraten." Fröhlich blickte er den Onkel an.

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erwiderte ein wenig verärgert:Daran denkst Du dc keinen Augenblick. Wie man denn überhaupt mit T m dieser Angelegenheit ja nie ernsthaft reden kann."

Wieder lachte der Hausherr.Also wirst Du es nun aufgcben, ein für alle Mal, mich unter die Haube bringen zu wollen, wie?"

Onkelchen seufzte nur und schlürfte seinen prächtigen Kaffee. Und da sich nun auch Fräulein Berta an den Tisch setzte, nahm das Gespräch jetzt natürlich eine an­dere Wendung.

Plötzlich fragte Bruno:Was ist denn das' nun ei­gentlich für 'ne Neuigkeit. die Du mir noch immer vor­enthältst?"

Ganz harmlos, mit famos gespielter Ruhe, antwor­tete der Alte:Ach. so was Besonderes ist's nun ja ge­rade auch nicht. Meine Lüchte, die Grete Bergmann, wird mich demnächst wohl aus ein paar Toae besuchen."

Wie ein Blitz schlug diese Nachricht ein.

Bruno zuckte merklich zusammen, und in seinen Au­gen stand es wie ein jäher Schreck, so daß sein Gesicht alle Farbe verlor.

Ebenso erschrocken, säst hilslos ängstlich, sah auch die lunge Wirtschafterin drein.

Doch währte das alles nur einen Moment, schon im nächsten waren beide gefaßt und sicher und verrieten sich nicht mehr.

Onkelchen tat natürlich, als habe er nicht das Ge­ringste gemerkt. Ruhig, leichthin fubr er sort:Ja. sie ist nämlich nur aus der Durchreise. Sie will nach Tirol zu einer verheirateten Freundin. Ihr Trauerjahr ist ja nun um, und da will sie jetzt wohl den Witwenschleier ablegen. Gott, verdenken kann ich e§ ihr ja nicht: sie

ist 'ne hübsche junge Frau, nebenbei doch 'ne sehr gute Partie, denn der selige Doktor Bergmann pal ihr ein ganz nettes Vermögen himcrlassen. Also wird sie sich min wohl noch dem Leben zurücksehnen."

Eine Stille trat ein, eine etwas peinliche Stille, die tvohl eine Minute lang anhielt.

Dann, da niemand aus die Neuigkeit reagierte, sprang der e Onkel Klaus schnell zu anderen Gc- tvrackstbemen über.

Da nahten die letzten, Hand in Hand: Wir sind zwei Seelen aus Engeland.

Ich war ein Krämer, ich ein Diplomat;'^ Mit Ehren man uns begraben hak.

Wir waren zeitlebens ein frommes Paar, . lind krümmten keinem Menschen ein Haar.

Man wies uns am Himmelstor zurück, n Das finden wir beide ein starkes Stück!

Die drei armen Seelen, die eben passiert.

Die haben wir beide Dir zugeführt.

Doch geschah «5, nicht aus Luft an Qual, n Uns galt vor allem stets die Moral.

Wir hehlen die Völker, erschacherten Geld Bloß für die sittliche Hebung der Welt. D!,; f

Drum, lieber Freund, mach auf die Türen ! ! Wir helfen die Höllenglut zu schüren."

Da lachte der Teufel:Aus Engeland!

Euch Burschen Hab ich doch gleich eckannt. / n-,

Ich seh's an Euern scheinheiligen Zügen:

Ihr möchtet selbst noch den Teufel belügen.

Wenn Millionen am Hungertuch nagen,

Wenn rings auf der Erde die Mütter Nagen,

Wenn Europas Gefilde rauchen von Blut,

Von Mord und Laster, von Hatz und Wut.

Stets legt Ihr die Minen, zündet sie an Und bleibt dochder gute, der fronnnc Mann".

Ihr würdet der Hölle um'schnödes Geld Verkaufen die Seelen der ganzen Welt.

Pfui Teufel", war sonst als Fluch bekannt,

Jetzt sollt es heißemPfui Engeland!"

Der Teufel, Ihr könnt in der Schrift es lefenj"

Ist wenigstens früher mal gut gewesen.

Ihr kanntet nie den göttlichen Funken,

Ihr war't von Anbeginn Halunken.

Drum leg ick, ins Her; Euck» dsn böllilchen Branft,

So mögt Ihr Euch schleppen von Lauft zu Lanv.

Doch nimmermehr laß ich Euch hier herein!

Ihr seid für die Hölle mir zu gemein!

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Literarischer.

' Weihnachtsgrutz für Deutschlands Krieger. Unter diesem Tftel gibt der Evangelische

Bund eine Volksschrift heraus, die bestiimnt ift, unsere Kämpfer mit rechter Weihnachtsfteude und -HMnu'ng zu erfüllen. Die Weihnachtsbildcr von Ludwig Rickter u. die altvertrauten Weihnachtslieder bilden drn. Bühmcu, indem sich u. a. Geheimrat D. Scholz, Höfprediger D. R o g g e.. Direktor Otto Everling mtt rockrittz-' herzigen Ansprachen und ErinnetüWn an unfttck Tap­feren wenden, um ihnen den Segen und das Licht der

Christnacht auch im Dunkel und Welteigraus ftes Krie- ----- Schrift kostet 20 Pfß - ^d wird

ges nahezubringen. Die

in einem Briefumschlag zur Versendung altz portofreier Feldpostbrief geliefert. 2lus Wunsch wirft direkte Versendung gegen Einsendung des Betrages Md der Aufschrift besorgt. Schon jetzt bittet der VerliM des Ev. Bundes, Berlin W. 35, um recht zahlreichr^Bestellun- gen.

VjÖ. ?!

::: Eine Anleitung zur Herstellung gestrickter Bekleidungsstücke für unsere S ftl d ctz.tr n

Aber auch jetzt wollte die Unlcrbaltirng sticht mehr so recht in Fluß kommen, denn dem jungen Hänkbyrrn schien mit ein-m Mal alle Laune abhanden gclö izmrn zu sein: einsilbig, säst intereffelos klangen seine Ant­worten.

Und da lächelte Onkelchen pfiffig in sich hinein und ' empfahl sich schleunigst. Seinen Zweck hatte er-Pgs"°HF erreicht. Vorerst wollte er nicht mehr.

Slls Bruno allein war. ging er »nieder hl»aitt>kr.Uf:, das Feld. Denn jetzt gab cs nur eins: arbeiten, arbei-i ^ ten bis -ur Bewußtlosigkeit! Nur nicb» nackdgulsti^IOev) das, ivas des Onkels Mitteilung in ihm ivachaZ'lffen ' 1 hatte!

So ging er denn mit wahrem Feiirrcisrr keiner Be»'

schästiaung nach

Aber so emsig cr"ffich auch in alle wirtschaftlichen j Angelegenheiten ver'icstr, dennoch wanderten »dsnft t^e- j danken immer wieder zurück zu dem. was er hetzte ge- ! hört haue.

Also ne wollte zurückkommen, sic. sie. tne /einst/ sein Zauberlranm aewcten war!

Wie ein Wunder erschien ibm das.

Und er sollte ne Wiedersehen, sollte noch einmal mit ihr sprechen? Si-:in, unmöglich, nanz iinvcnlhÄs''er­schien ihm das. Stein, nein, das durste einsach tnH 'ge­schehen!

Bis in den späten Abend hinein blieb er draußen im Feld, erst nach dem letzten Arbeiter ging er hoffst.

Es war als habe er plötzlich Angst, za HtzM M" seinen Gedanken allein zu sein. *

Und beim Abendbrot dann wm er gesprächiger denn' je, so daß die zwei Tischgcnosien vast verwundert wa­ren; und als nach beendeter Mahlzeit der Inspektor Miene machte, aufzustchen, hielt er ihn in. Gesprächen weit über die gewöhnliche Zeit hinaus fest. Aber schließ­lich rückte die zehnte Stunde heran, und man trennte sich.

Nun war er allein, ganz allein, nun wai er seinen Gedanken »nd Erinnerungen rettungslos preisgegebcn. denn an Schlafen lvar natürlich nicht w de^tft^,

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Fortsetzung folgt

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