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Nr. 98.
Samstag, den 12. Dezember 1914. 20. Jahrg.
Nach der großen siegreichen Schlacht die Verfolgung der Russen.
Im Westen größere Artilleriekämpfe. Im Süden erfolgreiches Borrncken der Türken.
Generalfeldmarschall von der Goltz in Bukarest. Sofia «nd Konstantinopel. „Scharnhorst", „Gneifenau", „Leipzig", und „Nürnberg" der Uebermacht «nterlegen.
Amtliche Tagesberichte.
WTB. Großes Hauptquartier, 9. Dez., vormittags. (Anlliich.) Westlich Reims mutzte P e - cherie-Ferme, obgleich hier die Genfer Flagge wehte, von unseren Truppen in Brand geschossen werden, well dort durch Fliegerphotographie einwandfrei festgcstellt war, datz sich dicht hinter der Ferme eine französische schwere Batterie verbarg.
Französische Angriffe in der Gegend von Smrain und gegen die Orte Barennes und Bauqutois am östlichen Ärgonnenrande wurden unter Berlusten für den Gegner zllrück^eworfen. Imf' Argöiinempalde selbst wurde an verschiedenen Stellen Boden gewonnen, dabei machten wir eine Anzahl Gefangene.
Bei den gestern gemeldeten Kämpfen nördlich Nanci) hatten die Franzosen starke Verluste. Unsere Verluste sind verhältnismähig gering.'
Die ober st e Heeresleitung.
WTB. Gr oh es Hauptquartier, 9. Dez., vormittags. (Amtlich.) Aus O st p r « u h e n liegen keine neueren Nachrichten vor.
In Nord-polen stehen unsere Truppen in enger Fühlung mit den Russen, die in einer stark befestiqten Stellung westlich der M i a z g c Halt gemacht haben. — Um L o w i k z wird weiter gekämpst.
In Südpolen haben österreichisch-ungarische u. unsere Truppen Schulter an Schulter erneut erfolgreich angegriffen.
Oberste Heeresleitung.
WTB. Großes H a u p 1 q u a r t i e r, ^10. Dezember, vormittags. (Amtliches Telegramm.) In der Gegend von Souain beschränkten sich die Franzosen aus heftiges Artilleriefeucr.
Eine am östlichen Ärgonnenrande aus Bauquois und Boureuilles erneuerten Angriff der Franzosen kam nicht vorwärts imd erstarb im Feuer unserer Artillerie. Der Gegner erlitt offenbar große Verluste.
Drei feindliche Flieger warfen gestern ^aus die offene, nicht im Operationsgebiet liegende Stadl Frelburg i. B. 10 Bomben ab. Schaden wurde nicht angerichtet.^Die Angelegenheit wird hier nur erwähnt, um die Tatsache sestzustellen, datz wieder einmal, wie schon so häufig seit Beginn des Krieges, eine offene nicht im Operationsgebiet liegende Stadt von unseren Gegnern mit Bonzben beworfen worden ist.
Oestlich der masurischen Seen nupArllllerie- Kämpse.
In N o r d p o l e n aus dem rechten Weicbsclufcr nahm" eine unserer dort vergehenden Kolonnen Przas- nqsz im Sturm. Es wurden 600 Gefangene und einige Maschinengewehre erbeutet. Links der Weichsel wird der Angriff fortgesetzt.
In Südpolen wurden russische Angriffe abgewiesen.
Oberste Heeresleitung.
WTB. Berlin, den 10. Dezember. (Amtliches Telegramm.) Laut einer Reutermeldung aus London ist unser Kreuzcrgeschwader am 8. Dezember i'/ 2 Uhr morgens in der Nähe der Falklands-Inseln von emcm englischen Geschwader unter dem Kommando des Vizeadmirals Sturdce gesichtet und angegriffen worden^ Nach der gleichen Meldung sind in dem Gefecht S. M. Schiffe Scharnhorst, G n e i s e n a » und Leipzig gesunken. Zwei Kohlendampfcr find in Feindeshand gefallen. S. M. Schiffen Dresden und N ü r n b e r g gelang es, zu entkommen. f>e werden angeblich verfolgt.
Unsere Verluste scheinen schwer zu sein. Eine Anzahl Überlebender der gesunkenen Schiffe wurde gerettet.
Ueber die Stärke des Gegners, dessen Verluste gering sein sollen, enthält die englische Meldung nichts.
Der Chef des Admiralstabes der Marine: gez. v. Pohl.
WTB. Berlin, 11. Dez. (Tel.) Unser Kreuzer- geschwader, bestehend aus den Schiffen „Scharnhorst", „GneisenauI „Leipzig", „Dresden" und „Nürnberg" hatten f. Zt. nach der Schlacht an der chilenischen Küste den Hafen von Santiago de Chile ausgesucht, denselben aber nach noch nicht 24 Stunden mit unbekanntem Bestimmungsort wieder verlassen. Vielleicht ging es nach Süden, um nach den englischen Kreuzern „Canopup" u. „Glasgow" zu suchen. Inzwischen war, wie autz eng - tischen Zeitungsmeldungen hervorgeht, ein sehr starkes englisches Geschwader (genannt wurde eine Stärke von 38 Schiffen) ausgesandt worden, um unser Kreuzergeschwader auszusuchen und zu vernichten. Wie aUs der amtlichen Meldung hervorgeht, stellte das englische Geschwader unter dem Kommando des Vizeadmirals Sturdee ünsere Schiffe in der Nähe der Falkland-Inseln, die an der Ostküste Südamerikas nördlich von Kap Horn liegen. Die Angabe, datz zwei Kohlendampfer in Feindeshändc fielen, läßt vermuten, datz unsere Schiffe unter dem Schutz der Inseln Kohlen übernehmen wollten, oder mit der Uebernahme beschäftigt waren. Nach den vorliegenden englischen Meldungen soll das Flaggschiff des Vizeadmirals Graf von Spee, die „Scharnhorst", das Feuer eröffnet haben. Uc- der den darauffolgenden Kampf ist noch nichts be - kannt. Doch hat man Grund anzunehmen, datz „Scharnhorst", „Gneifenau" und „Leipzig" gesunken sind, während es „Dresden" und „Nürnberg" gelang, zu entkommen. Ueber die englischen Verluste ist nichts be - kannt, und es ist kaum anzunehmen, datz «nglischerseits genauere Angaben über den Verlaus des Zusammen - stohes und über die ZufammensetMiig des englffchen Geschwaders gemacht werden. Man darf aber nicht vergessen, datz unser Geschwader sich seit 4 Atonalen aus hoher See befand, und datz es ohne von Kabeln oder anderen Verständigüngsmitteln Gebrauch machen zu können, sich vereinigte zu einem schweren Schlag gegen die feindliche Flotte. Kein schützender Hasen stand ihm zu Gebote zur Bornahme der notwendigsten Reparaturen, kein D o <k zur Reinigung des Schiffsbodens. Trotzdem gelang es viele Monate hindurch, den nötigen Vorrat an Kohlen und Proviant an Bord zu nehmen, ohne in Feindeshand zu satten. Ueber das Schicksal der Besatzung liegen Nachrichten nicht vor. Unsere Verluste scheinen schwer zu sein. „Scharnhorst" und „Gneifenau" hatten eine Besatzung von ungefähr je 700 Mann, „Leipzig" etwa 350. Aus der „Nürnberg" und „Dresden" besinden sich je 400 Mann.
gez.: von Pohl.
WTB. Berlin, 11. Dez. (Amtlich.) Nach weiterer amtlicher Reutermeldung aus London ist cs den verfolgenden englischen Kreuzern gelungen, auch S. M. Schiff „N ü r n b e r g" zum Sinken zu bringen.
Der stellvertretende Ches des Admiralstabes: gez.: B e h n ck c.
WTB. Großes Hauptqiuartier, 1t. Dezember, vorm. In Flandern machten wir Fort - schritte. Westlich und östlich der, A r g o n n e n wurden feindliche Artilleriestellungen mit gutem Erfolg bekämpft. Französische Angriffe im Bois de Preire westlich Pont a Mousson wurden abgewiesen.
Oestlich der masurischen Seenlinie keine Veränderungen.
In N o r d p o l e n schreiten unsere Angriffe vorwärts. In S ü d p o l e n nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
WTB. Wien, 10. Dez. (Tel.) Amtlich wird verlautbart:' 10. Dez. 1914, mittags. In Polen verlief der gestrige Tag an unserer Front ruhig. Vereinzelte Nachtangriffe der Russen im Raume südwestlich Nowora- domsk wurden abgewiesen.
In W e st g a l i z i e n brachten beide Gegner starke Kräitö in den Kampf. Bisher wurden über 10 000 Russen gefangen genommen. Die Schlacht dauert auch Heike fort.
Unsere Operationen in den Karpathen führten bereits zur Wiedergewinnung erheblicher Teile' des eigenen Gebietes.
Der Stellverireter des Chefs des Eeneralstabes: von Hoefer, Generalmajor.
WTB. Wien, 11. Dez. Amtlich wird verlaut- bcnt: 11. Dezember mittags:
Unsere Operationen in den Karpathen verlaufen planmäßig. Der Feind leistete gestern zumeist nur mit den Nachhuten Widerstand, welche geworfen wurden.
In Galizien ist noch keine Entscheidung ge - fallen. Wo die Russen angriffen, wurden sie unter sehr schweren Verlusten zurllckgewiesen.
Die Ruhe an unserer Front in Polen hielt auch gestern an.
Przemqsl ist vom Gegner nur eingeschloffen und wird nicht angegriffen. Die stets unternehmungs - freudige Besatzung beunruhigt die in achtungsvoller Entfernung von dem Festungsgürtel sich haltenden Ein - schlietzungstruppen fast täglich durch kleinere und größere Ausfälle.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö f e r, Generalmajor.
Bom Krieg im Westen.
WTB. Berlin, tt. Dez. Nach der „Deutschen Tagesztg." wird in Flandern ein andauerndes Bombardement der Deutschen gegen die Stell - ungen der Verbündeten unterhalten. Die Deutschen verwenden dort Geschütze schwersten Kalibers.
Vom Krieg im Osten.
Petersburg, 11. Dez. (Etr. Bln.) Die Blätter melden von einer furchtbaren deutschen Offensive aus Kolnski, also weit östlich von Lodz. Die Rüssen hätten T u s c z i) n nördlich Petrikan räumen müssen. Es verlautet, daß jetzt auch Petrikan selbst aus strategischen Gründen werde geräumt werden müssen. Das Generalkommando, das sich in Petrikan besand, ist weiter zurückverlegt worden.
Diese Meldung, von russischer Seite stammend und daher sicherlich nicht zu unseren Gunsten gefärbt, beweist, datz die deutsche Offensive auch südöstlich von Lodz erfolgreich vorwärts gehl. (B. N. N.)
WTB. Wien, 9. Dez. Amtlich wird verlautbart: In Westgalizien ist unser Angriff im Gange. In P o- l e n dauert die Ruhe in dem südlichen Frontabschnilt- an. Die unausgesetzten Angriffe des Feindes in der Gegend von Piotckow scheitern nach wie vor an der Zähigkeit der Verbündeten. Unsere Truppen allein nahmen hier in der letzten Woche 2800 Russen gefangen. Weiter nördlich setzen die Deutschen ihre Operationen erfolgreich fort.
Türkische Kriegsmeldungen.
WTB. K o n st a n t i n o p e l, t 1. Dez. Amtliche Mitteilung des Großen Hauptquartiers: Gestern mach-


