Ausgabe 
5.12.1914
 
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S'ie Zufuhr für Serbien abgeschnittcn.

D.T. 3 t f io. Die Verbindungen zwischen Bel­grad und Risch sind abgeschnitten. Die Verlegung der Hauptstadt nach U e s k ü b steht bevor, wenn die S e r- b e n angesichts des aewaltigen Ansturms nicht vorher kapitulieren.

WTB. Saloniki, 2. Dez. Die Eisenbahnbrücke über den W a r d a r zwischen StruMitza und Dewir- kapü ist von Banden gesprengt worden. Der Verkehr zwischen Uesküb und Saloniki ist eingestellt. Die Wie­derherstellung der Brücke wird längere Zeit beanspru - chen. Bei der Zerstörung soll ein blutiger Kampf zwi­schen den Banden und serbischem Militär stattge­funden haben. Eisenbahnwagen mit Verwundeten pas­sierten Saloniki auf dem Wege nach Monaslir.

Serbiens Niedergang.

Immer wiederkehrende Gerüchte über einen Son­derfrieden mit Serbien werden jetzt durch die Erzählungen gefangener serbischer Offiziere gestützt, wo­nach der frühere Gesandte in Wien Simitsch nach Pe­tersburg entsandt worden sei, um für den wahrschein­lichen Fall des Zusammenbruchs der zweiten serbischen Verteidigungslinie die Erlaubnis des Zaren zum Abschluß des Separatfriedens zu erwirken.

DieTimes" melden aus Petersburg: Die Lage in Serbien ist e r n st. Die Oesterreicher haben jetzt dort eine halbe Million Soldaten einschließlich 30 000 Bayern. Serbien hat sehr große Verluste erlit­ten. Mehrere Regimenter haben nur noch 8 Offiziere statt 75. Die einzige Hoffnung ist die Hilfe Rußlands.

Türkr sch e Kriegs Meldungen.

WTB. K o n st a n 1 i n o ck e l, 2. Dez. Unsere Trup­pen, die in der Zone des Tschorokh vorrückten, haben einen neuen Erfolg davongetragen und heute die' Stadt Ardanutsch, 20 Kilometer östlich des Tschorokhflüf- ses und 65 Kilometer südöstlich von Batum besetzt.

Kopenhagen, 3. Dez. (Ctr. Bin.) Nach einer vom türkischen Konsulat aUsgegebenen amtlichen Meld­ung sind türkische Truppen mit Zustimmung der per­sischen Regierung auf dem Marsche nach Teheran. (B.Z.)

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 4. Dez. Das Haupt­quartier veröffentlichte gestern folgendes Communiquee:

Rach russischen amtlichen Mitteilungen vom 29. November wäre die Sinai-Halbinsel von unseren Trup­pen vollständig geräumt worden. Ferner sollen zwei Unserer an der kaukasischen Grenze operierenden Divi - sionen in ihrem Bestände auf die Hälfte gesunken und einige unserer Bataillone vollständig vernichtet sein. Es wird behauptet, der Divisionskommandeur sei getötet und ein zweiter desertiert.

Der für, uns siegreich verlaufene Kampf in a l - lernächster Nähe des Suez-Kanals zwi­schen unseren Truppen und den Engländern, der damit endete, daß auf der Seite der Engländer zwei Offiziere und zahlreiche Soldaten getötet und eine große Zahl von Gefangenen in unsere Hände fiel, genügt, uin zu beweisen, daß sich die Sinai-Halbinsel in un­serem Besitz befindet.

Allerlei ttriegsnachrichten.

WTB. Berlin, 3. Dez. (Nichtamtlich.) General- feldmarschall v. Hindenburg bittet das Wolfffche Bureau um Veröffentlichung folgenden Dankes:

Gelegentlich meiner durch die Gnade des Kaisers und Königs erfolgten Ernennung zum Generalfeldmap- jchall sind mir zahllose Glückwünsche zugegangen. Das­selbe erfreut mich unendlich, doch bin ich leider außer - stände, sie einzeln beantworten. Ich bitte daher, meinen herzlichsten Dank allerseits lediglich auf diesem Wege aussprechen zu dürfen. v. Hindenburg.

WTB. München, 2. Dez. Der König geruhte in besonderer Anerkennung der hohen Verdienste, welche sich Generalseldmarschall v. Hindenburg, sowie Generalleutnant v. L U d e n d o r f f um die Führung der im Osten kämpfenden Armeen erworben haben, er- sleren mit dem Großkreuz, letzteren mit dem Komman- deurkleuß des Militär-Mar-Joseph-Ordens autzzutzeichnen.

WTB. Berlin, 4. Dez. (Nichtamtl.) Dem Prin­zen Joachim von Preußen ist für seine Tap­ferkeit in dem Gefecht bei Kutn o vom, Kaiser Franz Josef das österreichisch-ungarische Militärverdienstkreuz mit der Kriegsdckoration verliehen worden. Prinz Jo- achim besitzt bereits das Eiserne Kreutz 1. Klasse.

* Prinz Wilhelm von Hessen, der älteste Sohn des gleichfalls verwundeten Prinzen Fried­rich Karl von Hessen, ist von seiner Verwundung Brustschuß vollständig genesen. Er hat sich zu seinem Regiment ins Feld zürückhegeben. Beftlnnt- lich ist der zweite Sohn des Prinzenpaares Friedrich Karl, Prinz Mar von Hessen, aus dem Felde der Ehre geblieben.

General der Infanterie v o n W o y r a ch, der Kom­mandeur der schlesischen Landwehr, ist zum Gene­ra l o b e r st befördert worden.

Italien aus eigenem Entschluß neutral.

WTB. Berlin, 4. Dez. DieNorddeutsche All­gemeine Zeitung" schreibt: Die Erklärungen des italie­nischen Ministerpräsidenten S a l a n d r a werden als eine bedeutende, für; die Politik Italiens die Richtung gebende Verlautbarung, wie in Italien! selbst so auch in Europa großen Eindruck machen. Salandra hat gro­ßen Wert darauf gelegt, sestzustellen, daß Italien seine bisher beobachtete Neutralität aus eigenem, sreiem Entschluß eingeleilet und durchgesührt hab.e. Bei den Verbündeten Italiens besteht volles Einverständnis dafür, daß sich das apenninifche Königreich bei den euro­päischen Entscheidungen nicht ausschalten lassen kann. .

Fürst Bülvw geht nach Rom.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Ta der kaiserliche Botschafter in Rom, o. F l o t o w, aus Gefundheits - rücksichten einen längeren Urlaub antreten muh, hat Se. Majestät der Kaiser den Fürsten von Bülowmit der Führung der Geschäfte der Kaiserlichen Botschaft in Rom beauftragt.

Dr. Liebknecht von der Partei isoliert.

Zu der Haltung des Abgeordneten Dr. Liebknecht in der letzten Sitzung des Reichstages veröffentlicht der Vorwärts" folgende Erklärung:

Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstags­fraktion stellt fest, daß der Genosse Karl Lieb­knecht entgegen dem alten Brauch der Fraktion, der durch einen ausdrücklichen Beschluß für den vorliegen­den Fall erneuert wurde, gegen die Kriegskreditvorlage gestimmt hat. Der Vorstand bedauert diesen Bruch der Disziplin, der die Fraktion noch beschäftigen wird, aufs tiefste. Der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion des Reichstages."

Die Redaktion desVorwärts" bemerkt dazu: Der Brauch der Fraktion bei den Abstimmungen besteht da­rin, daß entgegen dem Fyaktionsbeschluß nicht gestimmt werden darf. Den einzelnen Fraktionsmitgliedern steht frei, den Saal zu verlassen, ohne daß es den Charak­ter einer Demonstration annehmen darf.

Berlin, 3. Dez. Im Reichstage verlautete heute vormittag, daß der Abg. Liebknecht nach den gest­rigen Vorgängen beabsichtige, sein Mandat niederzu- legen. Eine Bestätigung war bis zur Mittagsstunde nicht erlangen. (B. Z.)

Der Burengeneral De Wet soll nach englischen Meldungen gefangen genommen sein.

Die Britische Rote Kreuz-Gesellschaft hat zur Be­kämpfung der Typhus epidemie in Calais 10 000 Pfund Sterling bewilligt.

DieVoff. Ztg." meldet: Die Petersburger Tele - graphenagentur berichtet aus Tokio: Der Hafen von Tsingtau wurde zum japanischen Kriegs­hasen 1. Klasse erklärt, den Handelsschiffen wird kein Zutritt gestattet.

WTB. Sofia, 2. Dez. Die Sobranje hat eine zwischen Oesterreich-Ungarn und Bulgarien abgeschlos­sene Postkonvention angenommen.

* Gegen die Kriegsschwätzer hat das Earnisonkommando in Görlitz folgenden Garnison­befehl erlassen:Es ist wiederholt vorgekommen, daß Leute, zumeist in Gasthäusern, Kriegsnachrichten ver - breiten, die durchaus nicht der Wahrheit entsprechen und nur dazu angetan sind, in der Bevölkerung Angst und Unruhe zu erwecken. Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften haben in jedem Falle gegen Verbreiter solcher Nachrichten energisch einzuschreiten. Militärper­sonen sind sofort sestzunehmen und der nächsten Wache zu übergeben. Meldung vom Geschehenen ist dem Gar­nisonkommando sofort zu erstatten. Bei Zivilpersonen ist die Polizei zwecks sofortiger Festnahme des Betres- fenden zu benachrichtigen."

Landsturm-Ausruf.

DerReichspnzeiger" veröffentlicht eine kaiseqliche Verordnung, wodurch der aus dem Landsturm ersten Aufgebots übergetretene Landsturm zweiten Aufgebots zur Anmeldung zur Landsturmrolle aufgerufen wird. Gleichzeitig wird eine Bekanntmachung des Reichskanz­lers bekanntgegeben, wonach der Aufruf, des Land - sturms zunächst lediglich die Herbeiführung der Eintrag­ung in die Listen bezweckt. Die Anmeldung hat in der Zeit vom 16. bis einschließlich 20. Dezember 1914 zu echolgen.

Aus $udt tmd Cattd.

Der Eroßherzog hat den seitherigen Vize­präsidenten der Ersten Kammer, den Fürsten zu Solms- Lich, an Stelle des verstorbenen Grafen von Schlitz - Goertz zum Ersten Präsidenten der Kammer berufen, die demnächst zu einer kurzen Notstandstagung zusam­menkommt. Der, Fürst ist bekanntlich ein Schwager des Eroßherzogs und steht zurzeit als Major und Ordon­nanzoffizier im Felde.

--hd Parlamentarisches. Die beiden Kam­mern der Landstönde sirrd für Mittwoch, den 16. Dez., zur Abhaltung einer außerordentlichen (der 36.) Land- tagstajguNg einberufen worden. Die Eröffnung der

Tagung wird diesmal nicht, wie sonst stets, im Eroßh. Rrsidenzschloß mit einer Thronrede durch den Eroßher- zog persönlich (der sich bekanntlich schon seit Montag voriger Woche wieder im Felde befindet), sondern im Sitzungssaale der Zweiten Kammer durch Staatsmini- ster Dr. v. Ewald erfolgen.

' Der G r o ß h e r z o g hat am 20. November den Oberkonsiftorialrat und Superintendenten derSu- pcrintendentur Darmstadl D. Dr. Friedrich Flöring auf Nachsuchen der Würde eines Prälaten der Evang. Kirche enthoben und dem SuperiMendenten der Super- inlendentur Mainz Geheimen Obeckonsiftorialrat Ferd. Euler die Würde eines Prälaten der Evangelischen Kirche, mit der Sitz und Stimme in der Ersten Kam­mer der Stände verbunden ist, verliehen.

* Die Großherzogin hat am 2. Dezember dem geistlichen Mitglied und Rat bei dem Oberkonft- storium, dem Superintendenten der Superintendentur Darmstadt D. Dr. Friedrich F löring anläßlich seiner Enthebung von der Würde eines Prälaten der Evang. Kirche des Eroßherzogtums den Charakter als Geheim-. rat erteilt.

* Feldpostbriefe von mehr als 25V500 Gramm Gewicht werden voraussichtlich allmonat­lich ein m'a l für die Dauer einer Woche zugelassen werden. EiG häufigere Zulassung ist nicht ansgängig. Die Beförderung von Paketen ois zu 5 Kilogramm, neben den jederzeit durch Vermittlung der Ersatztrup - penteile und Etappenbehörden zulässigen Sendungen, wird nach einer zwischen der Post- und Heeresverwal­tung getroffenen Vereinbarung gleichfalls tunlichst ein-' mal monatlich für 8 Tage zugelassen. Die Bestimmun­gen über die Beschaffenheit der Verpackung der Pakete werden durch die Heeresverwaltung nach den Eckahr - ungen der beiden ersten Paketwochen geregelt werden.

n Gießen, 3. Dez. Prof. Dr. Kahle, der neuernannte Vertreter der semitischen Philologie, ist von einer, Studienreise autz Aegypten zurückgekehrt. Aus der Heimreise war er in französische Kriegsgefan­genschaft geraten, aus der er schließlich entlassen wurde auf Grund eines Paffes, den ihm der englische Kom- nrandant von Aegypten ausgestellt hatte. Prof. Kahle beginnt jetzt seine Lehrtätigkeit an der Landesuniversi- tät.

n Gießen, 2. Dez. Offizier-Stellvertreter Lud­wig B e r g e y, Res.-Jnf.-Rtzt. Nr. 116, aus Gießen, erhielt die Hessische Tapserkeitsmedaille.

! Mainz. Der Petroleumnot zu steuern, ist eine Anzahl Besitzer kleiner Wohnungen mit dem Ersuchen um Gas- und Elektrizitätsanschluß an die Stadtverwal­tung herangetreten. Den Interessenten ist von städtischer Seite großes Entgegenkommen zugesichert worden. So­bald die zeitraubenden erforderlichen Vorarbeiten erle­digt sind, wird den Wünschen der kleinen Haus- und Wohnungsbesitzer Rechnung getragen und die Gas- u. Elektrizitälsanschlüffe hergestellt werden.

" Ileberslüssige Eol dsachen. Dem Va­terland sich hilfreich zu erweisen, dieser Wunsch kann auf mancherlei Weise betätigt werden auch ohne per­sönliche Opfer. So können beispielsweise überflüssige Geldsachen zu Nutz und Frommen der Allgemeinheit Verwendung finden, ohne den Besitzer im Geringsten zu benachteiligen. Man verkaufe sie einfach zum Gold­wert und nehme dafür Banknoten in Empfang, die bekanntlich stets ihren vollen Nennwert behalten. Viele Millionen Werte an unmodernen Schmucksachen, Silberbestecken und dergleichen liegen unbenutzt in den Schränken; sie könnten zur Stockung der Golddeckung unserer Reichsbank dienen.

* Sammelt Patronenhülsen. InFtte- denszeiten werden abgeschofsene Hülsen von Schrotpa­tronen rneist fortgeworsen, weil sie nur geringen Wett haben und die Aufsammlung, Bergung in dey Tasche, während einer Jagd lästig ist. Zurzett versucht England uns die Kttpferzufuhr abzuschneiden. Messing i st daher ko st bar geworden. Und doch gehött es zum wichtigsten Kriegsmaterialbedarj. Werden in ganz Deutschland abgeschvssene Büchsen- und Schrotpatroucn- hülsen gesammelt, so ergibt dies «in« recht erhebliche Menge an Messing, die im anderen Falle nutzlos ver­loren gehen würde. Die gesammeüen Hülsen gibt man am besten an eine jener Brockensarnmirmgen zum Be­sten Bedürftiger.

Stadttheater Gsef-e«.

Direktion: Hermann Stcingoetter.

Sonntag, 6. Dezember, nachmittags 3% Uhr: Minna von B a r n h e l m". Lustspiel in fünf Aufzügen von Gotth. Ephraim Leffing. Abends 7 / Uhr:W a l l e n st e in s T v d". Ein drama­tisches Gedicht in 5 Aufzügen von Friedttch von Schiller.

Dienstag, 8 Dezember, abends 8 Uhr:Als ich noch im Flügelkleide. (Neuheit.) Ein fröh­liches Spiel in 4 Aufzügen von Wbett Kehm und Martin Frehsee.

Mehlspeisen ui Suppen

aus Dr. Oetkers Qustin sind billig, nahrhaft

und wohlschmeckend. Keine deutsche Hausfrau wird noch das englische Mondamin kaufen.