Ausgabe 
5.12.1914
 
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Samstag, den 5. Dezember 1914.

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Telephon Nr. 363. 20. Jührg.

Die große Schlacht in Polen dauert an. Die Deutschen offensiv.

Kaiser Wilhelms Zusammenkunft mit der obersten österreichischen Heeresleitung in Breslau.

84000 Mann Gcsamtverlust beim britische» Heere allein in Frankreich. ~

Die Halbinsel Sinai in türkischem Besitz.

amtliche Tagesberichte.

WTB. Großes Hauptquartier, 3. Dez. (Amtlich.) Der Kaiser hatte gestern in Breslau «ine Besprechung mit dem Obeikommandierenden des österreichisch-ungarischen Heeres, Sr. Kaiserlichen und Königlichen Hol)«» dem Erzherzog Friedrich, der von Sr,. K. und K. Hoheit Erzherzog-Thronsoiger Karl Franz Joses und dem Chef des Generalstabes General der Infanterie Freiherrn Konrad v. Hötzendorf begleitet war. Später besuchte der Kaiser die Verwundeten in den Lazaretten der Stadt.

Ober st e Heeresleitung.

WTB. Großes Hauplquartier, 3. Dez. Seine Majestät der Kaiser besuchte heule Teile der in der Gegend von Ezenstochan kämpfenden öster­reichisch-ungarischen und dentschcn Truppen.

Ober st e Heeresleitung.

WTB. Großes Hauptquartier, 4. Dez., vormittags. Auf dem westlichen Kriegsschauplatz wur­den französische Angriffe gegen unsere Truppen in Flandern wiederholt abgewiesen, ebenso in Gegend nordwestlich A l t k i r ch, wo die Franzosen bedeutende Verluste hatten.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz sind seindliche Angriffe östlich der masurischen Seenplatte unter großen Verlusten für die Russen abgeschlagen worden.

Unsere Offensive in Polen nimmt normalen Ver­laus.

Ober st e Heeresleitung.

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WTB. Großes Hauptquartier, 4. Dez., vormittags. Seine Majestät der, Kaiser ist gestern abend zu kurzem Aufenthalt in Berlin «ingelroffen.

Oberste Heeresleitung.

Nur eine deutsche Armee--

3» dem glänzenden Durchbruch der deutschen Ar­meeteile schreibt die WienerNeue Freie Presse" 7 In dreitägigen Kämpfen durchbrachen die Deutschen den von den Russen gebildeten Ring. Wie ein Heldenge­dicht klingt die Meldung, daß diese Teile der deutschen Armee nach Uebcrwindung der. Gefahr noch 12 000 Ge­fangene und 25 Geschütze als Beute mitnehmen konn­ten, ohne selbst auch nur ein Geschütz zu verlieren.

Daily Mail" meldet aus Petersburg: N u r eine deutsche Armee konnte in der Lage sein, diesen Sieg in Südpolen herbeizusühren. Die Art, wie die Deutschen sich gegen die Menschenwälle der Russen warfen, als sie sich eingeschlossen sahen, war unbeschreib­lich. Was den Mut der deutschen Soldaten noch be­sonders gehoben hatte, soll eine Rede des Kaisers ge­wesen sein. Die Russen kämpslen hervorragend, aber da sie nicht genügend Truppen halten, um die Deut - scheu gänzlich umzingeln zu können, gelang den Deut- scheu der Durchbruch. Auch litten die Russen sehr unter der furchtbaren Kälte.

Neue Angriffe.

Der Korrespondent desPariser Journal" meldet aus dem russischen Hauptquartier, daß die Schlacht in Polen mit der größten Heftigkeit wie in einem Feuer- mecr sortdauere. Seit der napoleonischen Epoche sei es - ohne Zweifel die bewegteste Schlacht. Sie zwang die Generäle zu Truppenbewegungen und Aenderungen im­provisierter Pläne, wie sie in der Geschichte beispiellos dastchen. Man schätzt, daß etwa zwöls deutsche Armee­korps sich gegenwärtig mit den Russen im Kampfe be­finden. (Ctr. Bin.)

Neue Kämpfe im Lundgau.

DT. Basel, 3. Dez. Die im Sundgau am Mon­tag und Dienstag stattgefundenen Zusammenstöße tru­gen nicht mehr bloß den Charakter eines Vorpostenge- sechts. In der Nacht auf Dienstag waren Scheinwer­fer von den Schwär,zwaldbergen bis nach Mitternacht zu beobachten. Große deutsche Truppenmassen marschier­ten vom Rhein den Vogesen zu. Die Stellung der deutschen Truppen war s e h r g u 1. Zu heftigen An­griffen kam es bei Münster und im Weffelinger Tal. Thann ist wieder in deutschem Besitz. Das deutsche Gebiet ist mit Ausnahme einiger Dörfer an der schweizerischen Grenze von den Franzosen völlig ge­räumt. Im Jlltal tobt noch ein unentschiedener Ar- tilleriekampf. Zwei Doppeldecker wurden am Dienstag im Sundgau beobachtet. Sie flogen dem Rhein zu in der Richtung nach Wiesenthal und wurden in Lörrach bemerkt.

Afcr Arras Reims.

Den holländischen Zeitungen zufolge rücken die Deutschen jenseits des D j e i i a n a 1 5 « o t. Die seit 8 Tagen fortdauernden Versuche der Verbün­deten, die Deutschen über den Pserkanal zu-r'ückzuwer- sen, seien gescheitert.

Arras ist aufs neu« das Ziel der deutschen Of- sensive. Bedeutende Truppenstärken sind um die Stadt herum zusammengezogen, die wiederum Gegenstand eines Bombardements war. (Verl. Tgtz.)

WTB. Zürich, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Wie die Neue Zürcher Ztg." aus Turin meldet, ist nach Pa­riser Berichten derEazetta bei Popolo" die Lage von Reims furchtbar. Die deutschen Schützengräben sind bis auf 1800 Meier an die Vorstädte herangerüctt. Von der Beschießung ist kein Stadtteil verschont geblieben. Die reiche Tertilindustrie der Stadt ist auf viele Jahre vernichtet. Der bisherige Sachschaden wird auf 350 Millionen Franken geschätzt.

Ein überraschendes englisches Geständnis

London, 3. Dezember. Der militärische Mitar­beiter derTimes" gibt die Verluste der britischen Ar­mee auf 84 000 Mann an, was ungefähr der ursprüng­lichen Stärke des britischen Heeres entspreche, als es ins Feld rückte. Die Verluste in der Schlacht bei Ppern und Armentieres betrugen etwa 50 000 Mann, von denen etwa 5500 Mann auf das indische Korps ent - sielen.

Der Korrespondent fährt fort: Wir müssen zngcben, daß diec deutschen Truppen, trotz, schrecklicher Verluste, noch zahlreicher sind, als wir, und daß sie starke Stellungen einnehmcn. Sie besitzen eine furch t- b a r e Artillerie, die zerstreut ausgestellt und wohl verborgen ist. Ihr schweres Geschütz hat noch die Ober­hand und begräbt beständig unsere Leute, indem ganze Abteilungen von Laufgräben zerstört werden. Ihle Scharfschützen sind kühn und hartnäckig. Ihre Gra­naten verursachen uns beständige Verluste und, obwohl ihre Anfilärung in der Lust seltener, wurde, erscheinen doch noch Tauben und Albatros-Flugzeuge über uns und beobachten, was wir tun.

Die englischen Offziere und Unteroffiziere sind in schrecklichem Maße geschwächt. Wir haben fast die ganze reguläre Reserve und den besten Teil der Spezlalreservc vieler Korps an die Front gebracht.

Wenn die Depots nicht länger imstande sind, einen guten regelmäßigen Ersatz zu schicken, würde die Ar­mee gern einen Teil der neuen Armee als Ersatz be­grüßen. Wir brauchen jeden Mann, den wir finden können, und werden bald erwägen müssen, wie wir die neuen Aushebungen am Besten an der Front ver­wenden können, ob als Armeen, Divisionen, Brigaden, in Einheiten oder zur Auffüllung.

WTB. Petersburg, 2. Dez. Der Zar ist heute früh aus den Kriegsschauplatz abgereist.

WTB. London, 3. Dez. General Rennen- k a m p f wurde, so meldet dieMorning Post" ans Petersburg, vom Oberbefehl enthoben, weil er in der Konzentralionsbewegung zur Einschließung der Deutschen seine Stellung zwei Tage zu spät eingenom­men hat.

Bom Krieg im Süden.

Die Eroberung Belgrads.

WTB. Wien, 3. Dez. Vom südlichen Kriegs - schauplatz wird amtlich gemeldet: Das siegreiche Vor­dringen unserer Truppen über die Kolubara hat den Gegner gezwungen, Belgrad, dessen Verteidigungs­anlage gegen Norden gerichtet ist, kampflos preis­zugeben, um nicht die dortige Besatzung der Gefangen­nahme auszuliefern. Unsere Truppen drangen über die Save und aus südwestlicher Richtung in Belgrad ein und besetzten die Höhen südlich der Stadt. Die öffent­lichen Gebäude, auch die Gesandtschastspalais Deutsch - lands und Oesterreich-Ungarns wurden sofort militärisch gesichert.

WTB. Wien, 4. Dez. Die Besitzergreif­ung von Belgrad erfolgte gestern in feierlichster Weise. Der Vormarsch unserer Kräfte geht am nörd - lichen Teile der Front kampflos vorwärts, wobei ge­stern 300 Mann zu Gefangene» gemacht wurden. West­lich und südwestlich von Arandjelowatz stellen sich dem Vordringen unserer Truppen starke feindliche Kräfte cnt- geyen, welche durch heftige Angriffe, die insgesamt ab­gewiesen wurden, versuchen, den Rückzug der serbischen Armeen zu decken.

WTB. Budapest, 3. Dez. (Nichtamtlich.) Der Pesti-Hirlap" meldet aus Semlin: Die schweren Ge­schütze unserer Monitore begannen vor einigen Tagen die Festung Belgrad unter heftiges Feuer zu nehmen. Die ausgezeichnete energische Arb»it hatte bald einen entsprechenden Erfolg. Die 28 Zentimeter-Geschütze des Feindes, die sranzösischen Ursprungs sind, wurden zum Schweigen gebracht. Ihre Mannschaft erlitt schwere Ver­luste. Ms der Bericht über die vernichtende Wirkung unserer schweren Geschütze! erstattet wurde, vollsührten unsere am Semliner User stehenden Truppen eine Bra­vourleistung. Sie setzten über die Donau, gelangten nach Eigenen, nach der Zigeunerinsel und von dort in die feindliche Hauptstadt. Gestern früh, noch während der beiderseitigen heftigen Kanonade, begann der Ue- bergang unserer Truppen ans der Eisenbahnbrücke, die für den Fuhverkehr wieder hergcstellt worden war. In­zwischen warfen bei der Zigennerinsct unsere Tn >pen die Serben aus den nächst dem Bahndamm gelegenen Deckungen heraus, nahmen Topcsider und den ganzen Westteil der Stadt. Zugleich drang jener Teil der Trup­pen in die Stadt, der »ach der Einnahme von Obrc- novac an der Save entlang vorgerückt war. UnscrckTnip- pen begannen noch im Lause des Tages mit der Her­stellung einer Schiffsbrücke. Die von der Heeresleitung zur Verfügung gestellten Schiffe sind von Neusatz auf Semlin unterwegs, um bei der Abwickelung der Trans­porte behilflich zu sein.