Ausgabe 
11.11.1914
 
Einzelbild herunterladen

In dem Kampfe, der seit zwei Tagen an der kaukasischen Grenze andauerte, ist die r u s s s ch e A r- mce vollkommen geschlagen worden. Un­sere Armee hält die russischen Stellungen besetzt. Ein - zelheitcn werden später bekannt gegeben werden.

K o n ft a n t i n o p e l, 9. Ncv. (Nichtamtlich.) Ein weiterer Bericht des Großen Hauptquartiers über den türkischen Sieg an der kaukasischen Grenze besagt:

Während unsere Kavallerie über Kaghisman gegen den Feind vorrzickle, griff das Gros unserer Ar­mee das russische Zentrum an, das stark war. Nach hef­tigstem, zweitägigen Kampfe wurde der Feind geschla­gen. Unser Heer besetzte die vom Feinde verlassenen Stellungen.

WTB. K o n st a n l i n o p e l, 9. Nov. (Telegr.) Meldung des Großen Hauptquartiers: Mit Hilfe Got­tes ist die englische Grenze gestern von den unsrigen überschritten worden.

Da die russische Flotte sich in ihre Kriegs­häfen zurückgezogen hat, hat unsere Flotte Poti, einen der bedeutendsten Häsen des Kaukasus, bombar­diert und allerlei Schaden angerichtet.

Unsere Gendarmen und die aus unserer Seite steh­enden Stämme haben die englischen Truppen, die in A k a b a gelandet waren, vernichtet. Vier englische Panzerschiffe, die sich dort befanden, haben sich zurück - gezogen. Nur ein Kreuzer ist zurückgeblieben.

K o n st a n 1 i n o p e l, 10. Nov. (Ctr. Bln.) Heute trafen hier, wie derTanin" meldet, 2 0 0 0 moham­medanische Gefangene aus Deutschland ein. Es sind hauptsächlich ehemalige sranzösische Trup­pen aus Algerien und Tunis, die jetzt in den Reihen der türkischen Armee gegen die Feinde des Islam käm­pfen wollen. Dieser ersten Abteilung sollen noch wei­tere folgen. Auf vier feindlichen Staatsbürgern ge­hörigen Gebäuden wurden Radio st ationen ent­deckt Und beschlagnahmt. (B. T.)

Allerlei Nriegsnachrichten.

WTB. Bordeaur, 6. Nov. DerPetitPari- sien" meldet autz London: Nach einem amtlichen Tele - gramm aus Valparaiso verfolgt die japani­sche Flotte die deutschen Kreuzer, welche der briti- schen Division die Schlacht lieferten.

Ter Qranjefrcistaat wieder selbständig.

Nach einer Depesche derDeutschen Tageszeitung" aus Antwerpen haben sich die Buren des ganzen O r a n j e st a a t e s dem Aufstand angeschlofsen. Ge - Nepal de Wet habe die Selbständigkeit d e r R e- publik erklärt.

Englische Grausamkeiten.

In einem demBerl. Lokalanzeiger" von zuverläs­siger Seite zur Verfügung gestellten Feldpostbriese wird folgender ganz unerhörte Fall vom westlichen Kriegs - schauplatz. geschildert: Vorgestern wurde ein engli­sch e r Fliegerosfizier zur Notlandung hinter unseren Schützengräben gezwungen. Er hatte im Flug - zeug einen deutschen Gefangenen splitter-

in filller Menscd

Roman von Paul Blitz.

Nachdruck verboten.

Sie nickte und dachte: Ja. und dabei basi Du Frau und Kinder vernachlässigt. Laut a^-r tagte sie nur: ^Ja, leider hast Tn säst immer all Deine Zeit und Dein Interesse der Firma gewidme: "

Da,» schwieg er. Denn plötzlich stand das Bild seiner ersten Ehe vor ibin iv- Bild teuer Zeit, da er sich gänzlich von Frau und sind abgcwands batte und nur dem Geschäft sich widmete Und als dies Bild wie eine geheime Anklage vor ihm erstand, da erschien es ihm mit einem Male, als sei dies Ereignis jetzt eine Vergeltung, als wolle das Schicksal ihn an seinem lungstcn Sohne strafen für das. was er an dem älteren Sohne gesündigt hatte

Gan, niedergedrückt und bis ins Mark getroffen von dem Vorwurf, von der peinvollen Anklage seines Ge­wissens, saft er nun da und brütete schwe end vor sich hin. Und wie..er. immer wieder mußte er an seinen Aeltesten benfcn. Wie unrecht, wie bitter weh hatte er tom getan, daß er sich um ihn nie gekümmert batte. Wie ein Bedürfnis empiand er es jetzt, seinem Bruno dre Hand zu drücken, ihn ans Herz zu zieben und ihm

zelten, daß es ihm ernst mit der Bersönhuna sei. daß er nun nachholen wolle, was er in jungen Fahren an ihm gesündigt hatte, daß er ibn ü-b babe so lieb wie nur ein Vater seinen Sokm haben konnte. Fa das und noch viel mehr Liebes und .herrliches wollte er ihm jetzt sagen. Aber er durfte es ja nicht, er war ja von dem Fungen hart und stolz znriickgewiesen worden Zuruckgesioßen seine Hand, verschmäht seine väterliche Liebe, und sein Entgegenkommen war eine Komödie ge- nannt worden. Nein, er durste es jetzt nicht mehr. Die Brücken waren abgebrochen. Es war ,u spät. alles war aus.

Niedergebrochen, zusammcngekauert saß er dg _

Zu spät! Dies furchtbare Wort.

So schwer strafte das Schicksal seine Jugendsünde.

nackt neben sich, der vor Kälte und Fieber zitterte. Man! hatte ihn so zwingen wollen, unsere Artillerie - Stellung zu verraten. Der englische Offizier wurde dann auf der Stelle erschossen.

Dem Chef! des Kreuzergeschwaders, Vizeadmiral Grafen von Spee, ist das Eiserne Kreuz 1 . und 2. Klasse und einer grötzcren Anzahl von Offizieren und Mannschaftest das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen worden. Ebenso wurde dem Kommandanten des KreuzersK a r l s r st h e", allen Offizieren, Beamten, Deckioffizieren und 50 Unteroffizieren und Mannschaften dieses Schiffes das Eiserne Kreuz 2. Klaffe verliehen.

»

* Der Postanweisungsverkehr zwischen Rußland und Schweden ist eingestellt.

* * *

heil dem Germanentum!

Heil dir geliebtes Vaterland!

Heil dem Eermanen-Mute.

Heil, der dem Bruder reicht die Hand,

Liegt er in seinem Blute.

Heil Wilwen, Waisen, Invaliden,

Heil, welche Trost und Pflege bieten.

Heil jedem, der mit seiner Kraft

Diesem Krieg ein Ende schafft.

Heil! Gott allein die Ehre!

Georg Koch, Saginaw, Michigan U. A.

Stadt und Land.

* Die Erotzherzogin hat die Privatdozen­ten Dr. Karl Berliner und Dr. Arthur Weber; in Eietzen zu außerordentlichen Professoren bei der me­dizinischen Fakultät dep Landesuuiversität und den Pri- vatdotzenten Lic. theol. Dr. phil. Freiherrn v. Ealk in Gießen zum außerordentlichen Prosessor bei der theo­logischen Fakultät der Landesuuiversität ernannt.

* Ernannt wurde am 3. November Wilhelm Größer in Gießen zum Schreibgehilfen am Amtsge­richt Gießen.

* Die Maul- Und Klauenseuche ist er­loschen auf dem Schlachtviehhof zu Frankfu> rt

a, M.

* Die Ziehung der Wertlotterie der G e- werbeau'sstelluug Gießen 1914 ist aus den 2 1. Dezember l. Js. anbepaumt worden.

Personenverkehr nach Straßburg.

Fahrkarten nach Straßburg (Elf.) werden sortan nur an solche Personen ausgegeben, die sich im Besitz der erforderlichen Berechtigustgsscheine zum Betreten der Stadt oder des erweiterten Befehlsbereichs der Festung befinden. Es werden deshalb Fahrkarten nach Straß­burg (Elf.) nur ausgegeben ckn:

a) Reichsdeutsche bei Vorlegung eines Pas­ses oder Passierscheines der zstständigen Behörde ihres Wohnortes;

b) Ausländer bei Vorlegung einer; schriftlichen Erlaubnis, die für die linksrheinischen Ortschaf­ten vom Militär-Polizeimeister in Straßburg i. Elsaß und für die reichtspheinischen vom Zivil- kommissär in Kehl ausgestellt sein müssen.

Auf Militärpersonen in Uniform finden diese Be - sttmmungen keine Anwendung.

so wurde fernen retzten Tagen die Sonne verdunkelt.

Aus, alles ausl

Müde und matt sank er ins Polster zurück und schloß die Augen.

Als man daheim ankam, war es völlig dunkel.

Von Kurt noch immer keine Spur.

Fragend, mit angsterregtcn Augen, sah die Schwe­ster den Bruder an.

Mutlos und still zuckte der die Schultern.Fch kann doch jetzt weiter nichts tun. Fch kann doch nicht nach Berlin fahren und ihn suchen. Das wäre doch völlig zwecklos. Wir können eben nichts tun, als ruhig ab- warten."

Fürchterliche, qualvolle Stnnven vergingen.

Der alte Herr, matt, wie zerschlagen, hatte sich wieder nicdergclegi. 'Aber er lehnte jede Unterhaltung und Gesellschaft ab. Allein sein wollte er allein mit seinen Gedanken.

> So saß denn auch das Tantchen allein und grämte und härmte fick ab in stiller Angst und Qual um ihren unglücklichen Liebling.

Im Laufe des Abends war auch noch die Nach­richt ins Haus gedrungen. daß der Bahnhofswirt ge­sehen habe, wie der junge Herr nacb Berlin gefahren sei. Aber das trug nur noch dazu bei. die Sorge der bekümmerten Angehörigen zu vermehren.

Stunde ans Stunde verstrich. Fmmer qualvoller, immer besorgniserregender wurde die Situation. We­der Bruder noch Schwester nahmen etwas zu sich. Un­berührt blieb der aedeckte Tisch. Niemand dachte an Essen und Trinken.

Ein paar Mal hatte das Tantchen bei dem Bruder Vorgesprächen, um ihm iraendwic hilfreich zur Hand zu gehen, aber immer war sie znrückgewicfln worden: er wollte allein sein, ganz allein.

Längst schon war die Nacht da. Und noch immer keine Nachricht von dem Jungen.

Natürlich war an Schlaf nicht zu denken.

Kummervoll lag der alte Herr da und starrte mit fluchten Augen zur Decke. Porwnrs aus Vorwurs kam Immer auss neue mehrten sich die stummen Anklagen. Und immer quälender wurde die brennende Anast.

* Gießen. Liz. Dr. Fr ei Herr v. Galt, der jetzt zu!m außerordentlichen Professor bei der theolo­gischen Fakullät der Landesuuiversität ernannt wurde, ist ein Schüler Stades und hat eine Reihe sehr gelehr­ter und hervorragender theologischer Werke geschrieben; er gilt zurzeit auf dem Gebiete alttestamentlicher W i s-s e n s ch a f t als einer bei; maßgebenden Führer. Der in den letzten Tagen öfters genanMe General der Infanterie Karl Freiherr v. Galt, geboren 1847 in Darmstadt (Sohn des Er. Hessischen Kammerhcrrn), ein Verwandter des Eießener Ilniversitälsproflffms, ist gleichfalls literarisch tätig; eine Luise von Gail, Schrift­stellerin, war die Gemahlin Levin Schückings.

n Gießen. Im Bezirk des 18. Armeekorps sind 250 bis 300 Engländer in Haft genommen und nach Gießen gebracht worden, von wo ft« am Samstag in einem Sonderzug nach Berlin befördert werden.

* 3 um Knote-Riemann-Abend, der demnächst staltsindet, schreibt man uns noch: Kammer­sänger Heinrich Knote, einer der ganz Großen in dem Reich der Töne was Laruso auf dem Gebiete der italienischen Oper, ist Knote als Wagnersänger ist im Jahre 1871 in München geboren, steht also jetzt in dem Alter, in dem die Stimme ihren höchsten Glanz zu erreichen pflegt. Sein Ruf ist über die Welt verbrei­tet. Weniger bekannt wie übrigens noch manch an­dere am Konservatorium in München wickeude hervor­ragende Kraft; das künstlerische Rcklamewescn ist in München wenig entwickelt und die Münchener haben die Neigung, sich zu sehr in ihrer schönen Stadt einzukap­seln ist Ernst R i e m a n n. Von ihm schrieb schon vor einigen Jahren der bekannte Kritiker R. Loüis in München:Ebenbürtig dieser ausgezeichneten Leist­ungen stellte sich Hofpianist E. R i e m a n n zur Seite. Seine kraftvolle Art der Gestaltung und virtuose tech­nische Behandlung wissen den Zuhörer stets zu fesseln und sichern ihm bereits jetzt einen Platz unter den be­sten einheimischen Vertretern seines Instruments."

* Michel Hitzler, der bekannte 45jährige bayerische Ringkämpfer (in Gießen als solcher auch auf­getreten), ist als Kriegsfreiwilliger nrit ins Feld ge -

zogen.

! Wiesbaden. Die Süddeutsche Mühlenver - eiuigpng setzt seit einiger Zeit den Mehlpreis herunter. Die Wiesbadener Bäcker ünd Brotfabyikan- t e n begegneten dieser Maßnahme dadurch, daß sie ab 1. November den Preis für eineu Laib Brot u!m 4 Pfennig erhöhten.

):( Wetzlar. Der frühere Kommandant der Fest­ung Mainz, Generalmajor z. D. K e 1 t I e k in Wiesba­den, wurde zum Kommandanten des Kriegsgefangenen­lagers Wetzlar ernannt.

0 Bad-Salzhaüsen. Das Ernst-Ludwig - Heim der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-Erhol- ungsheime in Bad Salzhausen, welches zur Zeit gleich den übrigen Heimen der Gesellschaft als Kriegslazarette dient, ist gegenwärtig mit 140 Soldaten belegt. Vor einigen Tagen würde das Heim durch das Mitglied des Ausschusses, Herrn Geheimen Medizinalral Professor Dr. Sommer, Rektor der Ludwigs-Universität in Gießen, besichtigt.

0 B a d - R a ü h e i m. Der sächsische Kriegsmini­ster General der Infanterie von Eackowrtz ist auf dem westlichen Kriegsschauplatz an einem Herzleiden erkranft und hat sich zur Genesung nach Bad-Nauheim begeben.

0 Friedberg. Wie die Zuckerfabrik Wetterau ihren Gesellschaftern mitteilt, dauert die diesjährige Ver- apbeilungszeit voraussichtlich bis Mitte Januar 1915.

Endlich, endlich, gegen ein Uhr. mit dem letzten Zuge kam Kurt on.

Er war planl-s durch die Siraßen gekanscn. bis er wi: gebrochen au> eine Bank im Tiergarten meder- gesunkcn war. B>vr-nd, in dumpfer Angst, saß er da und wußte nmi Einen Nat inctzr. Aber auf einmal war ihm da der Geda-^c gekommen: schnell, fahre nach

Hause, wirs Dick »--» Vairr zu Füßen, qestehe ihm al­les ein. Dein b.-a-rigos versehlws Leben, alles,

alles bcichie, ehrüchud iu'.i reuevollem Herzen, und erbitte seine Vm.eihnag. Uno dieser Gedanke hatte ibn wie ein Schlau durchzuckt, er gab seinen müden Ner- ven neue Kran, er ließ eine neue Lebenshoffmina in ihm auskeimcn. denn er sagte ihm: daß die verzeihende Liebe und Herzcnsaüle das Fundament sei. ans dem er sein neues Taflin ausvancn konnte.

Schneit war ec zur Bahn geeilt und hatte gerade noch den letzten Zug erreich!

Und mm schlich er aus leichten Sohlen im? Haus um die Nachtruhe nicht zu stören

Aber schon an der Tür stürzte ihm Tante Marie entgegen: .Kurt, 0 Kurt. >vas hast Tu getan! Und mit schluchzendem Aufschrei schloß ne ibn in idrc A-me.

Sofort sah er. daß man bereits etwa? ahnte.

Wo ist der Bäpa? Fit er noch wa:h?" sragre er mit leichtem Beben.

Tantchen nickte.Alles weiß er schon. Wir waren draußen bei Brni.o. Er mußte alles berichten, was sich zugetragen hatte."

Kurt wurde blaß, und icin Her, pochte so stark, daß er nicht sprechcn konnte.

Aber schon ries de- Vater nach ihm.

Schluchzend hing sich das Tantchen an ibn und bat: »Ach, l ic>-er .'Uiri, fei vorsichtig, errec.e ibn nickst noch mehr! Er bat sich ja schon genug nm Dich ge­bangt heule!"

Kurl küßte sie. Dann trat er mit ihr z»m alten Herrn hinein. Zwar noch etwas angstvoll, aber doch aeiabi.

Fortsetzung folgt.