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synthetisch herzustellen, was auch in großem Umfang Erfolg hatte, bleiben doch immer Produkte wie Nahrungs- und Genußmittel und Rohstoffe, die wir aus den Tropen beziehen müssen.
Es ist diese Einfuhr auch für den Absatz unserer Industriewaren nötig, denn letzten Endes ist der Handel immer nur ein gegenseitiger Austausch, und die Industriestaaten müssen einen Teil ihrer Industriewaren auf auswärtigen Märkten unterbringen, da der heimische Markt sie bei weitem nicht alle auf— nehmen kann. Auf diesem Weg können die Industriestaaten nicht zurück, denn ihre Lebensgestaltung, aber auch ihre Industrie ist bis zum letzten Arbeiter auf diesen Auslandsabsatz eingestellt und davon abhängig. Wir stellen somit fest, daß in den unterbevölkerten tropischen Gebieten weite Flächen ungenutzt sind, die dichter besiedelt werden können und unter An⸗ leitung der Europäer Produkte erzeugen können, die bei immer stärkerem Austausch den Industriestaaten eine Steigerung ihres Umsatzes und damit eine gesunde Volksvermehrung gestatten, die bei ihnen auf der innenbedingten Tragfähigkeit ihres Nährraumes nicht mehr möglich ist. Die bisherigen Be— trachtungen sollen zeigen, daß auf der Erde noch unterbevölkerte, wirtschaft⸗ lich nicht voll ausgenützte Räume vorhanden sind, die eine wesentlich stärkere Bevölkerung fassen können.
Die Schätzungen für die Tragfähigkeit der Erde gehen von der Tat⸗ sache aus, daß die Lebensbedarfsdeckung, d. h. Ernährung und Kulturbedarf, in den verschiedenen klimatischen Räumen verschieden ist, aber auch bei den verschiedenen Völkern je nach ihrer Kultur außerordentlich große Unterschiede zeigt. Man bedenke nur, was ein ackerbautreibender Neger an Nahrung, Wohnung, Kleidung usw. bedarf und dagegen ein Nordeuropäer. Bei der Berechnung ist die Fläche an Kulturland bei intensiver Nutzung festgestellt, die je Kopf der Bevölkerung für die Bedarfsdeckung bei der augenblicklichen Kulturhöhe nötig ist. Da nur die innenbedingte Tragfähigkeit verwendet ist, also nur das Land, das von einem Volk innerhalb seiner Staatsgrenzen ein— genommen wird, zeigen sich die Industriegebiete mit teilweise außenbedingter Ernährung in diesem Sinne als deutlich überbevölkert. Für das Deutsche Reich, das in seinen Grenzen von 1925 eine Bevölkerungsdichte von 135 je Quadratkilometer erreichte, würde sich innenbedingt nur eine Dichte von 95 je Quadratkilometer ergeben, d. h. von den 6s Mill. Einwohnern, die das Deutsche Reich 1925 hatte, konnten nur 44 Mill. aus der heimischen Scholle ernährt werden und 19 Mill. waren auf Einfuhr des Lebensbedarfes ange— wiesen. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den übrigen westeuropäischen Industriestaaten, ebenfalls bei Japan. Dagegen erreicht die Sowjetunion nur etwas mehr als die Hälfte ihrer innenbedingten Tragfähigkeit, und die Ver—⸗ einigten Staaten von Nordamerika weisen nur ein Viertel ihrer möglichen Bevölkerungsdichte auf. Da ihr Staatsgebiet— dabei ist nur die Union ge—⸗ rechnet— drei Viertel der Fläche von ganz Europa ausmacht, ist trotz der teilweisen Industrialisierung noch eine beträchtliche Rohstoffausfuhr vorhan⸗ den. Eine Raumnot besteht hier also in keiner Weise, und eine Intensivie⸗ rung des Landbaues ist noch möglich, ebenso eine Zunahme der Bevölkerung. Wie sich die Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Kontinenten seit 1810 bis heute(jeweils letzte Zählung) verhielt, ist aus der Tabelle zu er⸗


