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dichtbevölkerten Agrarstaaten in der Lage, ihre Bevölkerung zu ernähren, wenn dies auch nur bei einer oft sehr niederen Lebensführung der Fall ist. Sehen wir uns nun die übrigen vier Fünftel der anbaufähigen Fläche der Erde an, die kurz gesagt im Verhältnis zu ihrer Nährfläche unterbe—⸗ völkert ist.
Dünn besiedelt sind die neu entdeckten Erdteile, Nordamerika außer den Neuenglandstaaten und den mittleren atlantischen Staaten, Mittel⸗ und Südamerika, Afrika, Australien, ferner Steppen⸗ und Waldteile Eura⸗ siens. Von diesen Gebieten sind die tropischen Urwaldgebiete Afrikas und Südamerikas noch kaum genutzt, und auch in den Savannen und Steppen der drei Süderdteile ist die Bevölkerungsdichte noch gering. Es sind dies, abgesehen von den südlichen Teilen Südamerikas, Afrikas und Australiens und einigen Hochländern, aber Gebiete, die der weißen Rasse als Siedlungs— gebiet mit eigener körperlicher Arbeit mehr oder weniger ganz verschlossen sind. Aber der ganze Nordamerikanische Kontinent, der Süden Südamerikas, Südafrika, der größere Teil Australiens, Neuseeland und die Steppen- und Waldgebiete Eurasiens sind als Siedlungsgebiet der weißen Rasse geeignet. Diese Gebiete sind nicht nur dünn besiedelt, sondern die angebauten Flächen sind nur extensiv bewirtschaftet, denn sowohl in Canada, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, in Argentinien, in der süd⸗ afrikanischen Union, in Australien und im ganzen Osten Europas sind z. B. die Hektarerträge des Weizens nur etwa halb so groß als im Deutschen Reich, und auch in anderen Ackerfrüchten bleibt der Ertrag zurück.
In den neuentdeckten und neubesiedelten Erdteilen ist noch lange nicht alles Land unter Kultur genommen, und für die vorhandene Bevölkerung genügt eine extensive Bewirtschaftung des Bodens. Die Erträge reichen zur Ernährung aus und liefern bei der relativ geringen Bevölkerung sogar noch Ueberschüsse für die Ausfuhr. In den altbesiedelten Gebieten Osteuropas ist die Fläche des noch zur Verfügung stehenden Anbaulandes weniger groß. Das bebaute Land ist dicht bevölkert, aber nur extensiv bewirtschaftet. Die Fortschritte einer intensiven Feldkultur werden noch nicht angewandt, teil⸗ weise fehlt es an der nötigen Kulturhöhe, andererseits auch an Mitteln jeder Art.
Betrachten wir die unter bevölkerten tropischen Gebiete, die der weißen Rasse nicht als Siedlungsgebiet auf der Grundlage eigener körperlicher Arbeit dienen können. Die Eingeborenen haben einen Teil dieser Länder jeweils unter Kultur, aber die Landwirtschaft der Eingeborenen ist im Verhältnis zum europäischen Landbau ertragsarm. Ferner ist bei weitem nicht alles Land genützt. Im Urwald liegt noch das meiste Land im Urzu⸗ stand, aber auch in den offenen Savannen und Steppen ist infolge von früheren Kriegen, von endemischen Krankheiten, aber auch durch den un⸗ rationellen Ackerbau der Eingeborenen, der im Umtrieb der Bebauung eine 4—sfache Brache erfordert, viel Land ungenützt. Dieses Land ist z. T. von der weißen Rasse indirekt in Nutzung genommen, indem in kolonialer Wirt⸗ schaft mit Hilfe eingeborener Arbeitskräfte Produkte gewonnen werden, die als Nahrungsmittel oder Rohstoffe der europäischen Industriewirtschaft nötig sind. Trotz aller Versuche der europäischen Industrieländer, die Rohstoffe


