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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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der Erde unter den Pflug genommen werden kann. Von diesen Gebieten harren die tropischen und gemäßigten Wälder, besonders die Urwälder Amazoniens und des Kongobeckens, ferner Waldgebiete der gemäßigten Zone und Savannen- und Steppengebiete in allen Breiten noch teilweise der Bebauung.

Daß die anbaufähige Fläche der Erde bei weitem noch nicht ganz unter Kultur genommen ist, sieht man leicht, wenn man die Verteilung der Men⸗ schen auf der Erdoberfläche betrachtet. Von den 2,18 Milliarden Menschen leben 1400 Mill. oder rund zwei Drittel auf einem Fünftel der anbau⸗ fähigen Landfläche der Erde und die übrigen 740 Mill. auf den restlichen vier Fünfteln. Die Bevölkerung der Erde ist somit recht ungleich verteilt.

Die Dichtezentren unterscheiden sich besonders in ihrer wirtschaft lichen Struktur. Einerseits beruht die große Zahl der Einwohner auf einer gemischten industriellen und landwirtschaftlichen Struktur, vorwiegend in den Ländern mit Kohle und Eisen. Hierzu gehören der Westen Europas und der Osten der Vereinigten Staaten. In den Dichtezentren Ostasiens, in China und Indien überwiegt dagegen der Ackerbau, und die große Dichte der Bevölkerung ist nicht allein durch die Fruchtbarkeit des Bodens bedingt, sondern auch durch die Anspruchslosigkeit der Bevölkerung. In Japan ist allerdings neben intensivstem Ackerbau eine Industrialisierung im modern⸗ sten Ausmaß im Gange. Der Landbau hat also gerade in den Industrie⸗ staaten auch ein Höchstmaß von Intenfivierung erreicht. Doch besteht zwischen den Industriestaaten und den ostasiatischen Agrarstaaten ein prinzipieller Unterschied. Die ersteren können einen Teil ihrer Bevölkerung nur durch Einfuhr von Nahrungsmitteln ernähren, die durch die Ausfuhr von Indu⸗ striewaren bezahlt wird, für die auch wieder die Einfuhr von Rohstoffen nötig ist. Die ostasiatischen Agrarstaaten dagegen ernähren ihre dichte Be völkerung zum größten Teil aus ihrem Boden und tauschen im Außenhandel vorwiegend landwirtschaftliche Erzeugnisse, seien es Nahrungsmittel oder Rohstoffe, gegen Industriewaren aus. Die Dichtezentren unterscheiden sich also durch eine geringere und größere Autarkie oder Selbstversorgung.

Werfen wir einen Blick auf die historische Entwicklung der Dichte der Besiedlung der einzelnen Gebiete der Erde, so waren in früh geschichtlicher Zeit China und Indien schon relativ dicht besiedelt und blieben es bis heute. Auch Mesopotamien und Aegypten wiesen früh eine dichte Bevölkerung auf. Zur Griechen- und besonders zur Römerzeit wuchs in dem Gebiete des Mittelmeeres die Bevölkerung stark an. Für Italien und ebenso für Spanien nimmt man für die Zeit des Augustus je 6 Mill. Ein⸗ wohner an. Nach dem Verfall des Römerreiches nahm die Bevölkerung im Mittelmeergebiet ab und mit dem Einbruch des Islam ging sie besonders in Nordafrika stärker zurück. Sie verschob sich mehr nach Mitteleuropa, wo sie um 1480 besonders in Frankreich(12,6 Mill.) stark war, trotzdem auch Italien(9, Mill.) und Spanien(8,8 Mill.) und Oesterreich(9,5 Mill.) einigermaßen dicht bevölkert blieben?). Bis 1800 wuchs sie in allen euro päischen Staaten weiter, wenn auch der dreißigjährige Krieg in Deutschland zeitweise einen starken Rückgang verursacht hatte. Mit der Industrialisierung nahm sie in den Staaten mit Kohle und Eisen stärker zu im Gegensatz