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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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Werte Gäste, Kameraden und Kameradinnen!

In einer großen und schweren Zeit, wo unsere Herzen bei den Vätern, Söhnen und Brüdern an den Fronten sind, wo sich andererseits die Nach richten von Siegen in nie gekanntem Ausmaß überstürzen, wo mit dem Kommunismus, der versuchte, andere Staaten im Volkstum zu untergraben, blutig abgerechnet wird, und wo sich nach den Gedanken unseres Führers ein neues Europa aufzubauen beginnt, stehen wir allen Ereignissen zu be⸗ wegt und zu nahe gegenüber, um klar sehen zu können. Wir stehen eben mitten in den Ereignissen. Ich möchte deshalb am 334. Jahrestag der Ludwigsuniversität versuchen, nach alter Tradition in einem wissenschaft⸗ schaftlichen Vortrag über das Problem von Volk und Raum zeitlich und räumlich Abstand von der Gegenwart zu gewinnen, um aus dieser Perspektive zum Schluß doch wieder zwangsläufig auf die Gegenwart zu kommen.

Zuerst betrachten wir die Landräume der Erde im großen und wie sich die Bevölkerung in ihnen in verschiedenen Zeiten ausgebreitet hat und wieviele Menschen in Zukunft auf der Erde leben können. Nachher wollen wir auf das Deutsche Volk besonders eingehen. Im ersten Teil sprechen wir von der Bevölkerung. Sie ist die Summe aller Menschen in einem bestimmten Raum. Die Bevölkerung der Erde teilt sich nicht restlos in Völker in unserem Sinne. Unter einem Volk verstehen wir Menschen gleicher Sprache, die einen in eigener geschichtlicher Entwicklung gewachsenen, organischen Körper bilden und einen bestimmten Raum einnehmen, den sie im Schweiße ihrer Arbeit fruchtbar gemacht haben. Von der Bevölkerung ist der Einzelne ein Teil, vom Volk ein Bestandteil. Zur Gemeinschaft wird das Volk, wenn das ethische Bewußtsein von der Verantwortung für das Ganze möglichst in jedem einzelnen ruht.

Zuerst erhebt sich die Frage: Wieviel nutzbares Land steht dem Menschen auf der Erde überhaupt zur Verfügung? Die Landfläche der Erde umfaßt 150 Mill. Quadratkilometer, das ist rund das Z3ofache der Fläche des deutschen Altreiches. Von dieser Landfläche fällt etwa die Hälfte für An⸗ bau und menschliche Besiedlung fort. Fast ein Drittel der Landfläche ist Oedland, seien es die Eiswüsten der Hochgebirge und der polaren Gebiete, seien es die heißen Sand- und Steinwüsten der trockenen und heißen Ge⸗ biete, vor allem Afrikas und Asiens. Von den rund 100 Mill. Quadrat- kilometern, die nach Abzug des Oedlandes noch bleiben, sind nach Penck) etwa 84 einer ackerbaulichen Benutzung zugänglich, während der Rest von 21 Mill. Quadratkilometer als Steppengebiet zu Viehweiden genutzt werden kann, allerdings bei Bewässerung auch zum Anbau. Man kann somit sagen, daß 84 Mill. Quadratkilometer als Ackerbauland in Frage kommen. Davon ist nicht ganz die Hälfte Wald, der bei dem Zustand unserer derzeitigen Technik für die menschliche Wirtschaft auch nicht entbehrt werden kann. Er ist aber in den Tropen und in subpolaren Breiten noch so reichlich vor⸗ handen, daß noch gut ein Drittel gerodet und als Ackerland verwendet werden könnte. Man kann also sagen, daß nicht ganz die Hälfte der Landfläche