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Schriften der Ludwigs-Universität zu Gießen
 
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bzw. das Verhältnis der Geburten- und Sterbeziffern abzustellen auf die Zufälligkeiten und die Abnormitäten des Altersaufbaues. Auf diese Weise gelingt uns eine(wie es Burgdörfer genannt hat) Bereinigung der Lebensbilanz, d. h. wir erhalten nur dann die wahre, d. h. die bereinigte Geburtenziffer, wenn wir die Zufälligkeiten und Abnormitäten des Altersaufbaues sowie die allgemeine Lebenserwartung und die Säuglings und Kindersterblichkeit berücksichtigen.

Wenn wir ferner einer sog. bereinigten Sterbeziffer das erforderliche Geburtensoll gegenüberstellen und feststellen wollen, was zur bloßen Be⸗ standserhaltung an Geburten notwendig ist, so ergab sich für Deutschland und die vorwiegend germanischen Länder England, Schweden usw. nicht mehr ein Geburtenplus, sondern ein Geburtendefizit.

Nehmen wir eine derartige Bereinigung der Lebensbilanz vor, so sehen wir, daß wir in Deutschland im Jahre 1929/30 nicht einen(scheinbaren) Ge⸗ burtenüberschuß von 6 auf 100, sondern bereits einen Sterbefallüberschuß, d. h. ein Geburtendefizit von über 2 auf 100 gehabt haben. Eben⸗ dasselbe gilt für England, Schweden, Schweiz, Norwegen, Dänemark und Frankreich. Einen tatsächlichen, allerdings kleinen Geburtenüberschuß hat Irland. Einen wesentlich größeren besitzen die Niederlande und Italien, und einen noch wesentlich größeren das ehemalige Polen und die Ukraine.

Legen wir die eben erwähnte biologische Unterbilanz zugrunde, die sich für eine Reihe der europäischen Völker und vor allem für die germanisch bedingten ergibt, so können wir feststellen, daß die Völker von West⸗, Mittel⸗ und Nordeuropa in ihrer Bevölkerungsentwicklung zum Stillstand gekommen zu sein scheinen, und daß Deutschland das einzige Land in diesen Gebieten ist, welches sich wieder zu erholen beginnt.

Bevölkerungsbewegung in Deutschland.

Betrachten wir die Bevölkerungsbewegung in Deutschland, d. h. die jährliche Zu- bzw. Abnahme der Bevölkerung, so erkennen wir, daß wir uns in den vergangenen Jahren vor der Machtübernahme in einer bevölkerungs⸗ politisch geradezu katastrophalen Lage befunden haben.

Nachdem unsere Geburtenziffer nach dem Kriege 1870/71 auf 42 Ge⸗ burten(auf 1000 Einwohner) angestiegen war, fiel sie von diesem Höhe punkt stetig und im Laufe der folgenden Jahre immer steiler ab. So erreicht sie im Jahre 1914 nur noch eine Höhe von 27 Geburten auf 1000. Dann erfolgt ein besonders großer und erklärlicher Abstieg durch den Krieg 1914 bis 1918(das sind die Mill. Kinder, die während des Weltkrieges zu wenig geboren wurden und in normalen Zeiten erwartungsgemäß geboren worden wären). Nach Abschluß des Weltkrieges setzt die Geburtenkurve ihre abfallende Tendenz fort, um im Jahre 1932/3 einen Tiefstand von 15 Ge⸗ burten auf 1000 zu erreichen. Nach der Machtübernahme und durch die be⸗ völkerungspolitischen Maßnahmen des nationalsozialistischen Staates sehen wir die Geburtenkurve dann wieder ansteigen, und zwar bis auf 18 Ge⸗ burten im Jahre 1936, auf 19 Geburten im Jahre 1937 und auf etwas über 20 im Jahre 1939.