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Die zu diesem Zweck im Jahre 1915s eingerichteten Blutunter such⸗ ungsstellen sind daher auch mit Beginn des gegenwärtigen Krieges wieder in die Erscheinung getreten und haben entsprechend ihrem erweiterten Aufgabengebiet die Grundlagen für die heutigen Veterinäruntersuchungsstellen abgegeben. Von der dazugehörigen Räudeuntersuchung war bereits die Rede. Ebenso wie sie stützt sich auch die hämatologische Untersuchung auf an— steckende Blutarmut auf die während des Weltkrieges gesammelten Erfahrungen. Man versteht darunter den zahlenmäßigen Nachweis der zelligen Elemente des Blutes, der sog. weißen und roten Blutkörperchen, die im Ver⸗ laufe dieser Krankheit eine Abnahme erfahren. Um dies zu verstehen, muß man sich der alten Volksweisheit erinnern, daß das Blut gewissermaßen den Spiegel der Gesundheit bildet. Alles, was sich im Körper abspielt, findet seinen Niederschlag in dem Gewebe, das nicht nur die Abwehrkraft gegen Infektionskrankheiten, wie etwa den Pferde-Malleus, verkörpert, sondern als Vermittler zwischen allen anderen Körpergeweben der Träger der Lebenskraft schlechtweg ist. Goethe hat also recht, wenn er den Teufel sagen läßt„Blut ist ein besonderer Saft“, wenn es auch bei der Untersuchung auf ansteckende Blutarmut weniger auf die flüssigen als auf die festen Bestandteile an⸗ kommt. Allerdings liefert die Verminderung der Zahl der roten Blutkörper— chen allein noch keinen sicheren Anhaltspunkt für die ansteckende Blutarmut, denn es gibt auch andere krankhafte Zustände, in deren Verlauf eine Anämie oder Weißblütigkeit auftritt. Dazu gehören z. B. der Parasitenbefall des Dar⸗ mes mit Band⸗, Spul⸗ und sog. Pallisadenwürmern. Mit Sicherheit läßt sich daher die ansteckende Blutarmut nur am geschlachteten Pferd nachweisen, wenn man die Milz, die Leber, die Nieren und die Lungen einer genauen mikroskopischen Untersuchung unterzieht. Auch dafür sind die Veterinärunter— suchungsstellen eingerichtet, stellen also richtige, wissenschaftliche Labora⸗ torien dar, in denen nicht nur am lebenden, sondern auch am toten Tier das Wesen der an den verschiedensten Organen zur Ausbildung gelangenden krankhaften Veränderungen erforscht werden kann. Wenn dadurch ein Pferd auch nicht mehr gesund gemacht wird, so kann doch der rechtzeitige Nachweis des Seuchencharakters einer Erkrankung unter Umständen größeren Schäden vorbeugen. Und darauf kommt es bei der ansteckenden Blutarmut an. Ihre Ausbreitung in den Armeen des Weltkrieges hat eine ernsthafte Gefahr nicht nur für die kämpfenden Truppen, sondern auch für die Heimat bedeutet, die ja alle ernsthaft kranken Pferde, soweit sie nicht durch Tod abgehen, aufnimmt, sei es, daß sie über die Armee- und Heimatpferdelazarette dort— hin gelangen, oder daß sie bei der Demobilmachung in die Heimat zurück⸗ kehren.
Unter diesem Gesichtspunkt erlangt der Ausschluß von parasitären Erkrankungen eine besondere Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die Truppenpferde im Feindesland fremdes Ungeziefer aufnehmen und dadurch nicht nur entkräftet werden können, sondern damit bei der Rückführung dann selbstverständlich auch die heimatlichen Stallungen und Weiden ver⸗ seuchen. Durch eine Kotuntersuchung läßt sich nicht nur die Art, sondern auch der Grad des Parasitenbefalls feststellen und damit die Grundlage für eine wirksame Entwurmung schaffen. In besonderen Fällen ist neben der Untersuchung des Kotes auch eine solche des Harnes angezeigt, deren Vor⸗


